Zusammenfassung
Viele Reisende haben den Begriff „nachhaltiges Reisen“ bereits vernommen. Eine Diskussion darüber zu führen, was die Seychellen darunter verstehen und inwieweit es auf den drei touristisch am besten erschlossenen Inseln der Seychellen (Mahé, Praslin, La Digue) verbreitet ist, sieht die Autorin der Thesis als ihre primäre Aufgabe an.
Der erste Teil der Arbeit verfolgt auf der Grundlage der allgemeinen tourismusrelevanten Literatur das Ziel, nachhaltigen Tourismus zu fördern und An-passungsvorschläge für Hotelmanager, Reiseveranstalter und Touristen während der kompletten Leistungskette des Reisens bereitzustellen.
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit deutschen Seychellentouristen. Diese werden genauer untersucht, um ihre Reisegewohnheiten und Umwelteinstellungen zu erforschen. Hierzu wurden über ein halbes Jahr Seychellentouristen zu ihren Urlaubsgewohnheiten befragt und die Daten ausgewertet. Da die Seychellen eine exklusive Destination sind, kann geschlossen werden, dass sie überwiegend von gut verdienenden und ausgabefreudigen Personen bereist
werden, die sich relativ umweltgerecht verhalten. 1 Zudem bieten sich die Seychellen als Untersuchungsobjekt an, da die Touristenzahlen relativ klein sind.
Es soll sowohl die Anbieter- als auch die Nachfrageseite beleuchtet werden, um aufzuzeigen, dass ein großes Potenzial bei dieser Art des Reisens gegeben ist, aber noch viel unternommen werden muss, damit nachhaltiges Reisen nicht nur theoretisch existiert, sondern auch eine praktische Umsetzung erfährt.
1 Vgl. Hörstmeier (2007), S. 240-245.
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Executive Summary
A lot of tourists have heard of the term „sustainable tourism“. Leading a discussion about what the Seychelles understand by it and how spread this form of tourism on the three most touristically developed islands of the Seychelles (Mahé, Praslin, La Digue) is, is the main purpose of the author.
On the basis of the common tourism-related literature, the first part of the thesis pursues the target to promote sustainable tourism as well as to provide adaption strategies for hotel managers, tour operators and tourists during the whole service chain of travelling.
The second part of the thesis deals with German tourists visiting the Seychelles. They get accurately investigated to probe their travel patterns and their attitude towards environment. For this purpose, German tourists holidaying in the Seychelles got questioned half a year and after that the data were evaluated. Since the Seychelles islands are an exclusive destination, one can conclude that they are for the most part visited by high-income earners and high-spending
persons who act quite environmentally compatible. 2 Furthermore, the Seychelles islands are, due to the small numbers of tourists, a good research object.
Both, the provider as well as the consumer sites are highlighted with different aspects to disclose that there is a great potential regarding this form of travelling. Nevertheless, more has to be done to reach sustainable tourism not only theoretically but also practically.
2 Cf. Hörstmeier (2007), pages 240-245.
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Vorwort
In der vorliegenden Bachelor-Thesis liegt der Schwerpunkt auf der Analyse, Schilderung und kritischen Würdigung von ökologisch ausgerichteten Reisen. Sie geraten deswegen immer stärker in den Fokus, weil eine naturzerstörerische Entwicklung bemerkt werden kann, der durch sie teilweise Einhalt geboten werden kann. Die Empörung über die Schädigung der Natur durch Industrie, Verkehr und rigorose Bebauung sollte überdacht werden, denn jedes Individuum belastet durch seine Lebensweise die Natur: durch Energieverbrauch, Wasservergeudung, Waschmittelanwendung, Sprayeinsatz, Autofahren und durch die Wahl des Urlaubsortes. Es muss gleichzeitig auf der privaten, gewerblichen und öffentlichen Ebene ein der Umwelt angemessenes Verhalten ausgeübt werden, damit im Naturschutz spürbare Ergebnisse erreicht werden.
Aufgrund der Limitierung der Wörterzahl wird diese Bachelor-Thesis lediglich auf die drei touristisch am stärksten erschlossenen Hauptinseln der Seychellen (Mahé, Praslin und La Digue) eingehen. Die drei Granitinseln sind am stärksten vom Tourismus geprägt und unterscheiden sich erheblich von den ebenfalls vorhandenen Koralleninseln. Es bestehen grundsätzlich andere Voraussetzungen auf beiden Arten von Inseln. Die Seychellen verfügen aufgrund ihrer isolierten Lage im indischen Ozean - ca. 1.600 km zum afrikanischen Kontinent, ca. 3.500 km nach Mumbai und etwa 1.800 km nach Mauritius -, der Zersplitterung der Landfläche auf viele kleine Inseln, der geringen Bevölkerung und ihrer Kleinheit über sehr begrenzte Ressourcen für eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung und der Ausbau intensiver internationaler Handelsbeziehungen kann nur schwer vorgenommen werden - so müssen sie für Importe hohe Transportkosten zahlen. Dies ist nicht unerheblich, da fast alles importiert werden muss: „Die Vorteile großer Volkswirtschaften - wie z. B. eine sektorale Arbeitsteilung - können von den Seychellen nicht genutzt werden. Da überdies große Ebenen für die landwirtschaftliche Produktion fehlen, müssen selbst Grundnahrungsmittel wie Reis im hohen Umfang eingeführt
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werden.“ 3 Die Natur beschränkt die Seychellen beachtlich, sodass es neben dem Tourismus nur wenige wirtschaftliche Entwicklungsalternativen (Fischfang, Offshore-Zentrum, Betrieb von Schiffsflotten) gibt, die die notwendigen Einnahmen für die zukünftige Landesentwicklung generieren könnten. Daher erscheint der Tourismus als günstige Entwicklungsoption und wird vom Staat
gefördert. 4 Diese tropischen Inseln weisen mit ihren fragilen Ökosystemen aber eine große ökologische und soziale Verwundbarkeit auf und sind auch gegenüber Naturkatastrophen sehr anfällig. Umweltschutz hat auf den Seychellen einen hohen Stellenwert: 1989 wurde das Umweltministerium errichtet und
1990 wurde der weltweit erste nationale Umweltschutzplan (EMPS 5 ) veröffentlicht, der 2000 von einem zweiten abgelöst wurde 6 und sich momentan der dritte EMPS, für den Zeitraum 2011-2020, in Planung befindet. 7 Zudem wurde der Naturschutz in der Verfassung von 1993 verankert. Die Regierung der Seychellen hat einige Regelungen zum Hotelbau eingeführt; so z. B. dass Hotels 25 m von der Küstenlinie entfernt sein müssen und nicht höher als Palmen ge-
baut werden dürfen. 8 Doch gibt es bedauerlicherweise eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Regelungen zu umgehen, auf die in der Arbeit nicht eingegan-gen werden kann. 9
Ein anderes Problem besteht in dem Mangel an Devisen: Um diese zu erhalten, verpachtet bzw. verkauft die Regierung ihr Land. Lediglich 37 Prozent der Unterkünfte - und das sind zumeist die kleinen - sind weiterhin in Händen von Seychellois. Von den 35 großen Resorts besitzen 75 Prozent ausländische An-
leger (vornehmlich von den Malediven, Malaysia, Mauritius oder Südafrika). 10 Großen Hotelketten wie Hilton greifen lieber auf die gut ausgebildeten
3 Hörstmeier (2005), S. 81.
4 Tiefer gehende Informationen unter Vorlaufer (2005), S. 34 sowie unter Hörstmeier (2005), S. 79.
5 Environmental Management Plan of Seychelles.
6 Vgl. Republic of Seychelles (2001).
7 Vgl. Seychelles Nation (2010a).
8 Vgl. Ministry of Tourism and Civil Aviation (MTCA) (2001), S. 50.
9 Unterredung mit Davidson, Naturguide, Veuve Reservat, La Digue, 19.06.2010.
10 Vgl. Tingay (2009), S. 24 f.
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Mauritianer zurück, anstatt den Seychellois eine touristische Ausbildung zu
ermöglichen. 11 Jedoch existieren vorwiegend in den großen, internationalen Hotels spezielle Programme, die Seychellois den Zugang zu Managementpositionen eröffnen sollen und wieder andere, in denen Hotels sich verpflichten, einen hohen Anteil von einheimischem Personal zu beschäftigen. Zudem ist zu bemerken, dass die Seychellen es ohne die ausländische Hilfe nicht geschafft hätten, den hohen Qualitätsstandard der Hotels zu erreichen. Die Reservierungssysteme der großen Hotelkonzerne bieten außerdem einen weltweiten Zugang zum internationalen Markt durch die Einbindung an die Computerre-servierungssysteme. 12
Dies sind spannende Themen, jedoch können leider keine, außerhalb des Titels befindlichen, Themen zu Soziologie, Ökonomie, Ökologie oder Historie bearbeitet werden. Lediglich Gliederungspunkt 3.1.1 enthält eine kurze Einleitung über die Seychellen.
11 Vgl. Anhang VI: E-Mail mit Tawakol vom 20.09.2009.
12 Unterredung mit Hörstmeier, wissenschaftlicher Autor mit Fachgebiet Tourismus, 09.08.2010 und Seychelles Nation (2010c), Absatz 11 f.
Sonja Göppert Seite VI
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis VII
Abbildungsverzeichnis IX
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung. 4
2 Theoretischer Hintergrund 6
2.1 Tourismus und seine Folgen 6
2.2 Nachhaltiger Tourismus. 10
2.2.1 Leistungskette Ferienerlebnis 10
2.2.1.1 Informationen vor der Anreise 11
2.2.1.2 Anreise und Abreise 13
2.2.1.3 Information vor Ort. 17
2.2.1.4 Verpflegung 17
2.2.1.5 Beherbergung 19
2.2.1.6 Transport 23
2.2.1.7 Aktivitäten 24
2.2.1.8 Unterhaltung 26
2.2.1.9 Nachbetreuung 26
2.2.2 Öko-Strategien 26
3 Methodisches Vorgehen 29
3.1 Untersuchungsumgebung: Seychellen 29
3.1.1 Beschreibung der geografischen Lage im Indik und des
sch ützenswerten Naturraums 29
3.1.2 Tourismus auf den Seychellen 30
3.2 Untersuchungsobjekt: Deutsche Seychellen-Touristen 35
3.2.1 Datenerhebung 36
3.2.1.1 Darstellung der soziodemografischen Merkmale der
Seychellenbesucher im Vergleich zur deutschen
Gesamtbev ölkerung. 37
3.2.1.2 Reiseverhalten der Befragten 38
3.2.1.3 Umweltansichten der Touristen 42
3.2.1.4 Nachhaltiges Reisen 44
3.2.2 Erkenntnisse inkl. operativer Empfehlungen 46
4 Fazit 48
5 Zusammenfassung. 52
Quellenverzeichnis 54
Anhang 64
Sonja Göppert Seite VII
Abkürzungsverzeichnis
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
EMPS Environmental Management Plan of Seychelles
FUR Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V.
IATA International Air Transport Association
ICAO International Civil Aviation Organization
MCSS Marine Conservation Society Seychelles
MTCA Ministry of Tourism and Civil Aviation
NSB National Statistics Bureau
UNWTO United Nations World Tourism Organization
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Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Beau Vallon
Abbildung 2: Philodendron erstickt Vegetation
Abbildung 3: Lateritboden
Abbildung 4: Magische Fünfeck-Pyramide einer nachhaltigen touristischen Entwicklung
Abbildung 5: Positive Wirkungen des Tourismus
Abbildung 6: Negative Eigenschaften des Tourismus
Abbildung 7: Leistungskette Ferienerlebnis
Abbildung 8: UNWTO Prognose: Touristenzahlen bis 2020
Abbildung 9: Vier-Säulen-Modell der Lufthansa
Abbildung 10: Aktive Schallminderung an Turbomaschinen
Abbildung 11: Pool des Lémuria Resorts (Praslin) direkt am Meer
Abbildung 12: Bauphase des Raffles-Hotels
Abbildung 13: Klimadaten der Seychellen
Abbildung 14: Public Utilities Corporation: Belle-Vue Lower Treated Water Reservoire
Abbildung 15: Bootsführer fängt Schildkröte auf Korallenriff
Abbildung 16: Öko-Strategien
Abbildung 17: Republik Seychellen
Abbildung 18: Anzahl der Seychellenbesucher 1976 bis 2009
Abbildung 19: Aufteilung der Hotelkategorie absolut prozentual
Abbildung 20: Prozentualer Anteil der Zimmer nach Hotelkategorie
Abbildung 21: Hotelpositionierung auf Mahé
Abbildung 22: Hotelpositionierung auf Praslin
Abbildung 23: Hotelpositionierung auf La Digue
Abbildung 24: Hauptquellmärkte der Seychellenbesucher 2005 bis 2009
Abbildung 25: Altersgruppen der Touristen
Abbildung 26: Gebuchte Hotelkategorie
Abbildung 27: Aufenthaltsdauer
Abbildung 28: Art der Reise
Abbildung 29: Spendenbeträge pro Tag
Abbildung 30: Porters Wettbewerbsmatrix für den Seychellen-Tourismus.
Abbildung 31: Flugemissionsrechner im Vergleich
Abbildung 32: Fragebogen zu Tourismus auf den Seychellen.
Abbildung 33: Hotel-/ Gästehausliste von Mahé, Praslin und La Digue
Abbildung 34: Neue Hotels auf Mahé und Praslin bis 2013
Abbildung 35: Boat Moorings - Schwimmende Anlegestellen
Sonja Göppert Seite
Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
1 Einleitung
Es stellt sich die für diese Arbeit relevante Frage, ob nachhaltiges Reisen auf den Seychellen vorhanden ist bzw. wie es implementiert werden kann und welche Voraussetzungen hierfür notwendig sind. Der Aufbau der Arbeit sieht folgendermaßen aus: Nachdem die Probleme der Seychellen aufgezeigt wurden, werden im zweiten Kapitel primär für Reiseveranstalter und Hotelmanager, aber auch für die Reisenden selber, Lösungsvorschläge angeboten, wie der Tourismus umwelt- und sozialverträglicher gestaltet werden kann. Auf der Plattform literaturbasierter Äußerungen zum Thema nachhaltiger Tourismus hat die Verfasserin im dritten Kapitel Primärforschung betrieben, indem sie eine Befragung deutscher Touristen initiiert hat. Die Auswertung des Fragebogens soll zeigen, ob nachhaltiger Tourismus schon in der Bevölkerung etabliert ist, oder ob es sich noch immer um ein Nischenprodukt handelt. In Kapitel vier wird reflektiert, welche Schlussfolgerungen aus dem Gesagten zu ziehen sind.
1.1 Problemstellung
„Sie träumen von einem exklusiven Pauschalurlaub ins Paradies?“ 13 - so oder in einer ähnlichen Form wirbt fast jeder Veranstalter für die Seychellen. Vielfach sind Touristen fasziniert von der naturräumlichen Attraktivität, der sie vor Ort begegnen (vgl. Abbildung 1).
Doch Sachkundige haben ein anderes Bild:
„Das, was besonders exotisch und üppig aussieht, ist auf den Seychellen in Wirklichkeit eine Umweltplage: Unter der Last des eingeschleppten
13 Vgl. Expedia Pauschalreise (2010).
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Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
und äußerst aggressiven Philodendrons erstickt die heimische Vegetati-
on.“ 14
akzentuiert werden, dass dem Umweltministerium nicht ausreichend Mitarbeiter bereitstehen, um eine derartige Plage endgültig von den Inseln zu verdrän-gen. 15
Das ist nicht das einzige Problem: Die Küstenlandschaften wurden durch Eingriffe vom Menschen stark verändert. Ausgedehnte Wälder und Mangroven-
sümpfe mussten Siedlungen und Plantagen weichen. 16 Außerdem wurden mehr als 600 Pflanzenarten durch den Menschen eingeführt, sodass heute eine große
Fläche mit Sekundärvegetation bewachsen ist. 17 Der Wissenschaftler Vesey-Fitz-Gerald 18 stellte schon Ende der 1930er-Jahre fest, dass es vor allem drei Faktoren gibt, die der ursprünglichen Fauna der Seychellen großen Schaden zugefügt haben:
• Lebensräume wurden direkt zerstört (z. B. durch Holzeinschlag für den Schiffbau),
14 Hofrichter (2000), S. 25.
15 Vgl. Republic of Seychelles (2000), S. 59.
16 Vgl. Hofrichter (2000), S. 24.
17 Vgl. Ebenda, S. 79.
18 Der Wissenschaftler studierte die Seychellen von 1936 bis 1939.
Sonja Göppert Seite 2
Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
• fremde Fressfeinde wie Ratten, Katzen, Tenreks 19 und verschiedene Vogelarten wurden eingeschleppt,
• Konkurrenz stieg, durch eingeschleppte exotische Arten. 20
Nach der Besiedelung 1770 setzte schnell ein Teufelskreis ökologischer Wechselwirkungen und Folgeprozesse mit negativen Auswirkungen ein, denn auf-grund von Rodungen wurde die dünne, fruchtbare Bodenschicht, die nun den massiven tropischen Niederschlägen ausgesetzt war, weggewaschen. Folglich wuchsen die Pflanzen noch langsamer und niedriger und wurden abermals abgebrannt, was zur weiteren Erosion führte. Letztlich bleibt nur der rötliche Lateritboden, der kein Nachwachsen eines ursprünglichen „Urwaldes“ mehr
ermöglicht. 21 Abbildung 3 verdeutlicht dies.
Genau hier muss der nachhaltige Tourismus ansetzen: Flora und Fauna dürfen nicht weiter zerstört werden. Hierdurch werden Ruhe- und Nistzonen sowie Brutplätze sämtlicher Arten von Tieren zerstört. 2009 waren 5080 Hotelbetten auf allen Inseln der Seychellen verfügbar, wobei durchschnittlich 54 Prozent
der Betten belegt waren. 22 Es besteht zurzeit nicht die Notwendigkeit, weitere Hotels zu bauen. Dennoch hat die Regierung der Seychellen den Plan, bis 2017 mit attraktiven internationalen Marketingkampagnen die jährlichen Besucherzahlen von circa 157.500 im Jahr 2009 auf 300.000 auszuweiten, sodass zu-
19 Igel-bzw. spitzmausähnliche, insektenfressende Tiere, die zur Familie der Säugetiere gehören.
20 Vgl. Hofrichter (2000), S. 103.
21 Vgl. Ebenda, S. 114.
22 Vgl. NSB Migration and Tourism (2009), S. 2.
Sonja Göppert Seite 3
Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
nehmend Hotels entstehen - vornehmlich von großen, internationalen Hotel-
ketten, die einen luxuriösen Standard bieten. 23
1.2 Zielsetzung
MÜLLER und AMMER et al. stellen die Hauptziele einer umweltschonenden Tourismusentwicklung wie folgt dar - wie diese Ziele in Zusammenhang ste-hen, verdeutlicht Abbildung 4. 24
Natur- und Ressourcenschutz: Es dürfen nur geringe Eingriffe in den Naturhaushalt stattfinden, das Landschaftsbild darf nur geringfügig verändert werden, naturnahe Kulturlandschaften sollen erhalten werden, Biodiversität und Ressourcenschutz müssen gefördert werden und dabei darf nur ein geringer Landschaftsverbrauch stattfinden.
Subjektives Wohlbefinden: Die einheimische Bevölkerung soll ihre Selbstbestimmung, Eigenständigkeit, Freiheit, Selbstverwirklichung und kulturelle Identität wahren, während eine „sanfte“ Weiterentwicklung der soziokulturellen Verhältnisse stattfindet, dabei die Lebensqualität erhöht wird und die psychologischer Belastungen durch den Tourismus begrenzt werden.
Gästezufriedenheit: Die vielfältigen Gästeerwartungen sollen optimal erfüllt
werden ‒ Erholung der Gäste, soziale Kontakte und naturbezogene Erholungsangebote sollen ermöglicht und gefördert werden. Die Touristen sollen vor Ausbeutung besser geschützt werden.
Wirtschaftlicher Wohlstand: Für Einheimische muss Tourismus einen wirtschaftlichen Nutzen haben - wobei dieser breit gestreut sein soll. Zudem muss langfristig wirtschaftlich gedacht werden und eine Strategie des qualitativen Wirtschaftswachstums geplant werden. Disparitäten müssen abgebaut werden.
23 Vgl. Anhang IV: E-Mail-Verkehr mit dem Seychelles Tourism Board vom 20.04.2010 (Nathali Pillay, Assistant Coordinator - Marketing). Angaben werden in Geo Saison (Dezember 2009), S. 33 bestätigt.
24 Ausführlichere Informationen unter: Müller (1993), S. 13, zitiert bei Müller (2007), S. 28 f. und Ammer et al. (1998), S. 19 f.
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Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
Kulturelle Vielfalt: Die einheimische Kultur muss geschützt werden, das bedeutet auch, dass Kulturgüter unter Schutz gestellt werden müssen. Das kulturelle Schaffen muss gefördert und Gastfreundlichkeit gelebt werden.
Abbildung 4: Magische Fünfeck-Pyramide einer nachhaltigen touristischen Entwicklung
Subjektives Wohlbefinden
Natur- und Ressourcenschutz
Quelle: Müller (1993), S. 13 entnommen aus Müller (2007), S. 29
Langfristig sollen zukünftige Generationen mehr Gestaltungsrechte erhalten und den Generationenvertrag erfüllen können.
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Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Tourismus und seine Folgen
Die United Nations World Tourism Organization (UNWTO) hat Tourismus folgendermaßen definiert:
„The activities of persons traveling to and staying in places outside their usual environment for not more than one consecutive year for leisure, business, and other purposes not related to the exercise of an activity re-
munerated from within the place visited.“ 25
Abbildung 5 verdeutlicht die positiven Auswirkungen des Tourismus, die in unterschiedlichen Sektoren vorzufinden sind.
25 Die UNWTO gibt folgende Definitionen (UNWTO [1999], S. 4-8):
Visitor: “Any person travelling to a place other than his/her usual environment for less than 12 consecutive months and whose main purpose of travel is not to work for pay in the place visited”.
Tourist: “Visitor staying at least one night in a collective or private accommodation in the place visited”.
Hörstmeier (2007), S. 94 gibt zu bedenken, dass es bei der Untersuchung über den Tourismus auf den Seychellen keine Unterscheidung zwischen Besuchern und Touristen gibt, vermutlich, weil der überwiegende Teil der Besucher Touristen sind. In der vorliegenden Arbeit werden daher auch beide Begriffe parallel verwendet.
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Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
Abbildung 5: Positive Wirkungen des Tourismus
Quelle: Ammer (1998), S. 4, Müller (2007), S. 93, Vorlaufer (2005), S. 18 und 46, Kirstges (2003), S. 18 und Petermann (1998), S. 60, Hörstmeier (2005), S. 79-94 mit eigenen Ergänzungen und eigener Darstellung
Sonja Göppert Seite 7
Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
Während der Tourist reist, belastet er die Umwelt, mit dem Unterschied, dass
er die Belastungen in die Zielregionen exportiert. 26 Das bedeutet, dass insbesondere dann eine negative Wirkung vom Tourismus ausgeht, wenn er als
Massenerscheinung auftritt oder ökologisch empfindliche Regionen berührt. 27 Tourismus belastet die Umwelt, trägt zu sozio-kulturellen Spannungen bei und besitzt negative wirtschaftliche Wirkungen (vgl. Abbildung 6). Die Effekte des Tourismus reichen vom Offensichtlichen, wie Verunreinigung von Wasser oder Zersiedelung der Landschaft, bis zu Verhaltensänderungen der Einheimischen, die z. B. beginnen, Verhaltensmuster der Gäste unkritisch zu überneh-men. 28
Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) gab 2009 bekannt, dass 2008 etwa 76 Prozent der Deutschen eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen unternommen haben. Das entspricht ungefähr 64 Mio. deutschen
Bundesbürgern. Im Vergleich dazu waren es 1975 weniger als die Hälfte. 29 Das Reiseverhalten hat sich folglich in den vergangenen drei Jahrzehnten grundle-
gend verändert. 30
26 Vgl. Kirstges (2003), S. 20. In Deutschland verursacht jeder Bundesbürger im Mittel 448 kg Abfall im Jahr (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland [2010c], S. 3), doch im Urlaub liegen der Konsum und damit auch die Abfallmenge deutlich höher.
27 Vgl. Schmied et al. (2002), S. 1.
28 Vgl. Hörstmeier (2007), S. 59.
29 Vgl. FUR (2009a), S. 1.
30 Da in Kap. 3.2 über deutsche Seychellen-Urlauber berichtet wird, sollen an dieser Stelle kurz die charakteristischen Merkmale des aktuellen Reiseverhaltens Deutscher geschildert werden. Zu diesem Zweck werden die Ergebnisse der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) verwendet, die als wichtigste deutsche Untersuchung zu diesem Thema gilt. Über 31 Prozent bleiben in Deutschland, folglich reisen ca. 69 Prozent ins Ausland. Fast 35 Prozent der Reisen führen ans Mittelmeer und über sechs Prozent gelten als Fernreise. Die Kunden werden immer anspruchsvoller und nächtigen lieber in modernen Hotels als in Pensionen oder auf Campingplätzen. Mit 13,5 Tagen sind Auslandsreisen im Mittel drei Tage länger als Inlandsreisen. Bei Erstgenannten wird deutlich mehr Geld ausgegeben als bei Letztgenannten (974 vs. 525 Euro) (vgl. FUR [2009b]).
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Arbeit zitieren:
Sonja Göppert, 2010, Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus, München, GRIN Verlag GmbH
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