Guido Heinen sieht den Mut zur Differenz, der Unterscheidung von der Norm, als die wichtigste Haltung zu Beginn des Jahrtausends: Die Menschen in einer offenen Gesellschaft müssten Antworten über das Menschenbild infrage stellen und auch über „richtig“ und „falsch“ streiten können.
Im letzte Absatz seines Textes kommt Guido Heinen zu seinem Urteil: Er ist der Meinung, dass die Menschen heutzutage mehr über scheinbar geschlossene Fragen diskutieren sollten. Mit seinem Schlussappell regt er den Leser an, sich einmal über seine Aussage Gedanken zu machen. Ein solcher Appell ist Bestandteil eines jeden Kommentares und von tragender Bedeutung.
Für mich (und für jeden anderen Leser ebenso) stellt sich nun die Frage, ob einer These wie der Heinens zuzustimmen, oder ob sie nur schwer oder gar nicht zu halten ist, es soll anhand einiger Beispiele erleichtert werden, sich in diesem Punkt eine eigene Meinung bilden zu können.
Prinzipiell kann ich der These des Guido Heinen zustimmen, die Menschen von heute können und sollten scheinbar geschlossene Fragen nach Familie, Werten, Religion und Menschenbildern beantworten und auch über „richtig“ und „falsch“ streiten. So sehen beispielsweise viele Menschen sehen eine Abtreibung als etwas wirklich Schreckliches und Grausames an, einen Mord an einem Geschöpf Gottes ‒ wie erkennen hier eine Verbindung zur Kirche, die ihre ganz eigene Meinung zur Abtreibung hat ‒, doch allzu oft wissen sie nicht einmal, warum sich die Frau, die werdende Mutter, zu einer Abtreibung entschlossen hat. Hat sie Gründe? Welche sind das? Ist das Kind etwa durch eine brutale Vergewaltigung entstanden? Oder ist es so schwer behindert, dass sein künftiges Leben von großem Leid geprägt wäre? Oder kann (oder will?) sie sich ihren Pflichten als Mutter nicht stellen? Der erste Punkt ist eine weit akzeptierte Begründung für eine Abtreibung am Ungeborenen, aber schon Punkt Zwei ist für viele Außenstehende unverständlich: Wie kann man nur ein kleines, ungeborenes Leben auf eine solche, oftmals als brutal angesehene Art, auslöschen? Und Punkt der? Unvorstellbar! Man kann sich doch nicht so einfach seiner Verantwortung entziehen. Oder etwa doch? Es ist deutlich zu erkennen, dass die Frage nach dem „richtig“ oder „falsch“ nicht immer einfach zu klären ist. Es müssen Aspekte verschiedenster Art abgewägt werden, um zu einem angemessenen Ergebnis zu kommen.
Arbeit zitieren:
Tim Blume, 2008, Guido Heinen: "Der Papst nimmt Stellung" - Analyse und Diskussion, München, GRIN Verlag GmbH
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