Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die existentialistische Hölle 2
2.1. Schauplatz - Hölle 3
2.2. Figurencharakteristik 4
2.2.1. Joseph Garcin 4
2.2.2. Inés Serrano 5
2.2.3. Estelle Rigault 7
2.3. Elemente des Existentialismus in Huis clos 8
2.3.1. Die Abhängigkeit von den anderen 8
2.3.2. Blicke und Spiegel 10
2.3.3. Die Unwahrhaftigkeit (mauvaise foi) 13
2.3.4. Gewohnheit vs. Freiheit 15
3. Schlussbetrachtung 16
4. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Für die Nachkriegsgeneration stellte Jean-Paul Sartre eine Kultfigur dar. Er repräsentierte die Auflehnung gegen gesellschaftliche Konventionen und verhärtete Denkmuster und gilt als Vorreiter und Hauptvertreter des Existentialismus, sowie als einer der wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts in Frankreich. In seinen dramatischen Werken verwirklichte Sartre einige wichtige Elemente seiner existentialistischen Philosophie. So auch in dem Einakter Huis clos (1944), welcher einen der ersten Höhepunkte seines dramatischen Schaffens markierte und der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt.
Huis clos handelt von drei sich vollkommen unbekannten Personen, die jeweils nacheinander von einem Kellner in einen Raum geführt werden und dort für immer bleiben. Das ist die Hölle! Warum eigentlich? Diese Frage möchte ich im Folgenden versuchen zu klären und somit die Grundzüge der existentialistischen Hölle Sartres aufdecken.
Um verstehen zu können, wie die Hölle Sartres funktioniert, konzentriere ich mich zunächst auf die Rahmenbedingungen des Dramas. Es werden der Ort des Geschehens, sowie die verschiedenen Charaktere beleuchtet. Bei der Figurencharakteristik lege ich einen besonderen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Personen im Verlauf des Stückes, indem schrittweise ihr wahres Wesen zum Vorschein kommt. Anschließend möchte ich einige Elemente des Existentialismus Sartres herausarbeiten, welche die Ursache für die Höllenqualen darstellen. In diesem Sinne gehe ich zunächst auf die Abhängigkeit von den anderen ein, ihre gegenseitigen Blicke und die Funktion des Spiegels, danach komme ich auf die Unaufrichtigkeit zu sprechen. Am Schluss möchte ich den Gegensatz von erstarrten Gewohnheiten und der Freiheit aufzeigen.
2. Die existentialistische Hölle
Sartre entwirft die Hölle in Huis clos nicht nach dem konventionellen Bild. Entgegen der Vorstellung vom Fegefeuer und Folterinstrumenten, erscheint Sartres Hölle auf den ersten Blick erträglich und dem Leben auf der Erde ähnlich.
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2.1. Schauplatz - Hölle
Das Geschehen spielt sich in einem geschmacklos eingerichteten Salon im Second-Empire-Stil ab. Das Mobiliar passt nicht zusammen und es stehen drei jeweils andersfarbige Sofas bereit. Vermeintlich nutzlose Gegenstände wie eine bronzefarbene Barbedienne-Figur und ein Papiermesser sind in dem Zimmer verteilt. Zunächst lässt nichts darauf schließen, dass dieser Raum die Hölle symbolisieren soll, doch durch verschiedene Andeutungen der Personen wird schnell klar, um was für einen Ort es sich hier handelt.
Die Personen sind jedes Mal wieder über die Räumlichkeiten überrascht, fragen erst nach den Folterinstrumenten und gleich darauf nach der Zahnbürste. „Denn man meint, wenn es in der Hölle nicht so furchtbar zugeht, könne man sein gewohntes Leben fortsetzen“ (Biemel 1993:54). Laut Biemel wird hier das Moment der Allgemeinheit angesprochen. Wir werden unauffällig in die Situation hineinversetzt, indem wir das Gefühl bekommen, dass wir genauso handeln würden. Auch die geschmacklosen, nichtssagenden Möbel verweisen auf die Allgemeinheit, da die meisten Menschen keinen Stil haben (vgl. ebd.:54).
Der Salon ist abgeschlossen und auch die Klingel, welche dazu dient den Kellner zu rufen, kann die Situation der Dreisamkeit nicht beenden, weil sie ständig kaputt ist und eigentlich nur funktioniert, wenn der Kellner sich bereits dort befindet. Außerhalb des Zimmers sind ausschließlich Flure, Treppen und weitere Zimmer mit anderem Mobiliar vorhanden. Es existiert kein Draußen. Das verdeutlicht die Situation des Gefangenseins, aus der es kein Entrinnen gibt.
Es existieren keine Spiegel und das Zimmer ist fensterlos, so dass kein Tageslicht hinein gelangt, deshalb wird es künstlich beleuchtet. Das Licht kann nicht von den Insassen, sondern nur von der Direktorin ausgeschaltet werden. Da der Strom umsonst ist, wird dies jedoch nie getan. Selbst die Bronzefigur ist zu schwer, um sie nach der Lampe zu werfen. Das heißt für die Eingesperrten „mit offenen Augen leben“ (S. 15). Im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie besitzen keine Augenlider mehr und können somit nicht vom Geschehen innerhalb des Raumes wegsehen. Schlafen wird zur Unmöglichkeit. Sie führen ein Dasein ohne Unterbrechungen und sind zur ständigen Konfrontation mit den anderen verurteilt.
Wir folgern; es ist nicht der Ort an sich, der teuflisch ist. Sartres Hölle überzeugt zwar nicht durch Geschmack oder guten Service, dies allein verursacht jedoch keinen Zustand der Qual. Es findet dort auch keine körperliche Folter statt. Dennoch tragen die Räumlichkeiten
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zu der leidvollen Situation der Verdammten bei, indem sie ihnen die Möglichkeit Abstand voneinander zu nehmen oder sich abzulenken verwehren.
2.2. Figurencharakteristik
Die Figuren des Dramas spielen eine bedeutende Rolle für die Konzeption der Hölle in Huis clos. Der wohl wichtigste Aspekt liegt dabei in der gefährlichen Dreierkonstellation. Wären nur zwei Personen anwesend, könnten sie einen Pakt schließen und jeder würde dem anderen die gewünschte Rolle vorspielen. Durch das Auftauchen eines Dritten wird ein Bündnis allerdings unmöglich, da jeder den anderen zerstören kann und durch den Blick des anderen jede Zweierbeziehung zerbricht. In die Hölle Sartres werden die kürzlich verstorbenen Garcin, Inés und Estelle geschickt. Sie kennen sich nicht und stammen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Die Protagonisten des Stückes sind allesamt Antihelden, die sich jeweils durch ihre eigene Tat auszeichnen, aufgrund dieser sie von ihrer Existenz zur Essenz, zum Wesen ihres Menschseins, gelangten und nun, nach ihrem Tod, nichts mehr daran ändern können. Die verschiedenen Charaktere offenbaren sich erst allmählich im Verlauf des Stückes. Ausschließlich Inés verstellt sich weder, noch gibt sie vor jemand anderes zu sein. Am Ende können jedoch auch die „unschuldige“ Estelle und der „heldenhafte“ Garcin ihr wahres Ich nicht mehr verbergen.
2.2.1. Joseph Garcin
Zunächst erfahren wir von Joseph Garcin, dass er als Journalist in Rio de Janeiro arbeitete und eine pazifistische Zeitung herausbrachte als plötzlich der Krieg ausbrach. Angeblich spielte er dabei nicht mit und wurde daraufhin erschossen. Er behauptet nach seinen Grundsätzen gehandelt zu haben und daran ist für ihn nichts Verwerfliches (vgl. S. 27). Die erste Version seiner Lebensgeschichte klingt heroisch. In Wirklichkeit plagen ihn jedoch große Selbstzweifel. Besonders seine Arbeit in Rio und die Umstände seines Todes bereiten ihm Kopfzerbrechen. Er steht unter einem inneren Spannungszustand, ist ängstlich und unsicher. Dies äußert sich insbesondere durch sein nervöses Mundzucken, was Inés sofort als Zeichen der Angst entlarvt (vgl. S. 18). Garcin muss viele Ereignisse auf der Erde noch verarbeiten und versucht sein Leben neu zu ordnen, um mit sich selbst ins Reine zu kommen.
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Arbeit zitieren:
Christin Lübke, 2010, Konzeption der existentialistischen Hölle in Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ , München, GRIN Verlag GmbH
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