Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Kontakte zur Zivilbevölkerung: Norwegen aus Sicht nationalsozialistischer Ideologie 5
3. Die Reaktionen der Anderen: Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und
deutschen Soldaten aus norwegischer Sicht 12
4. Kontaktfelder deutscher Soldaten und norwegischer Einheimischer 20
5. Motive für Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und deutschen Soldaten. 24
5.1 Aus Sicht deutscher Soldaten in Norwegen 24
5.1.1 Euphorie 25
5.1.2 Langeweile und Einsamkeit 27
5.1.3 Ideologische Einstellungen 28
5.1.4 Anschluss suchen 29
5.1.5 „Schneller Sex“ 31
5.1.6 Liebe 32
5.2 Aus Sicht norwegischer Frauen 33
5.2.1 Neugier, Faszination und Bewunderung 34
5.2.2 Spaß und Unterhaltung 35
5.2.3 Der „liebe Fritz“ 36
5.2.4 Anschluss zulassen 37
5.2.5 Opportunismus 38
5.2.6 Liebe 39
6. Fazit 41
7. Literatur 43
8. Anhang 44
9. Erklärung 45
1
1. Einleitung
„Die Deutschen in ihren Uniformen, mein Gott, waren das schöne Männer, wir haben unseren Augen nicht getraut.“ 1 So äußerte sich die Norwegerin Lucie im Gespräch mit Ebba D. Drolshagen über den ersten flüchtigen Kontakt mit denjenigen Männern, die zwischen 1940 und 1945 als Besatzer in Norwegen stationiert waren. Die Bewunderung für die fremden Soldaten, die in dieser Aussage steckt, kann kaum geleugnet werden. Es lässt sich durchaus ein Interesse an den unbekannten Fremden herauslesen. Dieses Interesse (u.a.) an den Neuankömmlingen führte dazu, dass schätzungsweise 40 - 50.000 Norwegerinnen engeren Kontakt zu Deutschen hatten, und aus diesen Beziehungen mind. 9.000 Kinder hervorgingen 2 .
In diesem Zusammenhang stellt man sich die Frage, ob Bewunderung allein als Motiv gelten kann, welches erklärt, warum man sich von Seiten der einheimischen Frauen auf die fremden Männer einließ. Welche anderen Gründe spielten für die Frauen eine Rolle, sich mit dem „Feind“ abzugeben. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, welche Beweggründe es für deutsche Soldaten gab, sich den norwegischen Frauen anzunähern. Die Beantwortung dieser Frage, nämlich der Frage nach den Motiven der Frauen einerseits und denen der Männer andererseits für eine Annäherung an den jeweils anderen, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Um sich dieser Fragestellung zu nähern, wird zunächst darauf eigegangen, wie die NS-Ideologie Beziehungen zwischen Norwegerinnen und Deutschen sah. Hier soll nachgezeichnet werden, inwieweit sich NS-Ideologie in den neu errichteten norwegischen Strukturen wie dem Lebensborn e.V. widerspiegelten, aber auch wie man das Verhältnis zu ethnischen Minderheiten wie z.B. den nordnorwegischen Samen betrachtete. Es gilt zu beobachten, ob die NS-Ideologie, sprich die Zielsetzung von oben, die Bekanntschaften zwischen Norwegerinnen und Deutschen förderte, verhinderte oder ob diese gar bewusst ignoriert wurde. In einem zweiten Abschnitt soll es um die Reaktionen der besetzten Bevölkerung im Hinblick auf Kontakte zwischen Deutschen und Norwegerinnen gehen. Es wird geschildert, inwieweit Frauen, die sich auf den „Feind“ einließen, familiär und gesellschaftlich ausgegrenzt und vom Widerstand Norwegens 3 als Tyskertøs („Deutschenflittchen“) oder Tyskerjenter („Deutschenmädchen“) der „horizontalen Kollaboration“ 4 bezichtigt wurden. Diese Ausgrenzung war während der Besatzungszeit zum überwiegenden Teil psychischer Natur gewesen; nach
1 Drolshagen: Nicht ungeschoren davonkommen. S. 90.
2 Drolshagen: Nicht ungeschoren davonkommen. S. 94.
3 Nähere Informationen zur Organisation und dem Vorgehen des zivilen und militärischen Widerstandes in
Norwegen finden sich in: Mez, Lutz: Ziviler Widerstand in Norwegen. Frankfurt/Main 1976.
4 Drolshagen: Nicht ungeschoren davonkommen. S. 11.
2
dem Norwegen 1945 befreit wurde, änderte sich dies, und die Frauen, die man beschuldigte mit Deutschen zusammen gewesen zu sein, sahen sich vielfach körperlicher Gewalt, Gefängnisstrafen, Entlassungen etc. ausgesetzt 5 .
Desweiteren soll es im nächsten Kapitel darum gehen, wo und in welchen Situationen Kontakte zur Zivilbevölkerung möglich waren. Hierbei wird erläutert, dass der Kontakt von Besatzern und Besetzten keineswegs Seltenheitswert hatte, sondern solche Kontakte in vielfältiger Form zustande kamen. Darum verwundert es nicht, dass sich in diesem Zusammenhang zwangsläufig Kontaktmöglichkeiten zwischen Norwegerinnen und deutschen Soldaten ergaben. 6
Diese vorgeschobenen Kapitel sollen die Leitfrage verdeutlichen. Man muss sich fragen, warum man von Seiten der deutschen Soldaten Beziehungen mit Norwegerinnen einging? Hatte die NS-Propaganda, die die norwegischen Frauen als „Mütter guten Blutes“ beschrieb, bei den Soldaten Erfolg gehabt? Wie erklärt man sich in diesem Zusammenhang jedoch Beziehungen zu samischen Frauen, die von Seiten des NS-Regimes nicht gewünscht waren? Folglich müssen auch andere Gründe eine Rolle für Beziehungen gespielt haben. Auf der anderen Seite muss man sich fragen, warum Frauen das Risiko eingingen, ihren Platz in der Gesellschaft aufs Spiel zu setzen, um mit einem Deutschen zusammen zu sein. Auch hier müssen Gründe zu finden sein, die die Gefahr der gesellschaftlichen Ächtung relativierten. Um diese Gründe, seitens der Soldaten und seitens der Frauen, geht es im zentralen Kapitel dieser Arbeit. Dabei sollen mittels zweier Modelle die Motive von Soldaten und Norwegerinnen kate-gorisiert und benannt werden.
In einem abschließenden Fazit werden die Erkenntnisse dieser Arbeit überblicksartig zusammengefasst.
Allerdings möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Thesen über Motivationen, die ich im folgenden aus Sicht von Norwegerinnen und deutschen Soldaten anbiete, keinesfalls als Verallgemeinerung für alle einheimischen Frauen oder für alle deutsche Soldaten verstanden werden dürfen. In meinen Ausführungen sollen lediglich diejenigen Menschen einbezogen werden, die ausdrücklich auch Kontakt zu dem jeweils anderen wünschten und suchten. Dementsprechend soll bemerkt sein, dass es natürlich auch Frauen gab, die die Paro- 5 Diediskriminierenden Handlungen gegenüber den „Deutschenmädchen“ werden detailiert beschrieben in:
Olsen: Vater: Deutscher. Hier widmet sich Olsen in Kapitel zwei mit dem bezeichnenden Titel „Als der Frie-den hereinbrach“ ab S. 220 diesen Vorgängen.
6 Weih: Alltag für Soldaten. S. 146ff.
3
le der „kalten Schulter“ 7 gegenüber den Deutschen strikt befolgten, genauso wie es Deutsche gab, die kein Interesse an der Zivilbevölkerung zeigten und sich lediglich als Exekutivorgan der Besatzer verstanden. Es geht daher um die bereits oben erwähnten 40 - 50.000 Norwegerinnen und ihre Kontakte zu deutschen Männern.
7 Vgl. hierzu die herausgegebene Parole der norwegischen Exilregierung in Kap. 3, entnommen aus: Drolsha-
gen: Nicht ungeschoren davonkommen. S. 58.
4
2. Kontakte zur Zivilbevölkerung: Norwegen aus Sicht nationalsozialistischer Ideologie
Wenn man in der deutschen Bevölkerung des 3. Reiches an Norwegen dachte, hatte man das Bild eines Landes vor Augen, das gänzlich aus kühnen und kraftvollen Menschen bestand. An dieser Sichtweise Norwegens hatte die NS-Propaganda einen erheblichen Anteil. So wurde das norwegische Volk, und hier vor allem die Jugend, zwar in den Augen der Deutschen als dekadent, unmoralisch, dem Alkohol und dem Nikotin verfallen, beschrieben, doch blieb es ein nordisches Volk, das lediglich der ordnenden deutschen Hand bedurfte. In diesem Sinne war die norwegische Bevölkerung eine besonders gute Rekrutierungsquelle für die Schöpfung einer „Herrenrasse“ für das kommende Groß-Germanische Reich. 8 Demzufolge spielte Norwegen in den rasseideologischen Planungen der Nationalsozialisten eine zentrale Rolle. Nach der Besetzung Norwegens im April 1940 9 kam es bereits wenige Monate später zu ersten Geburten von Kindern mit norwegischen Müttern und deutschen Vätern. Man konnte demnach annehmen, dass mit weiteren solcher Kinder zu rechnen war. Diese Entwicklung sah man im Reich keinesfalls mit Argwohn, galten doch die Norweger als die „arischsten aller Arier“ 10 und waren daher auf der Rassenskale der Nationalsozialisten, allen voran Heinrich Himmlers, ganz oben angesiedelt. So verwunderte es nicht, dass, im Gegensatz z.B. zu den besetzten Ostgebieten, Kontakte zu norwegischen Frauen ausdrücklich erwünscht waren. „Es ist unbe- dingtwünschenswert, dass die deutschen Soldaten mit norwegischen Frauen so viele Kinder wie möglich zeugen, […]“ 11 , hieß es in einem Rundschreiben der SS in Norwegen mit dem Titel „SS für Groß-Deutschland - Mit Schwert und Wiege“. Diese Frauen „guten Blutes“ 12 waren als Mütter deutscher Kinder sogar so begehrt, dass sie vom generellen Heiratsverbot für Wehrmachtssoldaten vom 7. Mai 1940 ausgenommen wurden. Dafür hatte sich Vidkun Qusiling, der Parteivorsitzende der nationalsozialistischen Partei Norwegens Nasjonal Samling, persönlich eingesetzt 13 . Er sah die norwegischen Frauen rassisch diskriminiert, die offenbar „gut genug sind, um die Geliebte eines Deutschen, nicht aber, um dessen Ehefrau zu
8 Kjendsli: Kinder der Schande. S. 39.
9 Für eine genauere Beschreibung des Besatzungsvorgangs in Norwegen, der sog. „Weserübung Nord“, vgl.
Hubatsch, Walther: Weserübung. Die deutsche Besetzung von Dänemark und Norwegen 1940. Göttingen
1960. Hubatsch vertritt in seinem Werk im Übrigen die höchst umstrittene Meinung, die Besetzung Norwe-
gens sei ein rein präventiver Verteidigungsakt der Deutschen gewesen.
10 Drolshagen: Wehrmachtskinder. S. 169.
11 Kjendsli: Kinder der Schande. S. 39.
12 Drolshagen: Wehrmachtskinder. S. 168.
13 Mehr Informationen über die Rolle Quislings bei der Besatzungsherrschaft in Norwegen findet man in:
Loock, Hans-Dietrich: Quisling, Rosenberg und Terboven. Berlin 1970.
5
werden.“ 14 Daraufhin wurde die Heiratsverordnung durch Führererlass im Winter 1941 so verändert, dass gegen Eheschließungen zwischen deutschen Soldaten und rassisch verwandten Personen der germanischen Völker nichts einzuwenden war 15 .
Mit dieser Aufwertung norwegischer Frauen bezweckten die Nazis eine Etablierung „deutschgesinnter Vorposten im norwegischen Volke“ 16 , wie es der HSSPF Nord 17 Wilhelm Rediess ausdrückte. Mit diesen „Vorposten“ waren die Kinder der norwegischen Frauen mit deutschen Soldaten gemeint. Bevor diese Kinder überhaupt geboren waren, hatte diese schon ihren festen Platz im durch die Nationalsozialisten neu geordneten Europa. Dies war die Folge einer NS-Rassenpolitik, die nicht nur auf der Vernichtung aller rassisch und sozial Minderwertigen durch Sterilisation, Euthanasie, und Völkermord basierte, sondern auch auf der Be- gründungeiner rassischen Elite, einem „Herrenvolk“, zu dem diese Kinder „guten Blutes“ gehören sollten. Demzufolge unterschieden sich die Nationalsozialisten erheblich von anderen Besatzungsarmeen, die sich nicht für die Frauen des Feindes und die unehelich gezeugten Kinder dieser interessierten. Diese Frauen und Kinder spielten im Machtkalkül anderer Besatzer keine Rolle. Die Nationalsozialisten waren nun die ersten, die diese Frauen und Kinder gezielt in den Blick ihrer Bemühungen nahmen. 18 Dies galt natürlich nur für die besetzten Nord- und Westgebiete. In Norwegen, machte man sich von Seiten der Nazis gezielt daran, Strukturen innerhalb des Landes zu schaffen, um die „Auslese und Sammlung arischen Blutes“ 19 , so Himmler, voranzutreiben. Dieses Ziel wurde mit der Etablierung des deutschen Vereins „Lebensborn e.V.“ ab Sommer 1940 in Norwegen konsequent verfolgt. Damit war Norwegen das erste besetzte Land, in dem der Lebensborn außerhalb des Deutschen Reiches eingerichtet wurde. Dieser Verein wurde bereits 1935 als Unterabteilung der SS in Deutsch-land gegründet. Seine Aufgabe bestand darin die nordische, „arische“ Rasse dadurch zu vere- deln,indem immer mehr Kinder mit den „richtigen“ erbbiologischen Eigenschaften geboren werden sollten. „Richtige“ Eigenschaften stellten nach den Vorstellungen der Nazis äußere Aspekte wie hohe Stirn, blaue Augen und blonde Haare dar. 20 Allen voran Heinrich Himmler war angetan von dem Gedanken die Reproduktion einer „Herrenrasse“ selber in der Hand zu haben. Demzufolge wurde die Ausbreitung des Lebensborns in Norwegen energisch voranget-
14 Drolshagen:Wehrmachtskinder. S. 287.
15 Drolshagen: Wehrmachtskinder. S. 287.
16 Drolshagen: Wehrmachtskinder. S. 169.
17 Der Höhere SS- und Polizeiführer (HSSPF) Nord war der höchste SS-Mann in Norwegen. Die organisatori-
schen Strukturen des Reichskommissariats in Norwegen werden beschrieben in: Bohn, Robert: Reichskom-
missariat Norwegen. München 2000.
18 Drolshagen: Wehrmachtskinder. S. 286.
19 Drolshagen: Wehrmachtskinder. S. 168.
20 Kjendsli: Kinder der Schande. S. 37.
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rieben. Wie die Deutschen diesen Verein in Norwegen organisierten, soll im Folgenden kurz geschildert werden.
Im Februar 1941 trafen sich hochrangige Parteifunktionäre der NSDAP, um das Problem der geborenen Kriegskinder in Norwegen zu erörtern. Anwesend waren hierbei der Reichsführer-SS Heinrich Himmler, der Reichskommissar Norwegens Josef Terboven 21 , der HSSPF Nord Wilhelm Rediess und der Leiter des Lebensborn e.V. in Deutschland Max Sollmann 22 . Außerdem nahmen an diesem Gespräch Dr. Günther Reinecke, ein deutscher Jurist aus München, der sich in Norwegen mit bevölkerungs- und rassenpolitischen Fragen beschäftigte, sowie Dr. Gustav Richert, der künftig für den Bereich Lebensborn in Norwegen zuständig sein sollte, teil. 23 Allein an den Akteuren, die sich dieser Problematik annahmen, lässt sich erkennen, welche Priorität das Thema deutsch-norwegischer Kriegskinder genoss. Nach diesem Gipfeltreffen machte sich Dr. Richert daran, den Lebensborn nach deutschem Vorbild in Norwegen zu installieren. Richert übernahm die übergeordnete politische und organisatorische Leitung des Lebensborns in Norwegen, agierte aber zumeist aus dem Hintergrund. Er unterhielt direkte Kontakte zu Himmler und Sollmann und lenkte die wesentliche Richtung des Lebensborns in Norwegen. Die Arbeit für den Lebensborn verrichtete er zusätzlich zu seinem eigentlichen Amt in Norwegen. Dort war er Leiter der Abteilung Ernährung und Landwirtschaft im Reichskommissariat. Seine Arbeit beim Lebensborn orientierte sich an einer rassisch geprägten Vorstellungswelt, nach der eine nordische Rasse mit ihrem „Gestaltungswillen“ über die ganze Welt verbreitet sei 24 . Richert sah es als seine Aufgabe, eine Reinhaltung dieser nordischen Rasse in Norwegen zu erreichen. Dafür holte er einen weiteren Parteifunktionär mit ins Boot, der den Lebensborngedanken nun konkret in die Tat umsetzen sollte. Es handelte sich hierbei um den SS-Sturmbannführer Wilhelm Tietgen, der aus der Münchener Zentrale des Lebensborn e.V. nach Norwegen kam. Er gehörte bereits seit 1931 zur NSDAP und arbeitete ab 1934 hauptberuflich für diese, bevor er im März 1941 nach Norwegen versetzt wurde, um dort das erste Lebensborn-Büro außerhalb Deutschlands zu gründen. In seinen Aufgabenbereich fielen der Aufbau eines organisatorischen Apparates, die Errichtung von Lebensbornheimen und Mütterberatungsstellen, sowie die Bearbeitung der Einzelfälle deutsch-norwegischer Kinder, die sich zu häufen begannen. Für die Bearbeitung
21 Im April 1940 war in Norwegen ein Reichskommissariat unter der Leitung Josef Terbovens entstanden. Für
weitere Informationen über die Etablierung dieser Institution in Norwegen vgl. Bohn, Robert: Reichskommis-
sariat Norwegen. München 2000.
22 Informationen zum Aufbau und der Arbeit des Lebensborn e.V. in Deutschland liefert: Lilienthal, Georg:
Der „Lebensborn e.V.“. Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik. Stuttgart 1985.
23 Olsen: Vater: Deutscher. S. 28.
24 Olsen: Vater: Deutscher. S. 44f.
7
dieser Anforderungsbereiche hatte Tietgen im Mai 1941 lediglich weitere vier Mitarbeiter. Im Laufe des Krieges wuchs diese Zahl auf mindestens 50 Beschäftigte in der Zentrale an. Hinzu kamen die Angestellten der örtlichen Büros, sowie der insgesamt elf Lebensbornheime, sodass man im April 1943 schon 223 Lebensbornmitarbeiter zählte. Bis zum Kriegsende vermutet man eine Zahl von mindestens 300 Angestellten 25 . So entwickelte sich der Lebensborn e.V. unter Tietgen zu einer landesweiten Organisation, die von nun an die Aufgabe übernahm, die „Mütter guten Blutes“ gezielt zu fördern, sei es durch finanzielle und materielle Unterstützung, oder durch die Aufnahme in eines der norwegischen Lebensbornheime 26 .
Wenn man die bisherigen Ausführungen betrachtet, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Deutschen die Norweger generell als rassisch hochwertig ansahen, und müsste meinen, dass Beziehungen jeglicher Art zu allen norwegischen Frauen von deutscher Seite aus mit Wohlwollen begegnet worden ist. An dieser Stelle erhalten wir einen Einblick in einen der vielen Gedankenbrüche nationalsozialistischer Ideologie, denn mitnichten wurde jede Beziehung deutscher Soldaten mit norwegischen Frauen akzeptiert. An dieser Stelle sollen zwei Bereiche angesprochen werden, an denen man erkennt, dass Norwegerin nicht gleich Norwegerin war. Zum Einen soll es um sog. samische Frauen gehen, die in Nordnorwegen lebten, und zum Anderen um „normale“ einheimische Norwegerinnen, die trotzdem als rassisch minderwertig eingestuft wurden, und infolgedessen z.B. als heiratsuntauglich oder unwürdig galten, Unterstützung des Lebensborns zu erhalten.
Bei den Deutschen herrschte die Auffassung vor, dass die norwegische Bevölkerung zum größten Teil rassisch wertvoll sei. Man wollte sich daher grundsätzlich um alle norwegischen Mütter mit einem Kind von einem deutschen Soldaten kümmern. Voraussetzung war allerding, „dass es sich bei den Norwegerinnen nicht um rassisch minderwertige Frauen han- delt.“ 27 Werrassisch minderwertig war und wer nicht, wurde von den Deutschen von Fall zu Fall entschieden. In diesem Zusammenhang war man der Ansicht, dass generell in Südnorwegen gesunde rassische Zustände herrschten, und der Anteil nordischen Blutes ungewöhnlich hoch sei, so hieß es in einem Bericht eines SS-Obersturmführers, der mit der Aufgabe betraut worden war, eine Rassenkarte zunächst von Südnorwegen anzufertigen 28 . In den nordnorwegischen Regionen ergab sich für die Deutschen ein anderer Eindruck. Bei einer Rundreise einer deutschen Kinderärztin stellte diese erschreckend fest, dass die Nachkommen der alten
25 Olsen: Vater: Deutscher. S. 40f.
26 Mehr zur Unterstützung der norwegischen Mütter siehe in: Olsen: Vater: Deutscher. S. 53ff.
27 Olsen: Vater: Deutscher. S. 49.
28 Olsen: Vater: Deutscher. S. 31.
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Arbeit zitieren:
Mario Kulbach, 2011, Beziehungen zwischen einheimischen Frauen und deutschen Soldaten im besetzten Norwegen, München, GRIN Verlag GmbH
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