Z U S A M M E N FA S S U N G
Mobiltelefone sind zu ständigen Begleitern des modernen Menschen geworden. Mit ihrer großen Verbreitung und Leistungsfähigkeit eröffnen sich auch dem Mobile Business große Zukunftschancen. Das Mobile Ticketing gehört zu den zentralen Bausteinen des M-Business bzw. M-Commerce. Dabei werden Eintrittskarten für Veranstaltungen oder Fahrscheine für den öffentlichen Personentransport, die bisher in Papierform ausgegeben wurden, als elektronische Tickets vertrieben. Bestellung, Kauf, Lieferung, Validierung und Bezahlung erfolgen nun mittels mobiler Endgeräten und Datennetze.
Die vorliegende Projektarbeit konzentriert sich dabei auf den Einsatz des Mobile Ticketings im öffentlichen Personennah- und -fernverkehr in Deutschland. Es werden dafür die theoretischen Grundlagen (Kapitel 2) bzw. technischen Hintergründe (Kapitel 3.2) erklärt. Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung wird das Thema auch aus gesellschaftlicher (Kapitel 3.1) und ökonomischer Sicht (Kapitel 3.3) beleuchtet. Anschließend wird ein Referenz-Geschäftsprozessmodell für die generellen Abläufe beim Mobile Ticketing skizziert (Kapitel 3.4). Abgeschlossen wird diese Arbeit mit der Beschreibung zweier aktuell bereits produktiv eingesetzer M-Ticketing-Verfahren (Kapitel 3.5) und dem Ausblick auf zukünftige (Verbesserungs-) Ansätze (Forschungsprojekte) in diesem Gebiet (Kapitel 4).
A B S T R A C T
Mobile phones have become constant companions of present-day man. Due to their wide distribution and capabilities, the mobile (phone) business is another field of great potential. Mobile ticketing is one of the key components of m-business (m-commerce). In this process, event or public transportation tickets, which are so far available in hard copy, are sold as electronic tickets. The procedures ordering, procurement, delivery, validation and payment are performed by using mobile devices and data networks.
The present project thesis will focus on the use of mobile ticketing in short- and long-distance public transportation in Germany. The necessary theoretical foundations and technical background will be explained in chapters 2 and 3.2. Within a multidisciplinary approach, the topic will also be illuminated from a corporate (chapter 3.1) and economic point of view (chapter 3.3). Afterwards a business process reference model about the general procedures in mobile ticketing is outlined (chapter 3.4). The thesis will be completed by describing two already started m-ticketing systems (chapter 3.5) and by showing future developments in this area (chapter 4).
iii
I N H A LT S V E R Z E I C H N I S
Abbildungsverzeichnis v Tabellenverzeichnis v Abkürzungsverzeichnis vi
1 einführung 1
2 grundlagen: themaeinordnung, begriffspaare, definitionen 2 2.1 Einordnung von Mobile Ticketing in E-Business/E-Commerce . . . . . 2 2.2 Grundlegende Begriffspaare . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 2.2.1 Unterscheidung „Business“ und „Commerce“ . . . . . . . . . . 3 2.2.2 Unterscheidung „Electronic“ und „Mobile“ . . . . . . . . . . . 3 2.3 Zentrale Definitionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 2.3.1 Electronic Business . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 2.3.2 Electronic Commerce . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 2.3.3 Mobile Business . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 2.3.4 Mobile Commerce . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 2.3.5 Beziehungen im Electronic bzw. Mobile Commerce . . . . . . . 6 2.3.6 Mobile Ticketing . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 2.3.7 Mobile Payment . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3 betrachtungsebenen auf das mobile ticketing 11
3.1 Gesellschaftliche Sicht auf das Mobile Ticketing . . . . . . . . . . . . . 11 3.2 Technologische Sicht: IT-Infrastruktur für mobile Endgeräte . . . . . . 14 3.2.1 Arten mobiler Endgeräte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 3.2.2 Netzwerktechnologien bzw. Mobilfunk-Standards . . . . . . . . 17
3.2.3 Software für mobile Anwendungen (Java) . . . . . . . . . . . . 22 3.3 Ökonomische Sicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 3.3.1 Geschäftsmodell hinter dem Mobile Ticketing . . . . . . . . . . 25 3.3.2 Bausteine des Geschäftsmodells . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 3.3.3 Geschäftsmodelltypologie „Commerce“ . . . . . . . . . . . . . . 29 3.4 Geschäftsprozessmodell des Mobile Ticketing . . . . . . . . . . . . . . 30 3.5 Anwendungssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 3.5.1 Mobile Ticketing im Regionalverkehr: dashandyticket.de . . . . 38 3.5.2 Mobile Ticketing im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG . . . 39
4 ausblick auf zukünftige anwendungsmodelle 40
4.1 Forschungsprojekt „touch & travel“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 4.2 Forschungsprojekt „ring & ride“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
literaturverzeichnis 44
iv
A B B I L D U N G S V E R Z E I C H N I S
Abbildung 1 fachliche Einordnung des Themas Mobile Ticketing
Abbildung 2 Abgrenzung der Fachbegriffe
Abbildung 3 mögliche Beziehungsformen im E- bzw. -MCommerce
Abbildung 4 IAS für den Geschäftsprozess öffentlicher Personenverkehr
Abbildung 5 Geschäftsprozess des Mobile Payments
Abbildung 6 Perspektiven-Fünfeck der Wirtschaftsinformatik
Abbildung 7 Gesellschaftsmodell/-bereich
Abbildung 8 Zielgruppe für das Mobile Ticketing
Abbildung 9 Generationenfortschritt der Mobilfunk-Standards
Abbildung 10 Übertragungsraten im Vergleich (bei 4 MB-Download)
Abbildung 11 Verfügbarkeit des GSM- und UMTS-Netz in Deutschland
Abbildung 12 WLAN mit mobilen Endgeräten
Abbildung 13 NFC-Technologie im -MTicketing-Projekt „touch travel“
Abbildung 14 Near Field Communication im Betriebsmodus Active Mode
Abbildung 15 Konfigurationen und Profile der Java ME
Abbildung 16 Ablauf eines Java-Applets für mobile Geräte
Abbildung 17 Einordnung des Mobile Ticketing in die Wertschöpfungskette
Abbildung 18 Wertschöpfung durch elektronische Angebote
Abbildung 19 Unterstützung der Wertschöpfungskette durch el. Dienste
Abbildung 20 mögliche Bausteine eines Geschäftsmodells im -MCommerce
Abbildung 21 Geschäftsmodelltypologien des 4C-Net-Business-Models
Abbildung 22 Vorgehensmodell der SO-MMethodik
Abbildung 23 initiales Interaktionsschema
Abbildung 24 IAS nach erstem Zerlegungsschritt
Abbildung 25 IAS nach zweitem Zerlegungsschritt
Abbildung 26 IAS nach drittem Zerlegungsschritt
Abbildung 27 IAS nach viertem Zerlegungsschritt
Abbildung 28 IAS nach fünftem Zerlegungsschritt
Abbildung 29 Handy-Ticket mit einlesbarer Barcode-Matrix
TA B E L L E N V E R Z E I C H N I S
Tabelle 1 Anwendungsbereiche im Mobile Commerce
Tabelle 2 Stärken und Schwächen des Mobiltelefons als Zahlungsmittel
Tabelle 3 Differenzierung mobiler Endgeräte
Tabelle 4 Bausteine des Geschäftsmodells im ÖPNV bzw. ÖPFV
v
A B K Ü R Z U N G S V E R Z E I C H N I S
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aktiengesellschaft AG
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Amplitude Shift Keying (= Amplitudenumtastung) ASK
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anbahnung, Vereinbarung, Durchführung AVD
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Connected Device Configuration CDC
CLDC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Connected Limited Device Configuration
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Customer Relationship Management CRM
E-Business . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Electronic Business E-Commerce . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Electronic Commerce EDGE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Enhanced Data Rate for GSM Evolution
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . elektronisches Fahrgeldmanagement EFM
E-Geld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . elektronisches (digitales) Geld
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ereignisgesteuerte Prozessketten ePK
GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gesellschaft mit beschränkter Haftung
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Geschäftsprozess GP
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . General Paket Radio Service GPRS
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Global System for Mobile Communications GSM
HSCSD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . High Speed Circuit Switched Data HSDPA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . High Speed Downlink Packet Access
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Interaktionsschema IAS
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Intercity-Express ICE
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Interactive Voice Response IVR
Java ME . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Java Micro Edition Java SE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Java Standard Edition
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Java Community Process JCP
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Java Virtual Machine JVM
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kunde Kd.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Megabyte MB
M-Business . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile Business
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile Commerce MC
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Megahertz MHz
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile Information Device Profile MIDP
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Multimedia Messaging Service MMS
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile Payment MP
M-Payment . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile Payment MPSP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile Payment Service Provider M-Ticketing . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mobile Ticketing
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Near Field Communication NFC
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Österreichische Bundesbahn ÖBB
ÖPFV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . öffentlicher Personenfernverkehr
vi
Tabellenverzeichnis vii
ÖPNV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . öffentlicher Personennahverkehr
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Personal Computer PC
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . persönlicher digitaler Assistent PDA
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Persönliche Identifikationsnummer PIN
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Point Of Sale POS
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Personal Trusted Device PTD
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Radio Frequency Identification RFID
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Subscriber Identity Module SIM
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Short Message Service SMS
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Semantische Objektmodellierung SOM
UMTS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Universal Mobile Telecommunications System
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vereinbarung, Durchführung VD
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorgangs-Ereignis-Schema VES
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verkäufer Vk.
WLAN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wireless Local Area Network
1
E I N F Ü H R U N G
Das Mobiltelefon ist heute aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Laut Statistischem Bundesamt besitzen 86,3% der Deutschen mindestens ein Handy. 1 Die große Verbreitung und die Leistungsfähigkeit der mobilen Endgeräte (Kapitel 3.2.1, S. 15) eröffnet über das reine Telefonieren hinaus eine Vielzahl zusätzlicher Anwendungsfelder.
Dem Mobile Business (Kapitel 2.3.3, S. 4) und seinen mobilen Datendiensten werden dabei große Zukunftschancen vorhergesagt. Trotz Wirtschaftskrise verzeichnet die Branche 2009 ein zehnprozentiges Marktwachstum. „Die Bürger und Unternehmen geben in diesem Jahr EU-weit 32,6 Milliarden und im kommenden Jahr 36,0 Milliarden Euro für mobile Datendienste aus“ 2 . Die Bundesrepublik ist dabei mit 5,2 Milliarden Euro nach Großbritannien der zweitgrößte Markt in Europa.
In der vorliegenden Projektarbeit wird mit dem Mobile Ticketing (in Deutsch-land) eine zentrale Anwendung bzw. ein zentraler Teilbereich des Mobile Business beleuchtet. Der Fokus liegt dabei auf der Nutzung von Mobiltelefonen als Ticketmedium. Die Variante des Mobile bzw. Electronic Ticketing unter Verwendung von Chipkarten wird in dieser Arbeit aufgrund des höheren finanziellen und infrastrukturellen Aufwands bei der Einführung nicht betrachtet. In Kapitel 2 (S. 2) werden dann eine Erklärung der grundlegenden Fachbegriffe und eine Themaeinordnung vorgenommen. Kapitel 3 (S. 11) betrachtet das Thema Mobile Ticketing aus den fünf Perspektiven der Wirtschaftsinformatik (nach Ferstl). Die gesellschaftliche Sicht (Kapitel 3.1, S. 11) legt den Fokus auf die Ziele, Werte und Präferenzen des Gesellschaftsbereichs in dem sich das Unternehmen bzw. das Projekt befindet.
In Kapitel 3.2 (S. 14) wird die für das Mobile Ticketing nötige IT-Infrastruktur (= technologische Sicht) untersucht. Die ökonomische Sicht (Kapitel 3.3, S. 24) durchleuchtet das Geschäftsmodell hinter dem Mobile Ticketing. In Kapitel 3.4 (S. 30) wird ein Referenz-Geschäftsprozessmodell für die generellen Abläufe im Mobile Ticketing mit Hilfe der semantischen Objektmodellierung (SOM) erarbeitet. Aktuell bereits realisierte Umsetzungen von Mobile Ticketing werden in Kapitel 3.5 (S. 38) erörtert. Kapitel 4 (S. 40) bildet den Abschluss der Projektarbeit und gibt einen Ausblick auf zwei Ansatzpunkte (Forschungsprojekte) Mobile Ticketing in Zukunft noch einfacher realisieren zu können.
vollanzeige.csp&ID=1023174, Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gebrauchsgütern -Fachserie 15, Heft 1 - 2008, S. 17; abgerufen am 03.08.2009
2 siehe http://www.channelpartner.de/knowledgecenter/tk-business/279674/; abgerufen am 17.07.2009
1
2
G R U N D L A G E N : T H E M A E I N O R D N U N G , B E G R I F F S PA A R E , D E F I N I T I O N E N
Als Einstieg in die Thematik des Mobile Ticketing sollen die theoretischen, wissenschaftlichen Grundlagen verständlich gemacht werden. Dafür wird im Folgenden eine Einordnung des Mobile Ticketing in seinen theoretischen Hintergrund (Kapitel 2.1, S. 2) gegeben. Anschließend werden die beiden grundlegenden Begriffspaare „Business“/“Commerce“ bzw. „Electronic“/“Mobile“ und ihre Abgrenzungen erläutert (Kapitel 2.2, S. 2). Das Grundlagen-Kapitel endet mit der Erklärung der notwendigen und häufig verwendeten (Grund-)Begriffe/Definitionen (Kapitel 2.3.1, 2.3.2, 2.3.3, 2.3.4, 2.3.6 und 2.3.7) und der dort möglichen Beziehungsformen (Kapitel 2.3.5).
2.1 einordnung von mobile ticketing in e-business/e-commerce
M-Ticketing wird hier aus der Sicht der Betriebswirtschaftslehre bzw. des dortigen Teilbereichs Electronic Business / Electronic Commerce (Kapitel 2.3.1 und 2.3.2) be-handelt. Dieses Themengebiet beinhaltet wiederum das Mobile Business (Kapitel 2.3.3). Electronic bzw. Mobile Business lassen sich nach dem 4C-Net-Business- Model (Kapitel 3.3.3) indie vier Typologien (Geschäftskonzepte) Content, Context, Connection und Commerce untergliedern. Letztere umfasst schließlich die Anwendungen Mobile Ticketing (Kapitel 2.3.6) und Mobile Payment (Kapitel 2.3.7). Abbildung 1 verdeutlicht diese Zusammenhänge grafisch.
Abbildung 1: eigene Darstellung zur fachlichen Einordnung des Themas Mobile Ticketing (siehe auch Kapitel 3.3.3)
2.2 grundlegende begriffspaare
Vor der Befassung mit den zentralen Definitionen für diese Projektarbeit (Kapitel 2.3) ist es sinnvoll sich mit den dort häufig auftauchenden Begriffspaaren „Business“/“Commerce“ (Kapitel 2.2.1) und „Electronic“/“Mobile“ (Kapitel 2.2.1) zu
2
2.3 zentrale definitionen 3
beschäftigen. Eine Abgrenzung dieser Grundbegriffe erleichtert den Einstieg in die Fachterminologie.
2.2.1 Unterscheidung „Business“ und „Commerce“
Buse und Tiwari subsummieren unter dem Begriff „Business“ alle Aktivitäten, „die von einem Unternehmen vorgenommen werden, um Güter und Dienstleistungen zu erzeugen und zu verkaufen“ (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 23, 24). Auch nicht-kommerzielle Prozesse wie etwa Beschaffung, Produktion oder Pflege von Kundenbeziehungen („Customer Relationship Management“) zählen hierzu. Der Fachausdruck „Commerce“ wird dagegen als Teilmenge der „Business“-Aktivitäten gesehen. Der Fokus liegt dabei auf dem „Kauf bzw. Verkauf von Gütern und Dienstleistungen sowohl im Geschäftskunden- als auch im Endkundensegment“ (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 24).
2.2.2 Unterscheidung „Electronic“ und „Mobile“
Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Thema fallen häufig auch die Fachworte „Electronic“ und „Mobile“. Unter „Electronic“ verstehen Buse und Tiwari einen zeitlich uneingeschränkten - allerdings stationären - „Zugang zu Geschäftsprozessen mit Hilfe von computerbasierten bzw. -vermittelten Netzwerken“ (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 24). Im Unterschied dazu bezeichnet das Adjektiv „Mobile“ „den nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unbegrenzten Zugang zu den Geschäftsprozessen“ (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 25). Realisiert wird dieser von der Position des Nutzers unabhängige Dienst durch mobile Telekommunikationsnetzwerke (siehe Kapitel 3.2.2).
2.3 zentrale definitionen
In Kapitel 2.1 wurden bereits relevante Fachbegriffe genannt. Aufbauend auf dem Wissen um die zentralen Begriffspaare aus Kapitel 2.2 lassen sich nun diese Fachtermini genauer spezifizieren und definieren.
2.3.1 Electronic Business
Auf oberster Stufe betrachtet die klassischen Betriebswirtschaft in diesem Fall das Electronic Business. Wirtz versteht darunter die „Anbahnung sowie die teilweise respektive vollständige Unterstützung, Abwicklung und Aufrechterhaltung von Leistungsaustauschprozessen mittels elektronischer Netze“ (siehe Wirtz 2001, Seite 34). Oder kürzer: Electronic Business ist „jeder Prozess, der seitens einer geschäftlichen Organisation über computervermittelte Netzwerke vorgenommen wird“ (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 26). Gemäß Buse und Tiwari gehören zum E-Business dabei folgende Vorgänge (vgl. Buse und Tiwari 2008, S. 26):
• Aufbau und Unterhaltung von Kundenbeziehungen
• Electronic Commerce
• Auftragsabwicklung
• Sendungsverfolgung
• Eingangs- und Ausgangslogistik
2.3 zentrale definitionen 4
• Lagerhaltungskontrolle
• Finanz-, Budget- und Kontenbuchführung
• Personalwesen
• Kundendienst
• Reparaturservice
• Forschung und Entwicklung sowie
• Wissensmanagement
2.3.2 Electronic Commerce
Die beiden Begriffe Electronic Business (im Folgenden nur noch kurz E-Business genannt) und Electronic Commerce (kurz E-Commerce) werden häufig gleichbedeutend verwendet. Während E-Business alle Geschäftsprozesse (siehe Kapitel 2.3.1, S. 3), „die über das Internet oder über ein firmeneigenes Netzwerk - das Intranet - abgewickelt werden“ (siehe Kirn 2002, Seite 11-12), umfasst, versteht Kirn unter E-Commerce lediglich Präsentation und Absatz von Waren oder Dienstleistungen samt Abwicklung der Transaktion und Zahlung. „Auch der Austausch weitergehender Informationen für einen umfassenden Kundennutzen und Service sind mit eingeschlossen. E-Commerce ist folglich eine Teilmenge von E-Business“. (siehe Kirn 2002, Seite 11-12)
Im E-Business sieht Wirtz neben dem E-Commerce u. a. noch die Aktivitäten E-Information/E-Entertainment, E-Education, E-Communication und E-Collaboration (siehe Wirtz 2001, Seite 39). Auf diese Teilbereiche wird in der vorliegenden Arbeit nicht näher eingegangen.
2.3.3 Mobile Business
„Der Begriff Mobile Business oder M-Business umfasst alle Aktivitäten, Prozesse und Applikationen, welche mit mobilen Technologien realisiert werden können. Beim M-Business finden die Geschäftsbeziehungen mittels mobiler Geräte statt. M-Business kann als Untermenge des E-Business verstanden werden, wobei Informationen beim M-Business zeitunabhängig und ortsunabhängig zur Verfügung stehen“ (siehe Meier und Stormer 2008, Seite 211). Wirtz bezeichnet demnach M-Business kurz als „PC-unabhängige Form des Electronic Business (siehe Wirtz 2001, Seite 43)“.
Lehner rechtfertigt aber eine Unterscheidung zwischen E-Business und M-Business aufgrund der unterschiedlichen Technologien und aufgrund unterschiedlicher Geschäftsmodelle. „Mobile Endgeräte (siehe Kapitel 3.2) besitzen eine Reihe spezifischer Eigenschaften, die eine Differenzierung der Geschäftsmodelle notwendig und möglich machen:
• Mobilität - die Benutzer haben an jedem Ort und zu jeder Zeit Zugang zu mobilen Netzen.
• Erreichbarkeit - die Benutzer sind jederzeit erreichbar.
• Lokalisierung - mobile Geräte können lokalisiert werden.
• Identifikation - mobile Geräte sind einzelnen Benutzern eindeutig zugeordnet“ (siehe Lehner et al. 2008, Seite 312).
2.3 zentrale definitionen 5
Aufgrund dieser speziellen Eigenschaften der mobilen Endgeräte ist Mobile Business nicht nur - wie oben angesprochen - als Teilmenge oder Erweiterung des Electronic Business (z.B. der Dienst Ticketkauf kann sowohl im E- als auch im M-Business angeboten werden) anzusehen. Tatsächlich bietet es „zusätzlich einige neue, einzigartige Dienste wie orts- und situationsabhängige Inhalte“ (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 32) - z.B. location-based Services (siehe Kapitel 4, S. 40). In Abbildung 2 auf Seite 6 wird dieser Sachverhalt durch eine nicht exakte Überlappung des M-Business durch das E-Business Rechnung getragen.
2.3.4 Mobile Commerce
Die Begriffe Mobile Business und Mobile Commerce werden in Wissenschaft und Praxis gerne synonym verwendet. Inhaltliche Übereinstimmung besteht dahingehend, dass bei beiden Fachtermini mobile Endgeräte und Mobilfunk- bzw. andere drahtlose Netze zum Einsatz kommen. Reichardt sieht im Mobile Commerce streng genommen eine konsumentenorientierte Teilmenge (z.B. Handelstransaktionen) des Mobile Business (vgl. Reichardt 2008, S. 129, 130). Für Buse und Tiwari umfasst M-Commerce demnach „jede Transaktion, die mit einer Übertragung von Eigentums-oder Nutzungsrechten verbunden ist und über die Nutzung eines mobilen Zugangs zu computervermittelten Netzwerken per elektronischem Endgerät angebahnt und/oder beendet wird“ (siehe Buse und Tiwari 2008, S. 34).
Das Verhältnis zum korrespondierenden Begriff E-Commerce ist ähnlich wie das Verhältnis der Begriffe E- und M-Business untereinander (vgl. Kapitel 2.3.3, S. 5 bzw. Abb. 2). Auch hier gibt es Dienste, die sowohl im E- als auch im M-Commerce einsetzbar sind. Darüberhinaus gibt es aber auch reine M-Commerce-Anwendungen. Das Fachgebiet Mobile Commerce ist demzufolge sehr vielschichtig und bietet eine Vielzahl von Anwendungen. Das in dieser Arbeit charakterisierte Mobile Ticketing (Kapitel 2.3.6) stellt nur einen dieser Dienste dar (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1: Anwendungsbereiche und Dienste im Mobile Commerce (entnommen von Buse und Rajnish 2008, S. 69)
Arbeit zitieren:
Daniel Bialas, 2009, Analyse der Einführung von Mobile Ticketing im deutschen Regional- und Fernverkehr, München, GRIN Verlag GmbH
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