Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1 Entstehungshintergründe des Aufstandes 3
1.1 Die Situation der indischen Soldaten in der Kolonialarmee 3
1.2 Annexionspolitik der Kolonialmacht 4
1.3 Religiöse Ursachen 7
2 Der Aufstand von 1857 bis 1858 9
2.1 Der Beginn - Die Meuterei in Meerut 9
2.2 Die Entwicklung zum Aufstand 11
2.3 Ausgang des Aufstandes und dessen Begründung 12
3 Bewertung des Aufstandes und dessen Folgen und Auswirkungen 16
Literaturverzeichnis 19
1
Einleitung
Die Entwicklung des Britischen Empires zu dem globalen Gebilde, welches es auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung darstellte, wäre ohne das Kapitel „Indien“ nicht möglich gewesen. Der entscheidende Akteur in Bezug auf die Einverleibung des indischen Subkontinents in das Britische Empire war die „British East India Company“ 1 (EIC). Mit deren Gründung 1600 in London baute diese Handelsgesellschaft kontinuierlich ihre Macht im indischen Raum aus. Zunächst nur für die Organisation des Handels zwischen England und Indien verantwortlich, entwickelte sich die EIC immer mehr zu einer Territorialmacht, die auch militärische Bedeutung erlangte und eine eigene Armee aufbaute. Im Rahmen der Aufstellung dieser Armee griff die EIC auch auf lokale Kräfte zurück. 2 Aus verschiedensten Gründen kam es in diesem Teil der Armee 1857 zu einer Meuterei, die weitreichende Auswirkungen für die EIC, aber auch für Indien haben sollte.
Ziel dieser Arbeit ist es, den Aufstand aus dem Jahre 1857 und 1858 in seinen einzelnen Aspekten genauer zu beleuchten. Dafür ist die Arbeit in drei Abschnitte gegliedert: Zunächst werden die Entstehungshintergründe dieses historischen Ereignisses genauer beleuchtet, um im zweiten Abschnitt den Verlauf des Aufstandes in seinen Einzelheiten zu beschreiben. Im dritten Abschnitt werden das Resultat des Aufstandes und mögliche Begründungen dessen diskutiert, sowie die nachhaltigen Auswirkungen für Indien und gleichermaßen für die EIC bzw. die Briten kurz erläutert.
1 Häufig als East India Company bezeichnet.
2 MOHANTY (2006), S. 68f; PLASCHKA (2000), S. 140
2
1 Entstehungshintergründe des Aufstandes
Der folgende Abschnitt beinhaltet die Ursachen des Aufstandes. Einige Autoren sehen als Auslöser des Aufstandes die Meuterei der Sepoys, die durch ein ganz bestimmtes Schlüsselereignis, der so genannten „Patronenfrage“, entfachte. 3 Einige andere Autoren hingegen diskutieren weitaus umfangreichere Ursachen, welche auch zeitlich deutlich weiter zurückreichen. 4 Bevor die Ereignisse des Jahres 1857 und 1858 genauer beschrieben werden sollen, wird zunächst auf eine Reihe dieser diskutierten Ursachen eingegangen.
1.1 Die Situation der indischen Soldaten in der Kolonialarmee
Auf Grund der steigenden Rivalitäten unter den europäischen Mächten auf dem subindischen Kontinent wandelte sich die EIC immer mehr zu einem militärischen Akteur. Man legte Festungen an und stellte eigene Truppenkontingente auf, die sich aus indischen und englischen Soldaten zusammensetzen. 5
Innerhalb des Company-Heeres bestanden Rivalitäten, welche sich vor allem auf das Offizierskorps bezogen. Die nicht-europäischen Truppen des Heeres bezeichnete man als so genannte Sepoys 6 , welche die Differenzierung zwischen den „königlichen“ und den „niederen“ Truppenteilen im steigenden Maße zu spüren bekamen. Die Generation der britischen Offiziere, die den Kampf um die Vorherrschaft in Indien selbst miterlebt hatten, war längst abgelöst und im Wandel zu einer regulären Armee vergrößerte sich die Distanz zwischen Offizieren und Mannschaft. Die Sepoys wurden immer mehr als Untertanen angesehen, was wiederum zu einer steigenden Verachtung der britischen Offiziere führte, auch weil die einheimischen Offiziere von den britischen Kameraden immer weniger akzeptiert wurden. Dadurch fiel ein entscheidendes Bindeglied zwischen den indischen
3 u.a. BAYLY (2003)
4 u.a. PLASCHKA (2000); GANGULY / DEVOTTA (2003); WOLPERT (1997)
5 PLASCHKA (2000), S. 140
6 PLASCHKA (2000), S. 139: Nach Ansichten dieses Autors stammt es von der portugiesischen Wortbedeutung „Söldner“ ab. Es gibt aber auch die Ansicht, dass es dem alt-persischen Begriff „sipahi“ entstammt, was so viel wie „Soldat“ bedeutet.
3
Soldaten und den britischen Offizieren weg. 7 Dieser Fakt sollte ebenso wie die Taktlosigkeit der britischen Offiziere beim Ausbruch der Meuterei 1857 eine Rolle spielen. 8
Es gab bereits vor dem Jahr 1857 verschiedene Unruhen innerhalb der Armee. Die gravierendste Revolte ereignete sich 1806 in Vellore, als indische Soldaten ihre Offiziere angriffen. Diese Meuterei hat verblüffende Parallelen zu dem Ereignis von 1857. Die Meuterer befürchtenden anscheinend Angriffe auf ihre Religion in Folge der Einführung europäischer Kopfbedeckungen. Eine Kompanie der bengalischen Armee hatte in Java 1815 und in Gwalior 1834 gemeutert. Darüber hinaus gab es Unruhen während des Afghanistan-Feldzuges 1839-1842 auf Grund des Mangels an fähigen Führungskräften. 9
Die Unzufriedenheit der Sepoys stieg in den 1850er Jahren weiter an, u.a. durch den „General Service Enlistment Act“ von 1856, welcher die indischen Soldaten im Dienste der Briten dazu verpflichtet auch im Ausland zu dienen. Zusätzlich veränderten die Briten ihre Rekrutierungspolitik und zogen auch Männer aus anderen Kasten und religiösen Gruppen ein, was zu einer weiteren Verunsicherung der bis zu diesem Zeitpunkt den Militärdienst dominierenden Kasten führte. Ein weiterer Schlüsselaspekt war die Kürzung ihres Soldes bei der Invasion von Avadh 1856 (auf Grund der Verweigerung des Auslandsdienstes) und der daraus in ihren Augen folgende Prestigeverlust gegenüber anderen Angehörigen der Armee. 10
1.2 Annexionspolitik der Kolonialmacht
Eine weitere Ursache des Aufstandes liegt in der territorialen Einnahmepolitik, welche die Briten in Indien praktizierten. In den Anfangszeiten des Kampfes um die Vorherrschaft hatte man noch durch Verträge die Macht der Fürsten neutralisiert. Nach Erlangen der Vorherrschaft war den Briten die Bündnistreue mehr oder weniger eine Last und man wechselte zu der Methode der Annektierung. 11 Diese Politik führte
7 PLASCHKA (2000), S. 140
8 KULKE / ROTHERMUND (1998), S. 316f
9 BAYLY (2003), S. 179
10 ebd., S. 180; INNES (1985), S. 305
11 KULKE / ROTHERMUND (1998), S. 316
4
bereits vor der „großen“ Revolte zu einer Vielzahl an Widerständen im Zeitraum zwischen 1800 und 1860. Die bedeutsamsten waren die regelmäßigen Unruhen der Landbesitzer, Konflikte zwischen Landbesitzern und deren Pächtern mit dem Hintergrund der hohen Steuerbelastung, Prestige- oder Machtverlust sowie Auseinandersetzungen zwischen religiösen Gruppen oder verschiedenen Kasten. All diese Konflikt-Typen traten zu dieser Zeit in regelmäßigen Abständen auf, aber als Einzelereignisse, die sich lokal begrenzt. Im Jahre 1857 tauchten sie in überspitzer Form, deutlich weiträumiger und in gebündelt Form wieder auf. 12
Einer der Hauptakteure hinsichtlich der Annexionspolitik und somit auch mitverantwortlich für den Aufstand von 1857 war James Dalhousie, der von 1847 bis 1856 Generalgouverneur in Indien war. Er verfolgte zwar von Beginn seiner Amtszeit an eine Art Modernisierungspolitik, was sich u.a. in dem Aufbau eines Eisenbahnnetzes und der Einführung britischer Bewässerungstechnik äußerte, aber auch eine gnadenlose Annexionspolitik. Im Grunde zielten alle seine Maßnahmen aber auf die Erhöhung der Einnahmen und der Produktionseffizienz. 13 Dalhousies wichtigster Beitrag für die Regierungskasse war allerdings nicht die Modernisierung oder das Ergebnis kostspieliger kriegerischer Eroberungen, sondern die direkte Aneignung von Land, das noch im Besitz von fürstlichen „Verbündeten“ war. Eine der ersten Maßnahmen des neuen Generalgouverneurs nach dessen Eintreffen in Indien war die Einführung der so genannten „Doctrine of Lapse“. Diese erlaubt den Briten die Aneignung von Territorium auf Grund eines „Vertragsbruches“. In der Doktrin wurde festgelegt, dass die einst abgeschlossenen Verträge zwischen den indischen Fürsten und den Briten nur für „natürliche“ Erben weiterbestehen würden. Stirbt ein Herrscher ohne einen leiblichen Nachfolger 14 , erhält die EIC die direkte Kontrolle über das Herrschaftsgebiet und seine Einnahmen. Auch wurden „ausschweifende“ und „verdorbene“ Lebensweisen bzw. der Vorwurf der Misswirtschaft als ein Vertragsbruch interpretiert und führten schlussendlich zur Vertragsauflösung und somit zur territorialen Übernahme durch die Briten. Nach dem die Doktrin 1848 erstmals gegen den Raja von Satara „erfolgreich“ eingesetzt wurde, stellte dieses
12 BAYLY (2003), S. 169f
13 WOLPERT (1997), S. 231f
14 Traditionell wurde eine Erbschaftslücke durch einen Adoptivsohn geschlossen. Die Briten habe diese aber über die Doktrin als rechtmäßige Erben ausgeschlossen.
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Arbeit zitieren:
B.Sc. Marcel Demuth, 2010, Die Darstellung des Sepoy-Aufstandes in neueren Buchpublikationen, München, GRIN Verlag GmbH
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