Benjamin bekommt zweimal im Verlauf der Geschichte einige Aufkleber geschenkt, im ersten Moment interessiert er sich dafür, vergleicht und bewertet sie, doch fragt sich im nächsten Moment, was er damit anfangen soll. Seine Empfindungen gegenüber den verschiedenen Personen und der neuen Situation wechseln hin und her; das, was seine Eltern toll finden, findet er überhaupt nicht gut. Er ist verunsichert und mit der Situation überfordert.
Benjamin, der Erzähler, beschreibt seine Situation in der Gegenwart, seine Empfindungen schildert er jedoch oft aus vergangener oder zukünftiger Sicht („Ich werde sie meinen Eltern schenken.“; „Wie oft habe ich […]?“). Er schildert seine Sicht durch Gebrauch kurzer, prägnanter Hauptsätze und verwendet dabei nur selten umgangssprachliche Wendungen („Aber wen interessiert das.“ statt „Aber wen kümmert das.“ oder ähnli- chem.).
Seine Gedanken kreisen jeweils um das „Thema“ das er aktuell beschreibt. Diese Form des Schreibens verdeutlicht die Unbeholfenheit des Erzählers in der neuen Situation. Dadurch, dass der Autor schreibt, wie es ein Sechzehnjähriger täte, wirkt die dargestellte Lage anschaulich. Es scheint, dass Benjamin mit der Situation nicht klarkommt und am liebsten seinen Hauptschulabschluss machen würde, statt ‒ wie es seine Eltern wollen ‒ sich durch knapp ein halbes Dutzend Schulen zu quälen, bloß um die angesehene Position der beiden nicht zu „ruinieren“. Dem Leser mag sich die Frage stellen, warum Lebert so viel über sich schreibt, aber kaum weiterreichende Informationen über seine Umgebung preisgibt. Zur Klärung dieser Frage sei aus einer Rezension des Schriftstellers und Kolumnisten Maxim Biller zitiert:
„Wieso reden die Jungen in diesem Buch so viel und so manisch über sich selbst? Weil sonst keiner mit ihnen spricht. Weil sie, von ihren Familien vergessen, in der wichtigsten Phase ihres Lebens völlig alleingelassen sind, hinausgeschickt in die kalte Scheinselbständigkeit des Internats, und wenn sie dann, so wie Benjamin, deren Eltern zu Beginn des Schuljahres beim Abschied mit ein paar stillen Tränen bedeuten, daß dieses hier wirklich nicht das Richtige ist für sie, kriegen sie stumm eine ‚Rolling Stones‘-CD zugesteckt mit irgendeinem dämlichen Rockhelden-Durchhaltetext drauf und einen Brief, in dem es kühl heißt: ‚Lieber Benni, ich weiß, Du machst eine schwierige Zeit durch. Und ich weiß auch, daß Du nun in vielen Dingen auf dich allein gestellt sein wirst. Aber denk bitte daran, es ist das Beste für Dich, und bleib tapfer! Papa.‘“
Maxim Biller: „Meine Schuld. Zu Benjamin Leberts Debütroman „Crazy“. 25. Februar 1999. In: http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E3D649137CA2 C4A66BF22C28762FF646B~ATpl~Ecommon~Scontent.html (8. April 2011)
Arbeit zitieren:
Tim Blume, 2011, Benjamin Lebert: „crazy“, Analyse eines Textauszuges, München, GRIN Verlag GmbH
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