1. Einleitung
von gegenwärtigen Arbeitnehmern gefordert wird. Vor dem Hintergrund der Globalisierung und sich dadurch ergebenden kulturellen Überschneidungssituationen, fanden Themen wie Interkulturelle Kompetenz oder Cultural Diversity Management den Eingang in den betrieblichen Alltag vieler Unternehmen. 2
Interkulturelle Kompetenz ist grundsätzlich in jeder kulturellen Überschneidungssituation hilfreich, ob im Beruf oder in der Freizeit. Wenn auch die Frage schwierig zu beantworten ist, wie interkulturelle Kompetenz zu definieren ist und wie sie erlangt werden kann 3 , so ist sie immerhin ein Konstrukt, das eine weite Akzeptanz und Wertschätzung erfährt. Dies beliegt neben der arbeitgeberseitigen Forderung interkulturell kompetenter Mitarbeiter auch die Förderung interkultureller Kompetenz durch zahlreiche Trainings und Seminare. 4
Eines dieser Trainings, das Training der Bergischen Universität Wuppertal, steht im Fokus dieser Ausarbeitung.
Nach einer Vorstellung des Entstehungskontextes und des Konzepts des Trainingsmanuals werden die einzelnen Lerneinheiten mit ihren Lernzielen und ihren methodisch-didaktischen Herangehensweisen betrachtet.
Anschließend erfolgen sowohl eine kritische Analyse des Trainingsmanuals, als auch eine Revision der im Seminar durchgeführten Übungen.
1 http://www.awo-nuernberg.de/startseite/awo-aktivitaeten/jobboerse/stellenausschreibungen/texte-stellenausschreibungen/kjf-10-094-kpfl-gg.html, Hervorhebung durch den Autor dieser Arbeit.
2 Vgl. Deardorff (2006), S.13; Köppel et al. (2007), S.4ff.
3 Vgl. Deardorff (2006), S.13.
4 Vgl. Bertelsmann Stiftung (2006), S.5.
2
2. Der Kontext und das Konzept des Trainingsmanuals
In diesem Kapitel wird das Trainingsmanual vorgestellt. Dazu wird der erste Teil dem Entstehungskontext gewidmet und der zweite Teil dem grundsätzlichen Konzept.
Das Trainingsmanual entstand aus einem gemeinsamen, vom DAAD (Deutscher akademischer Austauschdienst) geförderten, Projekt „der ZSB (Zentrale Studienberatungsstelle), des WISA-Projektes (Wuppertaler Interdisziplinäres Studienangebot) und Mobis (Modulares Betreuungskonzept zur studienerfolgsorientierten Integration ausländischer Studierender)“. 5
Der Auslöser für dieses Gemeinschaftprojekt war die Erkenntnis, dass die bisherigen Angebote zur Erlangung interkultureller Kompetenz nicht mehr ausreichten, um der zunehmenden Zahl ausländischer Studierender gerecht zu werden. 6 Die Universität Wuppertal reagierte auf die veränderte Studiensituation, indem sich das neue Betreuungsmodul „an dem alltäglichen Umgang von ausländischen und deutschen Studierenden [ausrichtet]. Deutsche und ausländische Studierende leben zusammen in Studentenwohnheimen, kommunizieren miteinander, bereiten zusammen Referate vor, etc.. [Daher] reicht es nicht aus, einige wenige Tutoren für die Arbeit mit ausländischen Studierenden zu qualifizieren.“ 7 Durch diese Alltagsausrichtung soll „die Studierfähigkeit der ausländischen Studierenden […] und eine schnelle und reibungslose Integration an der Universität Wuppertal“ 8 ermöglicht werden.
Das Interkulturelle Training ist als zweitägiges Seminar ausgelegt. An jedem der beiden Seminartage sollen vier Lerneinheiten mit einer Dauer von je 90 Minuten durchgeführt werden. Didaktisch ist das Training so konzipiert, dass theoretische Inhalte, entdeckendes und partizipatives Lernen sowie ein permanenter Erfahrungsaustausch sich gegenseitig ergänzen. 9
Abschließend weisen die Autoren des Trainingsmanuals darauf hin, dass sich das Seminar nicht auf eine bestimmte Zielgruppe beschränke, sondern „für die Vorbereitung einer Vielfalt von Kommunikationskontexten geeignet“ 10 sei.
5 Rott et al. (2004), S.5; vgl. auch ebd. S.7.
6 Vgl. ebd., S.5f.
7 Ebd., S.5.
8 Ebd.
9 Vgl. ebd., S.5, 7f.
10 Vgl. ebd., S.7.
3
3. Die Lerneinheiten des Interkulturellen Trainings
Wie bereits beschrieben besteht das Training aus acht Lerneinheiten:
1. Eigene Erfahrungen mit anderen Kulturen; Grundlagen interkultureller Kompetenz 2. Kultur, Kulturstandards, Kulturunterschiede; Normen, Werte 3. Kommunikation; Wahrnehmung und Wahrnehmungsvereinfachung 4. Kulturelle Identität; Wahrnehmung der eigenen Kultur; Interkulturelles Lernen 5. Interkulturelle Kommunikations- und Interaktionskompetenz; Fertigkeiten sozialer Interaktion; Kulturelle Unterschiede in der Kommunikationskultur; Interkulturelle Kommunikationskompetenz
6. Vertiefung nonverbale Kommunikation; Nonverbale und paraverbale Signale in der Kommunikation
7. Konfliktmanagement im interkulturellen Kontext; Analyse persönlicher Konfliktstile; Interkulturelle Kompetenzverteilung in einem Konfliktgespräch
8. Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten für schwierige Situationen (Konfliktmanagement)
Im Folgenden werden nur die Lerneinheiten 2 und 4 näher betrachtet, da diese auch im Zentrum unserer Trainingsdurchführung lagen. Ein Überblick über die Lernziele aller Lerneinheiten befindet sich in der Anlage 1 (III.1).
Die Lerneinheit 2 hat zum Ziel ein Verständnis der Konzepte Kultur und Kulturstandards zu schaffen und dabei für den Umgang mit anderen Kulturen zu sensibilisieren. Weiterhin sollen Interaktionspartner im Rahmen ihres spezifischen kulturellen Wertesystems verstanden werden können, sowie die Fähigkeit entwickelt werden, „um Wahrnehmungs-, Denk-, Urteils- und Attribuierungssysteme im Kontext fremdkultureller Orientierungssysteme nachvollziehen zu können.“ 11
Zur Erreichung dieser Ziele beginnt die Lerneinheit mit der Übung „Begrüßungszeremonien“, bei der die Teilnehmer sich wortlos, den Gebräuchen verschiedener Kulturen entsprechend, begrüßen sollen. Jeder Teilnehmer bekommt eine Begrüßungsart (z.B. inniges Umarmen, Küsschen auf die Wange etc.) mitgeteilt, die die anderen Seminarteilnehmer nicht kennen. Durch diese Übung soll zunächst Interesse und eine Erwartungshaltung bei den Teilnehmern erzeugt werden. Im Anschluss an die Begrüßungen wird in der Gruppe diskutiert, wie sich die Teilnehmer gefühlt haben, welche Begrüßungszeremonie
11 Rott et al. (2004), S.22.
4
jeweils gelten soll etc. Nach diesem Einstieg erfolgt eine Vermittlung theoretischer Inhalte zur Kultur und Kulturstandards. Bevor die Inhalte zu Normen und Werten vermittelt werden, wird die Übung „Entscheidung“ durchgeführt. Bei dieser Übung wird eine Geschichte vorgelesen, anhand derer die Seminarteilnehmer die in der Geschichte vorkommenden Personen in eine moralische Reihenfolge bringen sollen. Durch diese Übung soll verdeutlicht werden, dass die Beurteilung von Handlungen stark von kulturgebunden Normen und Werten abhängt.
In der Übung „Typisch“ aus der Lerneinheit 4 soll erarbeitet werden, was typisch deutsch ist. Die Vorschläge der Teilnehmer für typisch deutsche Eigenschaften werden in einer Liste, nach positiven und negativen Eigenschaften getrennt, gesammelt. Durch die anschließende Diskussion soll ein Bewusstsein über die eigene kulturelle Prägung geschaffen und der eigene kulturelle Hintergrund reflektiert werden. 12
4. Analyse des Trainingsmanuals
Die Analyse und Kritik des Trainingsmanuals bezieht sich hauptsächlich auf das Konzept sowie die durchgeführten Lerneinheiten und Übungen.
Zunächst erscheint das Konzept des Trainings schlüssig und gut durchdacht. Die Idee das Training an Alltagssituationen ausländischer Studierender auszurichten und anstatt ausgewählter Tutoren eine Vielzahl von Studenten in das Training zu integrieren, könnte das richtige Konzept sein, um das Ziel des Studienerfolgs und der unkomplizierten Integration ausländischer Studierender zu gewährleisten. Allerdings scheinen die Ausrichtung am Studierendenalltag und vor allem das dahinterliegende Ziel des Studienerfolgs und der Integration nicht durchgängig und konsequent genug umgesetzt zu werden. Schon in der Einleitung werden zwei nicht kongruente und sich möglicherweise widersprechender Ziele genannt: Zum einen der Studienerfolg ausländischer Studierender und zum anderen die „Aneignung grundlegender interkultureller Kompetenzen.“ 13 Die Ziele könnten deshalb einen Konflikt verursachen, weil das Ziel des Studienerfolgs und der Integration ausländischer Studierender eine spezifische Gruppe betrifft - die „Aneignung grundlegender interkultureller Kompetenzen“ 14 sich jedoch „nicht auf eine
12 Vgl. Rott et al. (2004), S.44.
13 Vgl. ebd., S.7.
14 Ebd.
5
Arbeit zitieren:
B.Sc. Steven Schielke, 2010, Reflexionen zum Interkulturellen Training, München, GRIN Verlag GmbH
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