Inhaltsverzeichnis
1. Psychoanalytischer Ansatz von Sigmund Freud Seite 1
2. Psychoanalytischer Ansatz zur Kriminalität Seite 3
3. Allgemeines Erscheinungsbild und Charakteristika
dissozialer Menschen Seite 4
4. Das therapeutische Vorgehen Seite 6
5. Zusammenfassung im Hinblick auf spezifische
therapeutische Behandlungsprobleme Seite 9
Literaturverzeichnis
1. Psychoanalytischer Ansatz von Sigmund Freud
Um feststellen zu können ob und welche Störung der Persönlichkeit bei einem Menschen vorliegt, muss geklärt werden wie eine Persönlichkeit bzw. ein Charakter entsteht. Zum näheren Verständnis soll hier die Persönlichkeitstheorie in Sigmund Freuds Psychoanalyse herangezogen werden.
Freud geht in seinem allgemeinen Menschenbild davon aus, dass alle menschlichen Aktivitäten durch die Verarbeitung von Energie hervorgerufen werden. Diese Energie entsteht durch körperliche Spannungszustände, den Trieben. Er spricht von drei psychischen Instanzen, welche die Verarbeitung von Energie regeln. Er nennt sie das ES, das ICH und das ÜBER-ICH.
Bei der Geburt ist nur das ES vorhanden. Es ist dem „Lustprinzip“ unterworfen, d.h. Es strebt an sofort Energie zu entladen. Es sucht Lust und vermeidet den Schmerz. Durch Kontakt mit der Außenwelt bildet sich im Laufe der Entwicklung aus einigen Teilen des Es das Ich heraus. Das Ich vermittelt zwischen dem Es und der Außenwelt. Einerseits versucht es den Einfluss der Außenwelt zu ändern durch bestimmte Verhaltensweisen, wie z.B. Flucht, Anpassung, andererseits versucht das Ich die Triebansprüche des Es einzudämmen. (Asendorpf, 1996) Das Über-Ich ist entstanden durch die Werthaltung und den sozialen Normen, die durch die Eltern oder Vorbildern vermittelt wurden. Diese vermittelten Normen wurden verinnerlicht und führten zu einer Eigendynamik im Ich. „Das Über-Ich beobachtet das Ich und suche es anstelle der Eltern und Vorbilder zu kontrollieren.“ (Asendorpf 1996, S.16) Kurz gesagt, bedeutet das für das Ich, es muss zwischen dem ES, der Außenwelt und dem Über-Ich vermitteln. Dieses von Freud bezeichnete Seelenleben findet auf drei Bewusstseinsebenen statt.
Die bewusste Ebene beinhaltet Inhalte des momentanen Bewusstseins, wie z.B. Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und Vorstellungen. In der vorbewussten Ebene befinden sich prinzipiell die gleichen Inhalte, dennoch erreichen sie nicht das Bewusstsein des jeweiligen Menschen. Sie können aber bewusst gemacht werden, zum Beispiel das <
1
Unbewusste verdrängt. Dennoch sind die Impulse des Triebes im Unbewussten weiterhin motivational und affektiv wirksam. (Asendorpf, 1996) Diese allgemeine Darstellung ist die Grundvoraussetzung für das freudsche Persönlichkeitskonzept, denn nur durch diese Prozesse wird das Verständnis von Persönlichkeitsstrukturen gewährleistet. Da die Es-Ansprüche, Ich-Funktionen und die Ansprüche des Über-Ich von Person zu Person variieren, entstehen verschieden Charaktere. Die Persönlichkeit eines Menschen ist also eine Konstruktion von angeborenen Faktoren (Trieben) und von Erfahrungen. In Bezug auf den Einfluss der Erfahrungen auf den Charakter meint Freud, „...dass es besonders die frühkindliche Erfahrungen seien, die den späteren Charakter prägen.“ (Asendorpf 1996, S.17) In diesem Zusammenhang sind drei Phasen genannt, als erstes die vor allem im ersten Lebensjahr auftretende orale Phase, in der die Triebbefriedigung vorwiegend mit dem Mund durch Saugen, Beißen und Kauen erfolgt. Als zweites ist die anale Phase genannt, welche vorwiegend im zweiten und dritten Lebensjahr existiert. Hier richten sich die Impulse des Triebes vorrangig auf den Anus. Im dritten bis zum fünften Lebensjahr entwickelt sich die phallische Phase, in welcher der Penis bzw. die Scheide bevorzugte erogene Zone sind. In dieser Phase entsteht oft der Ödipuskonflikt, d.h. es kommt zu Triebimpulsen auf das gegengeschlechtliche Elternteil und zu einer Rivalität mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil.
Worin besteht aber nun der Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungsphasen und der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen? Wenn die Eltern in einer dieser drei Phasen eine zu große Triebbefriedigung von Seiten der Kinder zulassen oder diese zu sehr einschränken, kann es mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Fixierung der vorhandenen frühkindlichen Triebimpulse kommen. Welche dann den Charakter, die Persönlichkeit bestimmen. (Asendorfp, 1996) Eine orale Fixierung kann z.B. zu einer übermäßigen Abhängigkeit von Menschen führen oder zu übermäßigen Essen, Trinken oder Rauchen. Eine Fixierung der analen Phase führt oft zu einem zwanghaft ordentlichen und geizigen Charakter. (Asendorpf, 1996) Und bei einer phallischen Fixierung ist es durchaus möglich, dass der Ödipuskomplex die Persönlichkeit kennzeichnet. In diesem Zusammenhang erwähnt Freud noch eine zweite Theorie der Persönlichkeitsbildung. Sie beruht auf der Angstverarbeitung. Angst entsteht wenn das Ich überfordert wird. Das Ich kämpft mit Hilfe von Abwehrmechanismen (Tabelle 1) gegen die angstauslösenden Triebimpulse des Es an.
2
Arbeit zitieren:
Anne Herrmann, 2003, Psychodynamik und Möglichkeiten zur Psychotherapie Straffälliger, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Wörlitzer Park im Dessau-Wörlitzer Gartenreich und das pädagogisch...
Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe"
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Regionalwirtschaftliche Effekte von Großveranstaltungen - Eine Untersu...
Diplomarbeit, 116 Seiten
Sexualität und Sexualerziehung von geistig behinderten Menschen
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Diplomarbeit, 42 Seiten
Kooperationen im Krankenhausbereich der Grund- und Regelversorgung
Seminararbeit, 25 Seiten
Römische Wand- und Deckengemälde der Lukas-Brüder
Die Ausmalung des Casino Massi...
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
Aktuelle Trends und Entwicklungen in der Distributionspolitik
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 43 Seiten
Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) für Gewalttäter
Psychologie - Forensische Psychologie, Strafvollzug
Seminararbeit, 25 Seiten
Anne Herrmann hat den Text Psychodynamik und Möglichkeiten zur Psychotherapie Straffälliger veröffentlicht
Anne Herrmann hat einen neuen Text hochgeladen
Vergehen Und Strafen: Zur Sanktionierung Abweichenden Verhaltens Im Al...
Renate Muller-Wollermann, Renate Mueller-Wollermann, R. M]ller-Wollermann
Psychodynamische Psychotherapien
Lehrbuch der tiefenpsychologis...
Christian Reimer, Ulrich Rüger
Coaching - Ein Kursbuch für die psychodynamische Beratung
Zur Bedeutung zentraler Bezieh...
Claudia Sies, Beate West-Leuer
Konflikt, Gewalt, Kriminalität und abweichendes Verhalten
Ursachen, Zeit- und Gesellscha...
Volker Bornschier
0 Kommentare