Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Abteilung für Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft
Seminar: Einführung in die Kommunikationswissenschaft
Sommersemester 1999
Thema:
Modelle zur Medienwirkung
Katharina Wilsdorf
Gliederung:
1. Geschichtlicher Rückblick Seite 1
1.1 Definition grundlegender Begriffe Seite 1
2. Lineare Ansätze der Wirkungsforschung Seite 3
2.1 Stimulus – Response Theorie Seite 3
2.2 Agenda – Setting – Hypothese Seite 5
2.3 Einstellungänderung Seite 6
2.4 Uses and Gratifications Approach Seite 8
3. Reflexive Ansätze der Wirkungsforschung Seite 9
3.1 Two – Step – Flow Seite 9
3.2 Die Schweigespirale Seite 11
3.3 Die Hypothese der wachsenden Wissenskluft Seite 13
4. Stand der Wirkungsforschung Seite 16
1. Geschichtlicher Rückblick auf die Wirkungsforschung
Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts begann man in der Sozialwissenschaft zu ergründen, welchen Einfluss die Presse auf Rezipienten, und somit auf die öffentliche Meinung hat. Max Weber strebte als Erster im Jahre 1910 eine „Soziologie des Zeitungswesens“ an. (Vgl. Schenk 1987, 3) Er schlug vor, eine grundlegende Presseanalyse durchzuführen, die unter anderem auch fragt: „... ´was bewirkt denn eigentlich dieses auf den von uns zu untersuchenden Wegen geschaffene Produkt, welches die Zeitung darstellt?`“ (Schenk 1987, 3) Seit dieser Zeit gab es eine Menge Leute, die versucht haben genau diese oder auch ähnliche Fragen zu beantworten. Harold D. Lasswell ist einer der Ersten, der auf diesem Gebiet praktisch tätig wurde, indem er 1927 die Propagandastudien veranlasste. 1948 erschien dann die berühmte Lasswell-Formel „Who says what in which channel to whom with what effect?“
Der eigentliche Motor der Wirkungsforschung ist der Glaube an die Erreichbarkeit gerichteter und prognostizierbarer Wirkungen auf Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen in Wirtschaft und Politik. (Vgl. Schenk 1987, 5) Man glaubte zunächst an eine Allmacht der Medien, doch die Arbeiten von Paul F. Lazarsfeld und später dann Joseph Kapplers führten dazu, dies erheblich einzuschränken. Es ging sogar so weit, dass Kappler von einer „relativen Wirkungslosigkeit der Medien bei der Änderung bestehender Bedingungen: Die Medien würden bestehende Meinungen kaum verändern, sondern allenfalls verstärken.“ ausging. (Schenk 1987, 7) Heutzutage, zweifelt man die Wirkungslosigkeit der Medien wieder stark an, Elizabeth Noelle-Neumann sprach in diesem Zusammenhang auch vom ´getarnten Elefanten`.
1.1 Definitionen grundlegender Begriffe
Bevor man sich mit dem Thema allerdings näher auseinander setzt, sollte man sich mit dem Begriff der Wirkung beschäftigen. Was ist denn eigentlich unter dem Begriff der Wirkung im Zusammenhang mit Massenkommunikation zu verstehen? Roland Burkart meint dazu, Bezug nehmend auf Maletzke: „Als Wirkungen im allgemeinsten und weitesten Sinn kann man ´sämtliche beim Menschen zu beobachtenden Verhaltens- und Erlebensprozesse` begreifen, ´die darauf zurückzuführen sind, dass der Mensch Rezipient im Felde der Massenkommunikation ist`.“(vgl. Burkart 1998, 185)
Burkart und Maletzke sind aber nicht die Einzigen, die sich um eine Definition des Wirkungsbegriffes bemüht haben. Es ist aber generell nicht so einfach, eine allgemein gültige Abgrenzung und Definition für den Begriff der Wirkung zu finden. „Für den Begriff der Wirkung werden oft andere Begriffe wie Funktion, Folge, Einfluss, Aufgabe und Leistung von Kommunikation benutzt. ... Gegen den Funktionsbegriff lässt sich der Begriff der Wirkung dadurch abgrenzen, dass er grundsätzlich nur auf Individuen bezogen wird, während der diffusere Begriff der Funktion vorzugsweise auf größere soziale Aggregate, insbesondere auf die Gesellschaft, bezogen wird: Kommunikation erzeugt Wirkungen beim Individuum und hat Funktionen für die Gesellschaft.“ (Merten 1994, 292f.) Generell gesehen ist der Begriff ´Wirkung` aus dem Bereich der Naturwissenschaft, genauer gesagt aus der Physik, in den Bereich der Kommunikationswissenschaft übernommen worden. Daraus resultierend nahm man anfangs an, dass ein gleicher Stimulus bei Rezipienten auch eine gleiche Wirkung hervorruft.
Dabei kann man Wirkungen aber noch in verschiedene Wirkungsbereiche unterteilen. Dazu unterscheidet man Wirkungen im Bereich des Verhaltens, im Wissen, in Meinungen und Einstellungen, auf emotionaler Ebene und einige mehr (vgl. Maletzke 1963, 192ff; 1972, 1527ff.). Diese Wirkungsbereiche sind allerdings nicht voneinander zu trennen, sondern sie beeinflussen sich gegenseitig. Im Folgenden soll noch ganz kurz auf den Begriff der Einstellung eingegangen werden. Als Einstellung bezeichnet man, „die Art, wie ein Mensch Sachverhalte wahrnimmt, beurteilt, gefühlsmäßig wertet und mit seinem Verhalten darauf reagiert. Einstellungen werden (auf Grund früherer Erlebnisse und durch Übernahme des gesellschaftl. Wertesystems) erworben“. (Lexikographisches Institut 1994, 2536)
Des Weiteren ist es noch wichtig, den Begriff der Massenkommunikation zu definieren. Maletzke meint „unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich, durch technische Verbreitungsmittel indirekt und einseitig an ein disperses Publikum vermittelt werden.“ (Schenk 1987, 18) Merten formuliert das Ganze ähnlich: „Massenkommunikation bedeutet dann, dass eine vermittelte Aussage durch einen organisierten Kommunikator publiziert wird, die von einer anonymen Rezipientenschaft empfangen wird, wobei nun jeder Rezipient mit der Kenntnis der Aussage zugleich auch die Kenntnis gewinnt, dass andere eben diese Aussage kennen.“ (Schenk 1987, 19) Bei der Massenkommunikation ist es also wichtig, dass es sich um eine öffentliche, publizierte Aussage handelt, die von mehreren anonymen Rezipienten aufgenommen wird.
2. Lineare Ansätze der Wirkungsforschung
[....]
Arbeit zitieren:
Katharina Wilsdorf, 1999, Modelle zur Medienwirkung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wirtschaftsimagologie, Bilder kreieren, modulieren, manipulieren, umän...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 27 Seiten
Inklusion und Exklusion: Zur Bedeutung von Leistungs- und Publikumsrol...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Massenmedien und Öffentlichkeit - die mediale Wirkung auf öffentliche ...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Seminararbeit, 20 Seiten
Das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 16 Seiten
Handeln und Handlungsorientierung als Begriffe der Didaktik: Definitio...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Die Entwicklung von Bindungsverhalten und Bindungsstörungen aus der Si...
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Studienarbeit, 17 Seiten
Zygmunt Baumann - Flaneure, Spieler, Touristen - Eine Übersicht über d...
Ausarbeitung, 3 Seiten
Die modernen Massenmedien und ihre Bedeutung für die Gesellschaft
Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Hausarbeit, 19 Seiten
"Wir alle spielen Theater" - Wie die menschliche Tragödie ge...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 13 Seiten
Gesellschaftliche Funktion und Eigenschaften von Medien in der Systemt...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 50 Seiten
Erving Goffmann und die Darstellung auf Bühnen
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 13 Seiten
Luhmanns Medientheorie und der Einfluss der Medien auf die Gesellschaf...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Identitätsentwicklung - Definitionen und die personale und soziale Ide...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Seminararbeit, 25 Seiten
Katharina Wilsdorf's Text Modelle zur Medienwirkung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Katharina Wilsdorf hat den Text Modelle zur Medienwirkung veröffentlicht
Katharina Wilsdorf hat einen neuen Text hochgeladen
Einführung in die Kommunikationswissenschaft 1/1
Grundlagen der Kommunikationsw...
Klaus Merten
0 Kommentare