I
VORWORT
Unser eigener Antrieb, eine Hausarbeit zu dem Thema „Motivation“ zu schreiben, beruht auf den unterschiedlichsten Arbeitserfahrungen, die wir vor und während des Studiums gesammelt haben. Dabei haben wir erlebt, wie verschieden die Einstellung zur Arbeit bei uns selbst wie auch bei unseren Kollegen war.
FISH! - die ungewöhnliche Form der Motivation. Diese Aussage haben auch wir schon in Managerzeitschriften gelesen. Was aber wirklich hinter dem Konzept steckt, welches sehr erfolgreich in amerikanischen Unternehmen eingesetzt wird, wurde uns erst im Laufe dieser Arbeit deutlich.
Einen Überraschungseffekt hatte auch der gleichnamige Film für uns. In keinem Unternehmen in Deutschland ist uns eine solche Begeisterung bei der Arbeit bekannt. Die Freude der Fischhändler auf dem Markt ist so ansteckend, dass sich schon während des Videos ein Lächeln auf dem Gesicht abzeichnet. Letztendlich war dies auch der ausschlaggebende Punkt für uns, sich intensiver mit dem FISH! Konzept zu beschäftigen. Wir haben nach erfolgloser Recherche in der Literatur vermehrt auf das Internet zurückgegriffen und sind dabei auch auf das Machwürth Team gestoßen, das uns mit hilfreichen Zusammenfassungen von ihren Seminaren einen Einblick in die vielfältigen Umsetzungsvarianten geben konnte.
Ein herzliches Dankeschön gebührt auch der Bäckerei Dölger, mit dem Geschäftführer Michael Dölger, sowie der Backstube Häussler, unter der Leitung von Hermann Häussler, die sich trotz der alltäglichen Hektik Zeit genommen haben, unsere Fragen bezüglich der praktischen Umsetzung zu beantworten.
Wir wünschen viel Spaß beim FISH!en.
Véronique Dölger, Petra Halfer
II
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
V O R W O R T I
INHALTSVERZEICHNIS II II
1 E i n l e i t u n g 1
2. Motivation 2
2.1 Wichtigkeit und Aktualität des Themas „Motivation“ 2
2.2 Ein neuer Trend: Motivation mit dem Spaßfaktor 3
3. Der Pike Place Fischmarkt 6
3.1 John Yokoyama - Eine kurze Vorstellung des Eigentümers von Pike Place Fish 6
3.2 Jim Bergquist - Eine kurze Vorstellung des Retters von Pike Place Fish 6
3.3 Die Geschichte von Pike Place Fish 7
3.4 Der Erfolg von Pike Place Fish 7
3.4.1 Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens Pike Place Fish 8
3.4.2 Der Bekanntheitsgrad des Unternehmens Pike Place Fish 9
3.5 Die Zukunft von Pike Place Fish 9
4 F I S H 1 0
4.1 ChartHouseLearning - Das Unternehmen hinter FISH 10
4.2 Die FISH Philosophie 12
4.2.1 Die vier FISH Prinzipien 13
4.2.1.1 Spiele (Play) 14
4.2.1.2 Bereite anderen Freude (Make their day) 15
4.2.1.3 Sei Präsent (Be present) 17
4.2.1.4 Wähle Deine Einstellung (Choose your attitude) 18
4.2.1.5 Resümee der FISH Prinzipien am Beispiel des Pike Place Fischmarktes 20
4.3 Die Botschaft von FISH 20
4.4 Das 12 Wochen-Programm zur Umsetzung der FISH Philosophie 22
III
5. Erfolgreiche Umsetzung der FISH Philosophie in Deutschland 24
5.1 FISH im öffentlichen Sektor „Motiv-aktion“ der Stadtverwaltung Leipzig 24
5.2 ITT Cannon GmbH - Phönix steigt aus der Asche 25
5.3 Bäckerei und Konditorei Dölger - FISH für die Brötchen 26
5.4 Akzeptanzprobleme der FISH Philosophie in Deutschland 27
6. Umfrage in deutschen Unternehmen 28
6.1 Fragebogen 28
6.2 Auswertung 28
LITERATURVERZEICHNIS 30
ANHANGVERZEICHNIS 35
-1- 1.Einleitung
Kaum ein Manager oder ein Mitarbeiter konnte in den letzten Jahren am Thema „Motivation“ unbemerkt vorbeikommen. Ob in einer Literaturempfehlung, in einem Manager- oder Unternehmensmagazin, bis hin zu Artikeln in der Tageszeitung oder auch in einer persönlichen Einladung zu einem der hochgelobten Managerseminare ist der Ausdruck „Mitarbeitermotivation“ nicht mehr wegzudenken. In der betrieblichen Praxis wie auch in der Betriebswirtschaftslehre haben nur wenige Themen eine so unumstrittene, hohe Bedeutung für den unternehmerischen Erfolg, wie die Motivation der Mitarbeiter. Die momentane wirtschaftliche Lage fordert von Unternehmen Stellenabbau und Gehaltskürzungen. Demotivation, Frustration, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Leistungsdruck bei den Beschäftigten sind die Folge.
In Zeiten, in denen laut Konjunkturumfrage des Institutes der deutschen Wirtschaft nur jeder vierte Betrieb mit einem baldigen Aufschwung rechnet und die Stimmung sowohl von Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern als katastrophal eingeschätzt wird, fällt es Unternehmen schwer, ihre Mitarbeiter zu motivieren[14].
In dieser Arbeit wird mit der FISH! Philosophie eine besondere Art der Selbst- und Mitarbeitermotivation vorgestellt, durch die es Managern und Mitarbeitern ohne materielle Anreizsysteme gelingen soll, mit Spaß und Energie den Unternehmenserfolg zu gewährleisten. Ziel von FISH! ist es, die Neugier und Lust, mit der Hobbies und Freizeit begründet werden, in das Unternehmen zu integrieren.
Zu Beginn dieser Arbeit wird auf die Aktualität des Themas Motivation hingewiesen, wobei auf die Motivationstheorien aufgrund der besonderen Themenstellung nicht eingegangen wird. Im Hauptteil soll mit der Vorstellung des Pike Place Fischmarktes die Entstehung der FISH! Philosophie von der Wurzel an erklärt werden, um anschließend ausführlich auf die vier Prinzipien, die Eckpfeiler des FISH! Konzeptes, einzugehen. Anhand verschiedener Beispiele werden Wirkungsweise und Umsetzung illustriert. In den letzten beiden Kapiteln steht die Umsetzung der FISH! Methode in Deutschland im Mittelpunkt.
-2- 2.Motivation
Das Wort „Motivation“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „bewegen“ (lat.: movere = bewegen)[9, S.638]. Unter Arbeitsmotivation versteht man Antriebe zur Erbringung einer bestimmten Arbeitsleistung. Sie bestimmt die Einstellung des Menschen zur Arbeit und seine Leistungsentfaltung. Wird durch die Arbeit die Arbeitsmotivation erfüllt, so spricht man von Arbeitszufriedenheit. Es gibt extrinsische (äußere Motivationsfaktoren, z.B. Belohnung) und intrinsische Motive. Motivation mit FISH! beruht hauptsächlich auf den intrinsischen Motivationsfaktoren, der Motivation von innen heraus, d.h. die Bedürfnisse werden durch das Verhalten selbst befriedigt (Befriedigung durch Leistung, Selbstverwirklichung).[51]
Motivation ist der Beweggrund eines bestimmten, zielgerichteten Handelns. Finden die Mitarbeiter ihre persönlichen Ziel- und Wertvorstellungen in der Unternehmenskultur wieder, so hat dies eine motivierende Wirkung. Sie identifizieren sich mit der Firma und können ein Wir-Gefühl entwickeln.[8, S.22]
2.1 Wichtigkeit und Aktualität des Themas „Motivation“
Das Internationale Institut für Management an der Universität Flensburg hat herausgefunden, dass in Deutschland die Arbeitszufriedenheit seit Mitte der 80er Jahre kontinuierlich sinkt[27].
Eine Studie der deutschen Tochter des amerikanischen Gallup-Institutes im Jahr 2001 hat weiterhin ergeben, dass 84% der deutschen Arbeitnehmer keine echte Verpflichtung ihrer Arbeit gegenüber verspüren und unengagiert sind. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Einstellung sind enorm. Die Gallup Organisation beziffert den Verlust aufgrund von schwacher Mitarbeiterbindung, hoher Fehlzeiten und niedriger Produktivität auf circa 225 Milliarden Euro jährlich.[28]
Bei einem Ranking der bestangesehensten Unternehmen durch die internationale Personalmanagementberatung Haygroup wurde außerdem festgestellt, dass die internationale Reputation eines Unternehmens steigt, je besser es mit seinem Mitarbeitern umgeht. Darunter versteht man die Motivation, Führung und Entwicklung der Beschäftigten.[13]
In den letzten Jahren hat sich für Unternehmer und ihre Mitarbeiter das Umfeld rascher als je zuvor verändert, so dass sich eine Neubeurteilung des Themas Motivation anbietet.
-3- AusAngst vor der Kündigung versuchen Arbeitnehmer möglichst unscheinbar zu sein, um nicht der Nächste zu sein. Das führt zu einer passiven Haltung, kaum Eigeninitiative und Sicherheitsdenken.
Ebenso prägt die Globalisierung, welche rasant und fundamental fortgeschritten ist, den betrieblichen Alltag, und Manager sind permanent auf der Suche nach einem Erfolgsrezept, das die Begeisterung ihrer Mitarbeiter aufbaut bzw. noch steigern kann. Reinhardt K. Sprenger hat treffend die Ziele der Motivation beschrieben und die Aufgabe des Managements verdeutlicht: „Während die Motivationspsychologen im ‚Warum’ herumstochern, fragen die Manager händeringend nach dem ‚Wie’.“ [8, S.22]. Der Manager von heute fragt sich, wie er die Arbeitsleistung seiner Angestellten maximieren kann, wie der inneren Kündigung vorgebeugt werden kann und wie Überstunden akzeptiert werden können.[8, S.18]
Theoretische Ansätze und praktische Umsetzungen zur Motivation sind über lange Jahre ergründet, getestet und realisiert worden und haben mittlerweile auch Einzug in Privathaushalte genommen. Es gibt Strategien und Konzepte, um zum Beispiel die Kinder für ihre Hausarbeiten oder bessere Noten zu begeistern, oder aber den eigenen „Schweinehund“ mit Methode zu besiegen, um sportlich aktiv zu werden.
2.2 Ein neuer Trend: Motivation mit dem Spaßfaktor
Auf der Suche nach Antworten greifen Vorgesetzte zu den reichlich vorhandenen trockenen Ratgeber über Führungsstile und Motivation. Sie sind sicher informationsgeladen, doch fehlt vielen Managern und Mitarbeitern wahrscheinlich die Konzentration nach einem harten Arbeitstag, sich damit zu beschäftigen. Aus diesem Grund werden Wirtschaftsbücher immer unterhaltsamer. Diese Gegenbewegung zu den theoretischen Abhandlungen bedient sich der Hilfe von modernen Märchen und Fabeln. Erfundene Business-Parabeln öffnen dem Leser die Augen für typische Probleme im Unternehmen. Die Botschaft in den „trendigen“ Motivationsbüchern ist eingängig. Der Kritiker findet das sicherlich viel zu einfältig. Doch im hektischen Unternehmensalltag werden oft die einfachsten psychologischen Wahrheiten mit Füßen getreten. Die Bücher der FISH! Philosophie befinden sich in guter Gesellschaft im Bücherregal. Schon Kenneth Blanchard und Sheldon Bowles zeigten in „Gung Ho. Wie Sie jedes Team auf Höchstform bringen.“ mit Hilfe indianischer Weisheiten, dass Freude an der Arbeit
-4- elementarfür den Unternehmenserfolg ist [1]. Bei „Zack! Der Motivationsblitz, der aus der Tretmühle ein Powerhouse macht“ von William Byham reist man in eine andere Dimension, um, selbst unsichtbar, die Motivationsblitze seiner Kollegen sehen zu können [2]. FISH! steht mit seinem Bezug zur Fauna auch nicht alleine da. „Unter Pinguinen. Ein tierisches Teambuch“ von Barbara J. Gallagher und Warren H. Schmidt oder der Nachfolger: „Sei kein Pinguin. Ein tierisches dynamisches Dream-Team-Buch“ und „Die Mäuse-Strategie für Manager. Veränderungen erfolgreich begegnen“ von Spencer Johnson illustrieren in einprägsamen Geschichten die Probleme des Arbeitsalltags[3,4,5].
Der große Nachfrage nach Lösungsansätzen bringt auch viele „Motivationsgurus“ hervor, die so genannte „Erfolgstrainings“ anbieten. Diese Seminare wurden u.a. von Jürgen Höller, der sich selbst „Mister Motivation“ nennt, präsentiert. Sie versuchen mit gezielten Metaphern, unter Kritikern als Showelemente bezeichnet, die Botschaft zu übertragen, dass für jeden alles möglich ist, und das jeder Erfolg haben kann, wenn er es nur stark genug wolle und alles genauso mache, wie es von den „Gurus“ empfohlen wurde.[23]
Neben den Gurus der Motivation und deren Kritikern gibt es aber auch einige Personen, die sich mit dem Thema der spaßigen Motivation neutral auseinander setzen und es gezielt zum Einsatz bringen. Die Managementberaterin und Autorin des Buches „Der Spaßfaktor“, Dr. Jacqueline Rieger, hat festgestellt, dass in vielen Firmen aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Zeit, Spaß als Luxusgut eingestuft wird und am Arbeitsplatz nicht erwünscht ist. Jedoch ist es wohl eher der Fall, dass einige Führungskräfte diese Konzepte falsch aufgefasst haben und eine Dauerparty im Unternehmen damit nicht gemeint ist. Es geht vielmehr darum, dass die Mitarbeiter von ihren Tätigkeiten überzeugt sind und somit Spaß und Begeisterung bei der Arbeit entwickeln. Ihnen muss es in den Betrieben möglich sein, ihre Potentiale frei zu entfalten und Unzufriedenheiten abzubauen. Zusätzliche Aktivitäten sozialer, kultureller oder sportlicher Natur wirken nach Rieger motivierend. Auch Betriebsfeste, auf freiwilliger Basis, gehören in das Repertoire einer Firma, die mit ein wenig kreativer und fantasievoller Gestaltung einen positiven Eindruck beim Personal hinterlassen werden. Die Individuen werden aufgefordert, ihre derzeitigen Tätigkeiten zu analysieren, und festzustellen, ob sie begeisternd oder demotivierend sind, um entsprechende Änderungen herbeizuführen. Mit einer persönlichen Spaßliste dürfte das
-5- keineProbleme bereiten und jeder Einzelne kann sich mit seiner aktuellen Situation bewusst auseinandersetzen. Ein Lächeln oder ein Kompliment gegenüber Kollegen führen zu positiven Reaktionen und steigern zudem die eigene Stimmung. [45]
Wie eng Spaß und Motivation zusammenhängen, zeigt wiederum die Gallup-Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit. 78% der engagierten Mitarbeiter gaben an, dass sie Spaß bei der Arbeit haben, währenddessen die Zahl auf 34% bei den „Unengagierten“ (produktiv, aber dem Unternehmen nicht verpflichtet) und sogar auf 11% bei den „Aktiv unengagierten“, die unproduktiv sind und ihre negative Einstellung offen zeigen, absank. [28]
Was FISH!, die Motivation mit Spaß, bewirken kann, zeigt ein Projekt von dem Buchautor Stephen C. Lundin. Im Missouri Baptist Medical Center wurde die Zusammenarbeitsqualität und die Leistungsfähigkeit mit der FISH! Philosophie innerhalb von nur 6 Monaten nachhaltig gesteigert. Das Ergebnis der Mitarbeiterbefragung ist im Anhang I abgebildet.
-6- 3.Der Pike Place Fischmarkt
Pike Place Fish ist ein Einzelhandelsfischmarkt mit einer Standfläche von ca. 366 Quadratmetern inmitten des historischen Farmer’s Market in Seattle, USA[15]. Er bildet das Herzstück und die Wurzel der FISH! Philosophie und ist Ausgangspunkt für den Erfolg der Bücher, Videos und Managementtrainings und das beste Beispiel für die Umsetzung der FISH! Philosophie. Aus diesem Grund ist es wichtig, seine Geschichte näher zu beleuchten.
3.1 John Yokoyama - Eine kurze Vorstellung des Eigentümers von Pike Place Fish Das Markttreiben und Fisch prägen John Yokoyama seit seiner Kindheit. Nicht nur, dass sein Vater der Inhaber des Obst- und Gemüsestands gegenüber von Pike Place Fish ist, sondern auch das gemeinsame Angeln im Puget Sound, legten den Grundstein für John Yokoyama’s beruflichen Weg. John Yokoyama setzt sich aktiv für den Weltfrieden ein, da er während des Zweiten Weltkrieges im einem Japanisch-Amerikanischen Internierungslager war.[16]
3.2 Jim Bergquist - Eine kurze Vorstellung des Retters von Pike Place Fish
Ursprünglich ist Jim Bergquist in der Musikbranche beheimatet. Schon immer interessierte er sich für die menschliche Kreativität, speziell im Bezug auf das Arbeitsleben der Menschen. Durch seine Arbeit bei „The Hunger Project“, einer
Nichtregierungsorganisation der Vereinten Nationen, kam er in Berührung mit einem Managementstil, der Begeisterung und Engagement im Gegensatz zu den bekannten Motivationstheorien in den Mittelpunkt stellt. Nach Erfahrung in der Managementberatung gründete er 1983 seine eigene Beratungsfirma BizFutures Consulting Company in Seattle mit dem Schwerpunkt kulturelle Transformation. Seine Arbeit beruht auf der These, dass Menschen in ihrem Innern stark und kreativ sind und dass unternehmerisches Handeln grundsätzlich kreatives Bemühen ist. Seiner Meinung nach gibt es einen Paradigmenwechsel im Management von Taylor’s „Principles of Scientific Management“ hin zu dem Verständnis, dass Menschen kreative Wesen sind. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern sollte auf dem „level of being“ stattfinden, welches die körperliche, die intellektuelle und die psychologische Ebene des Menschen mit einschließt. [16]
-7- Umdies zu bewerkstelligen muss man jede Person respektieren und wissen, an was sie glaubt und was sie motiviert. Es ist wichtig, sie zu coachen und sich selbst auch coachen zu lassen. „When you empower people to be creative at work, the whole company moves to another dimension -it generates a whole new order of productivity.“[16] Anhang II veranschaulicht die Zusammenfassung der „Principles for Creating a Vital Workplace“ von Jim Bergquist.
3.3 Die Geschichte von Pike Place Fish
John Yokoyama entschloss sich 1965, im Alter von 25 Jahren, seinem damaligen Arbeitgeber Pike Place Fish abzukaufen. Pike Place Fish war zu dieser Zeit ein einfacher, kleiner Fischstand und sein Eigentümer hatte schon mehrmals erfolglos versucht, einen Käufer für sein Geschäft zu finden. Nach anfänglichem Zögern aufgrund der Verantwortung, die er mit diesem Kauf übernehmen würde, war es schließlich der finanzielle Aspekt, der John Yokoyama zu diesem Schritt führte, da er Ratenzahlungen für sein neues Auto zu leisten hatte und sein Lohn von 150 US-$ wöchentlich kaum ausreichte. Er versprach sich als Eigentümer von Pike Place Fish ein höheres Gehalt.[46] Um mit diesem Geschäft sein Auskommen zu haben, arbeitete er hart in den nächsten 20 Jahren. 1986 wollte John Yokoyama durch den Einbezug des Großhandels expandieren. Dies erwies sich als großer Fehler, da es seinen Fischmarkt in nur neun Monaten an den Rand des Ruins brachte. Zu diesem Zeitpunkt trat Jim Bergquist in sein Leben. Der Berater von BizFutures überzeugte John Yokoyama während einer dreimonatigen Probe-Zusammenarbeit, dass Pike Place Fish eine außergewöhnliche Zukunft vor sich hat.[16]
3.4 Der Erfolg von Pike Place Fish
Alles begann mit dem Satz: „Hey! Let’s be world famous“[16]. Dieser unbedachte Zuruf eines jungen Mitarbeiters während des Suchens nach einer Vision für Pike Place Fish wurde nach anfänglichem Unverständnis zum Motto von Pike Place Fish. Doch wie wird man ohne Werbeetat weltberühmt? Jim Bergquist überzeugte die Mitarbeiter, dass man mehr tun muss, als nur daran zu glauben, weltberühmt zu werden. Eine starke Vision muss man leben, dann verwirklicht sie sich von selbst. Muhammad Ali sagte nicht: „Ich glaube, ich bin der Größte“. Er sagte vielmehr: „Ich bin der Größte.“ So wurde der Leitsatz „We are World Famous Pike Place Fish“ Wahrheit.[16]
-8- „Untilone is committed there is hesitancy, the chance to draw back, always ineffectiveness. (…)the moment one definitely commits oneself, then Providence moves too. All sorts of things occur to help one that would never otherwise have occurred. A whole stream of events issues from the decision, raising in one’s favour all manner of unforeseen incidents and meetings and material assistance, which no one could have dreamt would have come their way.”[16] Die Menschen von Pike Place Fish beschlossen, mehr als hervorragenden Service zu leisten. Sie distanzierten sich von der typischen „we’re-in-business-and-you’re-a-customer“-Beziehung und entschieden, mit voller Aufmerksamkeit persönlich für jeden einzelnen Kunden da zu sein. Jeder Besuch des Fischmarktes soll, unabhängig von Kauf oder Nichtkauf, ein Erlebnis sein. Ein großer Überraschungseffekt ist sicherlich das gegenseitige Zuwerfen von Fischen innerhalb des Teams und gelegentlich auch an den Kunden. Auch das Zurufen von lustigen Sprüchen fördert die energiegeladene Atmosphäre auf dem Markt.[48] Ein nahezu perfektes Beispiel für diesen „way of doing business“ ist die Geschichte eines Ehepaares aus New York, dass sich über die Nichtverhandelbarkeit der Fischpreise bei Pike Place Fish ärgerte. Ein ebenfalls aus New York stammender Fischhändler rettete diese Kundenbeziehung, indem er das Ehepaar mit Hilfe ihrer gemeinsamen Heimatstadt in ein persönliches Gespräch verwickelte, genau ihre Bedürfnisse erfragte und eigene Rezeptideen beisteuerte. Die Kunden verließen Pike Place Fish mit einer Bestellung von 500 US-$ und bedankten sich anschließend in einem Brief für die herausragende Beratung.[16]
3.4.1 Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens Pike Place Fish
Die Anzahl der Beschäftigten bei Pike Place Fish stieg von sechs (1965) auf 21 Mitarbeiter bei geringer Fluktuation an.[15] Der Umsatz vervierfachte sich in den letzten zehn Jahren, obwohl die Standfläche gleich geblieben ist. Die Kosten sind von 77% auf 54% gefallen, dies bedeutet eine Steigerung des Bruttogewinn von 43%.[16] Die Mitarbeiter setzen sich ihre eigenen Umsatzziele und bekommen Bonifikationen. Sie verwirklichten die Idee einer eigenen Website und verkaufen seitdem erfolgreich über das Internet.[15] Als John Yokoyama im Januar 2002 aufgrund schlechter Umsätze schon an Arbeitszeitkürzungen dachte, gelang es seinen positiv eingestellten Mitarbeitern aus eigener Kraft durch effektives Telemarketing die Umsätze in Rekordhöhe zu treiben[25].
-9- 3.4.2Der Bekanntheitsgrad des Unternehmens Pike Place Fish
Innerhalb der ersten drei Monaten kamen die Reporter der Goodwill Games zu Pike Place Fish und trugen die Bilder in die Welt hinaus[15]. Einige Mitarbeiter bekamen eine Rolle in dem Hollywood-Film „Free Willy“. Ein Fischhändler bewarb sich mit seinem interessanten Beruf als weltberühmter Fischhändler bei MTV und Spike Lee drehte einen Levi’s 501 Werbespot mit Pike Place Fish. Verschiedene Fernsehsender (ABC’s „Good Morning America“, NBC’s „Frasier“, MTV’s „Real World“, CBS’s „Sunday Morning“) und Magazine (People, Fast Company) berichteten vom Pike Place Fischmarkt. Letztendlich verschafften die Mitarbeiter Pike Place Fish einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde, in 30 Sekunden hatten sie 16 Fische einhändig gefangen. CNN kürte Pike Place Fish im März 2001 zum lustigsten Arbeitsplatz in den USA. Mit Ausnahme ihrer Internetseite hat Pike Place Fish nicht in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit investiert. [16]
3.5 Die Zukunft von Pike Place Fish
Heute ist Pike Place Fish weltberühmt. Doch John Yokoyama und seine Mitarbeiter möchten sich nicht ausruhen, sie leben eine neue, größere Vision: „World Peace, an idea whose time has come.“ Durch eine Fernsehshow und deren E-Mail-Feedback versuchen sie, für den Frieden in der Welt zu werben. [15]
Arbeit zitieren:
Véronique Dölger, Petra Halfer, 2003, Motivation mit FISH!, München, GRIN Verlag GmbH
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