Inhalt
1. Einleitung 2
2. Definition: Textsorte 2
2.1 Verschiedene Definitionen 3
2.2 Relativer Konsens über die Merkmale von Textsorten 4
3. Typologisierungsvorschläge in der Literatur: Konsens und Streitpunkte 5
3.1 Unterschiedliche Klassifizierungsansätze ein Überblick 6
3.2 Konsens 7
3.3 Streitpunkte 8
4. Vorschläge aus der Fachtextlinguistik 10
4.1 Das Modell von Rosemarie Gläser 11
4.2 Das Modell von Susanne Göpferich 12
5. Fazit: Chancen einer universellen Textsortentypologie 13
Literaturverzeichnis 16
B ücher 16
Artikel /Aufsätze 17
Anhang I
1
1. Einleitung
Wenn wir den Begriff Textsorte im Alltag hören oder ihn selbst verwenden, dann kommt uns dies völlig unproblematisch vor. Auf den ersten Blick mag einem der Begriff Textsorte auch tatsächlich recht verständlich und konkret erscheinen und man fragt sich wieso überhaupt von einer Textsortenproblematik die Rede sein sollte. Selbstverständlich besteht diese Problematik in erster Linie in der linguistischen Sprachforschung, jedoch betrifft sie in Wirklichkeit alle. Denn wir alle nehmen bestimmte Voraussetzungen als gegeben an, wenn wir kommunizieren, und bedienen und so unbewusst vieler Erkenntnisse und eines gesellschaftlich-kollektiven Wissens über bestimmte Gegebenheiten. Die Linguistik setzt sich unter anderem deswegen mit der gegebenen Problematik bezüglich Textsorten auseinander, um den Sprechern durch ihre gewonnen Erkenntnisse eine bessere Orientierung in der Welt der Kommunikation zu ermöglichen und diese somit allgemein zu verbessern.
In der folgenden Arbeit soll zunächst die Diskussion um die Definition des Begriffs Textsorte dargelegt werden. Hierzu werden verschiedene Definitionen vorgestellt. Im Weiteren soll die Typologisierungsproblematik genauer untersucht werden, die in der Textlinguistik so viel diskutiert wird. Hierzu wird ein Überblick über die bisherigen unterschiedlichen Herangehensweisen und die daraus resultierenden Modelle seit den 1960er-Jahren gegeben. Daraus soll in der Folge abgeleitet werden, in welchen Punkten die verschiedenen Modelle (zumindest relativ) übereinstimmen und in welchen bisher in der Wissenschaft kein Konsens gefunden werden konnte. Im folgenden Abschnitt stelle ich dann zwei Modelle aus der Fachtextlinguistik vor und welche Lösungsansätze für die Textsortenklassifizierungsfrage hier gegeben werden. Bevor ich zuletzt eine Einschätzung abgebe, wie die Chancen für die Schaffung einer universellen Textsortentypologie stehen.
2. Definition: Textsorte
Schon die eindeutige Definition des Begriffs Textsorte stellt in der Linguistik einen mehr oder minder großen Streitpunkt dar. Man kann sich einfach nicht einigen, was genau unter dem Terminus zu verstehen ist bzw. ob der Terminus der geeignete ist für den Untersuchungsgegenstand. Konkurrenz-Termini sind beispielsweise Texttyp, Textmuster, Textart oder Textgattung. 1 Zunächst einmal ist also die Definition strittig während dann zusätzlich noch die Einordnung der einzelnen Termini in eine Bedeutungshierarchie ein weiteres Problem darstellt (siehe 3.3).
1 vgl. HEINEMANN, W. (2000a, S.509)
2
2.1 Verschiedene Definitionen
Zunächst einmal werde ich also eine Auswahl an verschiedenen Definitionen des Terminus Textsorte aufführen, bevor ich im nächsten Unterkapitel den relativen Konsens darstelle, der sich in der Linguistik mittlerweile diesbezüglich abzeichnet. Eine erste Definition entnehme ich dem Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini von Teilmenge von Texttypen; Klasse von Texten, die im Hinblick auf ihre Texteigenschaften und kommunikativen Funktionen zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen. 2 Diese Definition ist jedoch sehr grob und unspezifisch, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass man sich in der Wissenschaft über diesen Terminus überhaupt nicht einig ist.
Eine der Definitionen, die ich für besonders relevant halte, ist diejenige von Adamzik; sie unterscheidet zwei Lesarten bei der Definition. Zum einen die unspezifische Lesart: irgendeine Sorte, Menge oder Klasse von Texten
die entsprechend irgendeinem Differenzierungskriterium (oder auch mehreren zugleich) von anderen Mengen bzw. Klassen von Texten unterschieden werden kann. Textsorten in diesem Sinne stellen das Ergebnis eines beliebigen Versuchs dar, Arten von Texten gegeneinander abzugrenzen bzw. Texte nach irgendwelchen Kriterien zu sortieren. 3 Schon hier zeigt sich durch die Aufzählung mehrerer alternativer Benennungen die oben angesprochene Vielfalt an Ausdrücken, die in der Textlinguistik
deutet im Ansatz das Vorhandensein verschiedener Herangehensweisen an. Als spezifische Lesart des Terminus führt Adamzik Folgendes an: Textsorten sind Klassen von Texten, die in bezug auf mehrere Merkmale spezifiziert sind, die also auf einer relativ niedrigen Abstraktionsebene stehen. Weiter läßt sich spezifizieren, dass es sich bei den Merkmalen, die eine Textsorte im engeren Sinne konstituieren, speziell um solche handelt, die die Funktion, den Kommunikationsbereich stereotype Merkmale der sprachlichen Gestalt betreffen. 4 Die Erwähnung der Abstraktionsebene in der Definition lässt den Schluss zu, dass es mehrere Ebenen geben muss, wenn eine Typologisierung stattfindet. Die Textsorte ist also in eine Hierarchie einzuordnen. Laut Adamzik sind den Textsorten gröbere Gruppierungen übergeordnet; ein Beispiel hierfür wäre die Gruppe der Zeitungstexte, der die Textsorten Wetterbericht und Anzeige untergeordnet sind. Außerdem spezifiziert sie in dieser Definition genauer anhand welcher Kriterien die Textsorten voneinander abgegrenzt werden können. Hierbei nennt sie implizit sowohl die internen, als auch die externen Merkmale eines Textes.
2 CONRAD, R. (Hrsg.) (1988, S.248)
3 ADAMZIK, K. (1995, S. 14)
4 ADAMZIK, K. (1995, S. 16)
3
Eine weitere Definition, die ebenfalls interessante Aspekte hervorhebt, ist die von Rolf. Er hat sich in erster Linie mit Alltagstextsorten und deren Funktion für die Alltagskommunikation auseinandergesetzt. Er versteht unter Textsorten als Vorlagen
gestaltet würde, dann wäre er nach einer Textsorte gestaltet. Wie bei einer der Aspekt des Vorhandenseins charakte-
ristischer Merkmale im Vordergrund. 5 Trotzdem diese Definition wenig umfangreich ist und wenige wissenschaftliche Spezifikationen nennt, ist sie doch relativ genau. Der Autor sieht die Textsorte als eine Art Präsignal für die Funktion des Textes, die dem Rezipienten sofern ihm die Textsorte bekannt ist das Verständnis und somit die Kommunikation erleichtert.
Ebenfalls unbedingt zu nennen ist die sehr umfassende Definition von Brinker. konventionell geltende Muster für komplexe sprachliche Handlungen kontextuellen (situativen), kommunikativ-haben sich in der Sprachgemeinschaft historisch entwickelt und gehören zum Alltagswissen der Sprachteilhaber; sie besitzen zwar eine normierende Wirkung, erleichtern aber zugleich den kommunikativen Umgang, indem sie den Kommunizierenden mehr oder weniger feste Orientierungen für die Produktion und Rezeption von Texten geben 6 Diese Definition greift im Wesentlichen alle Inhalte der anderen bisher genannten Definitionen auf. Hinzu kommt jedoch noch der soziale Zweck, den Brinker den Textsorten zuschreibt. Er versteht Textsorten u. a. auch als Entscheidungsgrundlage dafür, wie man einen Text bzw. eine bestimmte Kommunikationssituation gestaltet. Daraus ergibt sich, dass das Wissen um Textsorten in gewisser Weise eine Grundlage für unseren Alltag darstellt indem es entscheidenden Einfluss auf unsere Kommunikation mit anderen Menschen hat. Bei fehlendem Wissen über diese konventionell geltenden Muster käme es im Rückschluss zu Kommunikationsstörungen und somit zu einer deutlichen Erschwernis des Alltags. 7
2.2 Relativer Konsens über die Merkmale von Textsorten
Da, wie die vorangehenden Erläuterungen zeigen, bisher keine allgemeingültige Definition in der Linguistik festgelegt werden konnte, soll in diesem Abschnitt der relative Konsens darüber, welche Merkmale unbedingt der Textsorte zuzuordnen sind, kurz zusammengefasst werden. Die im Folgenden genannten Merkmale sind also die
5 vgl. ROLF, E. (1993, S.45)
6 BRINKER, K. (1985/1992/1997, S.118)
7 vgl. HEINEMANN, W. (2000a, S.518)
4
wiederkehrenden Elemente in den oben genannten sowie auch in vielen weiteren in der Literatur auffindbaren Definitionen.
Man ist sich einig, dass Textsorten komplexe Sprachmuster sind, die eine gewisse Historizität besitzen, da sie sich im Lauf der Zeit innerhalb einer Sprachgemeinschaft entwickelt haben. 8 Diese Sprachmuster bedeuten gesellschaftliche und kommunikative Determiniertheit. Sie bieten durch ihren normativen Charakter Sprecher und Rezipient eine gewisse Orientierung für die Realisation von Kommunikation; 9 denn beide haben dank des kollektiven Wissens über die bekannten Textsorten gewisse Erwartungen an eine Kommunikationssituation, wodurch diese in der Regel erleichtert und adäquates (Re-)Agieren möglich wird. 10 Das Maß an Standardisierung einer Textsorte kann jedoch stark schwanken; beispielsweise ist eine Anzeige wesentlich weniger stark standardisiert, als ein Wetterbericht. Bei ersterer ist allein durch das Wissen, es handle sich um eine Anzeige, kein eindeutiger Rückschluss auf den Inhalt möglich, da es sich sowohl um eine Verkaufs- wie auch um eine Kontaktanzeige handeln kann. Beim Wetterbericht ist der Inhalt jedoch eindeutig. Ebenso ist man sich einig darüber, dass auch die Situativität einer Textsorte bei einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Textsortenthematik nicht außen vor gelassen werden darf. Denn jeder Text und so auch jede Textsorte ist in einen Kontext eingebunden. Auch die Ansicht, dass Textsorten alltagssprachliche (Verständnis-)Konzepte sind, die die Kommunikation, v. a. innerhalb einer Sprachgemeinschaft, erleichtern, ist weithin akzeptiert. 11 Eine allgemeingültige Definition scheint also nicht möglich; wenigstens jedoch ein Konsens darüber welche Spezifika bei der Untersuchung von Textsorten unbedingt Beachtung finden sollten. Jedoch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass weiterhin deutliche Unterschiede bezüglich des Einzelverständnisses des Terminus Textsorte bestehen.
3. Typologisierungsvorschläge in der Literatur: Konsens und Streitpunkte Nach Darlegung der schon beträchtlichen Problematik allein bezüglich der Definition des Fachbegriffs Textsorte soll in diesem Abschnitt nun die nicht minder komplizierte und umstrittene Typologisierung von Textsorten näher beleuchtet werden. Es wird versucht einen möglichst umfassenden und dennoch kompakten Überblick über die unterschiedlichen Klassifizierungsansätze zu geben, um dann jeweils Konsens und Streitpunkte noch einmal gesondert zusammenzufassen.
8 vgl. HEINEMANN, W. (2000a, S.518) und BRINKER, K. (1985/1992/1997, S.118)
9 vgl. HEINEMANN, M.;HEINEMANN, W. (2002, S.130)
10 vgl. HEINEMANN, M.;HEINEMANN, W. (2002, S. 140ff.)
11 vgl. HEINEMANN, W. (2000a, S.507)
5
Arbeit zitieren:
Dorothea Bernhard, 2011, Typologische Aspekte der Textlinguistik, München, GRIN Verlag GmbH
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