1. Fachlicher Hintergrund
Die folgenden Informationen wurden aus „Römische Fresken in der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums“ von Volker Michael Strocka entnommen.
a) Herkunft und Echtheit
Die Fresken in der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums wurden 1983 erworben. Die Fragmente entstanden im 1. Jahrhundert nach Christus und stammen aus einer römischen Villa in Broscoreale (am Fuß des Vesuvs, 2-3 km nördlich von Pompeji). Hier wurden Landhäuser (villae suburbae) und Gehöfte (villae rusticae) ausgegraben, die 79 n. Christus vom Vesuv verschüttet worden sind. Die Funde weisen eine große Ähnlichkeit mit Malereien des sog. Vierten pompejanischen Stils in den Vesuvstädten auf. Die Fragmente lassen sich (mit einer Ausnahme) auf drei Wände eines einzigen Raumes verteilen. Das Zimmer wurde in der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums 4m breit, 3,50, tief und 3,60m hoch nachgebaut. Die Stücke wurden aus einer bis zur Zimmerdecke erhalten gebliebenen Dekoration ausgesägt und die verbindenden (und nicht als wertvoll genug erachteten) Wandflächen vor Ort gelassen.
b) Zustand und Maltechnik
Der Zustand der Fragmente ist als gut bis sehr gut zu bezeichnen (1980 wurde die Restaurierung abgeschlossen). Durch mikrochemische Analysen ließen sich Pigmente nachweisen, die in der Antike gebräuchlich waren (gelber Ocker, roter Ocker, grüne Erde, Ägyptisch Blau und Weiß). Zunächst wurden ein bis zwei Schichten Grobputz (aus Kalk und Sand) auf die Wand aufgetragen. Dieser Unterputz besitzt in der Regel eine Dicke von 1- mehreren cm. Der Unterputz scheint an den restaurierten Fragmenten allerdings nicht mehr erhalten zu sein. Dieser Schicht folgt die Feinputzschicht. Sie ist ca. 5mm stark, was für die Qualität der Fragmente spricht. Der Feinputz wurde von oben nach unten in „Tagwerken“ auf die Wand aufgetragen und in noch feuchtem Zustand bemalt (buon fresco). Diese Fläche blieb höchstens zwei Tage feucht genug, um die Farben richtig aufsaugen zu können. Zügiges Arbeiten war deshalb erforderlich. Jeder Zeichnung ging in der Regel ein Entwurf in kleinem Maßstab hervor. Diese Vorzeichnungen sind gelegentlich auf freigelegtem Grobputz erhalten (sinopia). Die Hauptlinien der geplanten Komposition wurden auf die Feinputzpartie mit Kohle, Farbe oder feiner Ritzung vorgezeichnet. Die Ausführung erfolgte freihändig. Nur das Zeichnen der Ornamente wurde durch das Verwenden von Zirkel und Lineal unterstützt. Details der Darstellungen und Lichtverhältnisse wurden oft in halb trockenem Zustand oder trockenem Zustand (al secco) mit Kalk oder Leim (als Bindemitteln) aufgetragen. Diese Partien sind oftmals auf Grund mangelnder Haftung im Laufe der Zeit ab geplatzt.
c) Wandaufbau
Die römische Wandmalerei lässt sich in drei Zonen unterteilen. Die erste Zone ist der Sockel (Sockelzone). Er entspricht dem massiven Mauersockel. Diese Zone ist meist einfach gestaltet und einfarbig, kann aber auch Imitationen von Marmor oder einfache Malereien von Pflanzen enthalten. Die Hauptzone bildet die Lehmziegelwand bis über Mannshöhe. Hier entfaltet sich das Hauptgewicht der Bemalung. Diese Zone wurde oft von einem Gemälde geschmückt. In der Oberzone finden sich oftmals einfache architektonische Zeichnungen. Allerdings fehlt die Oberzone in den Wandmalereien der römischen Provinzen. Hier bildet die Oberzone den unbemalten Streifen bis zur Wanddecke.
d) Stile
Die Wandmalereien sind nach August Mau in vier Stile unterteilt: Der erste Stil ist der von ca. 200-80 v. Christus vorherrschende Mauerwerkstil. Ab ca. 100-15 v. Christus wird dieser durch den Architektur-oder Illusionsstil abgelöst. Der dritte Stil, ornamentaler Stil genannt, tritt ab ca. 15 v. Christus bis 50 n. Christus auf. Der vierte Stil ist der Phantasiestil,ca. 50- 79 n. Christus, in dem auch die fragmentarisch erhaltenen Wandmalereien der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums gehalten sind. Dies lässt sich daran erkennen, dass die Wand im Mittelbild ein Gemälde, die Seitenfelder oft kleine schwebende Figuren zeigt. Wandmalereien im Phantasiestil sind ganz und gar illusionistisch, die künstliche Welt wird der realen gegenübergestellt. Charakteristisch für den Phantasiestil ist ein Reichtum an Ornamenten.
e) Figuren
Das Mittelbild der Südwand ist die Darstellung der Danae. Viele Risse durchziehen das Bild und der Rahmen des Bildes ist stellenweise abgeblättert. Außerdem weist es viele Kratzer auf und Einzelheiten des Gesichts sind unkenntlich. Danae, die Tochter des Akrisios, trägt ein grünes Gewand (einen Chinton, der Oberkörper scheint durch). In der antiken Mythologie wird Danae von ihrem Vater gefangen gehalten, da ihr Sohn laut einer Prophezeiung den Großvater töten wird. Sie wird jedoch Mutter des Perseus, da sich Zeus ihr in Form eines Goldregens näherte. Dieser Mythos wurde in der griechischen und römischen Kunst häufig dargestellt. Das Mittelbild der Westwand zeigt „Leda mit dem Schwan“. Das gesamte Feld wird von waagrechten und senkrechten Rissen durchzogen. Die Frau sitzt auf einem Lehnstuhl. Sie war die Tochter des Thestios, des Königs von Anatolien und war mit dem König der Spartaner (Tyndareos) verheiratet. Zeus näherte sich ihr in Form eines vor einem Adler Schutz suchenden Schwans. Aus dieser Begegnung ging die Tochter Helena hervor. „Leda mit dem Schwan“ ist ein häufiges Motiv der griechischen und römischen Kunst.
Arbeit zitieren:
Dorothee Schaible, 2009, Überlegungen zu einem Stundenentwurf zum Thema „Römische Wandmalerei“, München, GRIN Verlag GmbH
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