- 2 - Kurzfassung
In der vorliegenden Studie wurden 15 Frauen und zwei Männer, die professionell mit Tieren arbeiten und dabei nach eigenen Angaben telepathische Kommunikation einsetzen, zu ihrem Lebenslauf, ihrer Weltsicht, ihrer Arbeit und ihren speziellen Methoden und Erfahrungen beim Einsatz der telepathischen Kommunikation in ihrer Arbeit befragt. Die Befragten arbeiteten im tiermedizinischen und tierpsychologischen Bereich sowie als professionelle Tiertrainer. Im Ergebnis wird versucht, ein Bild der Methode und ihrer Anwender zu zeichnen, das interessierten Menschen, egal ob Wissenschaftler oder Laie, eine Orientierung geben und sie neugierig auf eigene Erfahrungen machen soll. Dabei stand die Frage, ob es sich wirklich um ein übersinnliches Phänomen handelt, im Hintergrund.
Abstract
This article presents some of the results of a survey where 17 persons working professionally with animals and claiming to use telepathic communication in their work were interviewed. The questions covered the topics of their personal biography, their world view and their special methods of telepathic communication as well as practical examples of application. The interviewees were 15 women and two men working in the areas of veterinary medicine, animal psychology and animal training. The study was intended to give an overview of the method and characterize persons who apply this method in their daily work. The question whether we are truly dealing with a phenomenon of extrasensory perception was at this point of minor importance.
- 3 - Einleitung
Viele Menschen, die eng mit Tieren zusammenleben und -arbeiten, sind davon überzeugt, dass sie mit ihren Tieren eine telepathische Verbindung haben. Der britische Biologe Rupert Sheldrake und seine Mitarbeiterin Pamela Smart stellten bei einer Umfrage unter über 200 zufällig ausgewählten Tierhaltern einer englischen Kleinstadt fest, dass mehr als die Hälfte (53 %) der Hundehalter und ein Drittel (33 %) der Katzenhalter überzeugt sind, dass ihre Tiere zumindest manchmal ihre Gedanken lesen (SHELDRAKE & SMART 1997).
Auch unter professionellen Tiertrainern ist diese Ansicht nicht ungewöhnlich. Schon in den 1940er äußerte der damals berühmte Tigerdompteur Togare die Ansicht, dass Tiere zwar nicht „denken“ können, „in weit höherem Maße besitzt das Tier aber die Gabe, die man im Volksmund als Gedankenlesen oder Hellsehen bezeichnet.“ (nach VON DEN BERG 2008). Auch der britische Pferdetrainer Henry Blake, der auf schwierige Pferde spezialisiert war, war überzeugt, dass es zwischen ihm und seinen Pferden eine telepathische Verbindung gäbe, die er bewusst für das Training nutzte (BLAKE 1975). Für Barbara Woodhouse, eine in den 1970er und 1980er Jahren bekannte Hundetrainerin, war Gedankenübertragung ein selbstverständlicher Teil des täglichen Trainings (WOODHOUSE 1980). Die Schweizerin Gabi Federer, die in den 1990er Jahren als eine der Ersten Zirkusauftritte mit Hauskatzen zeigte - eine Art, die allgemein als schwierig gilt - äußerte in einem Interview, dass sie den Katzen das von ihnen erwünschte Verhalten in Form von telepathischen Bildern übermittelt. Auch Linda Tellington-Jones, eine Pferdetrainerin, die mit international erfolgreichen Leistungspferdesportlern zusammenarbeitet, berichtet von einer telepathischen Verbindung zu ihren Tieren (TELLINGTON-JONES 1997).
Im Gegensatz zu diesem in der allgemeinen Bevölkerung recht weit verbreiteten Glauben und Interesse, wurde das Thema in der Vergangenheit nicht nur von der konventionellen Wissenschaft weitgehend ignoriert. Auch Wissenschaftler, die anomale Phänomene erforschen, haben sich mit Ausnahme einiger Pionierarbeiten kaum mit möglichen telepathischen Fähigkeiten von Tieren beschäftigt.
Während die Fähigkeit des Menschen zur Telepathie inzwischen nicht nur für Forscher in den Grenzgebieten der Wissenschaft im Bereich des Möglichen liegt (s. z.B. RADIN 2006), ist eine solche Fähigkeit bei Tieren gegenwärtig anscheinend nur für wenige Wissenschaftler bedenkenswert. Nur vereinzelt gibt es daher Untersuchungen zu telepathischen Verbindungen zwischen Individuen einer Tierart: Telepathische Verbindungen zwischen verwandten Boxerhunden wurden von dem amerikanischen Psychiater ESSNER (nach SHELDRAKE 1999) festgestellt. Die Versuche des oben erwähnten Pferdetrainers Henry Blake, dem schon in den 1920er Jahren aufgefallen war, dass emotional eng verbundene Pferde anscheinend eine Art telepathische Verbindung zueinander haben, sind in seinen Büchern zum Pferdetraining beschrieben (z.B. BLAKE 1975). In jüngerer Zeit führte PEOC’H (1997) Versuche mit Kaninchenpaaren durch, die aus einem Wurf stammten und zusammen aufgewachsen waren. An in getrennten Räumen befindlichen Kaninchenpaaren wurde die Durchblutung der Ohren als Stressindikator gemessen. Zeigte ein Kaninchen Anzeichen von Stress, wie es natürlicherweise in seiner Umgebung passieren konnte, dann wurden nur dre Sekunden später bei seinem Partner im anderen Raum ähnliche Symptome gemessen. Nicht miteinander bekannte Kaninchenpaare zeigten keine solchen parallelen Reaktionen.
- 4 -Telepathie zwischen Mensch und Tier wurde etwas häufiger untersucht. Die „Dressur“ von Hunden mit Hilfe telepathischer Befehle wurde in den 40er Jahren von BECHTEREW (1949) untersucht. Er beschreibt, wie der Zirkushund „Pikki“, ein Foxterrier, „mentale Suggestionen“ seines Herrn ohne Blickkontakt ausführte. Komplizierte „mentale“ Anweisungen wie: „Spring auf den Stuhl, von dort auf den Schreibtisch und bring ein Blatt Papier, das dort liegt“ befolgte der Hund zwar nicht jedes Mal, aber doch erstaunlich häufig und genau. Die telepathischen Fähigkeit von Katzen versuchte Osis (OSIS 1952 und OSIS & FOSTER 1953) in den 50er Jahren an der amerikanischen Duke University zu testen: die Katzen, die zunächst nicht hinsichtlich besonderer "Begabung" selektioniert waren, sollten in einem Zwei-Wege-Labyrinth mit Futternäpfen an beiden Enden mental so beeinflusst werden, dass sie eine Seite bevorzugen. In umfangreichen Versuchsreihen ergab sich zum Teil eine hoch-signifikante Abweichung vom Zufallsergebnis. J. B. Rhine der Leiter des Labors hatte ein besonderes Interesse an übersinnlichen Fähigkeiten von Tieren, weil er glaubte, dass diese Fähigkeiten eine ursprüngliche Anlage sei, die beim Menschen in der Regel nur noch über das Unbewusste laufe (RHINE 1951, RHINE & FEATHER 1962).
Einer der wenigen heutigen Wissenschaftler, die sich mit telepathischen Verbindungen zwischen Mensch und Tier beschäftigen, ist der Biologe Rupert Sheldrake. Sheldrake hat in einer Datenbank mehrere Tausend Berichte von Tierhaltern gesammelt, die aussagen, bei ihren Tieren übersinnliche Fähigkeiten beobachtet zu haben. Einige Beispiele und die wissenschaftlichen Ergebnisse zum Thema hat er in zwei populärwissenschaftlichen Büchern zu übersinnlichen Fähigkeiten von Mensch (SHELDRAKE 2005) und Tier (SHELDRAKE 1999) zusammengefasst. Darüber hinaus hat er selbst mehrere Forschungsarbeiten in diesem Bereich durchführt. In seinen Studien zur telepathischen Tier-Mensch-Kommunikation geht es um Fälle, in denen ein Tier telepathische Botschaften eines Menschen empfängt. Es handelt sich dabei meist um relativ einfache „Botschaften“ wie „Angestarrtwerden“, die Absicht des Tierhalters, nach Hause zu kommen, zu erfassen oder die Absicht des Gassigehens vorherzusehen. Komplexere Botschaften empfängt dagegen der Graupapagei N’kisi, der sehr eindrucksvoll die Gedanken seiner Halterin auffangen und verbal ausdrücken kann und dabei mehr als 700 Wörter sinnvoll verwendet (SHELDRAKE & MORGANA 2003). „Kommunikation“ in die umgekehrte Richtung - der Mensch liest die Gedanken bzw. Gefühle des Tieres - wurde meines Wissens bisher noch nicht systematisch untersucht, was sicherlich mit den methodischen Schwierigkeiten zusammenhängt, aber auch damit, dass Tieren von der Wissenschaft bis vor kurzem weder Gefühle noch Gedanken zugesprochen wurden.
Persönliche Erlebnisse mit der telepathischen Kommunikation mit Tieren haben mich als Biologin bewogen, Studien durchzuführen, die zunächst nur für mich selber gedacht waren. In meiner ersten Studie (WÖBBECKE 2008), wurden ca. 30 Teilnehmer gebeten, über per E-Mail verschickte Fotos Kontakt mit ihnen unbekannten Tieren aufzunehmen und die erhaltene Information in einem Fragebogen an mich zurückzuschicken. Die Informationen wurden dann hinsichtlich der Korrektheit mit den vorab gesammelten Tierhalterangaben abgeglichen und bezüglich ihrer Wahrscheinlichkeit eingeordnet, um eine erste Auffassung zu bekommen, ob die Teilnehmer die Informationen nur per Zufall richtig erfasst hatten. Teilweise hatten die Teilnehmer Informationen von erstaunlicher Genauigkeit, z.B. zu den Lebensumständen oder dem Gemütszustand, eingeschickt. In der vorliegenden Studie richtete sich mein Interesse auf die praktische Anwendung der telepathischen Kommunikation in der Arbeit mit Tieren.
- 5 - Fragestellung
Ziel dieses Projektes war es nicht, zu zeigen, dass es sich bei dem, was die Anwender als Tierkommunikation bezeichnen, tatsächlich um Telepathie handelt, denn hierzu wären Versuche unter kontrollierten Bedingungen notwendig. Diese Untersuchung sollte:
• das Phänomen der telepathischen Kommunikation mit Tieren möglichst objektiv beschreiben und potentiell Interessierte neugierig machen,
• Menschen, die telepathische Kommunikation mit Tieren anwenden, hinsichtlich ihres Weltbilds und Werdegangs charakterisieren,
• zeigen, wie die Methode nutzbringend in der Arbeit mit Tieren angewendet werden kann,
• Grenzen der Methode aufzeigen.
Methode
Für diese Untersuchung wurden 17 Personen, die von sich behaupten, in ihrer professionellen Arbeit mit Tieren Telepathie anzuwenden, zu ihrer Person und zu ihrer Arbeit interviewt, wobei möglichst ein vorab ausgearbeiteter Themenkatalog abgearbeitet wurde.
Erstellung des Themenkatalogs
Die Themen des Interviews ergaben sich zum einen aus der Arbeitsweise der Anwender, zum anderen aus meiner eigenen praktischen Erfahrung. Im Laufe der Interviews ergaben sich im Gespräch teilweise neue Aspekte, die in die folgenden Interviews mit einflossen. Die Fragen wurden zu den Bereichen „Biografie“, „Arbeitsweise“ und „praktische Erfahrung mit der telepathischen Kommunikation“ und „Weltbild“ (speziell auch zum Verhältnis Tier-Mensch) gestellt.
Auswahl der Interviewpartner
Während die Anzahl der Menschen, die die telepathische Kommunikation mit Tieren als Dienstleistung anbieten (Tierkommunikatoren) inzwischen recht zahlreich ist, ist die Zahl derjenigen, die professionell mit Tieren arbeiten und diese Methode dabei einsetzen (und öffentlich dazu stehen) noch immer recht gering.
Die Interviewpartner habe ich nach folgenden Gesichtspunkten ausgewählt:
• Der Einsatz der mentalen Kommunikation sollte möglichst nicht den Haupterwerb darstellen (wie bei sog. „TierkommunikatorInnen“), sondern in der Ausübung eines anderen tierbezogenen Berufs als Hilfsmittel dienen. Aus Mangel an Personen, die diese Kriterien erfüllten, wurden aber trotzdem zwei Tierkommunikatorinnen einbezogen, die jedoch regelmäßig mit Personen in anderen Berufen (Tierheimbetreiber, Tierärzte) zusammenarbeiten.
- 6 - • DieInterviewpartner sollten im Einsatz der Methode bereits über mehrere Jahre Erfahrung verfügen.
• Wo immer möglich, habe ich mir von den Fähigkeiten meiner Interviewpartner ein Bild gemacht, entweder indem ich an einem ihrer Seminare teilgenommen habe, oder indem ich ihre Dienste in Anspruch genommen habe, bzw. sie bei der Arbeit beobachtet habe.
Insgesamt waren meine Interviewpartner als Tiertrainer (Hundetrainer, Pferdetrainer, Falknerin), in medizinischen Berufen (Tierärztin, Tierheilpraktikerin, Tierhomöopathin, Pferdedentistin) und als Tierverhaltenstherapeuten sowie als Tierkommunikatorinnen tätig (Näheres s. u.).
Durchführung der Interviews und Auswertung
Soweit möglich, habe ich die Interviews live geführt. Von 17 Interviews konnten allerdings sechs nur per Telefon durchgeführt werden.
In Vorbereitung der Interviews habe ich die Internetseiten sowie eventuelle Buch- oder sonstige Veröffentlichungen meiner Partner studiert, um gezielt auf sie eingehen zu können. Die Interviews wurden als freie Interviews geführt, die digital aufgezeichnet wurden. Die Aussagen wurden im Nachgang dem Themenkatalog zugeordnet, der möglichst vollständig abgearbeitet wurde. Da sich der Fragenkatalog im Laufe des Projektes erweiterte, decken nicht alle Interviews identische Themen ab. Unterschiede ergaben sich auch durch die unterschiedlichen Interessen der Interviewpartner. Habe ich z.B. gemerkt, dass ein Interviewpartner zu wissenschaftlichen Aspekten des Themas keinen Draht hatte, bin ich auf diesen Fragenbereich nur kurz eingegangen. Während ich mit manchen Interviewpartnern sehr zwanglos auch persönlichere Themen ansprechen konnte, waren andere distanzierter. Insgesamt habe ich mich stets um respektvollen Umgang bemüht und daher, wenn ich bemerkt habe, dass ein Thema eher tabu war, nicht insistiert. Für die Auswertung wurden die Aussagen zunächst einem Themenkatalog zugeordnet. Ergaben sich dabei Lücken oder weiterführende Fragen, so wurden diese möglichst per Telefon, zur Not auch per Email, geklärt.
- 7 - Ergebnisse
Die Methode der telepathischen Kommunikation Einsatzgebiete
Für welchen Zweck die mentale Kommunikation von den Anwendern im Einzelnen eingesetzt wird, hängt natürlich vom Beruf, aber auch von den individuellen Fähigkeiten der Anwender ab, die sehr unterschiedlich sein können. Tiertraining
Die Tiertrainer nutzen die telepathische Kommunikation vor allem in zweierlei Hinsicht: um den Tieren ihre Wünsche deutlich zu machen und um die Grundstimmung beim Training in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Um ihre Wünsche deutlich zu machen, schicken sie innere Bilder oder „Videos“, in denen sie sich vorstellen, dass das Tier das gewünschte Verhalten bereits ausführt. Diese Technik wurde bereits von dem Pferdetrainer BLAKE (1975) beschrieben und wird von vielen Trainern, teilweise sicher auch unbewusst, angewendet. Die Pferdetrainerin arbeitet mit dieser Methode mit einer der erfolgreichsten deutschen Dressurreiterinnen. Eine Hundetrainerin gab an, dass sie diese Methode auch dann häufig ihren Kunden vermittelt, wenn diese zum Thema „Gedankenlesen“ keinen Draht haben. Da neuere Forschungen ergeben hätten, dass Hunde schon gedachte Kommandos ihrer Halter an der Körperspannung erkennen könnten, kann bei der Hundeerziehung - zumindest, wenn es sich um bekannte Übungen handelt - sicher zumindest ein Teil des Phänomens durch diesen Mechanismus erklärt werden. Anders bei der Falknerin, die ebenfalls mit dieser Methode arbeitet, vor allem, wenn sie neue Übungen einübt. Da sie mit ihren Tieren nicht nur Flugschauen durchführt, sondern auch für ungewöhnliche Tricks für Film- und Opernauftritte engagiert wird, befinden sich ihre Vögel oft nicht nur in großer Entfernung, wenn sie mentale Anweisungen von ihr erhalten, sondern teilweise sogar in völliger Dunkelheit, so dass körperliche Signale hier ziemlich unwahrscheinlich sind. Eine spezielle Form dieses Trainings bezeichnen die Hundetrainer als „mentale Leine“. Durch stetige auf den Hund gerichtete Aufmerksamkeit wird dieser daran gehindert, sich weiter als gewünscht zu entfernen. Dies funktioniere auch, wenn der Hund, als Beutegreifer mit vergleichsweise geringem Seefeld ausgerüstet, den hinter ihm gehenden Trainer nicht sehen kann.
Die Pferdetrainerin nutzt darüber hinaus die mentale Kommunikation, um in der Zusammenarbeit das jeweilige Pferd seiner Rangposition zu versichern (z.B. zur Leitstute „Ich bitte dich um Mithilfe“, dagegen zu einem rangniedrigeren Pferd „Ich passe auf dich auf und entscheide für dich“.) Weitere Möglichkeiten, die von den Tiertrainern genannt wurden, sind die Gründe für unerwünschtes Verhalten zu erfahren, sowie Bedürfnisse, Wünsche und Begabungen eines Tieres bezüglich der Arbeit zu erspüren.
Die Beeinflussung der Grundstimmung gehört für alle Tiertrainer zur täglichen Praxis. Dieses Phänomen kennt wohl jeder Tierhalter: die meisten Tiere (und Menschen) lassen sich von der Stimmung - ruhig, aufgeregt, aggressiv, freundlich - der sie umgebenden Menschen und/oder Artgenossen beeinflussen. Dass ein Pferd die Bewegungsmuster seines Vorführers (stolz und
- 8 -energiegeladen oder müde und kraftlos) nachahmt, ist hippologisches Grundwissen und wird auf Pferdezuchtveranstaltungen gezielt eingesetzt, um das Tier möglichst vorteilhaft zu präsentieren. Auch die enge Korrelation physiologischer Parameter, die Stress anzeigen - Pulsrate, Schweißproduktion - von Pferd und Leitperson in Stresssituationen wurde bereits nachgewiesen (KEELING et al 2008). Dass die Grundstimmung aber auch über eine gewisse Entfernung hinweg übertragen werden kann, ist eher weniger bekannt, wurde aber schon in den 1920er Jahren von dem britischen Pferdetrainer BLAKE (1975) beobachtet und in Versuchen mit Pferdepaaren, die durch eine enges emotionales Band verbunden waren, untersucht. Beim Tiertraining wird die Beeinflussung der Grundstimmung von allen Trainern unter meinen Interviewpartnern bewusst eingesetzt. Das kann neben der Beruhigung in Angst auslösenden Situationen auch eine Entschärfung von aggressiven Situationen oder, seltener, ein „Wachmachen“, „Aufmerksamkeit-Halten“ in ablenkenden oder ermüdenden Situationen sein. Manchmal werde dies auch für eine ganze Gruppe von Tieren eingesetzt, wenn z.B. die Gefahr besteht, dass eine Pferdeherde in Panik davon stürmt, oder wenn in einer Hundegruppe aggressive Tendenzen entstehen, die die Gefahr einer Gruppenrauferei bergen. Für die meisten Tiertrainer erfordert dies in schwierigen Situationen ein hohes Maß an mentaler Selbstbeherrschung.
Einige von denjenigen, die sich mit dem Wiederfinden verlorener Tiere beschäftigen, geben an, dass sie diese Technik einsetzen, um ein entlaufenes Tier, bei dem sie das Gefühl haben, dass es aufgeregt und verwirrt ist, zu beruhigen und damit in die Lage zu versetzen, nach hause zu finden. Lösung von Konflikten
Bei den Tierpsychologen und den Tierkommunikatorinnen steht häufig die Konfliktlösung im Vordergrund. Dabei kann es sich um Konflikte zwischen Mensch und Tier, aber auch zwischen verschiedenen Tieren eines Haushalts handeln. Bei Katzen kommt es z.B. häufig zu „Protestpinkeln“, wenn die Katze mit ihrer Lebenssituation nicht zufrieden ist. Wenn die Ursache für dies unangenehme Verhalten gefunden ist, kann entweder die Situation verändert werden oder eine Kompromisslösung gefunden werden. Dabei soll es teilweise zu erstaunlichen Verhaltensänderungen kommen: die Katze erhält Freigang, wenn sie „verspricht“, sich nur hinter dem Haus aufzuhalten und die Straße zu meiden, der Hund akzeptiert die neue Familienkatze, weil er die neue Situation „versteht“. Die Ursachen für unerwünschtes Verhalten oder unerklärliche Ängste zu erkunden, ist häufig auch eine Aufgabe der Tiertrainer. Ein Pferdetrainer sollte ein völlig nervöses und unkooperatives Pferd, das sein Klient kürzlich als ausgebildetes Jagdpferd gekauft hatte, therapieren. Der Pferdetrainer fand unter Einsatz von telepathischem Kontakt heraus, dass das Pferd völlig überfordert war, da es im Gegensatz zu den Angaben des Verkäufers bisher an keinem einzigen Wettbewerb teilgenommen hatte.
Neben der unmittelbaren Arbeit am Tier bieten manche der Trainer in schwierigeren Fällen, bei entsprechend eingestellten Klienten, auch eine Kommunikation via Foto an. Manchmal spiegeln Tiere auch Konflikte in der Familie wider, dann kann eine Kommunikation unvermutet ins Persönliche der Tierhalter gehen. Aus diesem Grund halten die meisten Anwender eine intensive Kommunikation mit dem Tier nur mit Zustimmung des Tierhalters für zulässig.
- 9 - Wünscheund Bedürfnisse des Tieres
Die Bedürfnisse und Wünsche der Tiere zu erfahren gehört zu den Aufgaben aller Interviewpartner. Dabei kann es sich um die Haltungsbedingungen - anderes Futter, Einstreu, Form der Aufstallungaber auch um die Trainingsmethode oder die Art der Arbeit oder Beschäftigung handeln. Für die Pferde- und Hundetrainer steht die Frage nach den Bedürfnissen - dazu kann auch die individuell optimale Form der Belohnung gehöre - meist am Anfang ihrer Arbeit. Natürlich gehen auch hier immer die persönliche Erfahrung und das Wissen des jeweiligen Trainers oder Tierpsychologen in seine Einschätzung mit ein.
Ein besonderer Fall ist der Einsatz mentaler Kommunikation bei der Vermittlung von Tierheimhunden und -katzen. Ob eine Katze einzeln oder mit einer anderen Katze gehalten werden möchte, kann im Tierheim noch relativ einfach ausgetestet werden. Schwieriger wird es, herauszufinden, ob sie mit Kindern (eventuell auch verschiedener Altersstufen) zurechtkommt oder ob sie als reine Wohnungskatze gehalten werden kann.
Pferde, insbesondere auch Freizeitpferde, leiden häufig unter Langeweile und sind dankbar für Beschäftigung. Talent und Vorlieben eines Pferdes kann man zwar auch durch Beobachtung und Ausprobieren erfahren, die Trainer, die mentale Kommunikation einsetzen behaupten jedoch, dass sie dies effektiver erfassen können. Manchmal erbringen Sportpferde aus unerklärlichen Gründen nicht die von Ihnen erwartete Leistung. Hier wird die telepathische Kommunikation eingesetzt, um mögliche Ursachen (unpassender Sattel, schlechter Beschlag) einzugrenzen und dann durch gezielte Untersuchungen und Veränderungen zu bestätigen. Vorbereitung auf Veränderungen oder Behandlungen
Den eigenen Tieren Veränderungen wie einen Umzug, Stallwechsel oder die Anschaffung eines weiteren Tieres zu „erklären“ ist für einige Tierhalter Motivation, eine Tierkommunikatorin oder eine Tierpsychologin zu konsultieren. Zwar werden die meisten Hundebesitzer die Erfahrung gemacht haben, dass ihr Tier von sich aus weiß, ob sie nur für ein paar Stunden oder für mehrere Tage zurückgelassen werden, trotzdem soll die „Erklärung“ der Notwendigkeit dem Tier helfen, die Abwesenheit seines Menschen mit mehr Ruhe zu akzeptieren. Pferde, deren Angst vor dem Pferdetransporter eher mit der Angst vor Ortswechsel zusammenhängt als vor der Fahrt an sich, sollen nach „Erklärung“, dass sie abends wieder bei ihrer Herde sein werden, den Pferdehänger williger betreten haben. Tiere, denen vorab der Tierarztbesuch „erklärt“ wird, sollen sich dann ruhiger bei der Behandlung verhalten. Gesundheits- und Ernährungsprobleme
Gesundheits- und Ernährungsprobleme sind bei allen Anwendern ein wichtiges Thema, besonders aber natürlich bei den Tierheilpraktikerinnen, der Tierärztin, der Physiotherapeutin und der Pferdedentistin. Sowohl die Tierkommunikatorinnen als auch die Tierpsychologinnen arbeiten aber mit Tierärzten zusammen, und werden bei schwierigen Fällen - z.B. Lahmheiten ungeklärter Ursache, unerklärliche Widersetzlichkeit - hinzugezogen.
Die Tierärztin, deren Spezialgebiet die Akupunktur ist, gibt an, zu spüren, wenn der Energiestrom im Körper des Tieres sich während der Behandlung verändert.
- 10 -Die Homöopathinnen arbeiten zunächst nach klassischen Grundsätzen mit Anamnese und Repertorium. Unter Umständen kann die mentale Kommunikation eine Hilfe dabei sein, die äußerlich sichtbaren Symptome näher zu lokalisieren und zu beschreiben (z.B. „stechender Schmerz im linken Handwurzelgelenk“ anstatt einfach nur „lahmt vorne links“) und damit zu einer genaueren Mittelfindung beitragen. Bei der Wahl eines homöopathischen Mittels können manchmal sehr spezielle Symptome, die aus einer rein äußerlichen Beobachtung des Tieres nicht zugänglich sind, genau beschrieben werden, so dass damit eine genauere Mittelwahl möglich wird (z.B. statt einfach nur „Juckreiz“ „Jucken wie Ameisenlaufen, eingeschlafene Pfoten“). Manchmal dient sie auch dazu, eine Ursache vorab einzugrenzen, so dass dann gezielter mit konventionellen Mitteln untersucht werden kann.
Die Pferdedentistin gab an, dass sie oft schon vor der physischen Untersuchung weiß, ob eine Behandlung der Zähne notwendig ist oder nicht. Da bei vielen Pferden eine ausführliche Untersuchung der Zähne nur mit massiver Sedierung möglich ist, wäre diese Art der Diagnose natürlich sehr viel schonender.
Die Kleintierphysiotherapeutin „erklärt“ den Tieren vorab die Behandlung, erspürt Verspannungen, und „fragt“ das Tier, wann die Behandlung ausreichend war. Sie beobachtet oft, das das behandelte Tier sich von alleine umdreht, wenn die Behandlung einer Seite beendet ist. Während einige der in den medizinischen Berufen Tätigen die Symptome direkt erspüren, können andere die Beschwerden durch „Befragen“ des Tieres lokalisieren und oft auch beschreiben. Eine der Homöopathinnen erfuhr auf diese Weise, als sie sich nach einer Lahmheit erkundigte von einem vereiterten Zahn, ein Befund, auf den äußerlich zunächst nichts hingedeutet hatte, der anschließend aber durch die Untersuchung bestätigt wurde.
Immer wieder wird auch von meinen Interviewpartnern behauptet, dass viele Tiere ihr Heilmittel und sogar bestimmte Heilbehandlungsmethoden selbst bestimmen können. Dabei betonen alle, dass seriöse Behandlungen stets bemüht sind, solche Informationen durch andere Hinweise abzusichern. Sterbebegleitung
Wenn es um die Entscheidung geht, ob das eigene Tier eingeschläfert werden soll, sind die meisten Tierhalter stark verunsichert. Sowohl die Tierärztin als auch die Tierheilpraktikerin und die Tierhomöopathinnen, aber auch die Tierkommunikatorinnen und die Tierpsychologin bieten in diesen Situationen eine Sterbebegleitung an. Sie erspüren den Lebenswillen des Tieres und können dann gemeinsam mit dem Tierhalter entscheiden, ob eine weitere medizinische Behandlung sinnvoll ist und den Bedürfnissen des Tieres entspricht. Manchmal können sie auch erspüren, welche Bedürfnisse das Tier bezüglich der Umstände hat, ob es z.B. die Gesellschaft seines Menschen wünscht oder lieber alleine sterben möchte, was ja für in der Wohnung gehaltene Tiere nicht in ihrer eigenen Entscheidung liegt. Kommunikation mit verstorbenen Tieren
Diese schon ziemlich weit gehende Kommunikationsform wird längst nicht von allen meinen Interviewpartnern praktiziert. Ob eine derartige Kommunikation für möglich gehalten wird, hängt natürlich vom Glaubenssystem eines Menschen ab. Manche Interviewpartner halten sie zwar für möglich aber nicht
- 11 -für wünschenswert („Die Toten sollte man in Ruhe lassen.“). Die Informationen, die über diese Art der Kommunikation erhalten werden, sind naturgemäß nicht überprüfbar. Für den Tierhalter, der sich oft mit negativen Gefühlen - Trauer, Schuldgefühle - über das Ende seines Tieres belastet, können sie aber oft eine Hilfe und ein Trost sein. Wiederfinden verlorener Tiere
Eine sehr spezielle Dienstleistung ist die Hilfe beim Wiederfinden verlorener, entlaufener oder gestohlener Tiere, die von Tierkommunikatorinnen und von Tierpsychologen übernommen wird. Per Foto versucht die Person den Kontakt zu dem Tier herzustellen und zunächst zu erfühlen, ob as Tier noch am Leben ist. Dann wird meist versucht, das Tier nach den Umständen seines Verschwindens zu „befragen“: wurde es gestohlen, angefahren, hat es sich verlaufen usw. Schließlich wird das Tier nach seiner jetzigen Umgebung bzw. dem Weg dorthin befragt oder die Tierkommunikatorin versetzt sich in das Tier hinein und versucht die Umgebung des Tieres zu sehen. Manchmal wird auch versucht, das Tier mental zu beruhigen und ihm Verhaltensanweisungen zu geben. Diejenigen, die diesen Service anbieten, behaupten, sie hätten eine Erfolgsquote von etwa 60 - 80 %. Nicht jeder traut sich diese Leistung jedoch zu, denn meist handelt es sich sowohl für das Tier als auch den Halter um eine sehr Stress beladene Situation. Das Tier befindet sich möglicherweise in Gefahr oder ist verletzt oder verwirrt. Der Halter ist in Angst und Sorge, oft ist die Inanspruchnahme einer mentalen Kommunikation seine letzte Hoffnung. Dadurch entsteht nicht nur ein hoher Leistungsdruck für den Berater, nach Angaben der jenigen, die diesen Service anbieten, können die Emotionen des Tierhalters und des Tieres den Kontakt auch direkt erschweren. Dazu kommt die Schwierigkeit, die empfangenen Informationen räumlich und zeitlich korrekt einzuordnen: Der Berater empfängt z.B. von einer Katze sehr eindringlich das Bild von Eingesperrtsein in einem Müllcontainer, kann aber vielleicht die entscheidende Frage, ob dies Ereignis bereits vorbei ist oder noch andauert, nicht beantworten. Erhält der Berater Antworten aus der Perspektive des Tieres, entstehe zusätzlich die Schwierigkeit, dass diese sich selten mit der des Menschen deckt, z.B. wenn es um Größen- oder Längenangaben geht. Nicht selten werden von einem verzweifelten Tierhalter auch mehrere Personen um mentale Kommunikation mit dem verschwundenen Tier gebeten. Nach Angabe einer der erfahrensten Interviewpartner kann es hierdurch zu einer Art Interferenz kommen, und es werden sich gegenseitig störende verwirrende Informationen empfangen.
Wegen dieser Schwierigkeiten bieten einige Berater diese Leistung nicht oder nicht mehr an, andere übernehmen sie nur ungern. Seriöse Berater verbinden in jedem Fall die mentale Kommunikation mit praktischen Hinweisen: an welchen Orten ist es erfolgversprechend zu suchen, wo kann man am besten Suchmeldungen anbringen, wie kann man das Internet nutzen etc. Lebensgefühl einer Tierart nachempfinden
Für einige Interviewpartner ist es eine ganz besondere, zweckfreie Anwendungsmöglichkeit der mentalen Kommunikation mit Tieren sich vollständig in ein Tier hinein zu versetzen, um dessen Lebensgefühl zu erfahren. Insbesondere mit Wildtieren (aber nicht nur) scheint dies eine Erfahrung zu sein, aus der diese Menschen viel Kraft für sich schöpfen können. Wie ein Greifvogel in der Luft zu schweben aber auch wie ein Maulwurf unter der Erde Würmer zu jagen ist für sie ein ganz besonderes Erlebnis und erweitert ihren Blickwinkel.
- 12 -Beschreibung des telepathischen Prozesses Formaler Ablauf
In Abhängigkeit vom Anwendungsbereich aber auch von der speziellen Begabung des Anwenders läuft die telepathische Kommunikation unterschiedlich ab. Im Training der Tiere oder während einer Heilbehandlung passiert sie spontan. Für spezielle Probleme, die ein intensiveres Nachforschen erforderlich machen, führen die Tierpsychologinnen, die Tierkommunikatorinnen und auf Wunsch der Tierhalter auch einige der anderen Interviewpartner spezielle Sitzungen durch. Sie kommunizieren dann entweder mit dem anwesenden Tier im Beisein des Besitzers, der seine Fragen stellen kann, die dann vom Interviewpartner ebenso wie die Antworten des Tieres „übersetzt“ werden. Oder, das ist weit häufiger, sie nehmen über ein Foto des Tieres, das der Tierhalter ihnen zur Verfügung stellt, den Kontakt auf. Manche Interviewpartner lassen die Tierhalter vor der Kommunikation Fragen aufschreiben, andere betrachten dies als hinderlich für den freien Informationsfluss. Einige Interviewpartner führen die Kommunikation ohne den Tierhalter durch und halten die Ergebnisse in einem Protokoll fest, das sie dem Tierhalter anschließend zur Verfügung stellen. Als Begründung wird angegeben, dass die Anwesenheit des Tierhalters, der oft sorgenvoll oder ungeduldig ist, ihre Konzentration stört und dass sie teilweise mentale Information vom Tierhalter anstatt vom Tier empfangen.
Andere bestehen darauf, dass die Kommunikation, nachdem der erste Kontakt mit dem Tier im „stillen Kämmerlein“ stattgefunden hat, im Dialog mit dem Tierhalter durchgeführt werden sollte. Hierbei haben sie die Möglichkeit, ihre Interpretationen der empfangenen Information noch während des Gesprächs laufend zu korrigieren falls notwendig. Manche Interviewpartner stellen dem Tier als Erstes eine Frage, die der Tierhalter beantworten kann, um zu überprüfen, ob sie den richtigen Draht zum Tier gefunden haben, teilweise sicher auch, um dem Tierhalter, wenn er sie das erste Mal konsultiert, Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu vermitteln.
Während für manche Personen der Kontakt zu dem Tier ganz spontan entsteht, verwenden die meisten, manche auch nur in schwierigeren Fällen, eine spezielle Technik, um diesen Kontakt herzustellen. Übereinstimmend gaben alle Interviewpartner an, dass eine Anzahl von Voraussetzungen nötig ist:
• Empathie
• Respekt vor dem Tier
• Leeren des eigenen Geistes, innere Ruhe, Vermeiden von Vorurteilen oder Erwartungen, Offensein für Neues. Dieses Leeren des Geistes soll gleichzeitig die scheinbar widersprüchliche Fähigkeit der Konzentration bzw. der klaren Absicht beinhalten.
Manche betonten zusätzlich die Notwendigkeit „sich zu erden“.
Der Respekt vor dem Tier drückt sich für viele darin aus, dass sie „sich dem Tier vorstellen“, dass sie „um ein Gespräch bitten“, um „Erlaubnis bitten, sich in seinen Körper zu begeben“, dass sie “nicht mit der Tür ins Haus fallen“ und dass sie sich am Ende für die Information bedanken. Um sich in einen Zustand von Empathie zu begeben, werden verschiedene Visualisierungen ver- wendet: Die Vorstellung eines Bandes, das vom Herzen des Menschen zu dem des Tieres geht, einer
- 13 -Brücke über die man auf das Tier zugeht oder auch das Öffnen des eigenen Herzzentrums sind Bilder, die genannt wurden.
Bei anderen haben die Bilder etwas eher Technisches: es entsteht eine Telefonleitung zwischen Mensch und Tier, ein Radio wird auf Empfang gestellt, die Antwort erscheint auf einer leeren Leinwand. Speziell das letzte Bild geht über in die Techniken zum „Leeren des Geistes“. Mit diesem "Leeren des Geistes", das von manchen mit dem Bewusstseinszustand in der Meditation verglichen wird, wird ein offener, neutraler Geisteszustand erreicht, mit dem ohne Erwartungen, Vorurteile oder Befürchtungen kommuniziert werden kann. Manche wenden besondere Techniken hierfür an oder lehren sie in ihren Seminaren. Dabei kann es sich um eine kurze Meditation, eine Entspannungsübung oder eine kurze Visualisierung handeln. Für einige war aber auch einfach die Wahl der richtigen Tageszeit, mehrere nannten die frühen Morgenstunden, wichtig. Die Pferdetrainerin bringt ihren Seminarteilnehmern bei, ihre Gehirnwellen zu verlangsamen, sie von einem Beta- in einen Alpha-Zustand zu versetzen. Für die erfahreneren Kommunikatoren kann dieser ganze Prozess in Sekundenschnelle ablaufen oder sogar, zumindest als bewusste Anstrengung, überflüssig werden. Da es einem normalen Menschen meist nicht gelingt, den Geist vollständig zu leeren, wurde von mehreren Interviewpartnern angegeben, dass sie sich vor einer Kommunikation ihres eigenen Gemütszustands ebenso wie eventueller eigener körperlicher Schmerzen bewusst werden, damit sie diese nicht nachher mit Informationen vom Tier verwechseln.
Von allen Interviewpartnern wurde angegeben, dass die empfangene Information meist sehr schnell, blitzartig, da ist. Von denen, die ohne den Tierhalter arbeiten, wird sie dann zunächst protokolliert. Dabei betonen sie, dass es wichtig (und manchmal schwierig) ist, die Information, auch wenn sie zunächst unverständlich oder unwahrscheinlich scheint, so festzuhalten, wie sie aufgefangen wird und jede Art von Interpretation oder Analyse zu vermeiden. Die Information, die der Berater empfängt, gibt er also möglichst in Originalform an den Tierhalter weiter. Nicht selten verstehe der Berater die Information erst durch die Interpretation des Tierhalters.
Eine spezielle Technik, die meist angewendet wird, um Gesundheitsprobleme zu lokalisieren, ist der "Body scan": der Mensch versucht sich in den Körper des Tieres einzufühlen, indem er sich vorstellt, sich selbst in diesem Körper zu befinden. Von oben nach unten geht er dann die einzelnen Körperteile durch und sucht dabei nach Schmerzen oder Verspannungen. Andere gehen umgekehrt vor: sie stellen sich vor, dass das Tier sich in den eigenen, menschlichen Körper begibt, in dem sie dann die Schmerzen oder Verspannungen spüren. Manchmal kann es dann ein Problem sein, die Schmerzen wieder loszuwerden, wofür sie spezielle Visualisierungstechniken entwickelt haben. Aus diesem Grund ziehen es manche vor, den Sitz von körperlichen Problemen zu erspüren, indem sie im Geist mit den Händen über den Körper des Tieres fahren und dort wo sie Schwachstelle spüren, das Tier zu befragen.
- 14 - „Übertragungsmodus“
Die Form der empfangenen Information kann anscheinend bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich könnte man die Art, wie Informationen den Empfänger erreichen, in drei Kategorien einteilen:
• als Gefühle
• als Gedanken
• als Sinneseindrücke/Körperwahrnehmungen.
Alle, die sich erfolgreich mit dieser Methode beschäftigen, empfangen die Gefühle bzw. die Grundstimmung des Tieres. Dies ist anscheinend eine grundlegende Fähigkeit und für die meisten Menschen am einfachsten zu bewerkstelligen. Im Wort Telepathie, das wörtlich übersetzt ja „Fernfühlen“ bedeutet, kommt dies zum Ausdruck. Dass Empathie, Einfühlungsvermögen, von allen Interviewpartnern als eine Voraussetzung für eine erfolgreiche mentale Kommunikation angesehen wird, ist daher kein Wunder. Meist wird vom Empfänger mehr oder weniger kurz die Stimmung des Tieres wie eine eigene empfunden. Nur eine Interviewpartnerin gab an, dass sie die Stimmung eines Tieres nicht wie ein eigenes Gefühl sondern als Gedanke oder Satz des Tieres („Bin sehr traurig.“) empfängt.
Informationen, die als Gedanke oder Idee auftauchen, z.B. die Ursache für ein ungewöhnliches Verhalten, sind ebenfalls häufig. Dieses „plötzliche Wissen“, eine intuitive Eingebung, ist dem durchschnittlichen Tierhalter wahrscheinlich am ehesten vertraut.
Viele Interviewpartner hören die Antwort auf ihre Fragen als Wörter oder Sätze und die Kommunikation nimmt für sie die Form einer Unterhaltung an. Manche meinen dabei die Stimme des Tieres als menschliche Stimme mit charakteristischer Lautstärke, Klangfarbe und Ausdrucksweise zu hören, für andere „erscheinen“ einfach Sätze, die aber, wie sie meinen, oft nicht in ihrer eigenen Diktion formuliert sind.
Manche Interviewpartner sehen Bilder, z.B. wenn es um die Beschreibung des Lebensraums eines Tieres geht. Hier scheint es z.T. sehr begabte Menschen zu geben, die die Umgebung des Tieres wie durch seine eigenen Augen gesehen beschreiben können. Manche erhalten auch kleine „Filme“, wenn sie z.B. eine traumatische oder sonst wie eindrückliche Begebenheit aus der Vergangenheit empfangen. Eine der Tierpsychologinnen, die Seminare zum Thema gibt, schätzt, dass etwa 30 % ihrer Seminarteilnehmer diese visuelle Begabung besitzen. Häufig hat ein empfangenes Bild auch Symbolcharakter. Dadurch können z. T. mehrdeutige oder paradoxe Sachverhalte besser ausgedrückt werden als durch Sprache.
Oft scheinen Menschen zu Beginn einen favorisierten „Empfangsmodus“ zu haben, mit zunehmender Erfahrung wird die Art und Weise wie die Information empfangen wird, vielfältiger. Als akustisch orientierter Mensch empfing die Hundetrainerin, die im Hauptberuf Musikerin ist, anfangs überwiegend Sätze und erhält jetzt mehr und mehr auch Bilder.
Viele meiner Interviewpartner können Schmerzen im Körper eines Tieres erspüren. Einige verwenden hierfür eine spezielle Technik („Body scan, s.o.), wobei sie die Schmerzen an den entsprechenden
- 15 -Stellen im eigenen Körper spüren. Bei weniger erfahrenen Personen gibt es hier manchmal das Problem, dass dieser Schmerz noch eine Weile nach der Kommunikation im eigenen Körper gefühlt wird. Andere geben an, den Körper des Tieres mental abzutasten und dabei den Sitz eines Problems aufzuspüren. Eine Frau sieht an einem erkrankten Körperteil bestimmte optische Muster. Für die meisten Personen kommt die Information auf verschiedenen Wegen gleichzeitig. Dabei ist die Form der Information anscheinend nicht nur abhängig von der individuellen Begabung sondern manchmal auch vom Thema, teils auch von der Tierart. Keine Form der Information wird dabei als besser betrachtet als eine andere. Die Pferdetrainerin, die auch Seminare zum Reiten mit mentaler Kommunikation gibt, nennt als ein Ziel, ihren Schülern möglichst viele Informationskanäle zugänglich zu machen. Bei Anwendern mit viel Erfahrung kann die Information dadurch manchmal erstaunlich detailliert sein. Genauigkeit nach Selbsteinschätzung
Erfahrene Anwender haben meist ein Gefühl dafür, ob sie zu einem Tier einen guten Draht hatten, ob sozusagen die Verbindung zustande kam. Mehrere Interviewpartner gaben an, dass dies Gefühl des direkten Drahtes für sie etwas Berührendes habe: „Man hat einen direkten Blick in die Seele, spürt die Empfindungen des Tieres direkt mit, das nimmt einen mit.“
Die Genauigkeit in Zahlen zu fassen ist schwierig. Bei denen, die direkt mit dem Tier arbeiten, wird die Information, die sie empfangen, ständig durch sensorische Informationen ergänzt und korrigiert, so dass hier eigentlich gar keine separate Einschätzung des telepathischen Anteils möglich ist. Diejenigen, die nicht direkt mit dem Tier arbeiten sondern über ein Foto kommunizieren und vielleicht auch vorher nicht viel über das Tier wissen, könnten schon eher etwas hierüber aussagen. Die Einschätzung der eigenen Genauigkeit beim Empfang der Information variiert bei den verschiedenen Interviewpartnern stark und ist natürlich auch von der Persönlichkeit abhängig. Tendenziell neigten die Personen mit weniger Erfahrung zu einer sehr hohen Selbsteinschätzung, während insbesondere die drei Personen mit der meisten Erfahrung vor Arroganz und Selbstüberschätzung warnten und angaben, dass sie stets versuchen, alle Informationen durch weitere Befunde (medizinisch, Beobachtungen des Tierhalters) abzusichern. Für die Genauigkeit beim Wiederfinden verlorener Tiere, die am ehesten objektiv zu fassen andererseits aber mit speziellen Problemen behaftet ist, geben die, die dies anbieten, relativ übereinstimmend eine Genauigkeit von etwa 60 - 80 % an. Umgang mit den Klienten
Wie offen die Befragten ihren Klienten gegenüber mit dem Thema telepathische Kommunikation umgehen, ist sehr unterschiedlich. Mit Ausnahme der Tierkommunikatorinnen stellen die Interviewpartner ihre Fähigkeit zur mentalen Kommunikation mit Tieren den Tierhaltern gegenüber eher nicht in den Vordergrund. Die meisten erwähnen diese Methode nur, wenn sie merken, dass der Klient einen Draht zu dem Thema hat. Ausnahmen bilden die Tierärztin, die auf der Homepage der Gemeinschaftspraxis, in der sie arbeitet, die mentale Kommunikation als eines ihrer Spezialgebiete angibt, sowie die Tierpsychologin und die Katzen-Verhaltenstherapeutin, die beide Seminare zu diesem Thema anbieten. Speziell die Hundetrainer sind sehr vorsichtig, da das Thema in Hundetrainer-Kreisen anscheinend einen zwielichtigen Ruf genießt. Anders die Pferdetrainerin: Die telepathische Kommunikation, sie verwendet den Ausdruck „gemeinsames Bewusstsein“, steht zwar nicht im Vordergrund, sie lässt sie aber sehr selbstverständlich in ihre Seminare einfließen. Sätze wie "Einer
- 16 -Stute müsst ihr immer vorher erklären, was ihr vorhabt." werden auch von eher konventionell ausgerichteten Seminarteilnehmern ohne weiteres akzeptiert, weil ihr intuitiver Umgang mit den Pferden durch seine selbstverständliche Mühelosigkeit und Effektivität überzeugt. Eine der Hundetrainerinnen weist ihre Klienten an, ihren Hunden Bilder vom erwünschten Verhalten zu schicken und begründet dies mit Forschungsergebnissen, die zeigen, dass ein Hund gedachte Kommandos seines Trainers an dessen Körperspannung wahrnehmen kann. Der unterschiedlichen Offenheit entsprechend verschieden ist der Umgang mit den Klienten bei diesem Thema: während es bei denjenigen, die offen mit dem Thema umgehen oder sogar Werbung mit der Methode machen, zu den ethischen Grundsätzen gehört, nur mit Zustimmung des Tierhalters telepathischen Kontakt zu dem Tier aufzunehmen, sind andere notgedrungen weniger formell. Für diejenigen, die in direktem Kontakt mit dem Tier arbeiten, wie die Tiertrainer, oder die Pferdedentistin, ergibt sich oft eine spontane Kommunikation, die natürlich nicht vom Tierhalter „genehmigt“ werden muss.
Die Art und Weise, wie diese Form der Kommunikation den Klienten gegenüber dargestellt wird, variiert ebenfalls recht stark und hängt zum einen von der beruflichen Tätigkeit aber auch vom persönlichen Weltbild ab. Zwei Interviewpartner bestanden zumindest nach außen hin darauf, dass die mentale Kommunikation mit Tieren nichts mit außersinnlicher Wahrnehmung zu tun hat, sondern durch materielle Vorgänge erklärbar ist („elektromagnetische Wellen“ bzw. „Spiegelneuronen im Gehirn von Sender und Empfänger“). Andere Interviewpartner versuchen in ihren Seminaren, eine eher vage wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen anzubieten („morphogenetische Felder“, „Quantenkommunikation“) . Für die Mehrzahl war die Tatsache, dass es bisher keine überprüfbare wissenschaftliche Erklärung für Telepathie gibt, allerdings unwichtig. Insgesamt wird von allen, die sich öffentlich zur telepathischen Kommunikation bekennen, betont, dass sie „sehr erdverbunden“ und „überhaupt nicht esoterisch“ sind, wobei der Begriff „Esoterik“ im Sinne von „abgehoben“, „realitätsfern“ gemeint ist.
Die meisten, die telepathische Kommunikation mit den Tieren anderer Menschen einsetzen, haben das Gefühl, dass diese besondere Fähigkeit mit einem besonderen Verantwortungsbewusstsein verbunden sein sollte. Die auf die Begründerin der modernen Tierkommunikation Penelope Smith zurückgehende Schule verpflichtet sich auf ethische Grundsätze, die durch folgende Punkte gesichert werden sollen:
• respektvoller Umgang mit dem Tier: Im Mittelpunkt soll immer das Wohl des Tieres und seine bestmögliche Versorgung stehen. Bedürfnisse, die das Tier mitteilt, sollten möglichst erfüllt werden.
• respektvoller Umgang mit dem Tierhalter: dies beinhaltet, dass eine geplante Kommunikation nur mit Zustimmung des Tierhalters durchgeführt werden darf, dass die Ergebnisse nicht an Dritte weitergegeben werden und dass Entscheidungen des Tierhalters selbstverständlich respektiert werden.
• Fähigkeit zur Selbstkritik: der Praktizierende sollte stets für die Möglichkeit offen sein, dass er Fehler machen kann und dass das was er meint empfangen zu haben scheint, nicht der Wahrheit entspricht. Insbesondere, wenn es um gesundheitliche Probleme geht, sollen die telepathisch empfangenen durch andere Informationen bestätigt werden. Die meisten
- 17 -Interviewpartner fordern, dass bei gesundheitlichen Problemen zunächst ein Tierarzt konsultiert wird. Grenzen der mentalen Kommunikation
Allgemein wurden einerseits Grenzen aufgezeigt, die von den Fähigkeiten der Anwender und den Umständen der Anwendung abhängen, andererseits aber natürlich auch Grenzen, die in der Methode an sich liegen. In der Methode selbst liegende Grenzen
Manche Menschen sind der Meinung, dass wirkliche Kommunikation nur unter Gleichartigen möglich ist. Bis vor Kurzem herrschte die Ansicht, dass intellektuelle Fähigkeiten wie Planen, logisches Denken, Werkzeuggebrauch, Ich-Bewusstsein und Empathie menschliche Alleinstellungsmerkmale sind. Sogar wer Tieren Gefühle zubilligte, wurde noch vor gar nicht langer Zeit als unwissenschaftlich abgetan. Neuere Erkenntnisse der Verhaltensforschung haben aber erstaunliche Fähigkeiten vieler Tierarten in diesen Bereichen zu Tage gebracht und lassen damit die Grenzen zwischen Mensch und Tier immer fließender werden (z.B. DE WAAL 2008).
Von der Mehrzahl meiner Interviewpartner wurde aber trotzdem betont, dass die Sichtweise, die Erlebniswelt und die Bedürfnisse z. B. eines Pferdes eine ganz andere sind als unsere eigene oder die eines Hundes. So müsse beim Training oder bei der Änderung von unerwünschten Verhaltensweisen des Tieres immer das artspezifische Verhalten mit eingerechnet werden. Z.B. sei es auch mit mentalem „Bilderschicken“ sehr viel schwerer, einem Pferd, das ja nicht über einen Beutegreifinstinkt verfügt, das Apportieren beizubringen als einem Hund. Wenn ein entlaufenes Tier seine Umgebung wahrnimmt, unterscheide sich die Wahrnehmung und Gewichtung der Gegenstände möglicherweise von der menschlichen.
Häufig erhofften sich die Klienten der Tierverhaltenstherapeuten auch unrealistische Verhaltensänderungen bei ihren Tieren ("Sagen Sie ihm, er soll keine Kaninchen mehr jagen!") und erwarten, dass das Tier ein an sich artgemäßes, aber unerwünschtes Verhalten aufgibt, "weil er mich ja jetzt versteht". Das sei natürlich völlig realitätsfern, denn die mentale Kommunikation kann die Erziehung zwar unterstützen, sie aber natürlich nicht ersetzen.
Dass verschiedene Informationsinhalte - Bilder, Gerüche, Geschmack, Ideen - unterschiedlich gut zu senden und zu empfangen sind, scheint allgemeiner Konsens zu sein. Dabei möchte ich auf den Unterschied zwischen der Informationsinhalt, und der Form hinweisen: Ist z. B. ein Hund traurig über den Verlust eines Menschen, so ist das ein Gefühl, das aber außer als Gefühl auch als Worte („Bin traurig“), als Bild (z. B. Bild des verstorbenen Menschen, der die Trauer ausgelöst hat) oder als symbolisches Bild (Hund weint am Grab des Menschen, das er in der Realität nie gesehen hat) empfangen werden kann. Fragt man dagegen nach dem Aufenthaltsort eines Tieres (wenn es z.B. entlaufen ist), dann sollte der Informationsinhalt ein Bild sein, das aber außer als Bild auch als verbale Beschreibung beim menschlichen Empfänger ankommen kann. Von mehreren Interviewpartnern wird dabei betont, dass die Bilder aus der Sicht des Tieres stammen z.B. was Größenverhältnisse betrifft. Dies scheint mir aber zumindest nicht vollständig der Fall zu sein, denn wenn ein Tier, das nach
- 18 -unserem Wissen keine Farben sehen kann, die Farben seiner Umgebung schildert, muss noch ein anderer Faktor im Spiel sein.
Am leichtesten zu empfangen und zu senden sind wohl Gefühle und Stimmungen. Eine meiner Interviewpartnerinnen ging so weit zu sagen, dass dies die einzige Art von Information ist, die man empfangen kann, und dass alle anderen Arten abgeleitet sind. Dies scheint mir jedoch unwahrscheinlich, denn wenn jemand ein Bild oder einen Satz, das oder den er bekommt, mit (wie sich nach Rücksprache mit dem Tierhalter herausstellt) nicht zutreffenden Emotionen verbindet, dann waren vermutlich Bild oder Satz vor dem Gefühl da. Ein Beispiel dafür ist der Hund, von dem der Satz kam: „Die Katze ist tot!“, der aber nicht, wie die Empfängerin meinte, einer befreundeten Katze nachtrauerte, sondern der, neu im Haushalt, die Familienkatze tot gebissen hatte. Auch spricht dagegen, dass manche Interviewpartner anscheinend in der Lage sind, visuelle Eindrücke, z.B. vom Lebensraum des Tieres, mit großer Genauigkeit wiederzugeben.
Informationen über den Körper des Tieres - Schmerzen, Verspannungen - sind anscheinend oft mit einer besonderen Begabung verbunden und teilweise schwieriger zu erhalten. Der Pferdetrainer, der für die Gefühle der Tiere, mit denen er arbeitet, und Informationen aus ihrer Vergangenheit sehr empfänglich ist, holt sich Hilfe von anderen Experten, wenn es um körperliche Probleme der Pferde geht.
Abstraktere Dinge, wie Eigennamen, Richtungen, Zeitpunkte o. ä. sind besonders schwer bzw. nur ungenau zu übermitteln. Aus diesem Grund bitten Kommunikatoren, die ein verlorenes Tier aufspüren sollen, meist das Tier, Bilder von den Dingen zu schicken, die sie sehen oder auf ihrem Weg gesehen haben.
Insgesamt können anscheinend Bilder und Gefühle leichter übertragen werden als abstraktere Inhalte wie Namen oder Zahlen, wobei dies jedoch nicht völlig unmöglich zu sein scheint. Kann man etwas erfahren, was (bisher) nicht zum eigenen Erfahrungshorizont gehört? Die Ansichten zu dieser Frage waren unterschiedlich. Weniger erfahrene Kandidaten waren der Meinung, dass dies nicht möglich ist. Von anderen kamen dagegen Beispiele, in denen gerade dies der Fall zu sein schien: eine Hundetrainerin, die ehrenamtlich für das örtliche Tierheim arbeitet, versuchte etwas über die Bedürfnisse eines aus Osteuropa stammenden Hundes zu erfahren. Information: der Hund wäre mit allem einverstanden, solange er nicht gegrillt würde. Mit der Info „gegrillt“ konnte die Trainerin zunächst nichts anfangen, es stellte sich später aber heraus, dass in seinem Herkunftsland Hunde, die länger im Tierheim sitzen, einen Nasenbrand erhalten. Manchmal empfängt der Mensch auch Begriffe, die nicht zu seinem eigenen Wortschatz gehören, wobei man natürlich nie ganz sicher sein kann, dass er die Wörter nicht schon früher gehört, wieder vergessen, aber im Unterbewusstsein gespeichert hat, wenn z.B. eine Kommunikatorin vom einem Pferd den Wunsch nach „Molasse“ empfängt, obwohl ihr dieses Wort, zumindest bewusst, nicht geläufig ist. Ebenso gibt es umgekehrt Fälle, bei denen Tiere von Dingen „erzählen“, die zwar der Empfänger kennt, die das Tier aber eigentlich nicht kennen kann, wenn z.B. ein Hund um eine bestimmte medizinische Behandlung „bittet“, die er noch nie bekommen hat, die sich dann aber als hilfreich herausstellt. In solchen Fällen handelt es sich wohl um Grenzfälle, in denen teilweise eher die Intuition des empfangenden Menschen angesprochen wird.
- 19 - Grenzendurch äußere Umstände
Mehrere Interviewpartner gaben an, dass sie in schwierigen Lebensphasen nicht zur mentalen Kommunikation in der Lage waren, weil es ihnen nicht gelang, in diesen Stresssituationen ihren eigenen Geist zu beruhigen. Viele lassen bei gesundheitlichen Problemen mit den eigenen Tieren eine andere Person mit dem Tier kommunizieren, weil sie sich durch ihr Vorwissen vom eigenen Tier, oft auch von Sorgen oder Befürchtungen, befangen fühlen. Manche der Befragten gaben an, dass auch mit fremden Tieren bestimmte Themen für sie schwierig für sie sind. Eine Interviewpartnerin drückte es so aus: „Jeder hat seine blinden Flecken.“
Alle Interviewpartner gaben an, dass der Kontakt nicht zu allen Tieren gleich leicht zu finden ist, sondern dass es Individuen gibt, die „kontaktfreudiger“ sind und solche, die eher weniger offen sind. Dies entspräche häufig dem Charakter des Tieres im täglichen Leben. Alle waren der Meinung, dass das Tier den Kontakt gänzlich blockieren kann, wenn es ihn nicht wünscht. Dies könne vorübergehend der Fall sein oder auch permanent. Es könne auch nur bestimmte Themen betreffen, wenn z. B. das Tier nichts über seine Krankheit mitteilen wolle. Unter meinen Interviewpartnern gab es einige, die sich stark auf eine oder wenige Tierarten spezialisiert hatten, wie der Pferdetrainer, der nur mit Pferden und seinem eigenen Hund kommunizierte oder die Pferdedentistin, die mit allem kommuniziert, „was Fell oder Federn hat“, aber auch solche, die mit allen Tieren, auch Wirbellosen, und sogar Pflanzen kommunizieren. Mehrere hatten zunächst mit ihrer Lieblingstierart angefangen und ihr Spektrum nach und nach erweitert und teilweise auch einen besonderen Reiz darin entdeckt, mit unbekannten Tierarten zu kommunizieren. Wie bei den meisten Dingen spielt auch hier sicherlich die Motivation eine große Rolle.
Die meisten der Befragten waren nicht der Meinung, dass es den Kontakt zum Tier blockiere, wenn der Tierhalter der mentalen Kommunikation gegenüber skeptisch ist, es sei denn, dass diese Skepsis das Selbstvertrauen des Kommunizierenden beeinträchtigt. Aus persönlicher Erfahrung scheint mir dies allerdings nicht völlig zu stimmen. Zumindest wenn der Tierhalter sich ablehnend verhält, eine Situation die normalerweise wahrscheinlich eher selten ist, scheint dies den Kontakt zu blockieren. Die Genauigkeit der empfangenen Informationen kann nach meinen Interviewpartnern durch folgende Faktoren beeinflusst werden kann:
• Analysieren und Interpretieren der Information: Die empfangenen „Rohdaten“ werden, meist unbewusst, schon analysiert und interpretiert und dadurch verfälscht, bevor sie an den Tierhalter weitergegeben werden.
• Ergänzen und Anpassen durch Assoziation und Vorurteile: jeder hat die Tendenz, lückenhafte Information automatisch aus dem eigenen Erfahrungs- oder Wissensschatz zu ergänzen. Dies passiert besonders leicht, wenn man das Tier bereits kennt oder wenn man das Problem, um das es geht, vielleicht selber gerade erlebt hat. Aus diesem Grund ist es für weniger erfahrene Anwender einfacher, mit fremden Tieren mental zu kommunizieren als mit den eigenen, da man hier schon zuviel Vorwissen (und vielleicht auch Sorgen oder Befürchtungen) hat, die eine Unvoreingenommenheit verhindern.
• Dramatisieren: Weniger Erfahrene scheinen häufiger selektiv diejenigen Dinge zu empfangen, zu denen sie selber eine gewisse Resonanz haben und diese dann manchmal auch in ihrer
- 20 -Wahrnehmung noch zu dramatisieren. Wenn jemand z.B. selber unter Einsamkeit oder Unsicherheit leidet, fällt ihm etwas Ähnliches bei einem Tier als erstes auf, und er empfindet dies dann oft überproportional intensiv.
• Verwirrung der zeitlichen Ebene: Manchmal scheint es auch zu einer Verwirrung der zeitlichen Einordnung der Information zu kommen, wenn z. B. Leiden aus der Vergangenheit als gegenwärtig empfunden werden.
• Verwirrung der räumlichen Ebene: Manchmal fängt der Kommunizierende ohne dies zu bemerken eine Information vom Halter auf anstatt vom Tier. In für den Tierhalter sehr emotionalen Situationen, wenn es z.B. um ein entlaufenes Tier geht, scheint dies besonders häufig vorzukommen. Selten kommt es für weniger Erfahrene bei sich nahestehende Tieren auch zu einer Vermischung der Informationen von diesen beiden Tieren.
Eine kritische oder skeptische Einstellung des Tierhalters der mentalen Kommunikation gegenüber wurde von den meisten nicht als hinderlich empfunden. Als förderlich wurden demgegenüber folgende Punkte genannt:
• eine wertschätzende Einstellung zum Tier
• das Vertrauen in die eigene Fähigkeit
• innere Ruhe, emotionale Ausgeglichenheit
• Offenheit und Flexibilität, aufmerksam, empfänglich sein, geschehen lassen
• nicht während des Empfangsprozesses analysieren oder kritisieren (wohl aber hinterher)
• eigene Gefühle erkennen, um sie von der Botschaft zu unterscheiden
Kann die telepathische Kommunikation mit Tieren von jedem erlernt werden? Allgemein herrscht die Meinung vor, dass jeder Mensch eine gewisse intuitive Begabung besitzt, die zwar einerseits, wie alle Talente, unterschiedlich ausgeprägt sein kann, die aber andererseits durch Übung und wachsendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stark verbessert werden kann. Nur eine Interviewpartnerin war der Meinung, dass es Menschen gibt, denen trotz hoher Motivation jegliches Talent für die mentale Kommunikation abgeht. Die Anwender der Methode
Geschlecht, Alter, Familienstand, Bildungsgrad, Berufe
Von meinen 17 Interviewpartnern waren 15 Frauen, 2 Männer. Diese Unterrepräsentation der Männer entspricht der allgemeinen weiblichen Dominanz bei diesem Thema. Das Alter der Mehrzahl meiner Interviewpartner lag zwischen 40 und Mitte 50. Nur zwei Interviewpartner waren mit 25 und 33 Jahren vergleichsweise jung. Ob diese Altersstruktur für die mit diesem Thema beschäftigten Personen repräsentativ ist oder auf einer unbewussten Vorliebe meinerseits oder eventuell auch auf dem Auswahlkriterium einer gewissen Erfahrung beruht, kann ich nicht entscheiden. Zehn meiner Interviewpartner waren zum Zeitpunkt des Interviews fest liiert oder verheiratet, drei geschieden oder verwitwet, vier sind Single. Zehn meiner Interviewpartner hatten eigene Kinder oder
- 21 -Pflegekinder, sieben, darunter die beiden jüngsten, waren kinderlos. Mit Ausnahme des Geschlechts dürfte diese kleine Stichprobe damit dem deutschen Durchschnitt entsprechen (z.B. Kreyenfeld & Konietzka 2004) und das Klischee widerlegen, dass es sich bei den Anwendern dieser Methode um misanthrope Tierfreunde handelt.
Meine Interviewpartner wenden die mentale Kommunikation mit Tieren in folgenden Berufen an:
• Hundetrainer: 4
• PferdetrainerIn: 2 (davon eine Wildtierökologin)
• Falknerin: 1
• Kleintierphysiotherapeutin: 1
• Tierheilpraktikerinnen/Tierhomöopathin: 3
• Tierärztin: 1
• Tierpsychologin, Tierverhaltenstherapeutin: 3
• Tierkommunikatorinnen: 2
Vier meiner Interviewpartner üben den Beruf, in dem sie die telepathische Kommunikation mit Tieren einsetzen, nur nebenberuflich aus, eine Person bietet die entsprechende Leistung neben anderen freiberuflichen Tätigkeiten (Ernährungsberatung für Menschen) an. Mit Ausnahme der Tierärztin sowie einer der Hundetrainerinnen hatten alle Interviewpartner vor ihrer jetzigen Tätigkeit einen, zwei Personen sogar zwei andere Berufe erlernt.
Von den 17 Interviewpartnern hatte eine Person keine formelle Ausbildung. Die anderen 16 besitzen folgende Ausbildung:
• Akademische Ausbildung (insgesamt 6, davon 2 promoviert) in den Bereichen
• Biologie
• Internationale Beziehungen,
• Germanistik, Dolmetscherin,
• Tiermedizin
• Musikwissenschaften
• Lehrberufe (insgesamt 10, davon zwei Personen mit zwei Ausbildungen):
• Krankenschwester/-pfleger: 3
• Sekretärin: 2
• Zahnarzthelferin
• Medizinisch-technische Assistentin
• Tierarzthelferin: 2
• Einzelhandelskauffrau
• Pferdewirt
• Schweißer
Mit einer Ausnahme haben alle Interviewpartner eigene Tiere, teilweise nur eins, teilweise ganze Zoos mit Eseln, Pferden, Schafen, Hühnern, Hunden, Katzen, Meerschweinchen etc., die sie am Haus halten. Entsprechend lebten die meisten auf dem Lande oder in kleineren Städten in Häusern mit Garten. Zwei leben in einer Etagenwohnung in der Großstadt.
- 22 -Zugang zur telepathischen Kommunikation mit Tieren und Erfahrung
Alle Interviewpartner gaben an, dass sie von klein auf ein enges Verhältnis zu Tieren hatten. Drei Interviewpartner erzählten, dass Tiere für sie in der Kindheit die wichtigsten Spielgefährten waren, sei es weil sie in unglücklichen Familienverhältnissen groß wurden, sei es weil sie durch den Beruf des Vaters häufig umziehen mussten (dieser Grund wurde zweimal angegeben) und daher keine dauerhaften Freundschaften unterhalten konnten. Bei anderen Interviewpartnern gab es eine Familientradition des engen Verhältnisses zu Tieren.
Die Beschäftigung mit (oder auch nur die Existenz von) außersinnlicher Wahrnehmung wurde dagegen in den meisten Herkunftsfamilien strikt abgelehnt. Nur eine Person, die älteste meiner Interviewpartner, gab an, dass außersinnliche Wahrnehmung in ihrer Familie eine Selbstverständlichkeit war. Eine weitere, die jüngste, gab an, dass sie „Mutter mal beim Gläserrücken erwischt“ habe und dass sie im Alter von etwa 14 Jahren von der Mutter zur Transzendentalen Meditation geschickt wurde. In zwei weiteren Familien hatten die Großmütter eine Beziehung zur Naturheilkunde („Kräuterfrau“, „Heilerin“), dies war in der jeweiligen Familie jedoch ein Tabuthema. Nur zwei Personen glaubten, dass sie in der Kindheit die Fähigkeit besessen hätten, mit Tieren „zu reden“, diese dann mit dem Erwachsenwerden verloren (oder verleugnet) hätten und dann durch ein besonderes Ereignis wieder darauf gestoßen wurden. Die Mehrzahl gab jedoch an, dass sie zwar schon immer einen guten Draht zu Tieren gehabt hatten und in ihrem Umgang mit Tieren möglicherweise unbewusst eine Form der telepathischen Kommunikation eingesetzt haben, dass sie aber erst durch den Kontakt mit anderen Menschen, die diese Methode praktizieren, ihre Fähigkeiten entdeckt und bewusst eingesetzt hätten.
Für die Mehrzahl war die Begegnung mit der Tierkommunikation die erste Auseinandersetzung mit außersinnlicher Wahrnehmung. Für mehrere war es dann zunächst schwer, diese Erfahrung in ihr Weltbild zu integrieren. Mehrere Interviewpartner kamen durch ein eigenes, sehr schwieriges Tier, zur Beschäftigung mit der mentalen Kommunikation. Bei den beiden Männern führte der Weg über eine eigene Krankheit zur Auseinandersetzung mit der Naturheilkunde und mit energetischem Heilen und darüber zur mentalen Kommunikation.
Meine in der Mehrzahl gut ausgebildeten Interviewpartner kamen aus den verschiedensten Elternhäusern. Pfarrer, Polizist, Ingenieur, Bauern, Metzger waren als Berufe vertreten. Institutionalisierte Religion spielte nur für zwei meiner Interviewpartner eine Rolle, ein mögliches Konfliktpotential ergab sich nur für die Kirchenmusikerin. Für einige war es eher so, das sie durch die Beschäftigung mit außersinnlicher Wahrnehmung zu einem wie auch immer gearteten Glauben an eine höhere Macht gefunden hatten.
Meine Interviewpartner hatten sich zum Zeitpunkt des Interviews unterschiedlich lange mit der telepathischen Kommunikation mit Tieren beschäftigt, die Dauer lag zwischen 3 und über 20 Jahren. Etwa die Hälfte hatte eine systematische Ausbildung mit aufeinander aufbauenden Seminaren bei einer Tierkommunikatorin durchlaufen, andere hatten nur ein Seminar oder sogar nur einen Vortrag besucht. Manche nahmen regelmäßig an Übungsgruppen teil, in denen mit ihnen unbekannten Tieren kommuniziert wird, anderen genügte der Einsatz in der täglichen Praxis.
- 23 -Berufliche Situation
Für die meisten der Befragten bildet die telepathische Kommunikation nur einen Teilaspekt ihrer Arbeit. Insbesondere die, die nicht als Tierkommunikatoren tätig sind, sind bemüht, sich auf dem Gebiet der mentalen Kommunikation weiterzubilden. Einige besuchen regelmäßig Seminare, andere nehmen an Übungsgruppen, teils auch selbstorganisiert oder per E-Mail, teil. Die meisten meiner Interviewpartner, selbst diejenigen mit viel Erfahrung, gaben an, dass sie bei Problemen mit den eigenen Tieren andere Fachleute in Anspruch nehmen, da die Kommunikation durch eigene Befangenheit beeinträchtigt sein kann.
Darüber hinaus gab es eine Anzahl, die ihre Fähigkeiten in der telepathischen Kommunikation in Zusammenarbeit mit Tierärzten oder Tierheilpraktikern einsetzen. Mehrere arbeiten routinemäßig mit bestimmten Tierärzten und Tierheilpraktikern zusammen und bieten mit diesen gemeinsame Sprech-stunden an. Der Pferdetrainer arbeitet mit einer Physiotherapeutin und einer Osteopathin zusammen. Zwei meiner Interviewpartnerinnen fanden über die telepathische Kommunikation zur Naturheilkunde und befanden sich in einer Ausbildung zur Tierheilpraktikerin bzw. Heilpraktikerin. Die Offenheit der Interviewpartner bezüglich ihrer Verwendung von telepathischer Kommunikation, insbesondere auch gegenüber Kollegen, ist sehr unterschiedlich. An einem Ende der Skala steht die Tierärztin, die in einer Gemeinschaftspraxis mit konventionellen Tierärzten arbeitet und die mentale Kommunikation als eines ihrer Spezialgebiete bewirbt, am anderen Ende die Hundetrainerin, die befürchtet, von Kollegen geschnitten zu werden, wenn bekannt wird, dass sie sich mit mentaler Kommunikation beschäftigt. Insgesamt ist es naturgemäß so, dass die, die von ihrem Umfeld Akzeptanz erfahren, offen mit dem Thema umgehen (und umgekehrt). Für einige hatte sich die Akzeptanz im Freundeskreis allerdings so geregelt, dass über einen längeren Zeitraum der Freundeskreis gewechselt hat.
Alle Befragten waren der Meinung, dass es auf dem Gebiet der telepathischen Kommunikation mit Tieren unerwünschte Entwicklungen gäbe, die der Methode insgesamt schaden. Insbesondere diejenigen, die die mentale Kommunikation mit Tieren nicht nur „ad hoc“ in ihrer täglichen Arbeit am und mit dem lebenden Tier einsetzen, sondern auch bewusste Kommunikation (vom Foto) durchführen, gaben spontan oder auf Nachfrage an, dass sie Scharlatane in diesem Bereich für ein großes Problem hielten. Für die meisten sind das vor allem Menschen, die sich trotz (oder wegen) geringer Erfahrung überschätzen, aber auch solche, die unangemessen hohe Gebühren fordern, die Tierhalter in Abhängigkeit bringen oder die „esoterischen Schwachsinn erzählen“. Die meisten waren der Auffassung, dass es eine Art von Qualitätskontrolle geben müsste, wussten aber meist nicht recht, wie diese aussehen sollte, bzw. wer sie durchführen sollte. Ein Vorschlag war, dass die Probanden ausgewählte Fälle bearbeiten müssen, und dass die Ergebnisse von einem Gremium aus „normalen“ Menschen dann beurteilt werden. Teils bestand auch die Auffassung, dass „der Markt sich von alleine regelt“. Ein Versuch, die Qualität zu sichern, sind die Ausbildungsschemata mit aufeinander aufbauenden Seminaren und teilweise Referenznachweisen, wie sie von der Amerikanerin Penelope Smith oder der Schwedin Carola Lind entworfen wurden. Diese wurden von den meisten Interviewpartnern aber als zu starr empfunden. Die Ethischen Grundsätze von Penelope Smith, die im Wesentlichen Respekt gegenüber dem Tier und seinem Halter fordern und zur eigenen Bescheidenheit mahnen, fanden allgemeine Zustimmung.
- 24 -Alle Interviewpartner gaben an, dass sich ihre Arbeit durch den Einsatz der mentalen Kommunikation sehr verändert hat, selbst wenn sie der Meinung waren, dass sie bereits vorher eine unbewusste Art mentaler Kommunikation praktiziert hatten. Für die meisten hatte sich die Effektivität ihrer Arbeit deutlich gesteigert: die in den Heilberufen Tätigen gaben an, dass durch die telepathische Kommuni-kation die konventionelle Diagnostik gezielter eingesetzt werden könne und daher schnellere und genauere Ergebnisse bringe. Einige behaupteten, dass die mentale Kommunikation bei der Wahl der Heilmethode bzw. des Heilmittels helfe. Die Tierpsychologen und Verhaltenstherapeuten waren wie die Tiertrainer der Meinung, dass sie nicht nur Ursachen von unerwünschtem Verhalten schneller herausfinden, sondern auch sich dem Tier besser mitteilen können, und dass die Arbeit durch mentale Beeinflussung der Stimmung des Tieres effektiver werde.
Für die meisten Interviewpartner hatte sich ihr Verhältnis zum Tier in der täglichen Arbeit geändert. Die Veränderungen wurden als „mehr Respekt“, „mehr Verständnis“, „Sie dürfen auch mal nein sagen.“ oder „Ich bin eher bereit zu verhandeln.“ beschrieben. Dabei betonten alle, wie wichtig es sei, die Tiere nicht zu vermenschlichen, sondern mit ihren artspezifischen Bedürfnissen ernst zu nehmen. Für einige meiner Interviewpartner war es das wichtigste Ziel ihrer Arbeit, das Leben der Tiere zu verbessern. Das andere Extrem bildete eine Interviewpartnerin, für die die Tiere nur ein Mittel waren, um „die Herzen der Menschen zu erreichen“. Über die Tiere fände sie Zugang zu den Menschen und deren Problemen, die sie dann häufig separat behandelt. Mehrere Interviewpartner stehen zwischen diesen beiden Extremen. Sie gaben teilweise an, selber „über die Tiere zu den Menschen“ gefunden zu haben. Für sie standen anfangs die Tiere im Mittelpunkt, sie merkten dann aber, dass Mensch und Tier eine Einheit bilden, denen meist nur zusammen geholfen werden kann. Drei Interviewpartner gelangten so über die Beschäftigung mit der mentalen Kommunikation mit Tieren dazu, eine Heilpraktikerausbildung (für Menschen) zu machen. Einfluss auf das Weltbild
Für viele war die mentale Kommunikation mit Tieren der Einstieg in die Welt anomaler Phänomene. Die Realität dieser eigenen Erlebnisse erweiterte ihren Sinn für das, was möglich ist, und führte sie nach eigenen Angaben zu einer Ausdehnung der eigenen Wahrnehmung. Für einige, unter ihnen die beiden Männer, erschütterte diese Erfahrung ihr materialistisches Weltbild und führte zu einer vollständigen Umkehr ihrer bisherigen Glaubenssystems. Für andere ergab sich umgekehrt zuerst die Abkehr von einem mechanistischen Weltbild durch meist einschneidende Erlebnisse in anderen Bereichen wie der energetischen Medizin oder ein Nahtoderlebnis, die ihnen dann den Zugang zur mentalen Kommunikation ermöglichten. Für manche meiner Interviewpartner ergab sich ein tiefgreifender Wandel des Weltbildes, der sie zu energetischer Medizin und Schamanismus führte, andere, allerdings die Minderheit, behielten ihr christlich-abendländisches Weltbild weitgehend bei, außer dass sie der Meinung waren, Tiere besäßen ebenso wie Menschen eine Seele. Bei einigen führten ihre Erlebnisse insgesamt zu mehr Respekt vor der Natur, sie stellten ihre Ernährung auf Bioprodukte um und versuchten sich umweltbewusster zu verhalten.
Die Mehrzahl meiner Interviewpartner gab an, an Reinkarnation, die von Tieren ebenso durchlebt wird wie von Menschen, zu glauben. Einige waren der Auffassung, dass Tiere ebenso wie Menschen sich durch die Wiedergeburt weiterentwickeln und mehr Weisheit oder Reife erreichen können. Tiere haben nach dieser Meinung wie Menschen eine „Lebensaufgabe“, und Tiere mit „alten“ Seelen, die
- 25 -schon häufig wiedergeboren sind, fungieren für ihre Halter als Lehrer. Von mehreren Interview-partnern wurde behauptet, Tiere würden manchmal in der Kommunikation von früheren Inkarnationen erzählen. Einige Interviewpartner waren der Auffassung, dass der Geist eines ihrer verstorbenen Tiere sie weiterhin begleitet. Für den konfessionell gebundenen Menschen ergab sich teilweise ein Konflikt mit der Religion, weniger im Inneren, denn er selber spürte keinen Widerspruch in der Praktizierung der mentalen Kommunikation mit seiner Religion, als im Äußeren, wenn er die Kritik seiner Glaubensgemeinde fürchtet.
Es herrschte allgemein die Auffassung, dass man in der mentalen Kommunikation besser wird, wenn man „an sich gearbeitet hat“.
Zur Frage zum Unterschied zwischen Mensch und Tier herrschte, wenig überraschend, die Ansicht, dass Tiere dem Menschen gegenüber gleichberechtigt sind, wobei die Frage, was genau dies heißt, allerdings doch zu unterschiedlichen Antworten führte. Insgesamt kamen Antworten auf recht unterschiedlichen Ebenen. Einige bezogen die Frage auf die eigene Arbeit (der Pferdtrainer: „Tiere lügen nicht, und sind fair wenn man sie fair behandelt. Menschen lügen oft darüber, was sie mit den Tieren angestellt haben.“ eine Hundetrainerin, halb scherzhaft: „Die Menschen sind an der Macht!“), auf die mentale Kommunikation („Mit meiner eigenen Art muss ich nicht diese Kommunikationsschranken überwinden“) oder ganz allgemein: „Menschen sind intelligenter.“ „Menschen denken mehr, sie leben nicht im Augenblick“.
Insgesamt ernährten sich von 17 Befragten acht vegetarisch und eine vegan. Acht Interviewpartner waren Fleischesser, wobei die meisten allerdings darauf achteten, dass das Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren stammte. Eine Interviewpartnerin erzählte, dass sie auch selbstgezogene Tiere (Kaninchen) selber schlachtet und isst. Eine andere Interviewpartnerin gab an, dass sie sich „mit der Jägerenergie in mir ausgesöhnt“ habe, es daher jetzt für sie keinen Konflikt mehr darstelle, Fleisch zu essen. Erstaunlicherweise war keiner der Vegetarier durch die mentale Kommunikation zu Vegetarismus gekommen, alle hatten sich bereist vorher vegetarisch ernährt.
Nicht nur die, für die die telepathische Kommunikation die erste Begegnung mit außersinnlicher Wahrnehmung war, gaben an, dass sich ihre Intuition in allen Lebensbereichen verbessert habe. Für mehrere hatte sich durch die Auseinandersetzung mit der mentalen Kommunikation ihre Grundeinstellung zum Leben verändert. Das reichte von „Ich bin gelassener geworden in allen Bereichen, bin eher geneigt abzuwarten, bin geduldiger geworden“ über allgemein mehr Lebensfreude bis zu „Weil ich jetzt weiß, dass da noch mehr ist, habe ich meine Angst vor dem Tod verloren.“
- 26 - Zusammenfassung
Mit der vorgestellten Studie wollte ich zum einen ergründen, welche Erscheinungsformen diese telepathische Kommunikation in der Arbeit mit Tieren annehmen kann, zum anderen, wer die Menschen sind, die sie in ihrer täglichen Arbeit verwenden. Ob es sich dabei tatsächlich um ein „übersinnliches“ Phänomen handelt oder ob die beobachteten Phänomene anders erklärbar sind, stand bei diesem Ansatz im Hintergrund. Darstellung der Methode
• Die Arbeitsweise beim Einsatz der mentalen Kommunikation kann recht unterschiedlich sein. Einige arbeiten nur mit dem anwesenden Tier, andere nur vom Foto, die meisten setzen beides ein. Viele möchten anfangs möglichst wenig Informationen über das Tier um sich selbst überprüfen zu können.
• Verhaltens- und gesundheitliche Probleme sind die häufigsten Einsatzgebiete, dabei wird immer eine Diagnose vom Tierarzt oder Tierheilpraktiker gefordert.
• Wiederfinden verlorener Tiere ist besonders schwer.
• Als Voraussetzungen für eine Kontaktaufnahme werden übereinstimmend die Fähigkeit zur Empathie und ein meditativer Bewusstseinszustand genannt. Wie dies von den einzelnen erreicht wird, ist unterschiedlich.
• Die Informationen können als „plötzliches Wissen“, als Gefühle, als Bilder, als Worte, als gehörte Sprache, selten auch als Geschmack oder Geruch auftauchen. Auch Empfindungen im eigenen Körper sind möglich. Die meisten Menschen haben eine bevorzugte Wahrnehmungsart.
• Fehler entstehen vor allem durch die eigenen Vorurteile und das Bedürfnis, die Information vorab zu analysieren bzw. zu interpretieren.
Charakterisierung der befragten Personen
Meine (nicht repräsentative) Stichprobe an Menschen, die sich mit telepathischer Kommunikation mit Tieren beschäftigen, zeichnete sich durch folgende Eigenschaften aus:
• Sie sind überwiegend weiblich.
• Sie besitzen einen vergleichsweise hohen Bildungsgrad, kommen aber aus den unterschiedlichsten Berufen, die sowohl geistes- als auch naturwissenschaftlich oder handwerklich orientiert sind.
• Fast alle haben einen Bruch in der beruflichen Laufbahn durchgemacht. Sie sind überwiegend selbständig und besitzen anscheinend eine hohe berufliche Risikofreude.
• Das typische Bild des menschenfeindlichen Tierfreundes, wie es in der Öffentlichkeit zum Teil gezeichnet wird, kann nicht bestätigt werden. Von 17 Interviewpartnern waren 10 verheiratet oder fest liiert, dies entspricht in etwa dem bundesdeutschen Durchschnitt. Einige der Befragten gaben aber an, dass, bedingt durch besondere Umstände, in der Kindheit Tiere ihre engsten Sozialpartner waren.
- 27 - • Fürviele war die Beschäftigung mit mentaler Kommunikation ihr erster Kontakt mit anomalen Phänomen.
- 28 - Literatur
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Blake, H. (1975): Talking with Horses. - Trafalgar Square Publishing, London de Waal, F. (2008): Putting the Altruism back into Altruism: The Evolution of Empathy. - Ann. Rev. Psychol. 59: 279-300
Keeling, L.J, L Jonare & L. Lanneborn (2009): Investigating horse-human interactions: the effect of a nervous human. - Vet. J. 181 (1) 70-71
Kreyenfeld, M. & D. Konietzka (2004): Angleichung oder Verfestigung von Differenzen? Geburtenentwicklung und Familienformen in Ost- und Westdeutschland. - Max-Planck-Institut für demografische Forschung, MPIDR WORKING PAPER WP 2004-025, SEPTEMBER 2004 Otis, K. & E.B. Foster (1953): A Test of ESP in Cats. - J. Parapsych. 17: 168-186 Otis, K. (1957): A test of the occurrence of a PSI effect between Man and the cat. - J. Parapsych. 16: 233-256
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Rupert Sheldrake and Pamela Smart (1997): Psychic Pets: A Survey in North-West England, Journal of the Society for Psychical Research 61: 32-40
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- 29 -Von den Berg, B. (2008): Die „Neue Tierpsychologie“ und ihre wissenschaftlichen Vertreter (von 1900 bis 1945). - Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades einer Doktorin der Veterinärmedizin (Dr. med. vet.) durch die Tierärztliche Hochschule Hannover
Wöbbecke, K. (2008): Studie zur telepathischen Kommunikation zwischen Tier und Mensch. -Tierheilpraktiker Aktuell 4(1): 10-20
Woodhouse, B. (1970) Talking to Animals ”The Woodhouse Way”. -Penguin Books, Harmondsworth, England.
Arbeit zitieren:
Kerstin Wöbbecke, 2011, Telepathische Kommunikation in der Arbeit mit Tieren, München, GRIN Verlag GmbH
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