Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Facebook als neue Macht des Internet 2
2.1 Erfolgsgeschichte 2
2.2 Grundfunktionen 4
3. Facebook als Ersatz des realen Lebens 5
3.1 Gründe für die Nutzung 5
3.2 Verhaltensweisen im virtuellen Leben 6
3.2.1 Netz ohne Gesetz 6
3.2.2 Selbstinszenierung und Sensationsgier 8
3.3 Virtueller Marktplatz 9
4. Facebook als Auslöser des Wandels unseres Freundschaftsbegriffs 11
4.1 Gleichschaltung von Bekannten und Freunden 12
4.2 Ende des realen Soziallebens 14
5. Fazit
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Anhang
1. Einleitung
Am 01. Januar 2010 löste das Jahrzehnt der Zehnerjahre das Jahrzehnt der Nullerjahre ab, hinter uns liegen zehn Jahre Castingshows, Bionade und IPods. Doch was ist es, das die Nullerjahre am besten repräsentiert? Welches Produkt, welches Ereignis oder welche Person hat in diesem Zeitraum den stärksten Einfluss auf unsere Gesellschaft ausgeübt? Es muss etwas gegeben haben, das unser Gesellschaftsverständnis grundlegend verändert hat. Etwas, das unsere realen Kontakte minderte; etwas, das es uns ermöglichte, eine Wunschpersönlichkeit glaubhafter denn je darstellen zu können. Die Nullerjahre liefern auf diese Kriterien eine blau-weiße Antwort: Facebook. Das soziale Netzwerk Facebook ist eine Internet-Plattform, die zum Austausch mit anderen Nutzern die unterschiedlichsten Funktionen bietet. Es können Fotos und Interessen ausgetauscht und Nachrichten verschickt werden - soweit die Theorie.
Was Facebook ausmacht, ist meines Erachtens nicht der kometenhafte Aufstieg, den es ohne Zweifel hinlegte, der erbitterte Streit um die Urheberrechte oder die mystische Verstrickung der Privatsphäre-Angelegenheit, die Beklommenheit unter den Nutzern hervorruft. Viel wichtiger scheint mir der soziale Aspekt: Was macht Facebook aus unserem Sozialleben? Was sind eigentlich Facebook-Freunde? Ist ein Leben ohne Facebook heutzutage überhaupt noch denkbar? Der Anspruch dieser Facharbeit konzentriert sich also vielmehr darauf, inwieweit es das soziale Netzwerk geschafft hat, unser reales Leben zu ersetzen und unser Verständnis von Freundschaft zu verändern.
Dabei stützen sich die grundlegenden Informationen für die Arbeit an diesem Thema vor allem auf Buchquellen, die soziologische Analysen über den Umgang mit sozialen Netzwerken liefern. Des Weiteren dient eine Meinungsumfrage der Unterfütterung nahezu aller Gliederungspunkte. Diese Umfrage wurde in der Ober-, Mittel-, und Unterstufe des Gymnasiums am Bildungszentrum Markdorf durchgeführt und in zwei Altersstufen unterteilt. Einen besonderen Reiz hatten für mich außerdem zwei Selbstversuche, deren Ergebnis durchaus zum Gesamtbild des unsozialen Netzwerks beitragen.
Ein soziales Netzwerk hat definitionsgemäß zunächst nicht direkt etwas mit Internet-Plattformen zu tun, es ist lediglich die Vernetzung sozialer Kontakte über den eigenen Freundeskreis hinaus. Durch den Bekanntheitsgrad, den Online Netzwerke erlangten, erhielt der Begriff jedoch eine verallgemeinernde Bedeutung.
Das Konzept des sozialen Netzwerks Facebook basiert auf der Idee der Vernetzung mit Freunden. Der traditionelle Freundschaftsbegriff findet unter Soziologen unterschiedliche, in ihren Grundzügen allerdings ähnliche Definitionen. So beschreibt der Soziologe Karl-Heinz Hillmann beispielsweise Freundschaft als einen „Begriff für eine (…) Form direkter sozialer
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Beziehungen, die (…) freiwillig und auf längere, nicht fixierte Dauer eingegangen wird.“ 1 Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit gilt der ursprüngliche Freundschaftsbegriff als eine persönliche und flexible Bindung zwischen zwei Menschen, die durch ein hohes Maß an Vertrauen und Intimität gekennzeichnet ist.
Um letztendlich beurteilen zu können, ob Facebook nun als soziales Netzwerk bezeichnet werden kann, muss man sich zuerst die traditionelle Bedeutung des Wortes sozial vor Augen führen. Sie geht auf den lateinischen Begriff socius zurück, der sich mit ‚gemeinsam‘ oder ‚verbunden‘ übersetzen lässt. Man kann also sagen, dass ein soziales Medium (wie Facebook angibt eines zu sein) das Gefühl der Gemeinschaft und Verbundenheit stärkt oder intakt hält. Als unsoziales Medium versteht sich demnach eine Plattform, die ein gegenteiliges Ergebnis erzielt, es entsteht ein Gefühl der Vereinsamung und der sozialen Isolation. Mit diesem Wissen möchte ich in den folgenden Ausführungen darauf eingehen, inwieweit Facebook nun das Prädikat des sozialen Netzwerks wirklich verdient hat.
2. Facebook als neue Macht des Internet
2.1 Erfolgsgeschichte
„Die Leute schauen gern im Internet was ihre Freunde machen, warum nicht eine Webseite bauen, die das anbietet - Freunde, Bilder, Profile, das, was einen interessiert. (…) Ich rede davon, das gesamte soziale Erlebnis (…) online zu stellen.“ 2 Mark Zuckerbergs Vision als Erfinder des sozialen Netzwerk Facebook sind von Beginn an klar definiert. Zum Ende der Nullerjahre scheint er weit über dieses Ziel hinausgeschossen zu sein und dessen ist er sich sehr wohl bewusst: „Wenn Facebook ein Land wäre, dann gehörte es zu den fünf bevölkerungsreichsten der Welt (…). Die Welt hat 20.000 Jahre gebraucht, um es auf 200 Millionen Einwohner zu bringen.“ 3 Im Vergleich hierzu ist Facebook seit der ersten Version vom Januar 2004 bis zum Dezember 2009 auf 350 Millionen ‚Einwohner‘ gewachsen. 4 Es lohnt sich also durchaus, zunächst einmal die einzelnen Stationen dieser Erfolgsgeschichte zu betrachten, um einen Überblick über den Wandel einzelner Funktionen zu bekommen, die letztendlich dafür sorgten, dass Facebook das Potential zum Produkt der Nullerjahre hat. Zu Beginn der Facebook-Ära im Jahr 2003 stand die Internet Plattform Thefacebook, deren
1 Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie, Alfred Kröner Verlag 1982, S. 224.
2 Aus dem Film “The social network”, unter der Regie von David Fincher, erschienen 2010, Zitat von Mark Zuckerberg.
3 Faerman, Juan: Faceboom. Wie das soziale Netzwerk Facebook unser Leben verändert. Südwest Verlag 2010, S. 22.
4 Steinschaden, Jakob: Phänomen Facebook. Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt. Ueberreuter Verlag 2010, S. 43.
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Namen sich auf die Jahrbücher an amerikanischen Universitäten bezieht. Zunächst war sie nur Harvard Studenten vorbehalten und ähnelte in ihren Grundzügen einem Freunde-Album, in dem man allgemeine Informationen über sich und seine Interessen veröffentlichen konnte. 5
Im Jahr 2004 weitete sich die Nutzung auch auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale aus, bereits nach 10 Monaten waren 1 Millionen Nutzer registriert. Die Funktion den Beziehungsstatus und ‚interessiert an…‘ angeben zu können, kam erst jetzt hinzu. 6 Ende 2005 hatte Thefacebook bereits 5,5 Millionen Nutzer, inzwischen war es auch Schülern von amerikanischen High-Schools und Studenten aus dem Ausland möglich, sich zu registrieren. Im selben Jahr änderte sich der Name der Plattform zu Facebook. 7 Die wohl bedeutendste Funktion wurde jedoch erst im Jahr 2006 veröffentlicht: Der sogenannte News Feed präsentiert in einer nicht abreißenden Liste alle Aktivitäten der Freunde, von der Änderung des Beziehungsstatus bis hin zur Veröffentlichung neuer Bilder oder Einträge, die Nutzer auf die Pinnwand ihrer Freunde schreiben. Diese Funktion war stark umstritten, da viele Nutzer einen großen Eingriff in ihre Privatsphäre sahen - abgeschafft wurde sie jedoch bis heute nicht. Mithilfe des News Feed bekommen Facebook-Nutzer permanent sämtliche Aktionen ihrer Freunde präsentiert, was eine gewisse Sensationsgier unter den Nutzern ausgelöst hat. Man kann also hier von einer klaren Entwicklung hin zum Unsozialen sprechen. Im September 2006 wurde Facebook schließlich auch für die ganze Internet-Welt geöffnet. 8
Mit der Chatfunktion, die im April 2008 eingeführt wurde, erlaubte Facebook seinen Nutzern auch innerhalb des sozialen Netzwerks in einem privaten Schreibgespräch mit Freunden zu reden und später einen großen Teil der direkten Kommunikation im realen Leben zu ersetzen. 9
Den größten Nutzerzuwachs hat Facebook im Jahr 2009 zu verzeichnen. Von anfangs 150 Millionen Nutzern im Januar waren es Ende des Jahres bereits 350 Millionen Nutzer. Mit der ‚Gefällt mir‘-Funktion konnten Nutzer fortan jede Veröffentlichung aller Art mit einem Daumen nach oben bewerten. Dies ist die wohl weitläufig bekannteste Funktion, die in Form von Stempeln und Aufklebern sogar Einzug in die „reale Welt“ genommen hat. 10
5 a.a.O. S. 40.
6 a.a.O. S. 41.
7 a.a.O. S. 41 f.
8 a.a.O. S. 42.
9 a.a.O. S. 43.
10 a.a.O. S. 43.
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2.2 Grundfunktionen
Facebook ist nicht durch eine Aneinanderreihung von Zufällen zu dem geworden, was es heute ist. Es besitzt einige Grundfunktionen, die das charakteristische Bild von Facebook zeichnen. Den Aufbau kann man sich auch heute noch wie eine Art Freunde-Album vorstellen: Jeder Nutzer besitzt ein individuelles Profil, auf dem neben den persönlich angegebenen Daten auch eine bis ins kleinste Detail ausgeführte chronologische Liste aller Aktivitäten auf Facebook auf der sogenannten Pinnwand vorzufinden ist. Das Profil bietet die Möglichkeit, seine Lieblingsbücher und Filme, aber auch den Beziehungsstatus und ein Bild als Profilbild zu veröffentlichen. Neben diesem Profilbild können unbegrenzt Bilder in Fotoalben hochgeladen werden.
„Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“ 11 Das wird dem Nutzer direkt auf der Startseite versprochen. Hierfür kann man als registrierter Nutzer jedem anderen Nutzer von Facebook eine sogenannte Freundesanfrage schicken, welche zuerst bestätigt werden muss, bevor die Freundschaft in Facebook offiziell ist. Mit dieser Vernetzung stehen dem Nutzer nun sämtliche Informationen über den neugewonnenen Freund und einige über die Freunde des Freundes offen. Mit der Freundschaft tritt auch die Option ein, sämtliche Bilder und Tätigkeiten des anderen Nutzers öffentlich kommentieren und mit einem ‚Gefällt mir‘ bewerten zu können.
Jeder Nutzer kann auch unbegrenzt Statusmeldungen über sich und sein Leben veröffentlichen, das Fenster hierzu steht direkt an oberster Stelle der Startseite. Diese Meldungen, wie auch die Bilder und Aktivitäten, können wiederum von anderen Nutzern mit einem ‚Gefällt mir‘ versehen und kommentiert werden. Mithilfe des News Feed werden diese Statusmeldungen direkt auf der Startseite aller Freunde angezeigt. Man muss also nicht die Profile einzelner Freunde durchsuchen, um an Informationen zu gelangen, sondern bekommt diese regelrecht aufgedrängt.
11 entnommen der Startseite von Facebook, http://facebook.com, 19. März 2011, 10:49 Uhr.
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3. Facebook als Ersatz des realen Lebens
An dieser Stelle der Arbeit soll der Frage auf den Grund gegangen werden, inwieweit Facebook es geschafft hat unser reales Leben, das heißt das Leben außerhalb des sozialen Netzwerks zu ersetzen. Dazu dienen drei Leitfragen der einfacheren Übersicht: Zunächst soll die Frage geklärt werden, warum man zum Nutzer wird und was man sich von der Nutzung verspricht. In einem zweiten Schritt wird das Verhalten der Nutzer im Netz analysiert, um darauf aufbauend in einem letzten Schritt zu verdeutlichen, was Facebook letztendlich aus seinen Nutzern macht.
3.1 Gründe für die Nutzung
Der Hintergrund der meisten Funktionen auf Facebook liegt laut Aufmachung der Startseite in der Vernetzung mit Freunden und Bekannten. Dem Nutzer soll es ermöglicht werden, mit diesen Personen in Verbindung zu treten und so eine offenere und leichtere Kommunikation führen zu können. Dies werde hauptsächlich zum Vorteil, wenn es sich bei den Freunden und Bekannten um Menschen handelt, mit denen man nicht ohne weiteres persönlichen Kontakt halten kann, wenn diese beispielsweise nicht in der naheliegenden Umgebung leben.
Bei diesem Gedanken wird jedoch die Tatsache missachtet, dass es sich bei der Kommunikation in Facebook immer um eine indirekte Kommunikation handelt. Das Medium Facebook steht dabei als symbolische Wand zwischen den kommunizierenden Nutzern. Wenn man ein sozial stärkendes Erlebnis haben möchte, muss man sich demnach außerhalb Facebook befinden. Die Vernetzung von sogenannten Facebook-Freunden ist mit diesem Wissen auch eher ein Vorgang des Sammelns als ein Vorgang der sozialen Vernetzung, da der durchschnittliche Nutzer mit 130 Freunden 12 wohl kaum sein wirkliches soziales Umfeld absteckt, sondern auch Nutzer hinzufügt, mit denen über die Freundesanfrage hinaus nicht weiter interagiert wird.
Facebook wird auch oft als Möglichkeit gesehen, neue Kontakte zu knüpfen und seinen Freundeskreis zu erweitern. Interessanterweise verneinten 75 % der in meiner Umfrage Befragten die Aussage, sie hätten durch Facebook neue Kontakte herstellen können, aus denen sich sowohl virtuelle als auch persönliche Freundschaften ergeben hätten. 13 Somit verstehen sie Facebook nicht als Möglichkeit, ihr soziales Umfeld zu erweitern und neue Freunde zu gewinnen. Auch der Grundgedanke der Vernetzung scheint wie oben erläutert eher ein vorgeschobener Grund zu sein und die wirkliche Tatsache, warum man sich in Facebook registriert, verbirgt sich hinter einem anderen Gedanken.
12 Faerman, Juan: Faceboom, S. 115.
13 Musterfragebogen und Auswertungsergebnisse finden sich im Anhang.
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Arbeit zitieren:
Julian Burger, 2011, Facebook - ein (un)soziales Netzwerk, München, GRIN Verlag GmbH
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