Gliederung
1. Einleitung 2
2. Männlichkeitsbilder 3
2.1 Die männlichen Ideale der damaligen und heutigen Zeit 4
3. Männlichkeitsbilder in The Man Of Feeling 6
3.1 Der sensible Mann und das Scheitern des fühlenden Mannes in der Gesellschaft 8
4. Fazit 14
5. Quellenverweise und benutzte Literatur 16
1
1. Einleitung
Der Empfindsame Roman The Man Of Feeling 1 , welcher 1771, vorerst anonym, von Henry MacKenzie (1745-1831) veröffentlich wurde, ist einer der bedeutendsten Romane seiner Zeit. Der Schottische Autor war einer der Ersten, der seine dramatis personae, aber vor allem seinen Protagonisten Harley, mit den Tugenden der Empathie und des Mitleides ausstattete.
Die Epoche der Empfindsamkeit ging davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut sei und auch nicht die Vernunft die maßgebende Qualität des Menschen sei, sondern dass gerade die bereits erwähnte Empathie und das Mitleid diese Qualitäten ausmache. 2 Nach Auffassung der Empfindsamkeit, welche vorwiegend von 1740- 1790 ihren Ausdruck hatte, hatten Gefühle einen großen Anteil an den ethischen Entscheidungen. Das Gefühl war nicht mehr länger ein Makel des Menschen, sondern zeichnete ihn als sittlichen Mitbürger aus. Auch Henry Mackenzie nimmt diesen Eindruck in seinem Roman auf, indem er den Protagonisten Harley, den „man of feeling“, als sehr sensiblen, wohltätigen und verletzlichen Mann darstellt. Harley wird als ein Subjekt vorgestellt, welches starkes Mitgefühl mit seinen Mitmenschen hat und dadurch oft in für ihn schwierige Situationen gerät. Es ist nicht verwunderlich, dass der Roman sofort erfolgreich war, da er die Bedürfnisse der Menschen in dieser Zeit aufgriff und ihnen einen Einblick in die neue Humanität ermöglichte. Dies tat Mackenzie jedoch nicht, indem er den Lesern eine neue Lebens- und Denkweise präsentierte, die ein besseres Leben versprach, sondern er wollte eher einen Wandel im Denken hervorrufen. Da der Protagonist in TMOF mit seiner Wesensart vielmehr droht in der Gesellschaft zu scheitern, regt Mackenzie so das Überdenken und Abwägen, das kritische Hinterfragen und das subjektive Empfinden des Lesers an und präsentiert ihm, dem Leser, keine Patentlösung des richtigen menschlichen Verhaltens in der Gesellschaft. In der folgenden Arbeit möchte ich versuchen, das von Henry MacKenzie präsentierte Männlichkeitsbild darzustellen. Um dieses in Abgrenzung zum traditionellen Bild zu verdeutlichen, möchte ich in Punkt Zwei sowohl die herkömmliche Rolle des Mannes des 18. Jahrhunderts als auch die heutigen Rollenklischees kurz anreißen, um Parallelen und Schlüsse ziehen zu können.
1 Im Verlauf der Arbeit werde ich den Titel des Romans häufig durch die Abkürzung TMOF abkürzen.
2 http://www.leinstein.de/media/2432/erzaehlliteratur%201700-1830.pdf. Zugriff am 15.01.2011.
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2. Männlichkeitsbilder
Was macht einen Mann männlich? Ist sein Wesen biologisch bedingt, weil die Hormone sein Verhalten steuern oder bestimmt die Gesellschaft den idealen Mann? Wenn letzteres der Fall ist, wie kann der Mann sich dann im Wechsel der gesellschaftlichen Verhältnisse zurechtfinden? Und wenn doch die Hormone schuld an allem sind, kann der Mann als Individuum dann überhaupt den jeweiligen Anforderungen seiner Mitmenschen gerecht werden?
Diese Fragen beschäftigten mich, als ich mich zum ersten Mal wirklich mit dem Thema des männlichen Ideals auseinander setzen musste. Die meisten dieser Fragen werde ich nicht in dieser Arbeit, wenn überhaupt, beantworten können, mein Hauptaugenmerk soll jedoch auf dem Einfluss der Gesellschaft auf die Rolle des Mannes liegen.
Ich behaupte, dass sich das Männlichkeitsbild im Laufe der Zeit immer wieder stark verändert hat und sich dennoch verschiedene wünschenswerte (von der Gesellschaft) Charakterzüge über die Jahrhunderte hinweg fest im Denken vieler Menschen beharrlich gehalten haben. So galt der Mann schon in der Steinzeit als Jäger, der für das leibliche Wohlergehen seiner Familie verantwortlich war. Er war dazu bestimmt, seine Angehörigen zu verteidigen und musste deswegen von jeher eine große Portion an Mut und Tapferkeit mitbringen. Alle Männer, die diesem Ideal nicht entsprechen konnten, waren dazu verdammt, ein Leben ohne Aussicht auf Fortpflanzung zu führen, da sich nur die Stärkeren durchsetzten. In der heutigen Zeit ist es um die Männer nicht mehr so dramatisch bestellt, doch können wir wirklich von einer geschlechterunabhängigen Gesellschaft sprechen, in der jedes Individuum die gleichen Chancen und Rechte auf Selbstverwirklichung hat? Schon Friedrich Schiller zeigte in seinem Gedicht Das Lied von der Glocke 1799, dass sich viele Ideen aus der Steinzeit tradiert haben:
„Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben, muß wirken und streben und pflanzen und schaffen, erlisten, erraffen, muß wetten und wagen, das Glück zu erjagen. Da strömet herbei die unendliche Gabe, es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe, die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
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Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder, und herrschet weise im häuslichen Kreise, und lehret die Mädchen, und wehret den Knaben, und regt ohne Ende und mehrt den Gewinn mit ordnendem Sinn. ….“ 3
Auch Friedrich Nietzsche zeigte 100 Jahre später, dass sich das Ideal des kämpferischen Mannes immer wieder durchsetzt:
„Der Mann soll zum Kriege erzogen werden und das Weib zur Erholung des Kriegers: alles Andere ist Torheit.“ 4
Der Mann hatte stark, mutig und hart zu sein, damit er den Ansprüchen gewachsen war, die Frau und Familie zu versorgen.
In dem folgenden Unterpunkt möchte ich einen kurzen Abriss der Männlichkeitsbilder des 18. Jahrhunderts und der heutigen Zeit darstellen, damit man die Wichtigkeit der Neuerungen in TMOF in seiner Gesamtheit nachvollziehen kann.
2.1 Die männlichen Ideale der damaligen und heutigen Zeit
Jungs heulen nicht!
Wer hat diesen Satz so oder in abgewandelter Form nicht schon einmal gehört. Es hält sich auch in unserer Gesellschaft immer noch hartnäckig das Gerücht, dass ein echter Mann nicht weinen darf, jedenfalls nicht bei unangebrachten Anlässen. Doch wann darf ein Mann weinen ohne das er als ein so genannter „Softie“ gilt? Die Rolle des Mannes hat sich meiner Meinung nach nicht wirklich verbessert, da an ihn immer mehr Anforderungen gestellt werden. Es herrscht in der westlichen Kultur, auf die ich mich in dieser Arbeit beschränken möchte, in Sachen Männlichkeitsideal eine große Uneinigkeit.
Auf der einen Seite wird immer noch von den Männern erwartet, dass sie im Beruf Karriere machen und somit Statussymbole erreichen müssen. Um diesen beruflichen Erfolg zu erreichen, wird von dem Mann erwartet, dass er sich seiner Konkurrenz gegenüber behaupten kann. Er muss also wieder einmal Stärke, Hartnäckigkeit, Leistung, Disziplin und viele weitere Eigenschaften zeigen, damit er sich beweisen kann. So ist die von vielen Frauen geforderte Elternzeit des Mannes oft nur schwer durchzuführen, da der Mann so viel Zeit
3 Schiller, Friedrich: Das Lied von der Glocke. In: Werke in vier Bänden. Caesar Verlag. Wien 1980.
4 Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. Reclam Verlag. Ditzingen 1986.
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Arbeit zitieren:
Anke Rehder, 2011, The Man Of Feeling, München, GRIN Verlag GmbH
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