Inhaltsverzeichnis
I Theoretischer Diskurs: Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung -
der Spielbericht im Fokus. Einordnung, Bedingungen, Boulevardaspekte.
1. Einleitung 1
2. Boulevardjournalismus auf dem Vormarsch:
Sportberichterstattung im Wandel 5
7
2.1 Definition Boulevardjournalismus
9
2.2 Veränderte Bedingungen für den Sportjournalismus
13
2.3 Die Rolle des Sportjournalisten im Wandel
15
2.4 Die Konstante: Ethik in der Sportberichterstattung
3. Der Spielbericht im Fokus: Charakteristika und Abgrenzungen 16
17
3.1 Historische Einordnung
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3.2 Der Bericht als journalistische Darstellungsform
20
3.3 Besondere Merkmale des Spielberichts
4. Emotionalisierung der Spielberichterstattung als Indiz
für Boulevardjournalismus 23
24
4.1 Sensationalisierung
25
4.2 Personalisierung
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4.3 Visualisierung
5. Themensetzung in der Spielberichterstattung 29
29
5.1 Gate-Keeper-Prozesse
30
5.2 Einfluss der Nachrichtenfaktoren
31
5.3 Agenda Setting
I
6. Zwischenfazit: Zusammenfassung des Theorieteils 32
II Inhaltsanalyse: Vergleich der Boulevardaspekte in der Spielberichterstattung
von Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga-Saison 2007/2008 in den
Medien „Bild“, „Süddeutsche Zeitung“, „Weser-Kurier“ und „Werder.de“
7. Theoretische Einordnung der Untersuchungsobjekte 33
34
7.1 Die „Bild“
35
7.2 Die „Süddeutsche Zeitung“
35
7.3 Der „Weser-Kurier“
36
7.4 „Werder.de“
8. Methodik der Inhaltsanalyse 37
37
8.1 Inhaltsanalyse als empirsche Methode
38
8.2 Validität und Reliabilität
9. Operationalisierung, Design, Datengrundlage 39
10. Forschungsfragen und Hypothesenbildung 41
11. Ergebnisse 45
45
11.1 Sprachliche Ebene
47
11.2 Inhaltliche Ebene
54
11.3 Optische Ebene
56
11.4 Boulevardjournalismus auf drei Ebenen
12. Zusammenfassung der Ergebnisse 60
61
12.1 Forschungsfragen im Fokus
64
12.2 Fazit
II
III Anhang mit Literaturverzeichnis
Literaturverzeichnis 67
Tabellenübersicht - alle im Fließtext verwendeten Tabellen 84
Codebuch mit Codieranweisungen und Beispielen 101
Grad des Boulevardstils - Berechnung und Einzelbetrachtung 114
Intra-Coder-Reliabilität - Analyse 118
Codierbogen 119
III
I Theoretischer Diskurs: Boulevardjournalismus in der
Sportberichterstattung - der Spielbericht im Fokus. Einordnung,
Bedingungen, Boulevardaspekte.
1. Einleitung
Im Jahr 1986 feierte die Sportberichterstattung in Deutschland ihren 100. Geburts- 1 , doch statt mit Glückwünschen begegnete die Wissenschaft dem Sportjournalis- tag
2 , die bis heute anhält. Die Berichterstattung imus mit zum Teil heftiger Kritik
Sport sei emotional aufgeladen, superlativistisch überbewertet, stereotypisch und neige zur Starkultivierung, um nur eine kleine Auswahl der Kritikpunkte am Sport-
3 Die Beanstandungen lassen sich dabei unter einem überge- journalismus zu nennen.
ordneten Vorwurf zusammenfassen: Die Sportberichterstattung (TV, Hörfunk, Print,
4 auf. Josef Internet) weise regelmäßig Kennzeichen des Boulevardjournalismus Hackforth, Leiter des Lehrstuhls Sport, Medien und Kommunikation an der tech- nischen Universität München, stellte 2000 in seinen zehn Thesen zur Sportberichterstattung im dritten Jahrtausend die Behauptung auf, „die
5 . Die Aussage Boulevardisierung der Sportberichterstattung wird weiter zunehmen.“ impliziert, dass es bereits einen Trend gebe, wonach die Sportberichterstattung sich dem Boulevardjournalismus annähre, beziehungsweise bereits angenähert habe. Die
in der Literatur vorzufindenden Ausführungen zum (zunehmenden)
Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung weckten das Interesse des Autors dieser Arbeit, die sich im weiteren Verlauf mit dem folgenden Thema auseinandersetzt:
Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung? - Die Spielberichterstattung von Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga-Saison 2007/2008. Ein inhaltsanalytischer Vergleich der Spielberichte ausgewählter Medien.
1 Vgl. Fischer, Christoph (1993): S. 31.
2 Die Kritik an der Sportberichterstattung wird in Punkt 2 dieser Arbeit genauer beleuchtet. 3 Vgl. Fischer, Christoph (1993): S. 281.
4 Der Begriff Boulevardjournalismus wird in Punkt 2.1 dieser Arbeit definiert. 5 Vgl. Hackforth, Josef: Zehn Thesen zur Sportberichterstattung im dritten Jahrtausend. In: „Die Welt“ vom 03.01.2000.
1
6 der Punktspiele von Das Forschungsinteresse besteht darin, die Spielberichte Werder Bremen in der Bundesliga-Saison 2007/2008 in ausgewählten Medien auf Boulevardaspekte hin zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Dies scheint insofern interessant, da die Spielberichte als Basis der Fußball-Berichterstattung ver- standen werden dürfen, schließlich ist es deren Funktion, den Rezipienten über die wichtigsten Ereignisse eines Fußballspiels objektiv und sachlich zu informieren (vgl. Kapitel 3). Der Spielbericht beinhaltet also die essentiellen Informationen zum Spielgeschehen, um dessen Gerüst die Masse der fortführenden Geschichten zum Fußballalltag gestrickt werden. Es stellt sich die Frage, ob sogar die Spielberichte - als Informationsbasis für den Fußballjournalismus - Kennzeichen aufweisen, die für einen Boulevardjournalismus sprechen.
Eine umfassende Medienanalyse wird in dieser Arbeit nicht durchgeführt. Die vorliegenden Ausführungen beschränken sich auf Spielberichte (Sportberichterstattung) aus dem Print- und Onlinejournalismus, demzufolge auf Erzeugnisse in Wort und Schrift. Des Weiteren befasst sich die Analyse mit den Spielberichten ausgewählter Presseprodukte und es wurden keine Vergleichszeiträume erhoben. Die Auswahl der Medien beinhaltet eine Boulevardzeitung, eine überregionale Tageszeitung, eine regionale Tageszeitung sowie die Homepage des Fußball-Bundesligavereins Werder Bremen. In diesen Medien werden die Spielberichte auf Boulevardaspekte untersucht. Die Entscheidung, Werder-Spielberichte zu untersuchen, begründet sich mit dem großen Medieninteresse an dem Bremer Fußballverein. Die Spiele von Werder Bremen, als einer der Topklubs in der Bundesliga, finden auch überregional große Beachtung in der Presse und bieten sich somit für diese Forschung an.
Obwohl der Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung in der wissenschaftlichen Literatur zunehmend thematisiert wird, existieren kaum Forschungen zu diesem Themenkomplex. Einige Arbeiten beschäftigen sich mit der Boulevardisierung des Sports in der TV-Berichterstattung. Arbeiten, die sich mit Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung auseinandersetzen und sich auf den Printrespektive Onlinejournalismus beziehen sind dagegen rar. Grundsätzlich lässt sich festhalten: „Bisher gibt es noch kaum Analysen über den Wandel der Sportbericht- 6 WeitereAusführungen zum Spielbericht sind dieser Arbeit in Punkt 3 zu entnehmen.
2
7 Dennoch lassen sich Arbeiten finden, die sich mit Boule- erstattung in der Presse.“
vardaspekten in der Print-Sportberichterstattung und sogar explizit mit dem Fußballsport befassen. Exemplarisch werden hier die Werke von Christian Koziara
8 und von Herdin Wipper „Sportpresse unter „Alles `schwarz, rot geil`- oder was?“
Druck. Die Entwicklung der Fußballberichterstattung in bundesdeutschen Print-
9 angeführt. Koziara untersucht in seiner Arbeit die Berichterstattung zur medien“
Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in der „Bild“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ auf Boulevardaspekte, Wipper vergleicht die Berichterstattung der Fußball-Weltmeisterschaften von 1990 und 1998 in ausgewählten Printmedien miteinander. Beide Autoren konnten (zunehmende) Boulevardaspekte in der Fußballberichterstattung nachweisen. Forschungen, die Boulevardjournalismus explizit in Spielberichten der Partien eines Bundesligisten zum Untersuchungsgegenstand haben, sind dem Autor nicht bekannt. Demnach ist es sinnvoll, diesem noch unerforschten Themengebiet Beachtung zu schenken.
In dieser Arbeit werden die Werder-Spielberichte der Bundesliga-Saison 2007/2008
in jeweils einer Boulevardzeitung („Bild“), einer überregionalen Tageszeitung
(„Süddeutsche Zeitung“), einer regionalen Tageszeitung („Weser-Kurier“) und auf der offiziellen, vereinseigenen Homepage von Werder Bremen („Werder.de“) mit der Methodik der quantitativen Inhaltsanalyse im Hinblick auf folgende Forschungsleitfragen untersucht und miteinander verglichen.
Wie berichten die Boulevardzeitung „Bild“, die überregionale Tageszeitung „Süddeutsche Zeitung“, die regionale Tageszeitung „Weser-Kurier“ und die vereinseigene Website „Werder.de“ von den Bundesliga-Spielen mit Beteiligung von Werder Bremen?
Präziser: Sind in den Spielberichten der Bundesliga-Partien von Werder Bremen in den untersuchten Medien Aspekte/Indizien vorzufinden, die Boulevardjournalismus
in der Spielberichterstattung nachweisen?/Welche Boulevardaspekte treten in Erscheinung?
7 Beck, Daniel (2001): S. 5. 8 Vgl. Koziara, Christian ( 2006). 9 Vgl. Wipper, Herdin (2003).
3
Wie unterscheiden sich die Spielberichte der untersuchten Medien bezüglich des Boulevardjournalismus voneinander? Welche Gemeinsamkeiten bestehen?
Mit der quantitativen Datenerhebung sollen Rückschlüsse auf die formale, optische, sprachliche, thematische und inhaltliche Aufbereitung der Spielberichte gezogen und Vergleiche angestellt werden. Die nachstehenden Thesen lassen sich aus dem Forschungsinteresse ableiten:
In den Spielberichten aller untersuchten Medien sind Boulevardaspekte auszuma- chen.
Die Spielberichte der „Bild“ weisen, dem journalistischen Selbstverständnis einer Boulevardzeitung entsprechend, im Vergleich die meisten Boulevardaspekte auf, aber auch die Spielberichte der „Süddeutschen Zeitung“, des „Weser-Kuriers“ und von „Werder.de“ beinhalten Boulevardaspekte.
Die Spielberichte in allen untersuchten Medien entsprechen nicht der Funktion des prototypischen Berichts, über Geschehnisse sachlich und objektiv zu informieren.
Selbst in den hauseigenen Spielberichten von Werder Bremen auf der offiziellen Homepage „Werder.de“ sind auffällig viele Boulevardaspekte vorzufinden und der Verein trägt somit, aufgrund seiner Servicefunktion für die Medien, zum Boulevardjournalismus in der Spielberichterstattung der Tagespresse bei.
Die vorliegende Arbeit beinhaltet einen Theorie- und einen Analyseteil. Im ersten Abschnitt wird zunächst der Wandel des Sportjournalismus hin zu einer boulevardesken Berichterstattung beschrieben und Ursachen, Charakteristika und Folgen des Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung aufgezeigt, bevor der Spielbericht, welcher im Fokus der Untersuchung steht, genauer beleuchtet wird. Im Anschluss werden Indizien/Merkmale vorgestellt, anhand derer sich Boulevardaspekte
in der Spielberichterstattung festmachen lassen, ehe die Themensetzung, welche Boulevardjournalismus in einem Spielbericht gleichermaßen bedingen kann, beschrieben wird. Der zweite Teil der Arbeit widmet sich der Analyse der
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Spielberichte. Den Forschungsfragen und Thesen entsprechend werden die Ergebnisse der Untersuchung erarbeitet und dargestellt.
Die Berichterstattung im Fußballsport weist keine gravierenden Unterschiede zur allgemeinen Sportberichterstattung auf. Demnach gelten die theoretischen Ansätze in der Literatur, die sich vornehmlich mit dem Boulevardjournalismus in der Sport- und eher selten explizit mit der Fußballberichterstattung auseinandersetzen auch für den letzteren Themenkomplex. Soll heißen: Im Theorieteil dieser Arbeit behandeln die Ausführungen oftmals die allgemeine Sportberichterstattung, obwohl ausschließlich der Fußballsport im Fokus der Inhaltsanalyse steht. Diese allgemeinen Ausführungen können aber aus genannten Gründen zweifelsohne auch auf die Fußballberichterstattung bezogen und für diese geltend gemacht werden. Gleiches gilt für den Spielbericht. Spielberichte lassen sich im Sportjournalismus zu verschiedenen Sportarten verfassen, dennoch gibt es keine wesentlichen charakteristischen Unterschiede. Die Ausführungen zum Spielbericht beziehen sich in dieser Arbeit ausschließlich auf Fußball-Spielberichte.
2. Boulevardjournalismus auf dem Vormarsch: Sportberichterstat- tung im Wandel
Wer sich wissenschaftlich mit der Sportberichterstattung auseinandersetzt, wird feststellen müssen, dass diese in der Literatur zumeist kritisch betrachtet wird. Allen voran der Wandel von einer informationsbasierten hin zu einer emotionalisierten, unterhaltungsorientierten Berichterstattung steht im Fokus der Kritik. Sport werde zunehmend zu einem Unterhaltungsangebot, die Informationsfunktion rücke in den Hintergrund. Zudem wird beanstandet, dass es sich bei Mediensport um selektierten Spitzensport handle, der häufig ereigniszentriert und dramatisiert präsentiert werde. Sport sei eine Show, die Sportler seien Showstars. Der Mediensport werde dabei von
10 Männern dominiert, die einen nationalen Bezug aufweisen. Die
Hintergrundberichterstattung werde vernachlässigt und die Journalisten würden sich vermehrt einer emotionalen Sprache bedienen, vermehrt auf visuelle Reize setzen und die notwendige Distanz zum sportlichen Geschehen vermissen lassen. Fakten
10 Vgl. Gleich, Uli (2004): S. 189.
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und Meinung würden sich vermischen. Der Mediensport sei insgesamt selektiert und
11 Damit einhergehend stellt sich die Frage, inwie- inszeniert, er verzerre die Realität.
fern die Sportberichterstattung ihrer primären Funktion, der Informationsvermittlung, noch Rechnung trägt. „Kritisiert wird in vielen Fällen die Qualität der Sportberichterstattung, und die ihr zugedachte aber offensichtlich nicht erfüllte Aufgabe, [...] umfassend , wahrhaftig und hintergründig reportierend und analysierend über den Sport
12 zu informieren.“
Trends, die dem Vorbild des Boulevardjournalismus entsprechen. Es ist eine Entwicklung auszumachen, dass die Sportberichterstattung in allen Medien zunehmend
13 Eingang. boulevardisiert wird. Auch in Printmedien findet eine Boulevardisierung Vor allem die Personalisierung, die Orientierung an Stars hat merklich zugenommen. Sport wird zunehmend als Unterhaltungsware verstanden, das mit Emotionen aufgeladene Produkt wird für den Rezipienten interessant aufbereitet. Der Sport wird als populäres Angebot mit dramatischen Schlagzeilen angepriesen. Oft wird dabei die Verpackung wichtiger genommen als der Inhalt, oberflächliche Berichterstattung
14 Hintergrund und Analyse sind weit weniger präsent als ist die Folge.
15 Festzuhalten bleibt: „Entertainisierung von Ereignissen“ und „bunte Geschichten“. „Inhalt und Form der Sportberichterstattung - auch die der sogenannten seriösen
16 Presse sind stark am Boulevard-Vorbild orientiert.“
Bevor nun der Wandel der Sportberichterstattung hin zum Boulevardjournalismus detailliert beschrieben wird, beziehungsweise aufgezeigt wird, welche Faktoren den Wandel der Sportberichterstattung hin zu einer, am Boulevardjournalismus orientierten, Sportberichterstattung bedingen, soll Boulevardjournalismus zunächst definiert werden.
11 Vgl. Loosen, Wiebke (2004): S. 14 f. 12 Fischer, Christoph (1993): S. 34.
13 Der Begriff Boulevardisierung beschreibt den Prozess der Zunahme von Boulevardelementen in der Berichterstattung. 14 Vgl. Klemm, Thomas (2007): S. 326.
15 Vgl. Hackforth, Josef; Schaffrath, Michael (1998): S. 250 f. 16 Fischer, Christoph (1993): S. 42.
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2.1 Definition Boulevardjournalismus
„Zur Boulevardpresse, Klatschpresse (englisch: "yellow press") gehören regelmäßig erscheinende Zeitungen und Zeitschriften, die vorwiegend auf der Straße ("Boulevard") verkauft werden, also nicht im Abonnement vertrieben werden. Diese zeichnen sich durch eine betont sensationelle Aufmachung, große Überschriften, großflächige Fotos, auffällige Farben und plakative Schlagzeilen aus, welche sowohl die Aufmerksamkeit des Lesers sichern und somit zum Kauf anregen sollen. Sie wollen den Leser durch schockierende Stories ansprechen und bedienen sich häufig einer einfachen und sehr direkten Ausdrucksweise, in der nicht selten Elemente der Umgangs- und Vulgärsprache wiederzufinden sind. Aufmachung und Sprache wollen Neugier, Sensationshunger und Nervenkitzel bei den Lesern wecken und befriedigen,
17 So wird um diese so immer wieder zum Kauf der Zeitschrift/Zeitung anzuregen.“ Boulevardjournalismus im Online-Lexikon „Calsky“ definiert. In der wissenschaft- lichen Literatur wird Boulevardjournalismus zudem eng mit den Begriffen Boulevar- disierung und Tabloidization verbunden, welche den Prozess der Zunahme von Boulevardelementen respektive die Annährung der seriösen Presse an die Boule- vardpresse beschreiben.
Laut Hoffmann sind Sensationalismus, Personalisierung, Negativismus und Emotionalität wesentliche Merkmale des Boulevardjournalismus. Des Weiteren tritt neben die Informationsfunktion die Unterhaltungs- und Servicefunktion. Sogenannte Soft News, Neuigkeiten mit unterhaltendem Wert, sind oft Gegenstand des Boulevardjournalismus. Informationen werden „bunt“ aufbereitet, Information und Unterhal- 18 tung vermischen sich zu Infotainment (engl. Information und Entertainment).
Koziara betont, dass im Boulevardjournalismus keine deutliche Trennung von Fakten und Meinung erkennbar ist und dieser auf drei Ebenen, der inhaltlichen, sprachlichen und optischen Ebene, präsent sein kann. Inhaltliche Elemente des Boulevard- 19 journalismus sind die Bevorzugung von Human-Interest-Themen , die Personalisierung (Fokussierung auf Themen, die einzelne (prominente) Personen und deren
17 http://lexikon.calsky.com/de/txt/b/bo/boulevardjournalismus.php 18 Vgl. Hoffmann, Jana (2001): S. 16 ff.
19 Als Human-Interest-Themen werden Themen bezeichnet, die sich vordergründig an dem zu erwartenden Zuschauerinteresse orientieren. Dies gilt insbesondere, ohne dass dieses Interesse sachlich begründet ist, etwa durch besondere Wichtigkeit oder Aktualität.
7
Handlungen zum Gegenstand haben), das Publizieren von unterhaltenden Begebenheiten, die oberflächliche, unzulängliche Hintergrundberichterstattung, die (ungeprüfte) Übernahme von Agenturmeldungen sowie die Einbeziehung des persönlichen Standpunktes des Journalisten beziehungsweise des Standpunktes des publizierenden Mediums. Inhaltlicher Boulevardjournalismus existiert ebenso, wenn Geschehnisse dramatisiert, übertrieben und/oder unverhältnismäßig sensationell aufbereitet werden. Sprachlicher Boulevardjournalismus ist durch die Verwendung einer emotionalen, einfachen, lockereren und volksnahen Ausdrucksweise gekennzeichnet, die sich Stilmitteln wie Zynismus, Ironie, Satire und Sarkasmus bedient. Auf der optischen Ebene besticht Boulevardjournalismus mit einer plakativen Aufmachung. So werden große Bilder möglichst zahlreich und auffällig in der Berichterstattung platziert, die emotional aufgeladene Momente festhalten. Auffällige Überschriften
20 sind die Regel, Boulevardjournalismus setzt auf visuelle Reize.
Den vorangegangenen Ausführungen ist gemein, dass Boulevardjournalismus vornehmlich durch Emotionalisierung, Personalisierung, Sensationsmache und Visualisierung gekennzeichnet ist. Diese Faktoren werden in Kapitel 4 dieser Arbeit ausführlich beleuchtet. Festzuhalten bleibt aber auch, dass die Grenzen zwischen seriösem Journalismus und Boulevardjournalismus fließender geworden sind und eine trennscharfe Unterscheidung schwierig ist. Erich Laaser, Präsident des Verbandes deutscher Sportjournalisten (VDS) stellt dazu fest: „Die Trennung zwischen Boulevardjournalismus und seriösem Journalismus, die es früher viel deutlicher gab, ist heute in der Form nicht mehr vorhanden. Die Grenzen sind fließender geworden, weil auch die sogenannten seriösen Tageszeitungen gemerkt haben, dass ihre Leserschaft sich durchaus für das Privatleben eines Fußballers interessiert, [...]. Das wollen auch die sogenannten seriösen Leser wissen. Das heißt, es wird immer schwieriger für den Sportjournalisten, seinen Platz zu finden und die Abgrenzung zu
21 finden zwischen seriösem Sportjournalismus und Boulevardjournalismus.“
Inwiefern diese Abgrenzung in der Spielberichterstattung vorhanden ist, wird im Analyseteil dieser Arbeit noch zu klären sein. Zuvor gilt es herauszustellen, welche Veränderungen im Sportjournalismus, neben dem von Laaser formulierten wachsen- 20 Vgl.Koziara, Christian (2006): S. 9 f. 21 Zitat von Laaser, Erich. In: Wipper, Herdin (2003): S. 349.
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den Interesse der Rezipienten an Human-Interest-Inhalten, den Wandel hin zu einer boulevardesken Berichterstattung forcieren.
2.2 Veränderte Bedingungen für den Sportjournalismus
Sport erfreut sich nach wie vor zunehmender Beliebtheit. Nicht zuletzt die umfangreicher gewordene Freizeit in der Bevölkerung trägt dazu bei, dass das Interesse am Sport in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist. Sportvereine verzeichnen zunehmende Mitgliederzahlen, kommerzielle Sportanlagen werden vermehrt installiert und finden regen Zuspruch. Sportliche Aktivitäten haben sich im gesellschaftlichen Leben etabliert. Diesem Trend können sich auch die Medien nicht entziehen. Im Zuge der wachsenden Bedeutung des Sports ist eine gestiegene Widerspiegelung des
22 Sports in den Medien zu verzeichnen.
Sport kommt beim Publikum gut an und insofern ist es wenig verwunderlich, dass die Medien auf das Interesse an Sportberichterstattung reagieren. Neben der TV-Berichterstattung, die weiterhin expandiert, neue Formate konzipiert und die Sendezeit ausweitet, hat sich auch die Sportberichterstattung in Tageszeitungen als „Leistungsträger“ etabliert. „Für die Bundesrepublik gilt, dass Intensivnutzer von Sportinformationen sich vor allem über das Fernsehen informieren, dass hiervon 60 % sich ebenfalls intensiv über den Sport in Tageszeitungen und 40 % im Rundfunk auf dem
23 Der Sportteil macht in einer Tageszeitung bis zu 20 % aus, bei Laufenden halten.“
der „Bild-Zeitung“ aus gegebenen Anlässen sogar bis zu 38 % - Tendenz steigend. Oft wird der Sportteil vom Leser als erstes aufgeschlagen, knapp 50% aller männlichen Leser konsumieren die Sportseiten. Die Sportberichterstattung der Tageszeitungen hat sich in Boulevardblättern ebenso wie in regionalen und 24 Bereits 1988 stellte Bizer überregionalen Zeitungen quantitativ ständig ausgeweitet. fest, dass der Sport für eine Abonnenten-Zeitung zum Boom-Ressort und für eine
25 Boulevard-Zeitung sogar zum unverzichtbaren Verkaufsargument avanciert ist. Sportereignisse und ihre Widerspiegelung in den Medien sind ein Phänomen, das nicht nur gegenwärtig ein Hoch erlebt. Vielmehr zeichnet sich ein Trend ab, wonach Sportberichterstattung eine wachsende Bedeutung, einen immer größer werdenden
22 Vgl. Boucsein, Markus (1993): S. 153. 23 Krüger, Arnd (1993): S. 24. 24 Vgl. Fischer, Christoph ( 1994): S. 57. 25 Vgl. Bizer, Peter (1988): S. 137f.
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Raum im Bewusstsein von immer mehr - vornehmlich männlichen - Medienkon- 26 sumenten einnimmt.
Der Fußballsport hat in dieser expandierenden Sportberichterstattung eine besondere Stellung inne. Keiner anderen Sportart wird ähnlich viel mediale Aufmerksamkeit geschenkt wie dem Fußball. Sei es im TV, im Hörfunk, im Internet oder in der gedruckten Tagespresse, Fußballberichterstattung nimmt in der an Bedeutung
27 gewinnenden Mediensportagenda eine vormachtähnliche Position ein. Sport und insbesondere Fußball ist folglich auch wegen seiner Wechselwirkung zwischen den Medien und den Rezipienten zu einem bedeutsamen gesellschaftlichen Ereignis gereift, das aufgrund der zunehmenden Publizität und dem damit einherge- 28 henden Werbepotenzial auch für die Wirtschaft an Bedeutung dazu gewonnen hat. Dabei sind Parallelen in der Entwicklung des Spitzensports und der medialen Aufbereitung des Sports deutlich erkennbar. Das Erreichen verbesserter Leistungen beziehungsweise das Herantasten an absolute Leistungsgrenzen führte zu einer gestiegenen (medialen) Popularität des Sports und der Leistungsträger, zu einer Professio- 29 nalisierung und damit schließlich zu einer Kommerzialisierung.
Die Kommerzialisierung schreitet weiter voran. Sport fungiert als Ware, Sport lässt sich gut verkaufen. Sport und Medien als zwei Subsysteme mit einem überdurchschnittlich gewachsenen Kommerzialisierungsgrad instrumentalisieren sich dabei gegenseitig zu einem beiderseitigen ökonomischen Nutzen. Von dieser engen Verbindung profitieren beide Systeme im Idealfall im gleichen Ausmaß. Dies gilt im Besonderen für die Symbiose von Sport und Fernsehen, da die Möglichkeit der direkten oder zeitversetzten Wiedergabe des sportlichen Geschehens besteht und damit
30 Der Pay-TV-Sender der Verkauf und Handel von Übertragungsrechten einhergeht. „Premiere“ zahlt aktuell für die Live-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga
31 etwa 220 Millionen Euro pro Saison an die Deutsche Fußball Liga (DFL).
26 Vgl. Krüger, Arnd (1993): S. 28. 27 Vgl. Loosen, Wiebke (2004): S. 13. 28 Vgl. Gleich, Uli (2004): S. 183. 29 Vgl.: Fischer, Christoph (1994): S. 57. 30 Vgl. Schierl, Thomas (2004): S. 105 f. 31 Vgl. http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/145/121982/
10
Der Nutzen der Wechselbeziehung liegt für die Medien auf der Hand. Sportübertragungen erzielen überdurchschnittlich hohe Reichweiten, Sport wird gerne und viel rezipiert (s.o.). Dadurch lassen sich die Werbeerträge des Anbieters steigern, der Anbieter selbst steigert seine Attraktivität im Werbemarkt und gegenüber den Konsumenten. Im Pay-TV-Bereich fungiert der Sport als wichtigstes Argument für ein Abonnement. Die Sportveranstalter auf der anderen Seite erhöhen durch den Verkauf der Übertragungsrechte ihre Erträge, die Sportveranstaltungen werden wirksam vermarktet und die Vertragsabschlüsse gewähren eine gewisse Planungssicherheit im
32 Vorfeld.
Im Zuge der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports und der ungebrochenen Nachfrage nach Sportberichterstattung erweitern die Medien ihr Programmangebot stetig. Insbesondere das Fernsehen, das - wie bereits erwähnt - hohe Summen für die Verwertungsrechte bezahlt, „schlachtet“ das eingekaufte Material aus. Analysen, Vorschauen, Rückblicke, Prognosen, Porträts, etc.: Das TV-Angebot bietet Sport in
33 Die mediale Konkur-Hülle und Fülle, deckt jegliche Art der Berichterstattung ab. renz passt sich dem Wachstum an. Rundfunk, Presse und Internetpublikationen weiten ihr Angebot ebenfalls aus. Insbesondere die schreibende Zunft sieht sich dabei mit dem Nachteil konfrontiert, dass sie nicht in Bild und Ton berichten können. Die Möglichkeit, eine alte Geschichte neu zusammenzuschneiden und dem Publikum als frischen Input zu präsentieren, besteht für die Berichterstattung in Wort und Schrift so nicht. „Das Handicap der Presse bleibt das Papier, auf dem sie gedruckt 34 Dennoch müssen die zusätzlichen Seiten gefüllt werden - „bunte“, werden.“
großflächig aufgemachte Texte mit boulevardjournalistischem Inhalt stellen dabei einen möglichen Ausweg dar.
Hinzu kommt, dass die TV-Sportberichterstattung im Kampf um Quoten vermehrt auf Attraktivität durch unterhaltende Elemente setzt. Sport wird mehr und mehr medial inszeniert. Die Berichterstattung wird weit über das eigentliche sportliche Geschehen hinaus ausgedehnt, es wird ein möglichst unterhaltsames, Emotionen auslösendes Rahmenprogramm aufgeboten. Die Mischung aus Information und Un-
32 Vgl. 33 Vgl. Schauerte, Thorsten (2004): S. 93. 34 Tewes, Günter (1991): S. 212.
11
terhaltung (Infotainment) findet Zuspruch beim Rezipienten, denn der will in aller
35 Regel beim Konsum von Sport unterhalten werden.
Die schreibende Journaille passt sich dem Unterhaltungstrend an. Auch Zeitungen und Internetseiten stehen in Konkurrenz zu anderen Sportberichterstattern, auch sie wollen Anzeigen beziehungsweise Werbefläche verkaufen und den Leser bei der Stange halten. Nicht selten ist der Leser aber bereits bestens in Bild und Ton über das Sportereignis informiert worden. Das schließt die Verwertung in Wort und Schrift zwar nicht aus, doch die schreibende Presse muss beim Rezipienten das Interesse wecken, das Geschriebene mit dem Gesehenen zu vergleichen, die Ereignisse Revue passieren zu lassen und sich hintergründig zu informieren. „Kaum eine andere Programmsparte eignet sich so gut wie Sport, um den Printmedien Raum zur Komplementierung zu belassen. Die Rundfunkrezeption befriedigt noch nicht die Neugier der Zeitungs- und Zeitschriftenleser, sondern weckt und verstärkt sie und belässt den Printmedien Wirkungschancen, wenn sie sich auf diese Ergänzungsfunktion ein- 36 Dennoch vor allem der Sportpresse immer wieder nachgesagt, dass stellen.“
sie ihre Komplementärfunktion gegenüber dem Fernsehen nicht optimal umsetze, da
37 Nicht sie vor allem der Hintergrundberichterstattung zu wenig Beachtung schenke. auszuschließen ist allerdings, dass die schreibenden Sportjournalisten Hintergrundberichterstattung unterschiedlich verstehen. So können beispielsweise auch Geschichten aus dem Privatleben der Sportler als Hintergrundberichterstattung verstanden werden. Zudem können die Journalisten ihre Komplementärfunktion dahingehend auffassen, den Rezipienten über das TV-Sportangebot hinaus, zu unterhalten, also ebenfalls Infotainment zu betreiben.
Festzuhalten bleibt, dass die Medien auf das gestiegene Interesse an Sportberichterstattung reagieren und ihr Angebot ausweiten. Im Zuge der Kommerzialisierung hat sich Sport als ein Produkt etabliert, das von den Konsumenten gut angenommen wird. Diese wollen informiert und unterhalten werden, die Sportberichterstattung des Fernsehens befriedigt diese Bedürfnisse nahezu umfassend. Aufgrund der großen medialen Präsenz und Konkurrenz in der Sportberichterstattung im Allgemeinen und der Vormachtstellung des TVs im Besonderen muss sich die schreibende Presse eine
35 Vgl. Gleich, Uli (2004): S. 187 f. 36 Hoffmann-Riem, Wolfgang (1988): S. 13 f. 37 Wipper, Herdin (2003): Sportpresse unter Druck, S. 347.
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neue Nische suchen, um ihrerseits das Produkt Sport für die Konsumenten weiterhin interessant zu gestalten. Statt einer tiefgründigeren Berichterstattung als Kaufanreiz hat offensichtlich vielmehr die Verpackung des Inhalts an Bedeutung dazu gewonnen, schließlich ist im Sportjournalismus der Wandel hin zu einer vom Boulevardjournalismus geprägten Berichterstattung auszumachen.
Nachdem aufgezeigt wurde, welche Veränderungen im Sportjournalismus den Wandel hin zu einer am Boulevardjournalismus orientierten Berichterstattung bedingen, soll im Folgenden dargestellt werden, wie sich die Rolle des Sportjournalisten verändert hat und inwiefern dieser Rollenwandel zum Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung beiträgt.
2.3 Die Rolle des Sportjournalisten im Wandel
Im Zuge der gewachsenen Bedeutung der Sportberichterstattung hat auch die Wertschätzung gegenüber den Sportjournalisten merklich zugenommen. Waren sie in den 70er Jahren noch die „Außenseiter der Redaktion“, von Kollegen aus großen Ressorts wie Wirtschaft und Politik belächelt, sind sie heute als professionelle Fach- 38 Die Aufwertung in männer für Sport mehr akzeptiert denn je.
Kombination mit einer höheren sozialen Anerkennung, mit der Verbesserung der ökonomischen Situation und mit der zunehmenden Professionalisierung/Spezialisierung (Hochschulstudium, Volontariat etc.) hat zu einem größeren
39 Selbstbewusstsein der Sportjournalisten geführt.
Neben dem Selbstbewusstsein hat sich auch das Rollenverständnis der Sportjournalisten geändert. Die Berichterstatter sehen sich vermehrt in der Pflicht, die Rezipienten zu unterhalten, also in die Rolle des Infotainers zu schlüpfen (siehe 2.2). Zwar geben die Journalisten an, dass die sachliche Informationsvermittlung Priorität habe, jedoch räumen insbesondere junge Sportjournalisten der Unterhaltungsfunktion einen
40 Die Gründe für den gewachsenen Stellenwert in der Berichterstattung ein.
Unterhaltungstrend wurden bereits in Kapitel 2.2 ausführlich beschrieben, an dieser
38 Vgl. Görner, Felix (1995): S. 411. 39 Vgl. Schwier, Jürgen (2002): S. 6. 40 Hackforth, Josef (1994): S. 37.
13
Stelle sei aber noch einmal betont, dass die Sportjournalisten selbst, gemäß ihres „neuen“ Selbstverständnisses, diesen Trend zusätzlich bestärken.
Des Weiteren ist anzumerken, dass den Sportjournalisten nicht die kritische Distanz
41 Aber gerade bei Berichterstattern, die zum sportlichen Geschehen fehlen sollte.
aufgrund ihrer verstärkten Spezialisierung möglicherweise nunmehr fast ausschließlich über einen Sport oder sogar nur einen Verein berichten, besteht zunehmend die Gefahr, dass sie sich emotional stark an den Gegenstand ihrer Berichterstattung binden, zumal „die Kameraderie des Sports leicht auch auf die Sportjournalisten über- 42 DieseEmotionen können sich dann auch im journalistischen Output widergreift.“
spiegeln, was wiederum den Wandel hin zu einer am Boulevardjournalismus orientierten Berichterstattung bedingen kann.
Schließlich bleibt zu erwähnen, dass die Sportjournalisten als Gatekeeper (englisch für Schleusenwärter; den Gatekeeper-Prozessen wird in Kapitel 5.1 ausführlich Beachtung geschenkt) fungieren. Das heißt sie wählen aus, welche Ereignisse/Geschichten/Themen den Weg in die Berichterstattung finden und welche nicht. „Die Funktion des Journalisten als Gatekeeper ist unumstritten. Dieses setzt einen verantwortungsvollen Umgang mit der Wahrheit voraus und zieht eine Hierar- 43 Aufgrund Wachstums der Sportberichtchisierung von Ereignissen nach sich.“
erstattung (s.o.) und der zunehmenden Flut an Informationen wird der Sportjournalist dabei immer mehr vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Er muss aus der Vielfalt an Informationen eine Selektion treffen, nicht selten erhalten dabei brisante und „bunte“ Geschichten den Vorzug vor sachlichen Informationen.
Nachdem aufgezeigt wurde, inwiefern Veränderungen im Sportjournalismus sowie der Rollenwandel des Sportjournalisten zum Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung beitragen, werden nun grundsätzliche Verhaltensregeln im Sportjournalismus (Ethik im Sportjournalismus) aufgeführt, um darzustellen inwieweit Boulevardjournalismus von diesen Verhaltensregeln und damit von einer „sauberen“ Berichterstattung abweicht.
41 Vgl. Klemm, Thomas (2007): S. 329. 42 Krüger, Arnd (1993): S. 36. 43 Ebd. S. 46.
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2.4 Die Konstante: Ethik in der Sportberichterstattung
Im Artikel 5 des Grundgesetztes ist die Meinungsfreiheit als Grundrecht fest veran- 44 Dennoch Journalisten nicht willkürlich publizieren. Es gibt ethische kert.
Normen und Grundsätze, an die sich Journalisten generell zu halten haben, da bilden auch die Sportjournalisten keine Ausnahme. Nicht zuletzt weil diese allgemeingültigen Grundsätze oft mit dem Boulevardjournalismus kollidieren, steht letzterer in der Kritik.
„Nicht alles, was von Rechts wegen zulässig wäre, ist auch ethisch vertretbar. Deshalb hat der Presserat die Publizistischen Grundsätze, den sogenannten Pressekodex, aufgestellt. Darin finden sich Regeln für die tägliche Arbeit der Journalisten,
45 So zum Beispiel die die Wahrung der journalistischen Berufsethik sicherstellen.“ die Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenwürde, gründliche und faire Recherche, klare Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen, Achtung von Privatleben und Intimsphäre, Vermeidung unangemessen sensationeller Darstellung von Gewalt und Brutalität, keine Publikation von unbegründeten Behauptungen und Beschuldigen, insbesondere ehrverletzender Natur und eine vorurteilsfreie Berichterstattung. Der gesamte Kodex ist der Homepage des deutschen Presserates zu entnehmen. Die Grundsätze werden dabei ergänzt durch zusätzliche Richtlinien, die aufgrund aktueller Entwicklungen und Ereignisse ständig fortgeschrieben werden. Dennoch darf die Wahrung der journalistischen Berufsethik trotz des oben beschriebenen Wandels in der Sportberichterstattung als allgemeingültige Konstante verstanden werden.
Zudem betonte Claus Eurich, Professor am Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund, auf der ersten Sportjournalismus-Konferenz in Dortmund, die Hohe Verantwortung der Sportjournalisten, da sie noch stärker als ihre Kollegen aus Politik und Wirtschaft der täglichen Herausforderung gegenüber stünden, Dualitäten zu überbrücken und Konflikte nicht zusätzlich anzuheizen. Der Sportreporter solle sich stets als Zeuge des Ereignisses verstehen und seine eigenen Sehnsüchte und
46 Die journalistische Praxis liefert dagegen ernüch-Sympathien kritisch hinterfragen.
ternde Erkenntnisse: „Anstatt Fakten zu präsentieren, Vorgänge zu recherchieren
44 Vgl. http://www.bundestag.de/parlament/funktion/gesetze/grundgesetz/gg_01.html 45 http://www.presserat.de/Pressekodex.8.0.html 46 Vgl. http://sportnetzwerk.eu/?p=147
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oder bloß Ereignisse zu transportieren wird spekuliert, hypothetisch formuliert und geheimnisumwittert attestiert. Kurzum: die Trennung von Nachricht und Meinung ist ebenso wenig zu finden wie die Nennung von Ross und Reiter, von Namen und begründbaren Fehlleistungen - alles bleibt anonym, kommt aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen oder war unlängst zu hören. `Facts are sacred, comment is free`dieser klassische Satz [...] wird in der journalistischen Praxis immer seltener befolgt. Und mit der Vermischung der Stilformen beginnt auch das Problem einer fairen Be- 47 DieAusführungen in dieser Arbeit begründen zusätzlich Zweifel, richterstattung.“
ob die allgemeingültigen ethischen Grundsätze in der sportjournalistischen Praxis tatsächlich dauerhaft Anwendung finden.
Zuvor wurde Boulevardjournalismus und der Wandel der Sportberichterstattung hin zu diesem beschrieben, im nächsten Kapitel wird der Autor den Spielbericht als Gegenstand dieser Untersuchung ausführlich behandeln um sodann Indizien vorzustellen anhand derer auf Boulevardjournalismus in der Spielberichterstattung geschlossen werden kann
3. Der Spielbericht im Fokus: Charakteristika und Abgrenzungen
Im Fokus der vorliegenden Untersuchung stehen die Spielberichte ausgewählter Medien der Partien mit Beteiligung von Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga-Saison 2007/2008. Spielberichte sind ein wesentlicher Bestandteil der Sportberichterstattung in der Presse, zumal ihnen gerade im Bereich des Fußballsports eine wesentliche Funktion zukommt. Der klassische und prototypische Spielbericht, in der Literatur auch als Nachbericht bezeichnet, ist darauf ausgerichtet, „über den Verlauf und die wichtigsten Szenen eines Fußballspiels nachbetrachtend zu informieren.“ Er „hat die Aufgabe, aus den 90 Minuten eines Fußballspiels die wichtigsten, die spiel- 48 DerSpielbericht darf also als Basis entscheidenden Ereignisse [...] darzustellen.“
der Fußball-Berichterstattung in der Presse verstanden werden, schließlich nennt er Ursachen für die Resultate und beschreibt wie das Ergebnis eines Spiels zustande gekommen ist.
47 Hackforth, Josef (2008): S. 3. 48 Vgl. Jürgens, Frank (1997): S. 101.
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3.1 Historische Einordnung
Die Anfänge der Fußball-Berichterstattung und damit auch die der Spielberichterstattung gehen an das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Bis 1880 hatte sich der Sport gesamtgesellschaftlich nicht etablieren können, da er als gesellschaftliches Vergnügen der Oberschicht galt. In den 80er Jahren entdeckte die Presse die Sportbegeisterung in der Bevölkerung und eine Reihe allgemeiner Sportzeitschriften, die als Vorbild für den Sportjournalismus von heute gelten, wurden gegründet. Das Jahr 1880 wird folglich in der Literatur als Beginn der deutschen Sportpresse genannt, zumal fast alle Sportarten schon damals in den
49 Am 23. Mai 1886 erschien in den Publikationen Berücksichtigung fanden.
„Münchner Neuesten Nachrichten (MNN) unter dem Titel „Sportzeitung“ erstmals
50 eine eigene Sportrubrik in einer deutschen Tageszeitung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte der Fußballsport einen großen Aufschwung. Die Presse nahm sich dieser von Anfang an beliebten Sportart an und berichtete in
51 Die Tageszeitungen sowie in Fachpublikationen ausführlich von Fußballspielen.
52 respektive die Fußball-Spielberichte waren „Berichterstattung über diese Sportart“ fortan nicht mehr aus der Tagespresse wegzudenken.
Gestoppt wurde der Aufschwung der Fußball-Berichterstattung jeweils während des ersten und zweiten Weltkrieges. Dem Stillstand des Sportbetriebes und im Zuge dessen der Sportpresse folgte, wie nach dem Ersten Weltkrieg auch nach 1945, ein Neubeginn, bei dem die Sportberichterstattung abermals einen ungeahnten Aufstieg ver- 53 zeichnen konnte. Der Sportjournalismus und damit einhergehend die
Spielberichterstattung im Fußball hat sich seither stetig weiterentwickelt und ist gegenwärtig veränderten Rahmenbedingungen ausgesetzt. Der Wandel der Sportberichterstattung wurde in Kapitel 2 bereits ausführlich erläutert. In dieser Arbeit soll analysiert werden, inwiefern auch die Spielberichte von Werder Bremen in ausgewählten Medien Boulevardaspekte aufweisen. Demnach ist es sinnvoll, zunächst die Charakteristika eines prototypischen Spielberichts aufzuzeigen.
49 Vgl. Fischer, Christoph (1992): S. 31 f. 50 Vgl. ebd. S. 39.
51 Vgl. Weischenberg, Siegfried (1978): S.13. 52 Vgl. ebd. S. 14. 53 Vgl. Fischer, Christoph (1992): S. 41.
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Der Spielbericht gehört unabhängig vom Wandel in der Sportberichterstattung schon dem Wortsinn nach zu der journalistischen Darstellungsform des Berichts. Die Eigenschaften und Funktionen des Berichts werden im Folgenden dargestellt, bevor die besonderen Merkmale des Spielberichts veranschaulicht werden.
3.2 Der Bericht als journalistische Darstellungsform
Der Bericht wird in der Literatur unterschiedlich definiert. Eine einheitliche Verwendung des Begriffs ist nicht gegeben. In einzelnen Redaktionen haben sich hauseigene Abgrenzungen zu anderen journalistischen Darstellungsformen etabliert, diese wei- 54 Schneider chen aber oftmals von externen und wissenschaftlichen Definition ab. und Raue definieren den Bericht als „den anspruchsvolleren Zwillingsbruder der Nachricht“, der sich von der simplen Nachricht, der Meldung durch Länge und Hintergründigkeit abgrenzt und aufgrund der Sachlichkeit von Darstellungsformen wie 55 Eine Nachricht und demnach auch ein Feature, Story oder Reportage unterscheidet.
Bericht ist eine sachliche, präzise und verständliche Information über Tatsachen, die neu, wichtig und/oder interessant und hierarchisch aufgebaut (das wichtigste zuerst) ist. Die Nachricht sollte darüber hinaus die sieben W-Fragen (wer, was, wann wo, 56 wie, warum und woher?) beantworten.
Wolff definiert den Bericht ähnlich als den „engsten Verwandten der Meldung. Beide, Meldungen und Berichte, gehören zur Familie der informierenden Darstellungsformen. Sie transportieren Nachrichten. Und beide müssen dieselben hohen
57 Wolff unterscheidet den Ansprüche an Recherche, Inhalt und Sprache erfüllen.“
Bericht von der Meldung ebenfalls aufgrund von quantitativen (Länge) wie qualitativen (Inhalt) Merkmalen. Der Bericht ist folglich, dem Wesen nach, eine ausführliche Meldung, dessen primäre Funktion es ist, den Leser über neue, aktuelle und wichtige Inhalte, also über Nachrichten, zu informieren. Dabei kommt es auf Fakten an, die mit den sieben W-Fragen transportiert werden. Für Kommentare und Meinungen ist in Meldungen und somit in Berichten kein Platz. Kommentare finden sich in anderen journalistischen Darstellungsformen (Kommentar, Glosse, Kritik
54 Vgl. Wolff, Volker (2006): S. 54. 55 Vgl. Schneider, Wolf; Raue, Paul-Josef (2006): S.67. 56 Vgl. ebd. S.62 ff. 57 Wolff, Volker (2006): S. 74.
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u.a.), deren Funktion nicht zwingend die Nachrichteninformation ist. Mischformen
58 sind in der journalistischen Praxis allerdings auch vorzufinden.
Wolff unterscheidet darüber hinaus zwischen drei unterschiedlichen Formen des Berichts: Agenturbericht, Zeitungsbericht und Magazinbericht. Der Zeitungs- unterscheidet sich vom Agenturbericht aufgrund des ausführlicheren Inhalts, ansonsten sind sich diese beiden Typen im Aufbau sehr ähnlich. Sie werden nach einem Fünf-Absatz-Muster beginnend mit dem Lead-Absatz (Zusammenfassung/Vorspann) gegliedert. Es folgen der Reihe nach der Detail-Absatz (Details der Nachricht), der Hintergrund-Absatz (Ursachen und Zusammenhänge), der Zukunfts-Absatz (Zukunftsaussichten) und der Zukunftsdetail-Absatz (Details der Zukunftsaussichten). Die Gewichtung kann dabei je nach Nachrichtenlage variieren. So ist es durchaus möglich, dass auf die Darstellung der Zukunftsaspekte zu Gunsten der Hintergründe verzichtet wird. Den Magazinbericht versteht Wolff dagegen als „veredelte Ereignis-Information“, der sich vom Zeitungsbericht unter anderem durch die Aufmachung, viele Zusatzinformationen, eine sorgfältige Sprache, eine ausgeprägte Personalisierung, eine These zum Thema sowie einem abweichenden Aufbau unterscheidet. Der Magazinbericht ist vermehrt mit Zahlen, Zitaten, handelnden Personen und szenischen Elementen bestückt. Eine deutliche Abgrenzung zum Zeitungsbericht erscheint dennoch nicht möglich, da Stilmittel der Magazinberichte, insbesondere die Verwendung vieler Zitate und szenischer Elemente, von Journalisten auch in Zei- 59 tungsberichten eingesetzt werden.
Weischenberg unterscheidet dagegen zwischen dem Zitatenbericht, dem Tatsachenbericht und dem Handlungsbericht. Der Zitatenbericht bezieht sich dabei dem Wortlaut nach auf zitierte Aussagen, die Zitate sind der Ausgangspunkt für die Ausführungen des Schreibenden. Der Tatsachenbericht ordnet die Fakten zu einer bestimmten Thematik und stellt Zusammenhänge dar und der Handlungsbericht stellt den „Ablauf von Ereignissen zu einem konkreten Endpunkt hin“ in den Fokus. Die drei Berichtsarten haben gemeinsam, dass das Wichtigste am Anfang des Textes zu ste- 60 hen hat.
58 Vgl. Wolff, Volker (2006): S. 54 ff. 59 Vgl. ebd. S. 98 f.
60 Vgl. Weischenberg, Siegfried (1990): S. 26 f.
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Von La Roche präzisiert in seinen Ausführungen die Unterscheidung zwischen Bericht, Meldung und Nachricht. Seiner Definition zu Folge ist der Bericht „reifer“ als die Nachricht und die Meldung. Er kann Zusammenhänge, die Entstehung und andere wichtige Einzelheiten der Thematik ausführlicher darstellen. Nach von La Roche solle, dürfe und müsse der Journalist beim Schreiben eines Berichts die Geschehnisse nicht auf das Nötigste reduzieren, sondern diese beispielsweise mit länge- 61 ren Zitaten auflockern, authentischer gestalten und beleben.
Die verschiedenen Definitionsansätze in der Literatur verdeutlichen die Schwierigkeit, den Bericht als journalistische Darstellungsform einzuordnen und abzugrenzen. Allen Definitionen gemein ist aber, dass dem Bericht die Aufgabe zukommt, Ereignisse möglichst objektiv, sachlich und tatsachenbezogen darzustellen. Für Haller ist die sachliche Objektivität sogar ein wesentliches Abgrenzungskriterium. Er unterscheidet Bericht, Feature und Reportage in dieser Reihenfolge von der objektivsten 62 zur subjektivsten journalistischen Darstellungsform.
Nachdem die Charakteristika des prototypischen Berichts vorgestellt wurden, werden nun die besonderen Merkmale des Spielberichts aufgezeigt und die Eigenarten dieser sportjournalistischen Darstellungsform genauer beleuchtet, um im späteren Verlauf der Arbeit Boulevardaspekte in der Spielberichterstattung möglichst trennscharf ausmachen zu können.
3.3 Besondere Merkmale des Spielberichts
Der Aufbau und die Gliederung des Spielberichts folgen regelmäßig dem Grundmuster des prototypischen Berichts. So beginnen auch Spielberichte oft mit dem Lead/Vorspann, um anschließend ihrer Funktion nachzukommen und den Leser mittels der W-Fragen über die wichtigsten Ereignisse eines Fußballspiels zu informieren (s.o.). Die sachliche, objektive Informationsvermittlung sollte auch im Spielbericht Hauptgegenstand der Berichterstattung sein, wobei die Sprachauswahl dem
63 Inwiefern Spielberichte Themenkomplex des Fußballsports angemessen sein sollte.
61 Vgl. von La Roche, Walter (1999): S. 129. 62 Haller, Michael (1997): S. 37. 63 Vgl. Fey, Ulrich (1994): S. 140.
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tatsächlich von dieser sachlichen und objektiven Darstellungsform abweichen, wird im Verlauf dieser Arbeit noch zu klären sein.
Eine klassische Zuordnung des Spielberichts zu einer der oben vorgestellten Berichtsformen scheint in der Praxis kaum möglich. Am ehesten passt der Spielbericht ins Muster von Weischenbergs Handlungsbericht (s.o.), wonach der Ablauf von Ereignissen hin zu einem bestimmten Endpunkt im Fokus der Berichterstattung steht. Demnach ist das Spielgeschehen aus 90 Minuten Fußball der Ablauf der Ereignisse. Der Abpfiff der Partie beziehungsweise der Ausgang des Spiels kommt dem Endpunkt gleich.
In der sportjournalistischen Praxis haben sich dagegen Mischformen mit Elementen der Reportage, des Features und des Berichts etabliert. Diese Art des „Action-Berichts“ kann personalisieren, Nähe und Authentizität vermitteln. Selbst wenn das Fernsehen das Fußball-Spiel schon in Bild und Ton gesendet hat, ist der Verfasser des Spielberichts in seiner Beobachtung möglicherweise flexibler als die Kameras, er kann Details erkennen und den Überblick behalten. Dabei muss der Verfasser nicht vor angemessenen Wertungen zurückschrecken, allerdings sollte der Spielbericht kein Stimmungs- und Erlebnisbericht sein, vielmehr sollte diese Mischform des Be- 64 DerSpielbericht folgt aufgrund der richts Stimmungen und Erlebnisse beschreiben.
stereotypischen Ereignisse eines Fußballspiels einem gewissen Muster. Die Mannschaften, Trainer, Taktiken und Tore sind Bestandteil aller Spielberichte, der Schwerpunkt kann aber auch auf der Beschreibung eines Einzelfalls liegen, mit
65 dessen Darstellung ein Gesamtzusammenhang erläutert wird.
In den 50er Jahren wurden die Spielberichte noch relativ ausführlich und mit vielen erzählenden Elementen aufbereitet. Das eigentliche Spielgeschehen wird heute in der Regel wesentlich komprimierter dargestellt. Nicht zuletzt der ausführliche Statistikteil am Ende des Spielberichts oder in einem extra Kasten (Infobox), der mittlerweile ein fester, obligatorischer Bestandteil des Spielberichts ist und alle wichtigsten Informationen zum Spiel, wie die Aufstellungen der Mannschaften, die Torschützen, Platzverweise etc. beinhaltet, ist verantwortlich dafür, dass die narrative Struktur, die
64 Vgl. Fey, Ulrich (1994): S. 130. 65 Vgl. ebd. S. 129 f.
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Timo Strömer, 2009, Boulevardjournalismus in der Sportberichterstattung?, München, GRIN Verlag GmbH
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