Das Bild der normannischen Eroberung Englands
in der anglonormannischen Geschichtsschreibung:
Herrschaftsideologie und Propaganda
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Wie und durch wen ist mittelalterliche Propaganda denkbar? 4
3. Die schriftlichen Quellen und ihre Verfasser 5
3.1. William of Jumièges: Gesta Normannorum Ducum 5
3.2. William of Poitiers: Gesta Guillelmi ducis Normannorum
et regis Anglorum 5
3.3. Anglo-Saxon Chronicle und Florence’ of Worcester
(Chonicon ex Chronicis) 6
3.4. Vita Edwardi Regis 6
4. Die normannische Eroberung von 1066 7
4.1. Vorgeschichte: Wie sah die Erbfolge für den englischen
Thron aus? 7
4.2 Wilhelm der Eroberer stellt Harold als „Eidbrecher“ dar
und rechtfertigt so den Feldzug 9
5. Der Teppich von Bayeux 11
5.1 Historischer Hintergrund 11
5.2 Militärgeschichtlicher Aspekt 11
5.3 Was ist das eigentliche Thema? 12
5.4 Der Teppich von Bayeux als Propagandamittel 14
6. Schlußbemerkung 15
Literaturverzeichnis S. 16
Quellenverzeichnis S. 16
2
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit geht es darum, ob und welche Mittel der Propaganda von Wilhelm dem Eroberer und damit von den Normannen, aber auch von Earl Harold und den Angelsachsen eingesetzt wurden, um deren Herrschaftsideologien durchzusetzen und deren Vorgehen aufgrund der unklaren Thronnachfolge nach König Edwards Tod zu rechtfertigen.
Dabei stellt sich die Frage, in wie weit Propaganda in diesem Zusammenhang möglich war, und von wem dieses Mittel eingesetzt wurde. Ich werde also auf die Anwendungsformen der Propaganda bei den Normannen, aber auch bei den Angelsachsen eingehen und durch Beispiele in den folgenden Kapiteln belegen. Zum besseren Verständnis erläutere ich im 2. Kapitel die Hintergründe, welche zu der Eroberung Englands durch Wilhelm führten. Gleich darauf werde ich den Inhalt von Wilhelms Propaganda, nämlich die Darstellung Harolds als Eidbrecher, auch anhand von Quellentexten näher beleuchten. Hierbei ist zu beachten, daß die Zeit der militärischen Eroberung frühestens um das Jahr 1070 ein Ende fand und danach meist erst die normannische Niederlassung folgte. Dies bedeutet im Grunde, daß auch Quellen, die nach 1066 entstanden sind, als Propagandamaterial anzusehen sind. 1 Den Abschluß stellt eine Betrachtung des Teppichs von Bayeux dar, welcher vor allem durch seine militärgeschichtlichen Aspekte und die künstlerische Leistung eine enorme Bedeutung erlangt hat. In meinen Augen ist dieser Teppich aber auch als Propagandamittel für das Mittelalter als einmalig anzusehen.
1 Brown, R. A.: The Norman Conquest, S. XV
3
2. Wie und durch wen ist mittelalterliche Propaganda denkbar?
Mögliche Formen der Propaganda im Mittelalter sind zunächst: die mündliche in Gestalt von Reden, Ansprachen und Predigten, die schriftliche in Gestalt von Chroniken, Büchern und Briefen sowie die bildliche in Gestalt von Illustrationen, Gemälden und Bildteppichen.
Die mündliche Propaganda war nur begrenzt einsetzbar, weil sie nur auf anwesendes Publikum angewendet werden konnte und nicht von Dauer war. Die Zielgruppe war wohl vor allem das Volk, welches nicht schreiben und lesen konnte. Im 11. Jahrhundert entwickelte sich die Gesellschaft weg von mündlicher Überlieferung hin zu einer stärkeren Bedeutung der schriftlichen Überlieferung und auch zu einer Regierungspraxis, die sich stärker der Schriftform bediente. 1 Dies begründet die Einzigartigkeit des vorhandenen schriftlichen Propagandamaterials, aber auch, warum das Mittel der schriftlichen Propaganda vor allem von den sehr fortschrittlichen Normannen benutzt wurde. Die schriftliche Propaganda war als dauerhaftes und leicht zu verbreitendes Mittel von großem Vorteil gegenüber der mündlichen. Texte konnten durch Boten überall hingebracht werden und waren jederzeit reproduzierbar. Außerdem dienten Kopien von Büchern in Bibliotheken als Referenzen, auf deren Grundlage weitere Werke entstanden. Die Zielgruppe schriftlicher Propaganda waren Gelehrte und durch diese die Herrscher, in deren Diensten sie standen.
Die Bildpropaganda war die einzige Möglichkeit, Menschen, die nicht schreiben und lesen konnten, wenn schon nicht mit einem reproduzierbaren dann doch wenigstens dauerhaften Propagandamedium zu erreichen. Auf die Ausdrucksmöglichkeiten der Bildpropaganda gehe ich anhand des Teppichs von Bayeux in Kapitel 5.4 näher ein. Propaganda wurde durch Interpretation und bewußt falsche Darstellung von Ereignissen zugunsten der eigenen Interessen angewendet, wie man es bei Wilhelm von Poitiers und Odo von Bayeux vermuten kann. Aber auch das Weglassen von Informationen wie z.B. bei der Anglo-Saxon Chronicle, welche über bestimmte Geschehnisse und Behauptungen nicht berichtet, gehörte dazu.
1 Brown, R. A.: The Norman Conquest, S. XVII
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Arbeit zitieren:
Ulrike Kemper, 1997, Das Bild der normannischen Eroberung Englands in der anglonormannischen Geschichtsschreibung: Herrschaftsideologie und Propaganda, München, GRIN Verlag GmbH
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