„Mit der Trinitätslehre betreten wir den Boden des christlichen Monotheismus.“
Das mysterium trinitatis „[...] lösen zu wollen hieße, das Unbegreifliche in unser
I) EINLEITUNG 4
II) THEOLOGIE- UND DOGMENGESCHICHTE 6
II.1) Anfängliche trinitätstheologische Tendenzen Definitionsversuche 6
II.1.a) Exkurs ins Vorfeld der trinitarischen Entscheidung 7
II.1.b) Heilsökonomische Trinität bei Irenäus von Lyon 7
II.1.c) Die trinitas’ Konzeption Tertullians 8
II.1.d) Hypostasenlehre und immanente Trinität bei Origenes 9
II.2) Relevante dogmatische Scheidungen altkirchlicher Theologie 10
II.2.a) Das Nicänum 324/25 und die theologischen Folgen 10
II.2.b) Das theologische Fazit des Nicäno-Konstantinopolitanums 381 11
II.2.b.1) Ausblick auf die Rezeption des Nicäno-Konstantinopolitanums im Konzil
zu Chalkedon 451 12
II.2.b.2) Ausblick auf die Resultate der trinitarischen Entscheidung in den
folgenden Jahrhunderten bis zur Reformation 12
III) EXEGETISCHE BETRACHTUNGEN ZU SIGNIFIKANTEN
NEUTESTAMENTLICHEN STELLEN BEZÜGLICH DER TERNÄR
DIFFERENZIERTEN EINHEIT GOTTES 14
III.1) Die triadischen Formeln 14
III.1.a) Mt 28,18-20 als exegetisches Fundament impliziter Trinität 14
III.1.b) I Kor 12,3-6.11 und die Kyriosprädikation Jesu 17
III.1.c) Die Signifikanz de paulinischen Postskriptes II Kor 13, 13 18
III.1.d) Strukturlose triadische Aussagen 19
III.1.d.1) Das Taufgeschehen Jesu Mk 1,9-11 par 19
III.1.d.2) Gal 4,4-6 als Typos der Sendungsformeln 19
III.2) Die Göttlichkeit Christi im Kontext von Phil 2,6-11, Präexistenz, dem
christologischen Kyriosprädikat und der johanneischen Christologie 21
III.3) Der Versuch einer Darstellung der divinitas des Geistes anhand von Joh
4,24 und II Kor 3,17 23
III.4) Fazit der exegetischen Betrachtungen 24
IV) ZENTALE CONSTRUCTA SYSTEMATICA ZUM VERSTÄNDNIS DER
TRINITARISCHEN DISTINKTIONEN 25
V) DIE TRINITARISCHE STRUKTUR IM KONTEXT GEGENWÄRTIGER
SYSTEMATISCHER ENTWÜRFE - EIN (WEITESTGEHEND)
CHRONOLOGISCHER HORIZONTALSCHNITT 26
V.1) Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und der trinitarische Endpunkt der
Systematik 26
V.2) Karl Barth, das naturaliter aliter und die Extermination anthropozentrischer
Reduzierung im Gefüge dialektisch-trinitarischen Denkens 27
2
V.3) Karl Rahners trinitarische Autoinformation 30
V.4) Eberhard Jüngels trinitarische (Liebes-) Ontologie 32
V.5) Jürgen Moltmanns staurozentrische Trinitätskonzeption 35
V.6) Robert Jensons immanent-trinitarische (Persönlichkeits-) Ontologie 38
V.7) Wolfhart Pannenbergs systematische Trintätstheologie 38
V.8) Fazit 42
VI) CONCLUSIO MIT ABSCHLIEßENDER KRITISCHER WÜRDIGUNG 42
VII) VERZEICHNISSE 46
VII.1) Literaturverzeichnis 46
VII.2) Abkürzungverzeichnis 54
3
I) Einleitung
Der Entschluss zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Problematik der trinitarischen Frage resultiert sozusagen aus einer eigenen, existentiellen Betroffenheit. Insbesondere mein prästudienzeitlicher Kontakt mit den ‚Zeugen Jehovas’ und deren vehementer Negation eines trinitarischen Gottesbildes, dessen Resultat für mich dahingehend unbefriedigend blieb, dass tendenzielle intellektuelle oder systematische Überlegenheit dennoch keinen inhaltlichen Konsens herbeizuführen vermochte. Auch die im Verlauf meines bisherigen Studiums wiederholt aufgekommenen Auseinadersetzungen und Diskussionen hinsichtlich einer kritischen Betrachtungsweise bezüglich der ‚Trinität’, einer eventuellen ‚Zweiplus-eins-Einigkeit’ oder sonstiger Konstrukte haben mir sozusagen oktroyiert, meinen eigenen, bis dato feststehenden - und sehr wohl trinitarisch fixierten -Glauben differenziert zu reflektieren. Der tatsächliche Entschluss, die Trinitätslehre zum Inhalt meiner Diplomarbeit zu machen, hat sich im Anschluss an die Lektüre von Karl Barths Kirchlicher Dogmatik und insbesondere deren exponierter Stellung in den Prolegomena in KD I/1 herauskristallisiert. Der im Gegensatz zu anderen nicht-neuzeitlichen systematischen Entwürfen zentrale Charakter der Trintätslehre innerhalb der KD hat mich fasziniert. Da ich mich einer gewissen Leidenschaft für prekäre systematische Fragen nicht erwehren kann, habe ich beschlossen, mich in differenzierter Weise mit der Trinitätsthematik auseinander zu setzen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Skizzierung und Kritik der neueren systematisch-trinitarischen Konzeptionen. Die Betrachtung derer wird allerdings vor einem Rückblick auf die theologie- und dogmengeschichtliche Formierung und Fixierung und deren zentraler Inhalte stattfinden, da die in frühkirchlicher Zeit aufgeworfenen Fragen die heutige systematische Diskussion noch immer nachhaltig beeinflussen. Aufgrund dessen habe ich beschlossen, der Arbeit einen - für eine systematische Arbeit relativ ausführlichen - exegetischen Teil beizulegen, der die systematischen Beobachtungen stützen soll. Diese Arbeit ist von daher folgendermaßen konzipiert: Zunächst wird ein theologiegeschichtlicher Überblick mit den relevanten Vertretern und deren Konzeptionen von der Alten Kirche über das hochscholastische MA bis hin zu ersten Generation der Reformatoren gegeben
4
werden 1 , um die für die Thematik relevanten Vorüberlegungen und Voraussetzungen zu erläutern. Als Quellen dienen mir hierzu primär sowohl das Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte von Wolf-Dieter Hauschild sowie das Handbuch der Theologie- und Dogmengeschichte (Hrsg.: Carl Andresen und Adolf-Martin Ritter) und die verschiedenen frühkirchlichen Quellenschriften, insofern diese mir zugänglich gewesen sind. Dieser Betrachtung folgt ein größerer exegetischer Teil relevanter Stellen, die die Thematik der Trinität oder vielmehr die triadischer Formulierungen mehr oder weniger explizit zum Inhalt haben. Der Grund für diese in einer systematischen Arbeit recht detailliert gehaltenen Sequenz besteht darin, dass es bei der Lektüre systematischer Themenbereiche und Abhandlungen wiederholt auffällt, dass als Belegstellen pro oder contra diverser Thematiken solche herangezogen werden, die von der Mehrzahl der Exegeten oftmals als für solche unzureichend oder nur bedingt aussagekräftig gewertet werden. Der exegetische Teil also markiert die Basis für die nun folgende systematisch-theologische Betrachtung neuerer Entwürfe mit dem Ziel, das für eine trinitarische Theologie heute relevante Gedankengut zu extrahieren und in einen größeren Kontext zu stellen. Eine umfassende Betrachtung aller Entwürfe dürfte in diesem Zusammenhang mehr als unrealistisch erscheinen, daher habe ich mich auf solche beschränkt, die m.E. das Fundament der „Renaissance trinitarischer Theologie“ 2 und für die Zukunft vielversprechende Konzepte markieren. Primär wird dies aufgrund einer Betrachtung der diversen Systematiken geschehen. Hilfreich war mir in diesem Zusammenhang - was Ordnung der eigenen Gedanken und Anstöße betreffs kritischer Rückfragen anbelangt - insbesondere auch die Habilitationsschrift von Michael Murrmann-Kahl: ‚Mysterium Trinitatis?’ Fallstudien zur Trinitätslehre in der evangelischen Dogmatik des 20. Jahrhunderts. Als letzter Teil markiert die Conclusio - inklusive des Versuches einer kritischen Würdigung - den Abschluss der Arbeit. Als Ziel dieser Arbeit soll gezeigt, aber auch hinterfragt werden, inwieweit die einzelnen exegetischen Beobachtungen und gesamtsystematischen Konzeptionen miteinander korrespondieren und dahingehend wertvolle Grundlagen für einen adäquaten Gebrauch neuzeitlicher Tinitätslehre zu liefern in der Lage sind.
1 Ich werde mich an dieser Stelle auf die grundlegenden Konzeptionen der ersten Generationen von Reformatoren beschränken, da eine Bezugnahme auf die lutherische wie reformierte Orthodoxie den Rahmen selbst einer Diplomarbeit bei Weitem sprengen würde.
2 SCHWÖBEL, Rahmentheorie, 131.
5
II) Theologie- und Dogmengeschichte
Primär ist die Genese trinitätstheologischer Bekenntnisse in deren vielgestaltiger Ausformung v.a. als Resultat konsequenter Interpretation neutestamentlicher Theologie im Generellen und paulinischer Theologie im Speziellen anzusehen. 3 Konstitutiv für die theologische Identität des Christentums und eine erste normative Fixierung trinitarischer Ansätze war dessen betont-intensive christologisch-soteriologische Reflexion. 4
II.1) Anfängliche trinitätstheologische Tendenzen & Definitionsversuche Die Ausdifferenzierung des christlichen Horizontes in den Jahren zwischen 90 und 150 n.Chr. geschieht zunächst v.a. bezüglich der Christologie in nicht klar umrissenen Konturen - undifferenzierte Inkarnationsdarstellungen gegenüber doketischen Ansichten, in Präexistenzaussagen als implizite Formulierung vorhandene subordinatianische Tendenzen sowie Vorstufen des Modalismus in unterschiedlicher Ausprägung definierten die Fülle christologischer Annahmen. 5 In Kontinuität einer abstrakt-philosophischen lo, goj-Spekulation entstand bei den Apologeten um Justin dem Märtyrer als einem ihrer führenden Vertreter unter konstitutivem Bezug auf Christus erstmals eine personalistische Logoslehreallerdings mehr in Form einer binitarischen Konzeption als in der einer stringenten Trinitätslehre, da sie ausschließlich das Verhältnis Vater-Sohn betraf. 6 Im Anschluss sollen nun die markanten Positionen der trinitätstheologisch relevanten Vertreter der Alten Kirche kurz skizziert werden, deren Beitrag sich primär in wechselseitiger Reaktion auf die eben kurz erwähnten christologischen Konturen formierte.
3 HENGEL, Sohn Gottes, 10 konstatiert daher zu Recht, dass innerhalb der ersten Jahrzehnte vom Zeitpunkt der Kreuzigung Jesu bis spätestens zur Abfassung Phil christologisch mehr „[...] als in den ganzen folgenden sieben Jahrhunderten bis zur Vollendung des altchristlichen Dogmas [...]“ geschehen ist. Siehe dazu im Folgenden auch Punkt III) vorliegender Arbeit.
4 Vgl. HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 5f. THEIßEN, Jesus, 482 etwa insistiert diesbezüglich darauf, dass die Historizität Jesu qua einer Übertragung christologischer Hoheitstitel - etwa der nunmehr exklusiv verwendeten Sohn-Gottes Prädikation - postösterlich durch die Gemeinde verfremdet wurde. In ähnlicher Weise tut dies BULTMANN, Theologie, 508ff., der die frühen christologisch-trinitarischen Tendenzen auch und gerade bezüglich Kreuz und Auferstehung im Kontext antiker Metaphysik verstehen will. Für eine kirchen- und dogmengeschichtliche Betrachtung kann eine objektive historische Verifizierung etwa des Auferstehungsgeschehens allerdings zunächst irrelevant bleiben: Fakt ist, dass die Christenheit aufgrund jener geglaubten Auferstehung schon früh christologische, dann aber, im Stadium einer fortgeschrittenen Reflexion berechtigterweise auch pneumatologische Konsequenzen gezogen hat.
5 Vgl. HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 6f.
6 Vgl. BARNARD, Apologetik, 376ff. Problematisch bei dieser Konzeption allerdings blieb die relationale Komponente qeo, j/lo, goj, die nur subordinatianisch und damit inferiorisisch im Sinne einer depotenzierten Gottheit gedacht werden konnte, so richtig HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 10.
6
II.1.a) Exkurs ins Vorfeld der trinitarischen Entscheidung
Als Konsequenz dieser christologischen Konturen kristallisierte sich aus Vertretern der unterschiedlichsten Richtungen die uneinheitliche ‚Schule’ des Monarchianismus heraus, wobei deren vehemente Betonung der monarchia Gottes terminologisch allerdings zu differenzieren ist. 7 Die Vertreter des dynamistischen bzw. adoptianischen Monarchianismus negierten sowohl Inkarnations- als auch Logoschristologie und damit die Präexistenz und Gottesprädikation Jesu, indem sie postulierten, das in der Taufe mit besonderer dynamis 8 ausgestattete Individuum sei Kraft dessen zu göttlicher Würde erhoben, nicht aber mit Gott zu identifizieren. 9 Vor demselben Hintergrund proklamiert der modalistische Monarchianismus 10 in „[...] Abwehr des vermeintlichen Ditheismus der Logoslehre [...]“ 11 zwar die Identität von Gott und Sohn, dann aber doch nur als modi, hinter denen sich Gottes eigentliches Wesen als ein Differenziertes offenbart. 12
II.1.b) Heilsökonomische Trinität bei Irenäus von Lyon
Irenäus Beitrag bestand in der „heilsökonomischen Entfaltung der Trinitätslehre [...]“ 13 - wobei er keine in dem Sinne dediziert spekulativ-metaphysische Trinitätslehre gedacht hat. 14 Er projiziert ein trinitarisches Handeln Gottes aufgrund eines konsequenten biblischen Rahmendenkens singulär innerhalb der Menschheitsgeschichte nicht in eine innertrinitarische Ökonomie, wie andere nach ihm dies tun werden. 15 Von einer Geistlehre finden sich bei Irenäus keinerlei Anklänge. 16 Somit bleibt auch er letztgültige, systematische Argumente für Fragen, die im Vorfeld der
7 Vgl. dazu die differenzierte Argumentation in: MARKSCHIES, Erforschung, 159ff.
8 Vgl. EUSEBIUS, KG, V,28,13ff.
9 Vgl. BARTH, KD I/1, 372. Der Geist fungiert dabei quasi als initiierendes Element des Adoptions-vorganges, so richtig HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 15.
10 In Ablehnung sämtlicher Hypothesen eines zweiten Gottes, vgl. dazu ORIGENES, princ. I, III,5, waren allen voran Noetus und Sabellius als Hauptvertreter des modalistischen Monarchianismus, so RITTER, Origenistische Theologie, 132, „[...] von dem energischen Willen getragen, Gottes Einheit und Einzigkeit ganz ernst zu nehmen“ sowie von dem „[...]ebenso lebendige[n] Interesse an der vollen Gottheit Jesu Christi“.
11 HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 14.
12 Vgl. BARTH, KD I/1, 372. Die logischen Konsequenzen zeigten sich relativ bald in der berechtigen Frage nach einer stringenten Argumentation etwa hinsichtlich Lk 23,46 oder in der Titulierung der Modalisten als Patripassianer aufgrund der Verletzung des Apathieaxioms, vgl. dazu: TERTULLIAN, adv. Prax, XXX,1.
13 ANDRESEN, Irenäus, 93. Er tut dies vor allem in Ablehnung und Abgrenzung gnostischer Emanationsspekulationen, vgl. dazu: SIERSZYN, Anfänge, 148f.
14 Vgl. HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 12.
15 Vgl. ANDRESEN, Irenäus, 98. DERS., ebd. konstatiert diesbezüglich, dass im Folgenden die subordinatianische Christologie bzw. Pneumatologie stringente Folge der Verbindung eines heilsgeschichtlichen Denkens mit antiker Metaphysik gewesen seien - eine für Irenäus inakzeptable Verbindung.
16 Vgl. JASCHKE, Irenäus, 264.
7
trinitarischen Entscheidung eine zentrale Rolle einnehmen werden, schuldig. 17 II.1.c) Die ‚trinitas’ Konzeption Tertullians
Einen ersten differenzierten Entwurf bezüglich der Struktur diviner Einheit als trinitas 18 hat Tertullian apologetisch vor allem gegen die antimontanistischen Konzeptionen der Monarchianer in seinem Traktat Adversus Praxean um 213 n.Chr. formuliert. 19 Er insistiert dabei auf einer Einheit von göttlicher Monarchie in ihrerin Anlehnung an Irenäus - heilsökonomischen Differenzierung, indem er in eine „trinitarisch erweiterte Logoslehre Elemente des modalistischen Konzepts „[...] [aufnimmt und somit] eine eigene Position artikuliert [...]“ 20 und damit den trinitarischen Personenbegriff einer modalistischen Identifikation entgegenstellt. 21 Die substantielle Einheit Gottes entfaltet sich bei Tertullian in forma, gradus und species: 22 die drei personae seien zwar nicht prinzipiell zu differenzieren, in ihrer konkreten Gestalt aber je anders. 23 Tertullians Konzeption der una substantia, tres personae - wenn auch bei ihm derart noch nicht schlussendlich fixiert - kann mit Recht das terminologische Fundament der trinitarischen Entscheidung des 4.Jh.s genannt werden, 24 das zugleich aber zu völlig neuen Problematiken führen wird:
17 So etwa bezüglich des Apathieaxioms während der Kreuzigung, vgl. dazu: IRENÄUS, adv. Haer III, XIX,3 oder dem Charakter und der Qualität des pneu/ ma als „bloße“ Heilsteilgabe für den Menschen, vgl. DERS., a.a.O, IX,3.
18 Die Terminologie trinitas begegnet erstmals TERTULLIAN, adv. Prax., II,1ff.
19 Vgl. DERS., a.a.O., I,1. Siehe dazu auch: BUTTERWECK, Tertullian, 99.
20 Vgl. TERTULLIAN, adv. Prax., XI,2ff. Siehe dazu ferner: HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 16.
21 Vgl. TERTULLIAN, adv. Prax., IX,1. BUTTERWECK, Tertullian, 99 merkt dazu an: “Die Abstufungen innerhalb der Trinität entsprechen den Funktionen im Heilsplan, so daß dem Vater die göttliche Substanz in ihrer Totalität zugesprochen werden kann [...]“. Siehe bezüglich eines bei Tertullian evident subordinatianischem Gefälle: TERTULLIAN, adv. Herm., III,9: „[...] fuit autem tempus, cum [...] filius non fuit […]“ [lat. Rückübersetzung des Verfassers aus dem Englischen].
22 Zu Form, Abstufung und Beschaffenheit der personae siehe: TERTULLIAN, adv. Prax, II,4.
23 Vgl. BUTTERWECK, Tertullian, 99. Ähnlich auch: RITTER, Theologie, 142ff. TERTULLIAN, adv. Prax XXV,1 bringt dies mit der folgenden Formel zum Ausdruck: „[...] qui tres sunt unum, non unus [...]“, vgl. dazu auch: HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 16. TERTULLIAN, adv. Prax V,28 lässt den Charakter der Gleichewigkeit des lo, goj und die Unterordnung seiner individuellen Existenz unter den Vater unvermittelt nebeneinander stehen. Dieser Argumentationsgang hat weitreichende Folgen für die Christologie im Sinne der Zwei-Naturen-Lehre: In der individuellen Existenz Christi korrelieren menschliche wie göttliche Substanz derart unverbunden miteinander, dass die jeweils speziellen Eigenschaften erhalten bleiben. Tertullian bedient sich dabei bewusst philosophischer Terminologien, wobei er einen eventuellen Einwand, wie jene beiden Substanzen exakt miteinander interagieren, als heilsökonomisch irrelevant außer acht läßt, so mit BUTTERWECK, Tertullian, 100.
24 Vgl. HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 15. Die Sprachproblematik vor allem um die äußerst ambivalente persona-Terminologie allerdings blieb bei Tertullian weitestgehend in einem für ihn typischen juristisch-exakten Sinn formal und war damit noch nicht hinreichend geklärt, vgl. RITTER, Theologie, 142.
8
Etwa der Frage nach der Relevanz des ewigen und eigenständigen Logos. 25
II.1.d) Hypostasenlehre und immanente Trinität bei Origenes
Origenes kombiniert erstmals die heilsökonomischen Ansätze Irenäus und Tertullians mit einer immanent göttlichen Differenzierung der Hypostasen und argumentiert bezüglich der Gottheit Christi als dem eiv kw. n Gottes und dem daraus resultierenden Vater-Sohn-Verhältnis sowohl ontologisch als auch personal, 26 wobei er darauf insistiert, dass der lo, goj-Sohn eine zwar eigenständige, ontologisch aber zweitrangige Hypostase sei. 27 Hier zeigt sich die deutlich subordinatianische Tendenz seiner eigentlich binitarischen Konzeption: Der Sohn allein ist aufgrund der immanenten Transzendenz des Vaters deu, teroj qeo. j 28 , weswegen auch dem Hypostasencharakter des Geistes eine ähnliche Qualität der Hypostase des Sohnes nicht zueigen ist. Zwar ist der Geist nicht eine bloße „[...] Gabe oder die Summe charismatischer Wirkungen [...]“ 29 , er kann allerdings auch nicht den immanentewigen und ungeschaffenen Charakter der Hypostase des Sohnes nachweisen, 30 wird somit „[...] naturgemäß zu den genhta, gezählt [...]“ 31 . Seine Funktion als „[...] integraler Bestandteil [...] [des] kosmologisch-ontologischen System[s]“ 32 ist es, Vollkommenheit unter den Heiligen zu wirken. 33 Als Markenzeichen origineischer Trinitätslehre können in jedem Fall die drei distinkten Wesenheiten bzw. Hypostasen gelten - deren sowohl potentielle Differenzierung als auch in menschlichen Bahnen gedachte numerische Identität nach Origenes faktisch jeglicher Grundlage entbehrt. 34
25 Und damit der Relation eben jenes zum Vater, vgl. dazu: WILLIAMS, Alte Kirche, 731. In diese Kategorie dürfte auch Tertullians Konzeption der Zwei-Naturen-Lehre fallen, vgl. dazu: TERTULLIAN, adv. Prax, XXVII,4.
26 Die Teilhabe - entgegen dem Emanationsgedanken der Gnostiker - des Sohnes an der Hypostase des Vaters definiert die Gottheit des Sohnes, vgl. ORIGENES, princ. IV, IV,1.
27 Vgl. ORIGENES, princ. I, II,2. Siehe dazu auch: HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 20. Der präexistente lo, goj ist die konkrete Manifestation göttlichen Willens, so WILLIAMS, Origenes, 409. Die Art der Zwei-Naturen-Lehre, die Origenes hier konstruiert, hat allerdings sehr kosmisch-spekulativen Charakter, wenn er konstatiert, dass der lo, goj sich in der Präexistenz mit dem präexistenten Geistwesen Jesu verband, vgl. dazu: ORIGENES, princ. II, 6.
28 ORIGENES, Johannes, VI,39. Gegen TERTULLIAN, adv. Herm, III,9 konstatiert ORIGENES, princ. I, II,9 eine immanent-ewige Existenz des Sohnes, wobei die Differenzierung der Hypostasen Vater/Sohn trotz des präexistenten Charakters des lo, goj bei ihm weitaus schwerer wiegt als die der Hypostasen Sohn/Geist, vgl. dazu: ORIGENES, Commentaria, XIII,25.
29 HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 21, wie dies bei IRENÄUS, adv. Haer, IX,3 der Fall gewesen ist.
30 Vgl. dazu besonders: ORIGENES, Commentaria, II,10.
31 WILLIAMS, Origenes, 409. Für die Argumentation, dass er damit vom lo, goj abhängig ist, siehe: ORIGENES, Commentaria, XIII,25.
32 HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 21.
33 Vgl. HEUSSI, Kompendium, 68.
34 Vgl. RITTER, Klärungsversuche, 129. Wobei der streng hierarchische Charakter der Hypostasen, ein implizites mehr oder weniger im Wesen Gottes, nicht geleugnet werden darf, so richtig BARTH, KD
9
II.2) Relevante dogmatische Scheidungen altkirchlicher Theologie
II.2.a) Das Nicänum 324/25 und die theologischen Folgen
Charakteristisch als eigentliches Element der christlichen Dogmatik bis dato kann zweifelsohne die Zentralität des Monotheismus genannt werden, die allerdings „[...] durch den konstitutiven Bezug auf [...] Jesus Christus als [M]ittler alteriert zu werden [...]“ 35 schien. In der ersten Phase des trinitätstheologischen ‚Alternativstreites’ [318?/325] intensivierte Arius die subordinationischen Tendenzen der origenistischen Trinitätstheologie dadurch, dass er konstatierte: h= n pote o[ te ouv k h= n 36 . Entgegen diesem und anderen Postulaten bezüglich der geschöpflichen Konstitution Christi insistierte die Synode von Nizäa unter dem Konformitätsdruck Konstantins auf primär ontologischen Aussagen: 37 das o- moou, sioj 38 des Sohnes mit dem Vater stand als anathematische Bastion gegen den Arianismus. 39 In Phase zwei [326/361] verlagerte Athanasius die Diskussion von subordinierender Drei- zu koordinierender Ein-Hypostasen-Lehre, 40 inklusive einer Betonung der völligen Gottheit - und damit soteriologischem Gehalt 41 - des Geistes. 42 In Abwehr eines auf die Spitze getriebenen Transzendentalismus des Neuarianismus, der Gott jegliche Form von Personalität und Aktivität absprach, 43 zeigt sich „[...] die Wechselwirkung zwischen Trinitäts-
I/1,372.
35 HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 25f.
36 DENZINGER, Kompendium, §125f. Dass dies eine Nichtidentität des Wesens mit dem Vater gezwungenermaßen implizieren muss, scheint evident.
37 Vgl. HAUSCHILD, Dogmengeschichte. 29f. ATHANASIUS, orat. contra Arianos III, 18 formuliert diesbezüglich, dass in „[...] der Trinität die Theologie vervollkommnet ist.“
38 Der in Wirklichkeit uneinheitliche Konsens zeigt sich für die Vertreter der origenistischen Majorität v.a. in der wenig exakt definierten Terminologie, die in relativer Nähe einer hypostatischen Identität und damit des Modalismus stand, so richtig DERS., a.a.O., 30. Das zeigt sich im Folgenden etwa bei Eusebius’ binitarischem Monotheismus, dem die Identität von Vater/Sohn zumindest suspekt schien, vgl. dazu: RITTER, Mittelpartei, 153. Ähnlich auch: WALLACE-HADRILL, Eusebius, 540ff.
39 Vgl. dazu besonders: DENZINGER, Kompendium, §126.
40 Vgl. HAUSCHILD, Dogmengeschichte, 95. Dabei war das entscheidende Argument Athanasius’ gegen die Arianer, dass der Vater nicht ohne den Sohn Vater wäre, vgl. dazu: ATHANASIUS, orat. contra Arianos I, 29.
41 Zur Aufnahme der irenäischen Rekapitulationslehre bei Athanasius, vgl. HAUSCHILD, Geist, 200.
42 Vgl. dazu: ATHANASIUS, orat. contra Arianos III, 25. DERS., Serapion I, 1.17 zitiert in: RITTER, Athanasius, 184 widerspricht damit einer Ansicht, der Geist sei allenfalls „[...] einer der dienstbaren Geister und unterschiede sich nur graduell von den Engeln [...]“. Dieses aufkommende pneumatologische Problem in Form der Gottheit des Geistes komplizierte die Einigungsbemühungen und sprengte die Einheit der homöusischen Partei, so richtig DERS., Gegner, 194.
43 Vgl. WILLIAMS, Trinität I, 95f. DERS., a.a.O., 96 konstatiert, dass die sich anbahnende transzendente Aseiität Gottes und die daraus resultierende Wesensungleichheit Vater/Sohn dafür verantwortlich gewesen war, dass die konservativ denkenden Parteien der mehrheitlich subordinatianisch geprägten östlichen Kirchenmänner sich schließlich der Position des Athanasius und dem Bekenntnis von Nicäa als einem Bollwerk der Orthodoxie annäherten.
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Christian Stöckl, 2005, Die trinitarische Frage als Gegenstand der neueren exegetisch-systematischen Forschung, München, GRIN Verlag GmbH
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