Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung in das Thema der „sozialen“ Rolle 1
2. Harmonie oder Konflikt? Zwei theoretische Ansätze
2.1 Talcott Parsons zum Verständnis 2
2.2 Die Rolle der „Rolle“ im Strukturfunktionalismus 4
2.3 Dahrendorfs Ansatz: Der „homo sociologicus“ 5
3. Kritik an der strukturfunktionalistischen Sichtweise
Der Vergleich mit Dahrendorf 7
4. Fazit S.10
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Menschen können als unabhängige Individuen gesehen werden, weiter aber auch als Wesen in flüchtigen, wechselseitigen Beziehungen zu anderen oder gar dauerhaften sozialen Geflechten. Dabei sind wir häufig auf gebräuchliche Verständigungs- und Handlungsweisen angewiesen. So etwa müssen wir uns darauf verlassen können, hungrig in einen Supermarkt gehen zu können, mit der Gewissheit, Lebensmittel für materiell wertloses „Papier“ zu bekommen, tun dabei Dinge, die von unserem Gegenüber erwartet werden, um damit Erfolg zu haben. Verhalten, Aussehen sowie daran anknüpfende Erwartungen scheinen so im Zusammenleben geregelt zu sein.
Schon unsere geistigen Vorfahren hatten wissenschaftliches Interesse daran und erklärten sich die wiederkehrenden sozialen Muster über vielfältige Umschreibungs- und Zuschreibungsversuche mit Begriffen wie Rolle, Charakter oder Maske. „Die ganze Welt ist Bühne, und alle Frau' n und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab. Sein Leben lang spielt einer manche Rollen(...)" (Shakespeare 1599: 668 ff.). Wie bei Shakespeare ergaben sich vielfach metaphorische Assoziationen mit dem Rollenspiel des Theaters. Schauspieler, als Träger von etwas Vorgegebenen, nehmen einen „Part“, eine Rolle mit Verhaltensweisen ein, welche zusammenhängend das ganze Schauspiel auf der Bühne ergeben. Dazu muss der Schauspieler die Verhaltensweisen lernen, kann sogar mehrere Rollen spielen und ist so mit anderen Schauspielern austauschbar. Für das Schauspiel bleibt der Schauspieler an sich, also das Wesen hinter der Maske, unwesentlich. Erst wenn er die Maske hinter der Bühne wieder ablegt, ist er wieder sich selbst (Dahrendorf 1968: 135). Diese historische Vielfalt zeigt uns aber auch schon das Problem einer genauen Bestimmung und Anwendung an ihrem Ort.
So nehmen zu diesem Thema auch viele Ansätze und Begriffe der Soziologie ihren Ausgang. „Natürlich ist nicht die ganze Welt eine Bühne, aber die entscheidenden Punkte, in denen sie es nicht ist, sind nicht leicht zu finden“, so Erving Goffman (1959: 67). Als einer der ersten definierte Ralph Linton für die Soziologie: “A role represents the dynamic aspect of a status. The individual is socially assigned to a status and occupies it with relation to other statuses. When he puts the rights and duties which constitute the status into effect, he is performing a role.” (Linton 1936: 114) Der Begriff Status, den auch Parsons aufgreift und diesen ebenso als Synonym für Position verwendet, bezeichnet hier die lokale Befindlichkeit des Individuums in einem sozialen Geflecht. Dahrendorf verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff der sozialen Position. So fasst die soziale Rolle sämtliche Erwartungen und Ansprüche, die von dem Gegenüber, sei es einer Person oder einem größeren sozialen Gebilde, an das Verhalten und das Erscheinungsbild des Inhabers einer Position gestellt werden (Hillmann 2007: 756). Diese Terminologie soll versuchen, ein allgemeines Verständnis für die Figur der sozialen Rolle zu geben. Dabei werden die elementaren Gemeinsamkeiten
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dessen, was in der Soziologie unter der Rolle verstanden werden kann, erfasst. Denn tatsächlich ist es nicht möglich, sämtliche Ansätze einer einheitlichen Rollentheorie zu zuschreiben. Die Ideenvielfalt entwickelte sich historisch, was unterschiedliche, teils divergierende Ansätze und Verwendungsmöglichkeiten hervorgebracht hat. Auch existieren verschiedene Paradigmen die Kontroversen entstehen ließen, so zum Beispiel zwischen einer strukturtheoretischen und einer interpretativen Sichtweise. Mit meiner Hausarbeit möchte ich jedoch weder das ganze Vermögen der wissenschaftlichen Ideen rezipieren, um damit eine allgemeine Bedeutung für die gegenwärtig soziologische Wissenschaft herauszuarbeiten, was mir aufgrund des gegebenen Umfangs auch nicht möglich erscheint. Noch möchte ich herausfinden, welche Rollentheorie als die letztgültige zu nehmen ist, da wie angeklungen eine pluralistische Ansatzvielfalt existiert und benötigt wird. Es sollte an dieser Stelle reichen darauf hinzuweisen, dass der Begriff der Rolle, sowie seine Ideen dazu, aufgrund theoretischer und gesellschaftlicher Weiterentwicklung gegenwärtig gesehen zwar weniger exponiert als noch in den 1970er, sich aber als Grundkategorie in aktuell diskutierten Handlungstheorien etabliert hat. So kann er in seiner Anwendung grundlegend zur Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft eingesetzt werden kann (Miebach 2010: 39 f.). Vielmehr möchte ich mich in den Zeitraum begeben, in dem die Positionen zweier Hauptvertreter, nämlich jene von Dahrendorf und Parsons hervortraten, die seinerzeit gemeinsam unterstellten, dass die Gesellschaft soziale Rollen hervorbringt, sich dabei aber beim Verhältnis zwischen Individuum und Rolle wesentlich widersprechen. Sie können somit neben weiteren Vertretern, als zwei gegenüberstehende Eckpfeiler einer solchen Vorstellung betrachtet werden. Für die soziologische Rollentheorie haben sie damit einen zentralen Beitrag geleistet. Hier können wir an die Rollenidee von Linton anknüpfen und beginnen zunächst mit einem Blick auf die Gesellschaftstheorie von Talcott Parsons, welcher mit seinem Rollenkonzept in einer ganzgesellschaftlichen Theorie, schlechthin als einer der wichtigsten soziologischen Theoretiker seiner Zeit gilt (Abels 2009: 101). Weiterführend möchte ich mit einem Vergleich mit Dahrendorf beantworten, warum Parsons Ideen teilweise als unzulänglich zu kritisieren sind. Dabei soll ebenfalls eine gewichtige Schwachstelle beider Ansätze deutlich werden.
2.1 Talcott Parsons zum Verständnis
„Talcott Parsons will mit seiner Theorie der Rolle erklären, wie Individuen dazu kommen, sich so verhalten zu wollen, wie sie sich verhalten sollen(,)(…)denn es geht Parsons um eine Theorie der Ordnung, und zu dieser trägt das Individuum in dem Maße bei, wie es motiviert ist, sich zu verhalten, wie es die Ordnung verlangt.“ (Abels 2009: 103) Um zu erfahren, wie sich das Verhältnis zwischen Individuum und Rolle bestimmt und letztere somit ein-
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Arbeit zitieren:
Christian Kohl, 2011, Kritik an der „Rolle“ der Rolle im Strukturfunktionalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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