Inhaltsverzeichnis
VORBEMERKUNG 4
1. “LE MONDE COMME IL VA ALS TYPISCHER “CONTE PHILOSOPHIQUE 4
1.1. Inhaltsanalyse 4
1.2. Stilanalyse. 13
2.”LE BLANC ET LE NOIR 16
2.1. Inhaltsanalyse 16
19
SCHLU ßBEMERKUNG 21
LITERATURVERZEICHNIS 21
21
21
3
Vorbemerkung
Die beiden Erzählungen von Voltaire, “Le Monde comme il va” und “Le Blanc et le Noir” sollen, habe ich gewählt, um die Merkmale des von Voltaire im 18. Jahrhundert geprägten “conte philosophique” herauszuarbeiten. Das Wichtigste dieser neuen Form des “conte” war, neben der Intention der Unterhaltung des Lesers eine ganz bestimmte philosophische Botschaft zu vermitteln, die den Leser zur kritischen Auseinandersetzung mit bestimmten aktuellen Themen und Problemen anregen sollte. Das heißt, ein solcher conte hat zwei Ebenen: die Oberfläche der abenteuerlichen Geschichte und die darin verborgen Maximen Voltaires. Der Schwerpunkt meiner Arbeit soll dabei auf “Le Monde comme il va” liegen, da dort das Schicksal und die Gesellschaft zentrale philosophische Themen sind, mit denen sich der Autor sehr oft in seinen “contes” auseinandergesetzt hat und die hier meiner Meinung nach besonders gut deutlich werden . “Le Blanc et le Noir” zeigt noch andere Themen auf sowie eine Rafinesse in der Erzähltechnik, wobei gerade in der Stilanalyse die Ähnlichkeit der Struktur der beiden Erzählungen zum Ausdruck kommen soll.
1. “Le Monde comme il va” als typischer “conte philosophique”
1.1. Inhaltsanalyse
In diesem conte von Voltaire, zum ersten Mal 1748 herausgegeben, kann man als Merkmal von Voltaires “contes philosophiques” zunächst sagen, daß dieser Geschichte ein Handlungsstrang zugrunde liegt, der durch einen `Helden` geprägt ist. 1
Der Protagonist ist der Skyther Babouc, der von dem hohen “génie” Ituriel den Auftrag bekommt, nach Persien zu gehen, die Menschen zu beobachten ,um
1 Voltaire, Romans et contes, (Paris: Garnier-Flammarion, 1966) ,S.93-108. Alle Seitenangaben beziehen sich auf diesen Basistext
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nachher “un compte fidèle” zu erstellen, nach diesem dann entschieden wird, ob die Stadt Persépolis reformiert oder vernichtet werden soll. Märchenhafte Elemente bzw. die Unwahrscheinlichkeit der Handlung als weitere typische Kennzeichen werden schon durch das Auftreten des Engels Ituriel und auch durch die Tatsache ersichtlich, daß Babouc vom Himmel “le discernement” (S.95) erhält sowie die Gabe, Vertrauen bei den Personen zu erwecken, durch die er mehr über den Charakter von Persépolis erfährt.
Die Erzählung besteht deshalb aus mehreren Episoden der Begegnung Baboucs mit den verschiedensten Einwohnern der Stadt, wobei immer unterschiedliche Themen behandelt werden, hinter denen sich Voltaires philosophische Auffassungen und Kritik an vielen Dingen verbirgt, z.B. an Staat, Kirche, Gesellschaft, Moral. An einigen Stellen wird deutlich, daß Persépolis starke Ähnlichkeit mit Paris und seinem historischen Hintergrund zur Zeit Voltaires aufweist und sich außerdem mit den Erfahrungen des Autors und seinen Einstellungen zu dieser Stadt deckt. 2 Das erste Thema dieses “conte” ist der Krieg, welcher dem Skythen Babouc gleich schon auf seinem Weg in die Stadt begegnet ,denn er trifft auf die persische Armee, die sich gerade auf den Kampf mit Indien vorbereitet (S.95-97). Dabei macht er die Erfahrung, daß, wen er auch fragt, vom Soldaten bis zum General, keiner richtig Bescheid weiß, warum so blutig gekämpft wird. Alle erfüllen nur ihre jeweilige Aufgabe, ohne sich Gedanken um die Hintergründe zu machen. Der Soldat sagt: “...: mon métier est de tuer et d´être tué pour gagner ma vie;...” ,und der Hauptmann verläßt bei einer Kriegserklärung sofort Haus und Familie, um “la fortune ou la mort” (S.96) zu suchen. Voltaire stellt damit die Lächerlichkeit eines Krieges heraus, von dem noch nicht einmal jemand weiß, warum er überhaupt begonnen wurde, was aber eine essentielle Frage ist, wenn man sich die Konsequenzen anschaut, “toutes les fautes et toutes les abominations”, die ein solcher Krieg mit sich bringt und die auch Babouc eigens beobachten kann: “les meurtres, les incendies, les ruines, les dévastations”. Und angesichts dieses Kriegsgreuels erscheint es doch lächerlich und unverantwortlich, wenn der Hauptmann Babouc auf seine Frage sagt: “.., et que m´importe ce beau sujet?” Außerdem ist der Grund, den Babouc dann doch letztlich von einem General erfährt, ein ganz trivialer (ursprünglich Streitigkeiten zwischen
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einem Eunuchen und einem Hofbeamten), was die ganze Sache noch absurder erscheinen läßt. 3 Durch Baboucs Augen sieht der Leser die Grausamkeiten des Krieges. Er ist schockiert von der Unmenschlichkeit, die herrscht, - “Sont-ce là des hommes, s´écria Babouc, ou des bêtes feroces?” -da er sieht, wie
Kriegskameraden sich gegenseitig umbringen und ausplündern, und die Leute, die vom König Persiens gut bezahlt werden, sich kaum um die Verwundeten kümmern. Schnell zieht Babouc hieraus den Schluß, daß Persépolis zerstört werden sollte. Der Genie der Inder könnte aber genauso gut eben diese vernichten, da Babouc in der indischen Armee, die er danach besucht, dieselben Grausamkeiten zu sehen bekommt. Gleichzeitig bemerkt er aber auch, daß es auch im Krieg Menschen gibt, die zwischen den schrecklichen Dingen Gutes tun, die “grandeur d´âme, d´humanité” und “générósité” (S.97) beweisen, und er erkennt erstaunt zum ersten Mal, daß eine Stadt und seine Bewohner sehr viel Gegensätzlichkeit in sich vereinen können: “vertus” auf der einen und “crimes” auf der anderen Seite. Babouc zeigt sich dann auch wegen der guten Seiten und, als er hört, daß endlich der Friede beschlossen wird, um so mehr geneigt, die Stadt doch bestehen zu lassen. Diese Episode zeigt deutlich Voltaires Antikriegshaltung, seine Abscheu gegen Gewalt, sein Unverständnis gegenüber denjenigen, die aus reinem Egoismus und aus lächerlichen Gründen einen Krieg beginnen, unter dem alle zu leiden haben, “...qui pour leur seul intérêt, avaient fait verser le sang de tant d´hommes, leurs semblables,...” (S.97). Diese Haltung von Voltaire ist besonders dann nachzuvollziehen, wenn man den historischen Hintergrund mit einbezieht, und zwar den österreichischen Erbfolgekrieg von 1741 bis 1748, der zur Zeit der Entstehung von “Le Monde comme il va” stattfand. Insofern kann man mit Van den Heuvel übereinstimmen, - welcher nicht nur in diesem conte stark biographische Züge sieht - der der Meinung ist, das Wesentliche in Voltaires contes liege darin, auf “des abus et des scandales” hinzuweisen und sie zu kritisieren, von denen gerade der Krieg “le plus grand des scandales” darstelle. 4
2
Im Vorwort zum “conte” (S.93) wird angemerkt: “Voltaire en ce conte écrit ses <
3 vgl. Van den Heuvel, “Voltaire dans ses contes, (Paris: Colin, 1982),S.131: “La guerre est horrible, mais elle est aussi absurde”.
4 Ebd., S.130.
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Arbeit zitieren:
Eva Neuhaus, 1997, Zwei contes philosophiques von Voltaire: "Le Monde comme il va" und "Le Blanc et le Noir", München, GRIN Verlag GmbH
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