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Wie hält es die moderne Gesellschaft mit Kirche und Religion? dd'' /
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Da hat es die Kirche 1 nun doch geschafft, dieses „mein“ Essaythema „Wie hält es die moderne Gesellschaft nun mit Kirche und Religion“ (wieder) in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen. Damit hat mir die Kirche wohl keinen Gefallen erwiesen. Scheint doch nun jede andere Auslegung, jede Einbringung von anderen Facetten, schwach und unpassend.
In meinem Essay greife ich die Situation der Religion in der modernen Gesellschaft aus dem Blickwinkel der Begriffe Religion und Kirche auf. Ich gehe in meinem Text der Frage nach, ob die Einheit von Kirche und Religion gegeben ist und welche Motive gegebenenfalls eine Trennung bewirkt haben könnten.
Ferner unterstelle ich, dass die aktuellen Geschehnisse, nämlich das allgemeine Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der Katholischen Kirche, nicht primärer Anlass für die Abwendung von der Institution Kirche ist. Ich behaupte, es bestand vielfach längst eine Distanz zur Kirche, und meine nicht, dass die Abwendung von der Kirche zwingend die Abwendung von der Religion zur Folge haben muss. Es ist mein Eindruck, dass die aktuellen Ereignisse zurzeit die Bedeutung aller anderen Beweggründe wie Wertewandel, Individualisierung.... marginal erscheinen lassen. Hier wird somit eine weitere Einschränkung vorgenommen wie sie bereits durch die ausschließliche Deutung von statistischen Daten (GottesdiestbesucherInnen, Zahl der Angehörigen von Religionsgemeinschaften, .....) erfolgt. Wenn diese anderen Motive ausgeklammert werden, welche Kirchenferne schon lange vor Bekanntwerden der jetzigen Ereignisse entstehen und geschehen ließen, halten die „neuen“ Ereignisse nun von einer Antwort ebenso oder ungleich mehr ab als die beanstandete einseitige Auslegung von Zahlen und Fakten.
Im Folgenden will ich mich von den aktuellen Ereignissen also nicht bestimmen lassen, sondern hinterfragen, was die moderne Gesellschaft nun letztlich vom Angebot der Kirche (noch) annimmt?
Ich schließe den Text mit einem persönlichen Resümee.
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Kirche und Religion, kann eins nicht ohne das andere?
In meiner Annahme, dass Kirche und Religion unabhängig voneinander behandelt werden können, bestätigt mich auch Thomas Luckmann, wenn er meint, dass eben die Position des Individuums, welches sich einer so schnell wandelnden gesellschaftlichen Ordnung gegenübersieht, ein Thema der Religionssoziologie sein müsste. Er kritisiert in besonderem Maße, „...dass stillschweigende Annahmen faktisch die Funktion einer Theorie übernehmen“. Diese Annahmen gipfeln seines Erachtens darin, dass Kirche und Religion gleichgesetzt werden, eine Gleichsetzung, die einzig dem Verständnis der Kirche sich selbst gegenüber entspricht (Luckmann 1991: 55f).
So wie Luckmann bin ich der Meinung, dass diese Gleichsetzung der Kirche allemal vorteilhaft erschienen sein mag, und vielleicht noch immer erscheint. Ich behaupte, dass dies durch die aktuellen Vorkommnisse nun für die Institution zu einem zusätzlichen Fallstrick und Stolperstein zu werden droht.
Auch hier zeigt sich für mich, dass die Verknüpfung jetzt sogar für die Kirche nachteilig zu werden scheint.
Verbinden wir also Kirche und Religion zu einem unauflösbaren Ganzen und schauen aus diesem Blickwinkel auf die Statistiken der schwindenden regelmäßigen GottesdienstbesucherInnen von 25% der österreichischen Bevölkerung ab 16 Jahre im Jahr 1973 auf 9% Anfang 2010 (www.imas.at), auf die wachsende Zahl der Austritte,..... kann der Schluss für beide, Kirche und Religion, nur unausweichlich lauten, dass die moderne Gesellschaft weniger religiös ist und die Säkularisierung weiter im Vormarsch sei. Ein Schluss, den sich die Kirche eventuell gar nicht wünschen kann? Goethe passt wohl immer, die Kirche könnte sich hier sagen „...die ich rief die Geister....“! Bei Auflösung der „(un)heiligen“ Union von Kirche-Religion ist dann aber nur mehr die Lage und der Stellenwert der Kirche festgelegt. Demnach schwindet ihre gesellschaftliche Größe und sie verliert an Einfluss und Macht in der Öffentlichkeit.
Die Frage des Stellenwerts der Religion in der Gesellschaft bleibt indes unbeantwortet.
Diese Trennung von Kirche und Religion scheint auch mir möglich, notwendig und zulässig. Die Religionsausübung (Verkündigung-Liturgie-Diakonie) scheint in der Regel an die Kirche als Gemeinschaft gebunden zu sein.
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Ihre Trennung geben bekannt: Gründe des Rückzugs
Bereits alleine die im Anhang angeführte Literatur nennt zahlreiche Gründe für den Rückzug aus dieser Gemeinschaft. Die Motive liegen demnach in der Gesellschaft wie auch an der Institution Kirche selbst. Ich schlage vor, die Gründe, welche zum Rückgang der Kirchenbindung führen, zu betrachten. Das sind gesellschaftliche Modernisierung, Verstädterung, Verwissenschaftlichung, Bildungsexpansion,... (Kaelble 2007:124f). Luckmann klingt dann auch dementsprechend, wenn er nämlich meint, dass sich durch die einseitige Verortung der Religion in die Institution und nicht in das Individuum die moderne Religionssoziologie der Möglichkeit beraubt, die Frage zu beantworten ... „ob in der modernen Gesellschaft andere sozial objektivierte Sinnstrukturen als die der traditionellen institutionalisierten religiösen Dogmen die Funktion der Integration alltäglicher Routinen und der Legitimation ihrer Krisen erfüllen (Luckmann 1991: 61).
Meiner Beobachtung nach ist die Institution Kirche bei manchen Riten, wie zum Beispiel bei der Taufe und der Eheschließung, oftmals eher angefragt als „Unternehmen mit Tradition“, angefragt als „schöner“ Rahmen im Sinne der Erfahrung welches eine „Event“ bietet. Dies alles bezieht Religiosität nicht zwingend ein, macht die Institution zu einem Dienstleistungsunternehmen. Anscheinend verlagern sich religiöse Bedürfnisse, die herkömmlich von der Institution Kirche befriedigt wurden, auf andere Bereiche des Lebens und finden andere Ausdrucksformen.
Damit gilt nun der Geistliche der modernen Gesellschaft nicht mehr als ausschließlicher Experte (Kaelble 2007: 131).
Allgegenwärtige Medien und ein sich ausbreitendes Spezialistentum vom Personal Coach bis zum/r NaturwissenschaftlerIn verweisen den einstmaligen Alleinexperten „Hochwürden“ weit abgeschlagen auf die Ränge. Seine Zuständigkeiten scheinen nun sehr beschränkt, ja worauf eigentlich? Möglicherweise auf „Sieben Hochzeiten und einen Todesfall“? Der Verringerung der Bindung an die Kirche, folgt allerdings die Verringerung bei der Teilnahme an religiösen Praktiken, ausgenommen sind eben Taufen, Begräbnissen und etwas abgeschlagen Hochzeiten (Reiterer 2003: 124).
Bedauerlicherweise für die Kirche gibt es auch schon hier Alternativen von dem/der „WeddingplanerIn“ zum/zur zivilen TrauerrednerIn, bis hin zur Selbsthilfegruppe für Hinterbliebene.
Zudem scheint der modernen Gesellschaft Not und Tod zunehmend kontrollierbarer (Kaelble 2007: 131), sei es durch eine jährliche Vorsorgeuntersuchung oder doch zumindest eine guten
Arbeit zitieren:
Irene Buchhart, 2010, Wie hält es die moderne Gesellschaft mit Kirche und Religion?, München, GRIN Verlag GmbH
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