Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Vorwort II
1 Preispolitik bei Tonträgern 1
2 Kopierschutz bei Tonträgern im Lichte des Verbraucherschutzes 3
3 Musikalienhandel im 21. Jahrhundert 6
4 Diskriminierung privater Musikschulen 7
5 Das Für und Wider von Casting-Shows 8
6 Youtube: Fluch und Segen 10
7 Das Ende der Compact Disc? 11
8 Das Phänomen Casting-Shows in den Medien 13
9 Die Schutzfrist nach dem deutschen Urhebergesetz 14
10 Das Urheberrecht im 21. Jahrhundert 16
11 Auch Musiker müssen Geld verdienen 18
12 Auswirkungen von illegalen Downloads auf die Nachwuchsförderung bei Künstlern 19
13 Einheitsbrei in der Radiolandschaft 21
Quellenverzeichnis XXIII
/
Vorwort
Viel hat sich in den letzten Jahrzehnten getan: Musik erschien auf digitalen Tonträgern,
später als MP3-Dateien im Internet, konnte kostenlos (und illegal) heruntergeladen oder bei
Musikportalen wie Musicload bzw. iTunes kommerziell erworben werden. Das Internet
scheint das Urheberrecht immer weiter auszuhöhlen, Kritiker behaupten gar, das
Urheberrecht sei im 21. Jahrhundert überholt. Andererseits ermöglicht das Internet mit
sozialen Netzwerken wie Facebook bzw. Myspace oder auch Youtube dem Nachwuchs,
unabhängig von einer Plattenfirma die eigene Musik zu vermarkten und sogar zu verkaufen.
Auch Casting-Shows locken viele Kandidaten, die hoffen, auf diesem Weg ein Superstar zu
werden. Hinzu kommt, dass Musikinstrumente immer günstiger werden und dank
leistungsfähiger Computer jeder Musiker seine Musik selbst aufnehmen, mischen und auf
Tonträger bannen kann. Das bedeutet wiederum, dass die Konkurrenz wächst, nicht zuletzt
deshalb, weil es für Musiker immer schwerer wird, etwas Neues zu schaffen. Wie sich die
Situation für Musikschaffende in den nächsten Jahren entwickelt, steht in den Sternen. Eine
Bestandsaufnahme ist jedoch möglich und soll Gegenstand des vorliegenden Buches sein.
1 Preispolitik bei Tonträgern
In Zeiten von Filesharing und illegalen Musikdownloads drängt sich immer wieder die Frage auf, ob CDs nicht zu teuer sind. Sollten die Preise für Tonträger wirklich gesenkt werden, um der anhaltenden Musikpiraterie vorzubeugen? Einen interessanten Aufsatz zu diesem Thema hat vor einigen Jahren der Berliner Medienanwalt Ulrich Schulze-Rossbach verfasst. 1 Seiner Meinung nach sind nicht die Preise für CDs zu hoch, sondern die Qualität der Musik überzeugt nicht. Ein Stück weit mag das stimmen, aber ist ausschließlich die mangelnde Qualität für sinkende Absatzzahlen verantwortlich?
Sicherlich, in diesem Fall ist Schulze-Rossbach zuzustimmen, setzt die Musikindustrie oft auf Masse statt Klasse. Gecastete, austauschbare Musiker, fehlende Identität, mangelndes musikalisches Verständnis sowie fehlender Mut etwas Neues zu versuchen, lassen Innovation und Qualität vermissen. Dass sich wirklich hervorragende, eigenkomponierte und selbst eingespielte Musik auch gut verkauft, zeigen Musiker wie Herbert Grönemeyer oder Bands wie Die Ärzte.
Andererseits lässt sich der Preis nicht nur über die Qualität der Musik definieren. Zu allererst muss man sich fragen, sind die CDs zu teuer oder der Inhalt? Für die CD als Tonträger sind die durchschnittlichen 16 € sicherlich zu teuer. Denn Rohlinge kosten ca. 0,30 € / Stück im Einkauf zzgl. Mengenrabatt. Insofern muss sich der Preis einer CD über den Inhalt definieren. Hier spielen zunächst zwei Faktoren eine Rolle: Die gesamte Spieldauer der CD und die Aufnahmequalität der einzelnen Songs. Die Spieldauer sagt allerdings nur etwas über die Quantität aus, nicht über die Qualität der einzelnen Songs. Quantität kann jedenfalls bei Kunst, hier Musik, nicht oder nicht ausschließlich als Preisfaktor herangezogen werden. 18 schlechte Songs können nicht gegenüber neun guten bestehen. Die Aufnahmequalität mag ein entscheidender Faktor sein, allerdings nur in gewissem Maße, nämlich insoweit, dass die CD zumindest gängigen Aufnahmestandards entspricht und keine Demo-Qualität bietet.
Dass Tonträger damals in Relation zum Monatsverdienst teurer waren, mag nur ansatzweise überzeugen. Richtig ist, dass Tonträger keine Luxusgüter mehr sind. Allerdings sind auch die Preise für Rohlinge, wie bereits erwähnt, gesunken. Auf der anderen Seiten sind die
1 http://www.medienanwalt.org/essays/frameset.htm.
Lebenserhaltungskosten rapide gestiegen; so bei Wohnungsmieten, Lebensmitteln, Benzin, Freizeitangeboten (Kino, Konzerte). Ein weiteres, noch weitaus wichtigeres Argument ist die Tatsache, dass der Preis von Tonträgern, im Gegensatz zu den Anfangstagen der Schallplatte, zwar drastisch gesunken ist, allerdings sind parallel dazu auch die Produktionskosten erheblich gesunken. Denn das Produzieren von Musik wird dank digitaler Musikstudios immer günstiger. Zum einen wird das Studio-Equipment immer preiswerter, zum anderen lassen sich Fehler bei der Produktion schneller und leichter beheben, so dass auch der Kostenfaktor Zeit geringer wird. Zudem werden Musikinstrumente immer günstiger (sieht man einmal von den übertrieben teuren Vintage-Instrumenten ab), Aufnahmemedien ebenso. Natürlich kann man als Musiker seine Musik auch in einem sündhaft teuren High-End-Studio aufnehmen bzw. von einem namenhaften Produzenten aufnehmen lassen. Doch muss der Fan, sprich der Käufer der CD, den Produzenten finanzieren? Muss wirklich die teure Neve-Konsole 2 zum Abmischen der Songs bereitstehen? Wenn ja, dann ist das der eigene künstlerische Anspruch des Musikers. Das ist in Ordnung, aber nicht auf Kosten der Käufer. Ebenso verhält es sich mit teuren Gastmusikern. Der musikalische Laie hört nicht, ob ein Steve Lukather Gitarre spielt oder der Onkel des Künstlers. Auch bei aufwendig gestalteten Artworks namhafter Zeichner stellt sich die Frage, ob das sein muss und wer das wirklich haben will. Oder der Bonus-Track, der auch ein regulärer Album-Track hätte sein können, oder das Musikvideo obendrauf, nie gezeigte Fotos der Bandmitglieder in der Badewanne etc. Zahlt der Käufer am Ende für den Inhalt, also für die Musik, oder für ein komplettes Produkt?
Eine weitere Unsitte ist ferner der Preis älterer Tonträger im Vergleich zu neuen. Da gibt es einerseits die aktuellen Alben bekannter Künstler, die aus marketingtechnischen Gründen zum Angebotspreis auf die Kunden losgelassen werden, während "normale" Alben durchschnittlich 5 € mehr kosten. Dagegen würde grundsätzlich nichts sprechen, denn so wird der Preis einer CD richtigerweise über den Inhalt gemessen, wenn ältere Alben mehr kosten, aber wirklich gute oder sogar bessere (selbstverständlich alles subjektiv) Musik beinhalten. Doch wie wird der Wert guter Musik gemessen? Was gut ist, ist reine Geschmackssache. Ein Sachverständiger, beispielsweise ein Musikwissenschaftler, kann das kaum entscheiden. Auch die häufig anzutreffenden Top 500 („The Rolling Stone Greatest Albums of All Time“ 3 , „Best of Rock & Metal - Die 500 stärksten Scheiben aller
2 Vgl. http://www.ams-neve.com/Products/Music/88RS/88RS.aspx.
3 Vgl. http://www.rollingstone.com/music/lists/500-greatest-albums-of-all-time-19691231.
Zeiten“) sind meist subjektive Zusammenstellungen. Vielmehr wird sich die Qualität von Musik meist (Ausnahmen bestätigen die Regel) über die Verkaufszahlen definieren. Angebot und Nachfrage lautet das Stichwort. Der Preis einer CD, sei die Musik nun objektiv (soweit dies möglich ist) schlecht oder gut, sollte sich über die Nachfrage definieren. Künstler, die Musik ausschließlich für sich und den eigenen (gehobenen?) Anspruch schreiben, müssen damit rechnen, auf weniger Gegenliebe zu stoßen. Musik, die nicht kommerziell ausgerichtet ist, verkauft sich halt weniger gut. Die Gabe, anspruchsvolle Musik schreiben zu können, begleicht nicht die Lebenserhaltungskosten. Das sollten insbesondere Musiker wissen, die sich weniger populären Musikrichtungen wie Jazz und Blues verschrieben haben. Hier erscheint es zumindest fraglich, ob die Käufer in diesen Fällen durch einen Mehrbetrag gegenüber Popmusik die Produktions- und Werbekosten mittragen müssen. Was bleibt? Zunächst die Frage, wer wirklich an einer CD verdient. Angesichts der geringen Einnahmen der Musiker bzw. Urheber an dem Erlös aus den Tonträgerverkäufen zahlt der Kunde wohl hauptsächlich für alle Beteiligten, nur nicht den Musiker selbst. 4 Solange der Schöpfer eines Werkes, das den Hörer, in irgendeiner Weise positiv berührt, nicht ausreichend an den Einnahmen partizipiert, wird die Diskussion um zu hohe Preise für CDs nicht abreißen. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass Schallplatten früher, in Relation zum Monatsverdienst, teurer waren. Gute Musik wird sich natürlich immer verkaufen, sicher noch besser, wenn die Preise für Tonträger, insbesondere älterer, sinken.
2 Kopierschutz bei Tonträgern im Lichte des Verbraucherschutzes
Schallplatten konnten nicht mit einem Kopierschutz versehen werden. Nötig war dies nie, denn zuhause reproduzieren ließen sie sich nicht. Anders bei den analogen Audio-Tapes. Diese wurden bei Bedarf mittels Doppel-Kassettendeck kopiert, indem Deck 1 das Band abspielte, während Deck 2 die Wiedergabe aufzeichnete. Der Nachteil bestand darin, dass der Konsument warten musste, bis die Aufnahme zu Ende war, was bis zu 120 Minuten dauern konnte. Vorher musste noch „gepegelt“ werden, damit die Aufnahme hinterher nicht zu laut oder zu leise wird. Trotzdem klang es hinterher irgendwie „analog“. Das änderte sich mit der Erfindung der Compact Disc Anfang 1981 sowie später mit den ersten bezahlbaren
4 Siehe http://www.datenreset.de/2009/07/17/was-verdient-ein-knstler-an-seiner-cd.
CD-Brennern für den Heimgebrauch. 5 1:1-Kopien von Tonträgern waren auf einmal einfach und schnell zu realisieren. Natürlich ohne Qualitätsverlust. „Brenn mir doch mal die CD von XY…“ bekommt man seitdem von Freunden und Bekannten zu hören. Rohlinge kosten nicht viel. 6 Als schließlich in den 90ern damit begonnen wurde, Musik digital ins Internet zu stellen, sodass theoretisch jeder Nutzer Zugriff auf die Titel hatte, merkten die Plattenfirmen, dass ihnen die Kunden davon liefen und der Absatz einbrach. Was tun? Eine Lösung musste her, in Form von Kopierschutz bei Audio-CDs und in Form der Digital-Rights-Management (DRM)-Systeme im Internet.
Der eingesetzte Kopierschutz verhindert jedoch nicht nur das Brennen von CDs, er verursacht auch reihenweise Probleme beim Abspielen selbiger. Besonders anfällig sind seit jeher Autoradios mit integriertem CD-Player und Portable-Player, die CD-Player für unterwegs. Bekannt sind Vorfälle, bei denen beim Händler erworbene CDs umgetauscht werden mussten, da sie sich nicht abspielen ließen. 7 Der Miterfinder der CD, die niederländische Firma Philips, erwägte zunächst zu klagen, weil CDs mit Kopierschutz nicht mehr ihrer Norm entsprechen, verzichtete aber letztlich darauf. 8 Oder die Digital-Rights-Management-Systeme: Sollte deren Einsatz im Online-Bereich, also bei Musikportalen wie Musicload oder iTunes, nicht autorisiertes kopieren und hochladen von Musik in illegale Tauschbörsen lediglich verhindern, sind die einzelnen Formate untereinander nicht kompatibel 9 , sodass das Abspielen gleich mit verhindert wird. Zudem wird neben den sensiblen Daten der Nutzer auch deren Kaufverhalten gleich mit gespeichert. 10 Datenschutz adé.
Natürlich, die Plattenfirmen wollen ihre Musik schützen. Das dürfen sie auch. Das müssen sie im Interesse ihrer Künstler sogar. Niemand soll berechtigt sein, fremdes Eigentum, und dazu gehört nach dem Grundgesetz gemäß Artikel 14 Absatz 1 ebenso das geistige Eigentum 11 , unerlaubt und unentgeltlich zu erwerben. Kopierschutz und DRM sind daher richtig und vor allem wichtig. Die Musik verliert an Wert, wenn jeder schnell und einfach
5 Etwa Ende der 1990er. Die ersten CD-Brenner von 1993 kosteten noch 20.000 DM.
6 Für 100 Stück zahlt der Kunde etwa 9,99 Euro im Internet.
7 Vgl. http://www.heise.de/ct/artikel/Audio-CD-Kopierschutz-veraergert-Kunden-und-Haendler-287540.html.
8 http://www.ibusiness.de/aktuell/db/1010591622.html.
9 http://www.mactechnews.de/news/index/Apple-und-MS-sprechen-uber-Kompatibilitat-ihrer-Musikformate-134034.html.
10 Vgl. http://computer.t-online.de/stiftung-warentest-klatsche-fuer-itunes-testsieger-ist-musicload/id_41195146/index.
11 BVerfGE 31, 229 - Schulbuchprivileg.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH) Benjamin Mombree, 2011, Musikindustrie im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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