Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Verwendung des Ists als Hilfsverb, Vollverb und Kopulaverb - Beispiele 1
2.1 Im Mündlichen 1
2.2 Im Schriftlichen. 3
2.2.1 Formaldeutsch 3
2.2.2 Umgangssprachliches Deutsch. 3
3. Analyse der Beispiele 3
3.1 Untersuchung der vorliegenden Phänomene. 3
3.2 Erklärungsansätze. 5
4. Web- und Umgangssprache 8
5. Synthese 9
5.1 Motive für die veränderten Formen 9
5.2 Findet Wandel statt? 11
6. Zusammenfassung. 12
Anhang I
1. Einleitung
In den letzten Jahren, seit das Internet die bevorzugte (schriftliche) Kommunikationsart geworden ist, finden sich in der (deutschen) Sprache immer wieder die seltsamsten Wortschöpfungen und Sprachphänomene (zum Beispiel „gruscheln“ 1 ). Denn im Internet hat jeder die Möglichkeit sich mit seiner ihm eigenen Sprache zu äußern und hier „konsumieren“ viel schneller und in viel größerer Zahl Menschen aller sozialen Gruppen jegliche Sprache. Das heißt, Neologismen und andere Neuheiten können schneller den Weg in die Alltagssprache und somit womöglich auch in die Schriftsprache finden. „Das ist faszinierend“, würde der Linguist dazu sagen und sich an die Untersuchung machen. „Das’ ja uninteressant“, würde der nicht linguistisch Interessierte sagen - oder auch schreiben!
Findet Sprachwandel heutzutage schneller statt oder gibt es nur mehr sprachliche Varietäten, die aber auch ebenso schnell wieder verschwinden? Diese Arbeit versucht anhand von bestimmten Beispielen zu analysieren, wie diese neuen Fälle zustande kommen, welchen Weg sie bereits hinter sich und welchen sie vor sich haben könnten. Hierbei wird vor allem auf die in bestimmten Situationen veränderte Form des Wortes ist eingegangen und mithilfe von anderen Beispielen zu erklären versucht. Außerdem soll angerissen werden, welchen Einfluss das schriftliche Gespräch (Chats, Sms) auf die Sprache hat und ob das „Sprechen“ via Internet die Macht hat, Sprache nachhaltig zu verändern.
2. Verwendung des Ists als Hilfsverb, Vollverb und Kopulaverb - Beispiele
2.1 Im Mündlichen
Das gesprochene Deutsch unterliegt, wie vermutlich alle anderen Sprachen auch, sehr vielen Verkürzungen und umgangssprachlichen Veränderungen aufgrund des Anpassens an die Sprechgeschwindigkeit. Hierbei müssen viele Wortformen ihre volle Länge einbüßen und werden sogar klitisiert.
Besonders deutlich ist das bei Ausdrücken wie (in Klammern steht der schriftsprachliche Ausdruck/beziehungsweise die zweite geläufige Abkürzung):
1 Siehe die Netzwerke Studi-, Mein- und Schülerverzeichnis.
1
1. Ich geh’ in’ Garten. (Ich gehe in den/(innen) Garten.)
2. Wir besuchen’ Museum. (Wir besuchen ein/(’nen) Museum.)
3. Was _ los? (Was ist/(is’) los?)
4. Das _ ja toll. (Das ist/(is’) ja toll.)
5. Was _ das? (Was ist/(is’) das?)
6. Er’s’ nach Hause gegangen. (Er ist/(is’) nach Hause gegangen.)
7. Der ’s’ sogar schon sechzig. / Der _ sogar schon sechzig. (Der ist/(is’) sogar schon sechzig.
8. _ Leo draußen? (Ist Leo draußen?)
Bei all diesen Beispielen wird das Verb, der Artikel oder Präposition+Artikel in irgendeiner Form verkürzt. Während die Veränderung des Artikels „ein/einen“ zu „’n/’nen“ schon längere Zeit gebräuchlich ist, tritt das Phänomen mit dem weggelassenen Ist erst seit Neuestem auf 2 .
Hierbei ist es unerheblich, ob ist als Hilfsverb oder Kopulaverb auftritt, es wird in beiden Fällen angepasst (siehe Bsp. 3-5 (Kopulaverb) und 6 (Hilfsverb)). Als Vollverb kommt sein allgemein nur noch selten vor. In wenigen Zusammenhängen benutzt man es noch in der lexikalischen Bedeutung, die mit „existieren, leben, bestehen“ umschrieben werden kann (zum Beispiel: Das war einmal 3 . Oder: Was nicht ist, kann noch werden. Oder: Wenn ich nicht mehr bin, … 4 ). Doch, selbst wenn es in dieser Bedeutung auftritt, wird es nicht so weit verkürzt wie Kopula- und Hilfsverb.
2 Die Verkürzungen „’nen“ und „’n“ sind im DWDS-Kernkorpus schon seit 1900 dokumentiert. Für das
weggelassene Ist habe ich im DWDS noch keinerlei Eintragungen gefunden. Siehe DWDS-Gesprochene
Sprache-Korpus:
http://www.dwds.de/?sort=1&cp=3&corpus=1&qu=%22%40was%20%40das%22&ps=50&cs=50&kw=off&
lm=5000&von=1900-01-01&bis=2001-12-31&tc=/./&cc=SPK, Zugriff: 27.9.2010.
3 DWDS-Kernkorpus, Ge 1986: Ketman, Per / Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag,
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 364, („das war einmal“, bis 1986 benutzt).
4 DWDS-Kernkorpus, Ge 1985: Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 115, („wenn
ich nicht mehr bin“, bis 1985 benutzt).
2
2.2 Im Schriftlichen
2.2.1 Formaldeutsch
In der deutschen Schriftsprache wird ist korrekt und im Normalfall nach allen Regeln der Orthografie angewandt. Weder als Hilfs- noch als Kopulaverb wird es in heutiger Zeit verkürzt. Und als Vollverb findet man es auch kaum noch.
9. Das ist verboten. 5 (Kopulaverb)
10. Einer der besten Abiturienten seines Jahrgangs ist er gewesen. 6 (Hilfsverb) 11. Das war einmal 7 . (Vollverb)
2.2.2 Umgangssprachliches Deutsch
Umgangssprachliches, geschriebenes Deutsch ist wiederum ein Unterschied zum (formalen) Schriftdeutsch. In Chats, Briefen, Emails, Sms, Erinnerungszetteln und unzähligen anderen im Alltag benutzten schriftlichen Medien schreiben die meisten, wie sie sprechen. Das heißt, dass die Regeln der Rechtschreibung und gelegentlich sogar die der Grammatik außer Acht gelassen werden und dass das aufgeschrieben wird, was man hört, ohne dass darüber nachgedacht wird, wie korrekt das Geschriebene ist. (Beispiele hierzu sind analog zu den Beispielen 1-6, nur dass sie dann ebenso geschrieben und nicht nur gesprochen werden.)
3. Analyse der Beispiele
3.1 Untersuchung der vorliegenden Phänomene
Grammatikalisierung ist ein Merkmal von Sprachwandel. Aus einem lexikalischen Zeichen entwickelt sich ein grammatisches. 8
Auch das Verb sein ist dabei, diesen Prozess zu durchlaufen. Wie in den Beispielen angeführt, wird sein heute hauptsächlich als Hilfs- oder Kopulaverb verwendet. Das heißt,
5 DWDS-Kernkorpus, Weigelt, Ulf: Da staunt der Chef. Geld für den Urlaub? In: Die ZEITonline 25/2008,
http://www.zeit.de/online/2008/25/arbeitsrecht-resturlaub, 21.8.2008, Zugriff: 21.9.2010.
6 DWDS-Kernkorpus, Kammertöns, Hanns-Bruno: Ich brauche gar nichts! In: Die ZEIT 10/1999,
http://www.zeit.de/online/2008/25/arbeitsrecht-resturlaub, 10.1999, Zugriff: 21.9.2010.
7 DWDS-Kernkorpus, Ge 1986: Ketman, Per / Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag,
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 364, („das war einmal“, bis 1986 benutzt).
8 Vgl. Elena Smirnova, Tanja Mortelmans: Funktionale Grammatik. Konzepte und Theorien. Berlin, New
York 2010, S.117.
3
Arbeit zitieren:
Miriam Marie Hirschauer, 2010, Das Internet verändert unsere Sprache - Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung des Weges von "ist" und "ein/den" unter dem Einfluss von internetbasierter Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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