Inhalt
Inhalt
Vorwort - Einleitung 5
1 Zivilisatorische Reststoffe - Symptom und Herausforderung unserer
Gesellschaft 8
1.1 Definitionen 8
1.1.1 Der Begriff: Reststoff, Abfall und Müll 8
1.1.2 Der Begriff als abhängige Variable von Gesetz und DIN-Norm 10
1.1.3 Eigene Begriffsfestlegung 12
1.2 Phänomenologie 13
1.2.1 Die rechtliche Dimension - der Wert 13
1.2.2 Die Dimension des Handelns 15
1.2.3 Die zeitliche und räumliche Dimension 16
1.2.4 Die Dimension des Objekts und des Materials 17
1.3 Das Recyceln 20
1.3.1 Geschichte des Recycling in der westlichen Welt 20
1.3.2 Kategorisierung von Abfall über Recyclingarten 22
1.3.3 Techniken in Verwertungsverfahren von Feststoffen 24
1.3.4 Das Sortieren 26
1.3.5 Das Reinigen und Instandsetzen 27
1.3.6 Das Zerlegen und Demontieren 27
1.4 Das Sammeln 29
1.5 Das Werfen und das Knüllen 31
1.6 Umwelterziehung durch Müllsensibilisierung 32
1.6.1 Die Situation in unserer Gesellschaft 32
1.6.2 Folgerungen für eine neue Verantwortung 34
2 Der Aspekt Abfall in der Kunst 37
2.1 Der Aspekt Abfall in Kunstgeschichtlichem Rückblick 38
2.1.1 Bildthema Abfall in verschiedenen Epochen europäischer
Kunstgeschichte 38
2.1.2 Verwendung von Abfall als Material in Kunst verschiedener Stile in
Europa 44
2.2 Der Aspekt Abfall in der aktuellen Kunst 48
2.2.1 Die Topoi 48
2.2.2 Michel Blazy 49
2.2.3 Tony Gragg und die jungen britischen Bildhauer 53
2.2.4 Koken Nomura und Nana Petzet 56
3 Elemente kunstpädagogischer Arbeit zum Thema Abfall 59
3.1 Basiselement Ästhetik 60
3.1.1 Überlegungen zur Ästhetik und Schule im Kontext Abfall 60
3.1.2 EXKURS 1: Kunstgeschichte 64
3.1.3 Kunstpädagogische Ansätze, die ästhetische Aspekte betonen 64
3.2 Basiselement Wissenschaft und Kunst 68
2
Inhalt
3.2.1 Überlegungen zum Verhältnis der Kunst zur Wissenschaft 68
3.2.2 Kunstpädagogische Ansätze, die mit dem Dialog von Wissenschaft
und Kunst umgehen 69
3.3 Basiselement Handwerk 73
3.3.1 Überlegungen zur handwerklichen Seite 73
3.3.2 EXKURS 2: Das Kunstwerk 74
3.3.3 Kunstpädagogische Ansätze, die handwerkliche Aspekte bevorzugen
76
3.4 Basiselement soziale Verantwortung 78
3.4.1 Überlegungen eine soziale Verantwortung zu initiieren 78
3.4.2 EXKURS 3: Therapeutische Chancen in der Kunsterziehung 82
3.4.3 Kunstpädagogische Ansätze, die sich ihrer sozialen Verantwortung
stellen 82
3.5 Basiselement Philosophieren 84
3.5.1 Überlegungen zum Gehalt des Philosophierens im Kontext
Abfallkunst und Pädagogik 84
3.5.2 EXKURS 4: Kunstpädagogik als künstlerische Praxis (Maset) 86
3.5.3 Kunstpädagogische Ansätze, die viel Raum für philosophische
Fragen lassen 91
3.6 Basiselement Spiel 92
3.6.1 Überlegungen zum Spielerischen in der Kunst 92
3.6.2 Kunstpädagogische Ansätze, die das Spielen im Kunstunterricht
bevorzugen 94
3.7 Abschließender Gedanke 96
4 Konzeption einer Lerneinheit zum Thema Abfall im Sinne des neuen Lehrplans
der Grundschule. 97
4.1 Der neue Bildungsplan Grundschule 2004 97
4.1.1 Bildungsplanidee und die 6 Basiselemente 97
4.1.2 Bildungsplanneuerung: Mensch, Natur und Kultur und die
Abfallthematik 98
4.2 Lerneinheit Abfall - Kunst - Ökologie 101
4.2.1 Unterrichtliche Rahmenbedingungen 101
4.2.2 Materialbeschaffung und Aufbereitung 102
4.2.3 Arbeits/Werkstattorganisation 102
4.2.4 Allgemeine Überlegungen zu Struktur und Konzeption 103
4.2.5 Konkrete Lerneinheit Müllsünder/Farbendieb 103
Literatur 106
1 Veröffentlichungen 106
2 Internet 114
Bilderverzeichnis 116
1 Abbildungen 116
2 Tabellen 117
Anhang 118
3
Inhalt
01 Die Anhänge des KrW-/AbfG 118
02 Personeninformationen 120
03 Datenmüll 122
04 Pressestelle des Kultusministeriums, 28. März 2002 124
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Einleitung
Vorwort - Einleitung
Diese Arbeit möchte unter der Prämisse des neuen Bildungsplans (GS: Natur und Kultur) eine Brücke bauen, innerhalb des neu entstehenden Bereichs einer Verschmelzung von Kunst mit Heimat- und Sachunterricht bzw. Biologie und der daraus resultierenden Ökologieverantwortung.
Die Intention zu diesem Thema kam mir in Westafrika - Dakar. Durch die ethnologische Relation anderer Lebensweisen und speziell dem Umgang mit Abfall entdeckte ich eine neue Faszination für das einfache Leben und dem direkten Lebensweltbezug unseres Handelns. Die großen Unterschiede im Lebensstandard und der Rechte der Bevölkerung zusammen mit dem Wissen um die Ungerechtigkeit des globalen Welthandels entwickelten bei mir den Wunsch eine neue Sensibilität für unseren (zu) hohen Lebensstandard 1 herauszuarbeiten.
Ich möchte in dieser Arbeit deduktiv vorgehen, damit die erarbeitet Basis für immer neue Konkretionen und Situationen verwendet werden kann. Dadurch ergibt sich allerdings eine aufwendige, theoretische, hermeneutisch geprägte Arbeit, um einen ausreichend umfassenden allgemeinen Rahmen und überblickenden Standpunkt zu gewährleisten. Ich hoffe, dass mir das durch Auswertung sowohl rechts- und wirtschaftswissenschaftlicher Werke der Recyclingindustrie, soziologischer und christlich-ethischer Auseinandersetzungen als auch durch die Sondierung der Kunstgeschichte und aktueller Künstlerpositionen einigermaßen gelungen ist.
Ich möchte die Chance wahrnehmen, rechtzeitig Konzepte für einen gelingenden, anspruchsvollen Unterricht im Rahmen des neuen Bildungsplankonzepts zu bieten.
Dabei steht an erster Stelle die umfangreiche Auseinandersetzung mit dem gewählten Problembereich zivilisatorischer Reststoffe.
Die phänomenologische Auseinandersetzung mit Müll im weiteren Sinne, also mit Recyclingverfahren und Umgang mit Müll in unserer Gesellschaft, soll eine Betrachtung darüber sein, gängige Alltagsprozesse und Tätigkeitsprinzipien, die in einer intakten modernen Gesellschaft nötig sind, für den Kunstunterricht zu nutzen und deren Gehalt für künstlerische Produktion fruchtbar zu machen. Weiter geht es darum, diese
1 Deutschland liegt beim Umweltverträglichkeitsmaß dem ökologischen Fußabdruck fünf mal höher als der Sollwert; zum Beispiel Österreich dagegen nur 2,5 mal. (Quelle: Information mündlich von Herrn Haase, Biologie Ph Ludwigsburg)
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Einleitung
Alltagsmechanismen im Künstlerhandeln aktueller Künstler wiederzufinden, und nicht zuletzt die kunstpädagogische Praxis zu reflektieren und auf ihre Verbindung hin zu und auf ihren Nutzen für die Lebenswelt der Kinder und späteren Gestalter unserer Gesellschaft zu untersuchen.
Immer lauter wird der Ruf nach innovationsbereiten und -kompetenten Personen, die genügend Risikobereitschaft mitbringen selbstständig, wirtschaftlich, existenzgründend aktiv zu werden. Die Wissenschaft und auch die Wirtschaft haben dies schon lange erkannt und sind auf Künstler zu gegangen (siehe KUNSTFORUM: Dialog und Infiltration. Bd. 144. 1999).
Auf drei Ebenen soll das gerade angerissene Konzept Nutzen für den KU möglich machen: Erstens sollen neue Materialien und Arbeitstechniken für die Praxis im KU erschlossen werden, die eigene Arbeitsmethode soll in zweierlei Richtung überdacht werden: (1.) Wo kann schonender mit dem Material umgegangen werden bzw. wo können Materialien in einem kaskadierendem System zur vollen Ausschöpfung der Wertstoffe verarbeitet werden und so eine Art Stoffkreislauf installiert werden. (2.) Wo können u.a. dadurch künstlerische Methoden durch Mechanismen des Recyclings ergänzt und erneuert werden.
Zweitens geht es um eine neue Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung im künstlerischen Handeln, die über die bewusste Auseinandersetzung mit Problemen und Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft in beinahe syntopischer Weise - weil zugleich ökologisch ökonomisch künstlerisch -, und somit auf vielschichtigen Ebenen Kompetenzen erschließt.
Gleichzeitig und drittens soll diese Auseinandersetzung aktuelle Kunst in den Kunstunterricht einbinden, da viele Handlungsprinzipien der Müllverwertung in ihr zu finden oder mit ihr zu assoziieren sind, wie auch das Prinzip der Integration von Alltagshandlungen in die Kunstpraxis einem aktuellen Kunstverständnis zuzuordnen ist. Deshalb soll auch die kunstgeschichtliche Betrachtung fokussiert auf die Ikonografie und Materialikonografie nur in einem reduzierten Überblick stattfinden.
Der offene interaktive Charakter neuer Handlungsmethoden im Kunstunterricht soll das soziale Gefüge der Klasse stärken und den Schülern Lernfelder für Kompetenzen im Bereich sozialer Verantwortung und emotionaler Intelligenz bieten.
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Einleitung
Ein kritisch reflektierender Umgang mit den impliziten Grundhaltungen von Kunst, die über die Sprache und Poesie des Materials als Medium vermittelt werden können, soll es ermöglichen Transzendenz 2 als lebensbejahende Qualität im Alltag wieder mehr zu akzeptieren.
Die Abbildungen werden in Farbe auf einem beigelegten Blatt zur Verfügung gestellt.
2 Die über Jahrhunderte tief in der Bevölkerung verankerte christliche Gläubigkeit scheint ein Affront gegenüber einer aufgeklärten modernen Denkweise zu sein. Diese Haltung führt aber dazu, den christlichen Glauben automatisch aus den Denkschemata des modernen Menschen weiter zu verdrängen. Es herrscht also weder ein Gleichgewicht der religiösen Kräfte noch herrscht an den Schulen die geforderte Neutralität in weltanschaulichen Fragen, denn die „Aufklärung“ folgt ihrer eigenen metaphysischen Ideologie.
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1 Zivilisatorische Reststoffe
1 Zivilisatorische Reststoffe - Symptom und Herausforderung unserer Gesellschaft
Als Einstieg soll eine differenzierte Auseinandersetzung mit der anfokussierten Materie und deren Bezug und Relevanz für die Gesellschaft stehen. Es handelt sich in diesem Kapitel also um kulturtheoretische Überlegungen. Aus sozio-philosophischen und phänomenologischen Erträgen sollen für die kunstpädagogische Arbeit und teilweise auch für die kunstdidaktische Konzeption im 3. + 4. Kapitel Nutzen gezogen werden.
1.1 Definitionen
1.1.1 Der Begriff: Reststoff, Abfall und Müll
Eigentlich sollte hier eine Differenzierung der Begriffe Reststoff, Abfall und Müll gängige Bezeichnungen für die anfokussierte Materie - stehen. Nach ausgiebiger Recherche entsteht aber ein anderes Bild der Differenzierung und lässt zum Schluss nur eine (inter?)subjektive Begriffseingrenzung übrig, die glücklicherweise durch den phänomenologischen Teil vertieft werden kann.
Gegenseitig konkurrierende Begriffsstrukturierungen lassen sowohl Reststoff sowie Abfall als Überbegriff stehen, unter dem dann der andere Begriff mit seinem assoziativen Nachhall Einordnung findet.
Ein gegenseitiges Abgrenzen scheint fast unmöglich, weil die Begriffe zu eng miteinander verwoben sind. Auch trägt der Paradigmenwechsel 3 in der Abfallwirtschaft vom Entsorgen hin zum Verwerten dazu bei, dass eine Begriffsbestimmung momentan unzureichend bleibt, weil über neue Erkenntnisse der Verwertungsmöglichkeiten von Stoffen und neuen Einsichten im Umweltschutz, sowie deren Niederschlag in gesetzlichen Regelungen der Abfallbegriff dynamisch gehalten wird und auch der Begriff Reststoff unklar bleibt. Müll lässt sich bei diesen Überlegungen durch seinen Wortklang 4 und den eindrücklichen Assoziationen hin zum Mist, Dung und Fehlleistungen klarer abgrenzen und als unbrauchbar oder als schädlich abtun. Andersherum lässt sich das Wort kurz aussprechen und macht vielleicht auch nur auf den plötzlichen und kurzzeitigen Wertentzug eines bestimmten Objektes aufmerksam ohne seine weitere
3 siehe dazu in 1.1.2: der gesetzliche Werdegang und seine Implikationen
4 Als häufigen Gebrauch als Schimpfwort...
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1 Zivilisatorische Reststoffe
Verwertung zu überdenken. Somit wäre Müll nur lapidar flapsig bezeichneter Reststoff. Gleichzeitig scheint es sich bei Müll immer um einen festen Stoff zu handeln 5 .
Geht die Begriffsklärung Reststoff von JÖRGENSEN (1994, 14) davon aus, dass eine gesetzlich geregelte Verwertung und Entsorgung (siehe unten) möglich wird, so muss der Begriff Reststoff (= verwertbar oder nicht) vom Begriff Abfall (=nicht mehr verwertbar) genau unterschieden werden. Der Begriff Reststoff ist somit der Überbegriff für zum einen Reststoffe und zum anderen Abfall = Müll - Stoffe die zu entsorgen sind und aus dem Produktionsstoffkreislauf „aus/abfallen“. Diese Betrachtung macht sich in ihrer Beurteilung am Objekt/Material fest und sucht darin eine Unterscheidung. Die Abfalldefinition - die Behandlung des ausgesonderten Stoffs - zielt dann weiter auf absolute physische Vernichtung (JÖRGENSEN 1994, 32) oder auf Entlagerung hin.
Anders will der Versuch sich am Tun zu orientieren, das Wort Abfall in seinem Wortklang abfallen oder abgefallen werden, wahrnehmen. Alles, was zuerst einmal unbrauchbar beiseite gelegt, abgeworfen oder entwertet wird, ist Abfall. Erst danach fragt man, was wird neuer Reststoff = Wertstoff und was wird weggeworfen. Somit bleibt zuerst die Unterscheidung in Abgefallenes und Nicht-Abgefallenes. Abfall kann auch als Abfallen von der Norm gesehen werden: Ausschuss oder ein Zu-viel, Zu-wenig, Zu-groß, Zu-klein, Zu-schlecht, Zu-hässlich, Zu-unpassend. Diese Norm bewegt sich implizit in der Gesellschaft und kommt in diesem ersten Kapitel in fassettenreicher Fassung zum Ausdruck.
Hebt man die Selektionsfunktion an der Bruchstelle der Objektlaufbahn von Nutzung zu möglicher Verwertung noch mehr hervor, zum Beispiel durch ästhetische oder pragmatische Gesichtspunkte, so beginnt das Begriffsbild zu alternieren. Weil die Begriffskategorien je nach Gegenstand, Kontext der Person und Einordnung nach Gesichtspunkten anders verlaufen, verschwimmen die Begriffsgrenzen.
5 Vgl. hierzu http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=Suche&query=Abfall den Link unter Abfall.
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1.1.2 Der Begriff als abhängige Variable von Gesetz und DIN-Norm
Der Begriff hängt eng mit den Möglichkeiten seines Verständnisses und seiner Verwendung zusammen. Hierin besteht eine wichtige Aufgabe der Gesetzgebung, aber auch des kreativen Handelns und Philosophierens, die Begriffe genau fest oder neu zu belegen. Eine genauere gesellschaftlich rechtliche Differenzierung ist allerdings erst die letzten 30 Jahre durch rapide Verstädterungstendenz, Bevölkerungswachstum, die neue Konsumhaltung und der innovativen, rasanten Wirtschaftsentwicklung nötig geworden. Somit kommt heute - über gesetzliche Wirtschaftsregulierung - die Klärung der ökologischen Verantwortung und - bei schrumpfendem Rohstoffvorrat - die existenzielle Rohstofferhaltung 6 dazu.
Beginnend mit dem bundesweiten Abfallentsorgungsgesetz von 1972 und dem Mitte der 70´er erweiterten BImschG (Bundes Immissionsschutz Gesetz) bis hin zum, in der Mitte der 80´er aufgestellten, Abfallwirtschaftsgesetz - das 1994 zum Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW/AbfG) novelliert wurde - wird eine staatliche Verantwortung zur Existenz von Müll beschrieben, die immer mehr in Richtung privater Verantwortung geht, und von einer Entsorgungsgewähr weg, hin zum Verwertungsgrundsatz zeigt. Diese gesetzlichen Regelungen sind gerade auch wegen tiefgreifender, gesellschaftlich geforderter Neudefinition von Müll erzwungen worden, so dass Müll weiter differenziert werden muss, in Verwertbares und letzten Endes doch zu Entsorgendes (siehe oben).
6 u.a. zur Sicherung eines potentiell autarken Staates.
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1 Zivilisatorische Reststoffe
Die bei Produktionsabläufen über Arbeitsanweisungen festgeschriebenen Prozessstationen nach Norm DIN 9001/2000 legen fest, wann ein Produkt fertig und den Qualitätsansprüchen entspricht und wann es als Ausschuss zum Reststoff degradiert wird. Daraus ist dann auch zu entnehmen, ob eine Entsorgung nötig oder Wiedernutzung möglich ist.
Europaweit geht es darum, festgelegte Schlüssel für Abfallnomenklaturen zu entwerfen. Das von mir eingesehene Abfallverzeichnis 2001/118/EG, in dem es unter anderem auch um anfallende Problemstoffe bei künstlerischen Arbeiten geht, wie zum Beispiel Lösungsmittelgemische oder Entwicklerfluide aus dem Fotolabor, weist ein sechsstelliger Schlüssel auf eine große Anzahl von Differenzierungen und auf Komplexität der Stoffflüsse und deren Zuordnung hin (vgl. MINISTERIUM FÜR UMWELT UND VERKEHR 2001).
1.1.3 Eigene Begriffsfestlegung
Was sich oben klar abzeichnet ist meine Begriffsdegradierung von Müll: Müll findet umgangsprachlich auch Verwendung für unzureichende Leistungen oder abzuurteilenden, kontraproduktiven Aussagen und Taten, und rutscht damit assoziativ auf eine Ebene mit absolut Unbrauchbarem. Müll wird ge/be/verworfen und zerknüllt. Müll löst „olfakorisches Mißbehagen“ (SOMMER 1999, 35) aus. Somit werde ich dieses Wort in diesem Gebrauch verwenden. Im Sprachgebrauch findet man das Wort allerdings immer wieder auch in zusammengesetzten Worten wie Hausmüll und wird dort nicht negativ gewertet.
Im Gegenteil, Feststoffe - vor allem Verpackungen - im Hausmüll und ausgewählte Industriereste, bilden bei meiner Betrachtung auf künstlerische Verwertbarkeit mein Hauptbereich und somit meine, mit am meisten Wert belegte, Abfallkategorie: die verwertbaren Reststoffe.
In diesem Sprachgebrauch zeigt sich folgende Definition für mich: Abfall ist der Überbegriff unter den alles - wie im KrW-/AbfG beschrieben -, das der Entledigung unterworfen ist, einzuordnen ist; also auch Reststoffe, die, wenn sie bedacht gesammelt, geschickt wieder oder weiter verwendet werden können. Die Kategorien der Verwertung beschreiben sich in 1.3.2 und 1.3.3: Recyclingkategorien und Techniken. Das zeigt wiederum meine Bevorzugung des Recyclinggedankens in der künstlerischen Abfallverwertung. 7
7 Jede Weiterverwendung von Abfall stellt eine Art Recycling dar, auch die künstlerische, aber nun sollen die konventionellen Recyclingtechniken für die künstlerische Arbeit genutzt werden.
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1 Zivilisatorische Reststoffe
Aber auch die Metaebene des Abfalls, wie die Stichworte Gedankenmüll, Medienmüll, Datenschrott zeigen, gehört für mich zum Begriff.
Der handelnde Akt der Destruktion bis hin zur Zerstörung, lässt zum Schluss nur Müll übrig und scheint vom emotional-emanzipierenden, pädagogischen Aspekt her gesehen nicht unwichtig.
Wertend lässt sich feststellen, dass Reststoff schneller wieder eine Wertzuordnung als Müll erhält. Letzteren verbindet man, in der Assoziation gesprochen, höchstens mit der Mülltonne
Reststoff ist eigentlich nur deshalb Abfall, weil er gerade als Rest übrig bleibt. Hätte man genügend davon oder wäre er gerade von Nöten, wäre er keineswegs als Abfallballast, sondern durchaus als Ressource zu sehen. Unter Abfall fasst sich alles zusammen und bleibt wertungsfrei.
1.2 Phänomenologie
Die Dimensionen des Gegenstandes Abfall sollen besonders unter Betrachtung seiner Handlungs-/Umgangsmöglichkeiten - hier geben Verben die maßgeblichen Kategorien vor - beleuchtet werden. Dadurch will ich erreichen, das Wesen von Abfall tiefer zu verstehen und weitere Differenzierungen möglich zu machen. Die phänomenologischen Betrachtungen schlagen u.a. sowohl einen material-ästhetischen und auf die Kunst bezogenen Gedankengang andererseits einen soziologischen Weg ein. Abfall entsteht nicht aus sich selbst, sondern zeigt sich als endemisch für unsere moderne Gesellschaft und ihre Gestaltung. Nach SLOTERDIJK(1981) ist Abfall ein Grundprinzip unserer Gesellschaft in den Industriestaaten.
1.2.1 Die rechtliche Dimension - der Wert
Material, das mühsam der Natur abgerungen werden muss, legt eine - wenn auch aufwendige aber trotzdem noch lohnende - Rückgewinnung nahe: das Material hat einen gewissen Wert gespeichert. Als Beispiel dafür wurden im alten Ägypten die mistverarbeitenden Skarabäen (Pillendreher; Käfer) als Sonnen- bzw. Auferstehungssymbol verwendet und verehrt (vgl. hierzu BRAUNMILLER und WÖRLE).
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1 Zivilisatorische Reststoffe
Die rechtliche Dimension hat mit der wirtschaftspolitischen Definition zu tun und deshalb habe ich dies schon in Punkt 1.1.2 angesprochen. Was aber für die Phänomenologie von Bedeutung scheint, sind die Folgen für den jeweiligen Gegenstand die sich daraus ergeben:
Ein besitzloser Stoff ist frei für eine neue Verwendung oder Verwertung. Im künstlerischen Kontext steht nun der Weg für eine Neudefinition des Gegenstandes und sein Kontext offen. Zusätzlich erhält er dadurch eine potentielle Allkombinierbarkeit, die ungeahnte Freiheit für den kreativen Umgang mit Material birgt. Es entsteht die Möglichkeit für eine neue, vertiefte Materialerfahrung - ein pädagogisches Leitziel. Die kreativen Lösungen neuer Produkte aus Recyclingstoffen geben Beispiel davon.
Unsere Gesellschaft lebt davon, ihre Dingwelt mit symbolischem Nutzen zu behaften: So erhalten unsere Alltagsgegenstände den Wert, den sie bei uns einnehmen oder es wird dieser umgeschichtet oder aufgebraucht. Abfall ist durch seinen Wertverlust charakterisiert. Werterzeugung und Wertvernichtung sind dynamische Pole im Konsumkreislauf unseres kapitalistischen Systems. Den modernen Beginn solch symbolischer Aufladung der Umwelt verortet KELLER (1998) in die historischen Epochen der Romantik und des Symbolismus, in der die Natur als symbolische Dimension galt.
Der Wert von Reststoffen ist unter anderem immer relativ zum gesellschaftlichen Wohlstands/Notstandsniveau zu sehen: In Wohlstandszeiten wird vielmehr als wertlos weggeworfen. Anders herum ist es einsichtig, warum dann in afrikanischen Ländern fast alle Produktionsgüter und Produkte weiterverwendet werden.
Abfall als Schmutz und Chaos stellt ein „Angriff auf gesellschaftliche Ordnung“ (KELLER 1998, 11) dar und muss deshalb klar benannt abgetrennt werden von allem Sauberen und Brauchbaren. Abfall trägt somit einen Hauch von Anarchismus. Es herrschen die Gesetze der Entropie.
Wenn man die Stoffqualität betrachtet, ergibt sich eine Werthierarchie, die sich in der Kreislaufwirtschaft aus pragmatischen Nutzungsüberlegungen und -möglichkeiten ableiten lässt:
1 Zivilisatorische Reststoffe
Die letzten drei Stadien fallen unter den Begriff Abfall.
Abfall sind Stoffe, die nur noch begrenzt oder gar nicht mehr nutzbar sind. Sie sind arme, unedle und zum Schluss energielose, reaktionsträge Materialien. Abfall kann aber auch, wenn er aufbereitet wird, aufsteigen bis zum Sekundärrohstoff. Das Wiederbeleben von Abfall zu Anfall 8 und dann zu einem Wertfall 9 führt sogar zu neuen Problemen von Geldgier, wie Müllschieberskandale mit Millionenerträgen zeigen. Aufbereitbarkeit und Qualität des Sekundärrohstoffs sind Parameter, an denen die Ökonomie von Recycling gemessen wird. In der Regel kann eine Stoffqualität für die Verarbeitung dann gewährleistet werden, wenn ein gewisser Anteil - zwischen 5%(Metalle) - 60%(Papier, Glas) - Primärrohstoffe dazugegeben werden.
1.2.2 Die Dimension des Handelns
In der Aufbereitung wird klar, dass es auf den Umgang mit Abfall ankommt, ob er als Müll verkippt wird oder als neues Produkt aufersteht.
Mit Handeln ist hier weniger das Geld-Erwirtschaften gemeint, als vielmehr das tätige Herangehen an Aufgaben und Objekte.
Der handelnde Umgang sowohl derer die Objekte degradieren, als auch derjenigen die wieder Wert ins Gemenge/die Objekte bringen, lässt den „Müll“ nicht einfach nur liegen, sondern behandelt ihn, arbeitet mit seiner Existenz und macht ihn so erst anwesend. Der Abfall (und seine mitgebrachten Probleme) werden nicht einfach ignoriert. Auch wenn eine Handlungsmotivation darin bestehen kann, eine absolute physische Vernichtung eines Stoffes/Objekts zu erlangen.
Die zeitliche Dimension von Objekten spielt dabei keine Rolle: Die Tat des Entledigens, des Wegwerfens, des Abstoßens (sowohl physisch als auch psychisch) macht den Abfall zum Abfall (JÖRGENSEN 1994, 28). Genauso wird das Objekt/der Stoff wieder aus dem Abfallkontext befreit, wenn er bestimmte Kriterien erfüllt. Die Dimension des Handelns steht im Spannungsfeld der Postmoderne: zwischen dem Erhalten jeglichen Produkts und Kulturguts über alle Epochen in einer Art
8 eine gewisse Menge eines Stoffes fällt an - entsteht - wird zusammengetragen. Fallen größere Mengen von Abfall an, könnte man den verbialen/handelnden Charakter als Anfall bezeichnen, denn die Menge ist von ihrem Ansammeln und aufhäufenden Zustandekommen neu als potentiell verwertbar, weil in großen Mengen vorhanden, wertvoll definiert.
9 Sagt aus, dass der Stoff selbst oder der Umgang mit ihm - weil über gesetzliche Regelungen vorgeschriebene Entsorgungsarbeiten zum Beispiel - finanziellen Ertrag abwirft.
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1 Zivilisatorische Reststoffe
Dokumentation und zwischen dem Schnelllebigen, das dem ständigen Vernichten und Modernisieren ausgesetzt ist.
Abfall unterliegt ursprünglich dem Bereich des Schnelllebigen. Befreit man aber den Begriff aus den engen Grenzen, so wird plötzlich eine weite Spielwiese eröffnet, die Raum für kreative Betätigung und Neudefinition schafft.
Besonders möchte ich hier erwähnen, dass all die Handlungen aus den Teilen 1.3 - 1.5 schon in der Kunst, vor allem der aktuellen Kunst, in vielfältiger Weise zum Einsatz kommen.
1.2.3 Die zeitliche und räumliche Dimension
Wenn auch für die begriffliche Definition keine zeitliche Prädestination besteht, so hat Abfall selbst etwas mit Zeit zu tun, denn Abfall sind immer Spuren eines Prozesseseines Lebensprozesses - und somit Zeugen von zeitlichem Ablauf - von Veränderung. Angesichts von Abfall entsteht die drastische Relation von Ewigkeit und Vergänglichkeit: Tod und Sterben - Verwesung - werden multisenoriell erlebbar, aber auch das Bleiben von Verschmutzung und die damit verbundenen Risiken, das hartnäckige Bestehen gegenüber allen Verwitterungsprozessen mancher Stoffe, wie einige Kunststoffe zum Beispiel, verdeutlichen die negative Seite der Ewigkeit.
Vor allem im übertragenen Müllbegriff einer verdreckten Seele, kann man dauerhafte Folgen als sogar gesellschaftszerstörendes Element 10 aufdecken, wenn dann doch positive Situationen und Wendepunkte der Heilung, Klärung und Instandsetzung festzumachen sind, dann geschehen wunderbare Ereignisse für die Betroffenen und Neuschöpfung von Leben.
Darin wird klar, dass sich in der zeitlich-räumlichen Dimension auch die Frage nach der Verantwortung über Verbrauch und Erhalt manifestiert. Was wird also nun weggeworfen und was nicht? Vielleicht sollten wir alles was wir besitzen einer Inventur unterziehen? Vielleicht finden wir dort am meisten Müll, wo wir es vorher nie vermutet hätten? In unseren Umgangsgebräuchen, in Interaktion mit anderen Menschen, in voyeristischen Bilderwelten, in ungesunden Ernährungsgewohnheiten, in selbstgezimmerten Weltphilosophien und bornierten Lebenslügen, usw.
10 Dieser Gedankenschritt zieht sich vom einzelnen weg hin zu einer globalen Verallgemeinerung. Vielleicht so, wie der Krieg auch zuerst nicht global beginnt sondern zwischen einzelnen und in deren Herzen, bis er eskaliert und sich verfeindete Strukturen manifestieren.
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1 Zivilisatorische Reststoffe
Da Bewegung immer Zeit benötigt, gilt auch der Ort - das Räumliche - zusammen mit der Zeit als Variable für Objekte, die dann zu Müll werden, wenn sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sind.
Müll beschreibt weiter einen Schwellenbereich zwischen Sein und Nicht-Sein. Mag man es als Auflösung, als Verschwinden - weil den Dingen ihr eigentlicher Platz entzogen wird, etwa weil sie tief unter die Erde, aus dem Bewusstsein, ins Nichts verbannt wurden - oder als Sterben bezeichnen, jedenfalls wird ein Objekt entmaterialisiert: es entsteht ein Nicht-Ort. Abfall definiert sich deshalb durch das Attribut einen Nicht-Ort-Zustand zu besitzen: Deponien, Mülltonnen, Müllsäcke, Straßenränder, Meeresböden, Salzstöcke, Endlager, Verbrennungsöfen, dann Verkippen, Versenken, Vermischen (als Zuschlagstoffe), Verbauen, Vergessen; all das sind Nicht-Orte. Das Paradoxe daran ist, dass diese Orte und Situationen durch ihre Beachtung in den Medien und der Abfall selber, durch die Umweltdebatte, höchste Aufmerksamkeit genießen. Es scheint:
Das Vergessen erhält höchste Aufmerksamkeit vielleicht mit dem Versuch, uns nicht selbst zu vergessen, und vergessen uns dadurch um so mehr. 11 Müll und Abfall ist unter Umständen deshalb so schädlich, weil er in seiner engen Verbindung mit denaturierten großstädtischen Räumen, Massenkonsum, Fabrik und Produktion zum Unnatürlichen gehört. Er ist „gemacht“ und ist nun ein Fremdkörper, der nicht an diesen Platz gehört und darin sogar die Position eines Krankheitserregers einnimmt. Möglicherweise bewirkt diese Haltung bei manchem Umweltaktivisten die blinde Bekämpfung jeglicher Abfallproduktion.
1.2.4 Die Dimension des Objekts und des Materials
Neben Produktionsabfällen/abgasen aus der Wirtschaft oder Wracks aus Zerstörungen gibt es eine Kategorie von Müll die uns existenziell jeden Tag betrifft, weil wir ihn direkt produzieren: den Hausmüll. Dieser Kategorie widme ich meine Aufmerksamkeit im Objektbezug in erster Linie, weil hier die lebendige Nähe für die Personengruppe Schüler am geeignetsten scheint und somit seine Relevanz für die Behandlung im Unterricht gegeben ist. Die nicht objektivierbare Dimension, wie die im übertragenen Begriff des Seelenmülls behaftete Sicht immaterieller Müllexistenz, scheint zwar auch pädagogisch
11 Seit dem Holocaust scheint mir dies Paradoxon endemisch für unsere Zeit zu sein. Wir sind gefangen in unserer Geschichte und können weder vergessen noch bewahren, ohne uns immer tiefer darin zu verstricken. Brauchen wir nicht Entschuldung und Neuanfang in vielerlei Hinsicht?
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1 Zivilisatorische Reststoffe
interessant zu sein, vor allem unter dem Aspekt des Umgangs mit unserer Psyche. Muss aber außer der kurzen obigen Erwähnung bis auf Weiteres außen vorbleiben.
Generell zum Objekt:
Abfallobjekte sind teilweise unnatürlich, gebraucht, beschädigt und unvollständig, sie sind verschmutzt, infektiös und stinkend. Sie sind vermischt mit anderen Stoffen zu heterogenen oder auch nahezu homogenen Mischungen.
Abfall - Trash - ist laut, roh, gewalttätig 12 . Im auditiven Bereich ist es charakterisiert durch Rauschen, im elektronischen, digitalen Bereich, in zerstörten Daten - Daten-Müll -Das Objekt ist, wie oben schon ausreichend beschrieben, weitgehend wertlos. Somit ist es niedrig, alt, verkommen, nutzlos und verbraucht.
Abfallobjekte sind Ballast, sie stören, sind am falschen Platz und bereiten Unbehagen oder sind sogar schädlich.
Generell ist Abfall somit zuerst einmal nur negativ belegt. Und die Aufgabe dieser Arbeit besteht darin, in all dem noch einen Funken Sinn, der in dieser Materie stecken mag, zu entdecken und zu einem Sinn- und Phantasiefeuerwerk zu entfachen; Somit als Grund des Beachtens von Unbeachtetem, zur Einübung der Standpunkt- und Blickwinkelveränderung. Denn Abfallobjekte besitzen unzählbar viele Formen und Fassetten. Sie sind bunt, mobil, frei für Veränderungen.
Vielleicht sind sie deshalb auch so negativ zu beschreiben, weil sie in ihrer Heterogenität schon wieder so viel an Sinnesfülle liefern - ja wie ein überlautes Lied, das im Verstärker verzerrt und die Ohren betäubt.
Daher muss neue Struktur und Ordnung in die Objekte - wenn es um das reine Material geht, muss neue Ordnung, bis in den molekularen Bereich hinein, geschaffen werden. Ansonsten genügen Klassifizierung und Zuordnung, genügt Reinigung und geordnete Lagerung.
12 Vgl. die Darstellung von Gewalt und Destruktion in den Musikstilen wie Trash, Metal, Punk, Hard Core durch entsprechende Harmonie, Klangbilder, Gesten und Outfits, sowie durch Textinhalte.
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1 Zivilisatorische Reststoffe
Fassetten in denen uns Abfall objekthaft begegnet:
Reststoffe: Altprodukte, Abfälle, Rückstände, Emissionen, Verpackungen, (BRAUNMILLER/WÖRLE 1999)
Körperabfälle: Haare, Nabelfilzchen, Hautreste/Schuppen, Fett, Nagelschnitt, überflüssige oder ausschüttende Körperflüssigkeiten.
Speiseabfälle/Verdauungsrückstände: Schalen, Kerne, Fett/Knopel/Sehnen/Zähne, Knochen/Gräten, Haut/Schuppen, Flüssigkeiten, schlecht Gewordenes, Verbranntes, Verunglücktes (versalzen, ...), naturbedingt Unverwertbar (verholzt, bitter, ...), nicht Gemochtes, Ausgeschiedenes, Erbrochenes.
Verpackungsabfälle: Karton, Plastik, Weißblech/Alu, Holz, Stoff in allen Formen, Varianten und Kombinaten.
Produktverschleiß/Zerbruch/Verschmutzung an Werkzeugen. Unter Werkzeug verstehe ich jeden Gebrauchsgegenstand: verschlissene Handwerkszeuge, Ausgebrauchtes, kaputte Haushaltsgeräte und Elektronik und ..., Schrott, Abriss, Zerstörtes, Verdrecktes und Verschmutztes durch Dreck, Farbe, Kleber, Lacke, andere Substanzen.
Sperrmüll: Überschuss:
Nahrungsmittel, Produkte im Werkzeugbereich, Teile von Produkten; Ballast / Unpassendes; Unmodisches / Altes; Zerschlissenes/Abgetragenes. Reste:
Zu kleine Mengen an Produktionsmitteln, Massengütern, ... nicht sortierte Einzelteile, die nicht eingeordnet werden können oder wollen; Flohmarktreste.
Eine interessante Frage bleibt am Schluss dennoch offen, ob es Eigenschaften materialer Art gibt, die neben der rechtlich/kontextiven Zuschreibungen einen Gegenstand als Abfall klassifizieren?
Materialität:
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Materie ist endlich, deshalb hängen Habgier, Neid und Geiz daran, deshalb wird gehortet und gerafft und wertloses um so energischer von sich gestoßen. Unsere Zeit - die postmoderne Kultur - ließe sich im Bezug auf das Material und im Vergleich zu den bedeutungsvollen Epochenbezeichnungen wie Eisen- oder Bronzezeit als eine Epoche der heterogenen Stoffgemische bezeichnen. Endemisch scheint dies auch für Probleme der Abfalldimension: 1. Vieles wird deshalb zu Müll, weil das heterogene Material einen zu großen direkten Verwertungsaufwand aufweist
2. Vieles wird deshalb zu Müll, weil auch die Produktions- und Verwertungsindustrie viel zu heterogen geworden ist, um alles geregelt wieder zu verwerten. Die Frage: „Welches Material ist welchem Objekt zugeordnet? Und welches würde eine bessere Verwertbarkeit bei diesem und jenem Objekt mit sich bringen?“ schafft zum einen Zuordnung und äußert zum anderen den Wunsch, den Gebrauch zu optimieren und den Materialverbrauch zu minimieren.
Das Material Abfall bietet die Eigenschaft ungehindert ins Innere blicken zu können. Sei es, dass die Objekte sich selbst entmaterialisieren - besonders bei organischen Stoffen -und dadurch der Blick ins Verborgene frei wird, oder dass man selbst die betreffenden Objekte in seine Materialien zerlegt und auseinander baut - wie zum Beispiel ein altes, kaputtes Radio oder ein Telefon. Dazu muss man nicht einmal verstehen, was die Einzelteile bedeuten - obwohl das durchaus zusätzlich sinnvoll wäre. Das Material selbst hat aber schon seinen ästhetischen Wert und bietet in der Auseinandersetzung mit ihm sinnliche und motorische Erfahrungen.
1.3 Das Recyceln
1.3.1 Geschichte des Recycling in der westlichen Welt
Am Anfang stand die Verwertung von organischen Stoffen zur Kompostierung und die Umgestaltung von Knochen zu Werkzeugen und Schmuck.
Über die ganzen Jahrhunderte seit der Entwicklung der Metallbearbeitung stellt die Rückgewinnung von Metall und Edelmetall eine ökonomische Recyclingform dar.
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Bei der Verwertung von Kunsthaftem oder Kunstwerken werden schon in der Antike zum einen nach Zerstörung von Bauwerken schmuckvolle Teile wiederverwendet oder zum anderen werden bei Herrscherstatuen je nach Amtsinhaber die Gesichter aktualisiert.
Papier hat auch seit dem Mittelalter eine erfolgreiche Recyclinggeschichte: Lumpensammler waren beschäftigt, Stoffe für die Papierherstellung zu sammeln. 1774 wurde dann das erste Recyclingverfahren für Holzzellulosepapier entwickelt.
Mit der Industrialisierung (19. Jh.) entstehen Bestrebungen, die in großen Mengen anfallenden Reststoffe, einer ökonomischen Verwertung zuzuführen: Kohlestaub, Asche, Metallabfälle, Färbereiabfälle, Schwefeldioxid, Zuckerreststoffe, Schlachtereiabfälle,... Müllsortierung von wertvollen Materialen beginnt im 19.Jh. in industrieller Form: Papier, Blech, Eisen, Gummi, Kork,...
In Amerika gab es das erste „Getrennt-Erfassen“ von Haushaltsmüll nach Speiseresten, Altkleider und „Sperrmüll“, sowie nach Asche und Kehricht(Staub).
Mit dem Erkennen der Rohstoffendlichkeit in den letzten Jahrzehnten, kam durch hohes Engagement der ökologischen Bewegung 13 ein Technologieschub für die Verwertung weiterer Materialien: Es wurden Sekundärstoffbörsen zur Vermarktung von Reststoffen eingerichtet. Immer neue Möglichkeiten von und für Recycling werden weiter entwickelt. Es stehen für die Produktionskreislaufsysteme folgende vier Faktoren in wechselwirkender Beziehung: Ökologie, Ökonomie, Technologie und Kreislauffähigkeit. Hinzu kommen Fragen nach der ordnungsrechtlichen und organisatorischen Handhabung sowie soziologischer und nur sehr begrenzt soziale Aspekte. Eingebettet liegt das System zwischen Markt / Gesellschaft, Politik, Umwelt / Natur / Ressourcen.
Neueste Erkenntnisse im Hausmüllrecyclingsystem (DSD) berichtet die FAZ vom 02.07.2002 und die STUTTGARTER ZEITUNG vom 24.07.2003, Seite 6: Der private Verbraucher ist oft nicht gewillt seine Verantwortung für eine sortenreine Trennung und Sortierung wahrzunehmen. Die Folgen daraus, sind die Unverwertbarkeit des Recyklats,
13 Racel Carson greift in den USA mit ihrem Buch the silence spring folgenschwer die Lobby der Großbauern und Großindustriellen an. Mit Madows „Die Grenzen des Wachstums“ und Herbert Gruhl „Ein Planet wird geplündert“ formiert sich in den 70´ern die Umwelterziehung in Deutschland, aus der u.a. nach der Grundlandt-Kommission (1984 - 1987) und dem Rio-Gipfel die weiterblickende Umweltbildung formiert. Diese verfolgt bis heute, eine alle Gesellschaftsbereiche durchdringende Verantwortung zur Nachhaltigkeit zu erreichen.
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das eigentlich für hochwertige Sekundärrohstoffe gedacht war. Eine Mischsammlung von Hausmüll und eine anschließende Trockenkompostierung, die wiederum eine nachträgliche Sortierung über Rüttelsiebe zulässt, würde eine kostengünstigere Alternative mit gleichem Ergebnis darstellen: teilweise zurückgewonnene Wertstoffe (Eisen, Metall, Glas, ...) und einem thermisch verwertbaren Anteil, der sich zu Pellets gepresst hervorragend zur Verfeuerung eignet. Denn gleichzeitig rentiere sich das Recyclinggeschäft durch sinkende Müllmengen (Südwesten Deutschlands) 14 und steigendem Bedarf an thermisch verwertbarem Abfall in den nächsten Jahren nur noch, wenn genügend Heizmaterial für die Müllverbrennungskraftwerke geliefert werde. Deutschlandweit wurde ab (spätestens) Oktober 2003 das Dosenpfand eingeführt. Eine wirtschaftsstrategische Herausforderung und eine Möglichkeit, Wertstoffressourcen bessergetrennt zu recyceln und zu verwerten, sowie die Nachhaltigkeitsverantwortung noch stärker auf Wirtschaft und Verbraucher zu übertragen.
1.3.2 Kategorisierung von Abfall über Recyclingarten
Die Auflistung der Recyclingverfahren in ihrer Qualität und Eigenheit sind von oben nach unten zu bevorzugender Priorität geordnet. Das heißt, dass Produktrecycling dem Materialrecycling sowie werkstoffliche Verwertung der energetischen vorzuziehen wären. Ganz unten müssten dann die Entsorgung und Entlagerung mit Deponierung und Kompostierung zur Sprache kommen. Es handelt sich aber hierbei um das Ausscheiden der Stoffe aus dem Kreislauf. Dieser Aspekt wurde weiter oben schon aufgeführt. Verwertung umfasst auch die Energiegewinnung aus Reststoffen. Die so entstandene Dreiteilung von energetische, rohstoffliche und werkstoffliche Verwertung (letzteres wird auch Verwendung genannt), folgt dem Dogma moderner Kreislaufwirtschaft: „Verwendung soll, Verwertung muss.“ (BRAUNMILLER/WÖRLE 1999, 14)
A: Produktrecycling
Die ehemalige End-of-use-Verwertung wird heute im optimalen Fall durch eine umsichtige Produktkreislaufplanung ersetzt und man denkt schon beim Entwerfen des Produkts an dessen spätere Verwertung. (vgl. BRAUNMILLER/WÖRLE 1999)
14 Vgl. dazu auch die Statistiken der Abfallverwertung im Kreis Ludwigsburg (AVL) auf der Seite: http://www.avl-ludwigsburg.de/
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1. Wiederverwendung (gleiche Anwendung): Reifenrunderneuerung; auch das
2. Weiterverwendung (andere Anwendung): Senfglas zu Trinkglas; diese
B: Materialrecycling
3. Werkstoffliche Verwertung:
4. Rohstoffliche Verwertung
5. Energetische Verwertung
15 Kunststoffrecycling:„In den USA wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem sich selbst unsortierte Kunststoffe zu 100 % aufbereiten lassen. Der Recyclingkunststoff lässt sich von neuem nicht unterscheiden. Die Trennung der einzelnen Kunststoffarten, zum Beispiel Polyäthylen, Polyurethan oder Polystyrol, erfolgt durch Auflösen im Lösungsmittel Xynon bei unterschiedlichen Temperaturen. Dabei lassen sich die Komponenten absolut sortenrein trennen. Die Kosten der Aufbereitung liegen bei nur 1 1 1 Mark pro Kilogramm Kunststoff und sind damit erheblich niedriger als die Herstellung neuen Materials. Damit bietet sich eine echte Alternative zur Müllwirtschaft. Etwa 20 % Müll könnten dadurch vermieden werden.“ (In: HITEC vom 14.02.1994)
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Recycling funktioniert nur in einem Prozess, der einen Stoffkreislauf möglich machtdeswegen gibt es zum Beispiel neben dem KrW/AbfG noch weitere Bestimmungen: die VDI Richtlinie 2243. Beim Materialumgang sind folgende Kriterien umzusetzen: Materialreinheit (zum Beispiel werden keine Aufschriften aufgeklebt oder gedruckt sondern ins Material eingeprägt), damit verbunden Materialkombination und Dekonstruktionsfähigkeit und die Vermeidung von giftigen Zusatzstoffen.
1.3.3 Techniken in Verwertungsverfahren von Feststoffen
Die mit den geklammerten Zahlen festgelegte Reihenfolge entspricht ungefähr dem allgemeinen Arbeitsablauf und Vorgehen bei wirtschaftlichen Recyclingabläufen 16 . Die Festlegung auf die Darstellung anhand von Verben - also auf das Tun hin bezogen - ist bewusst gewählt. Für die kunstpädagogische Umsetzung des Themas ist die Differenzierung der Tätigkeitsformen von maßgeblicher Bedeutung, um eine Bereicherung und mögliche Erweiterung des kunstpädagogischen Repertoires zu erreichen:
- (00)Sammeln und aufreihen
- (01) Identifizieren
- (02) Zerkleinern: Mahlen, Schreddern, Pressen, Zerfasern, Aufschwemmen,
- (03) Waschen, Reinigen
- (04) Sortieren (bei Papier bis zu 40 Sorten), Trennen und Demontieren
- (05) Klassierung / Sieben(Korngröße) und Sortierung (Reflexionsvermögen,
16 vgl. BRAUNMILLER und WÖRLE 1999
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- (055) Extraktieren
- (06) Mischen
- (07) Oberflächenverkleinerung: Agglomeration: 1. Pelletieren
- (09) Schadstoffentfrachten
- (10) Umschmelzen, Schmelzen und Entschlacken Homogenisierung der Reinstoffe
- (11) Regranulieren, Granulieren, Mahlen, Oberflächenvergrößerung: Zerkleinerung
- (12) Silieren
- (13) Verbauen
Eine Tabellen veranschaulicht die Möglichkeiten zweier Grundmechanismen des Recycling:
Arbeit zitieren:
M.A. Aljoscha Kuch, 2003, Zivilisatorische Reststoffe als Gegenstand im Kunstunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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