Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Webers Erklärungsansatz zur Entstehung des Kapitalismus 2
- Webers Definition des Kapitalismus 2
- Der okzidentale Kapitalismus 3
- Die Entstehung des okzidentalen Kapitalismus 3
Der marxistische Erklärungsansatz zur Entstehung des Kapitalismus 5
- Das feudale Ständesystem 6
- Die Trennung von Staat und bürgerlicher Gesellschaft 7
- Die ursprüngliche Kapitalakkumulation 8
Die Erklärungsansätze von Weber und Marx im Vergleich 9
- Der historische Materialismus und der Versuch seiner Widerlegung 10
Kritik und Fazit 12
Literaturverzeichnis
Einleitung
„Die Redlichkeit eines heutigen Gelehrten, und vor allem eines heutigen Philosophen, kann man daran messen, wie er sich zu Nietzsche und Marx stellt. Wer nicht zugibt, dass er gewichtigste Teile seiner eigenen Arbeit nicht leisten könnte ohne die Arbeit, die diese beiden getan haben, beschwindelt sich selbst und andere. Die Welt, in der wir selber geistig existieren, ist weitgehend eine von Marx und Nietzsche geprägte Welt.“
Dieses von Max Weber stammende Zitat, welches aus einem Gespräch mit einem seiner Studenten bekannt ist (Zander 1978: 85), zeugt von der Achtung Webers gegenüber Marx. Gleichwohl solche direkten Verweise auf Karl Marx äußerst spärlich in den Schriften Webers sind, können in dessen Werken, sei es nun in „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitals“, oder auch in „Wirtschaft und Gesellschaft“ weitere Bezüge und Kommentare gefunden werden. Hieraus ist ersichtlich, dass die Ausarbeitung der protestantischen Ethik nach Weber vor dem Hintergrund der marxistischen Schriften geschah. Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die Theorien von Max Weber und Karl Marx zur Entstehung des Kapitalismus gegenüberzustellen und zu vergleichen. Dabei sei zu erwähnen, dass sich dieser Vergleich einzig auf die Theorien zur Entstehung des Kapitalismus, nicht etwa auf das Wirken des Selbigen innerhalb eines solchen Systems bezieht, da die Rede davon ist, „dass der Kapitalismus ein nicht mehr aus der Welt zu schaffendes, also schlechthin hinzunehmendes Ereignis sei, hinter das zurück, zu den patriarchalischen Grundlagen der alten Gesellschaft, heute kein Weg mehr führt“ (Weber 1904: 11). Die Frage ist also, welche Erklärungsansätze die beiden Theorien zur Ablösung dieser so genannten patriarchalischen Grundlagen der alten Gesellschaft durch den Kapitalismus bieten und wie sich diese unterscheiden lassen. Um diesen Vergleich zu ermöglichen, werde ich in vier Schritten vorgehen. Zunächst ist die Entstehung des Kapitalismus nach Weber zu beschreiben, worauf im zweiten Schritt die Theorie nach Marx folgen wird. Anschließend werden beide Theorien miteinander verglichen, um im letzten Schritt zu einer Kritik und einem Fazit zu gelangen. Der Autor ist sich der enormen Dimensionen und Tragweiten der beiden Theorien bewusst, sodass die Erklärungsansätze bloß als Umrisse anzusehen sind, da genauere Ausführungen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.
„Universalgeschichtliche Probleme wird der Sohn der modernen europäischen Kulturwelt unvermeidlicher- und berechtigterweise unter der Fragestellung behandeln: Welche Verkettung von Umständen hat dazu geführt, dass gerade auf dem Boden des Okzidents, und nur hier, Kulturerscheinungen auftraten, welche doch - wie wenigstens wir uns gern vorstellen - in einer Entwicklungsrichtung von universeller Bedeutung und Gültigkeit lagen?“ (Weber 1920: 1)
Dieser einleitende Satz aus den „Gesammelten Werken zur Religionssoziologie“ kennzeichnet Webers zentrale Fragestellung, der er versucht nachzugehen. Was Weber hier als Kulturerscheinungen beschreibt, kann gleichermaßen mit dem Aufkommen des Kapitalismus bezeichnet werden. Die zentrale Frage ist also, wie das Aufkommen des Kapitalismus in Europa zu erklären ist. Um dieser Frage nachzugehen, ist zunächst eine Definition des Kapitalismusbegriffs nach Weber notwendig. Webers Definition des Kapitalismus
Kapitalismus hat nach Weber nichts mit einem Erwerbsbetrieb, dem Streben nach Gewinn, oder einem möglichst hohen Geldgewinn zu tun, da diese Eigenschaften schon bei „all sorts and conditions of men“ zu jeder Zeit, in der die objektive Möglichkeit für ein solches Handeln gegeben war, vorzufinden war und ist. Auch schrankenloseste Erwerbsgier ist nicht im Mindesten gleich Kapitalismus; im Gegensatz: Kapitalismus kann mit Bändigung oder rationaler Temperierung dieser Erwerbsgier geradezu identisch sein. Allerdings ist Kapitalismus ein Streben nach immer neuem Gewinn, also identisch mit Rentabilität, weil er es sein muss. Ansonsten würde ein Betrieb, der sich nicht an der Rentabilität orientieren würde, in einem kapitalistischen System untergehen. Ein kapitalistischer Wirtschaftsakt beruht folglich auf der Erwartung von Gewinn durch Ausnutzung von Tauschchancen hin zu friedlichen Erwerbschancen. Da der gewaltsame Erwerb anderen Gesetzen als den hier beschriebenen unterworfen ist, kann diese Möglichkeit nicht unter die gleiche Kategorie mit einem Tauschgewinn-Chancen orientierten Handelns gestellt werden, und ist somit bei rational bestrebtem Handeln zu vernachlässigen (Weber 1920: 4).
Kapitalismus bedeutet folglich prinzipiell für das Individuum, als auch für das Kollektiv, „dass die tatsächliche Orientierung an einer Vergleichung des Geldschätzungserfolges mit dem Geldschätzungseinsatz, in wie primitiver Form auch immer, das wirtschaftliche Handeln entscheidend bestimmt“ (Weber 1920: 6). Der okzidentale Kapitalismus
Nachdem nun der Begriff des Kapitalismus nach Weber definiert wurde, ist zu klären, worin das besondere am okzidentalen Kapitalismus besteht. Schließlich sind Formen des Kapitalismus und kapitalistische Unternehmungen in allen Kulturländern der Erde durch Dokumente überliefert. Das zentrale Problem besteht also nicht in der nur in der Form wechselnden Entfaltung kapitalistischer Betätigungen in der Kulturgeschichte als solcher, sondern vielmehr darin, wie ein bürgerlicher Betriebskapitalismus mit seiner rationalen Organisation der freien Arbeit entstehen konnte (Weber 1920: 11). Die rational-kapitalistische Organisation von formell freier Arbeit, in welche der Einzelne hineingeboren wird und für ihn als faktisch unabänderliches Gehäuse gegeben ist, welches dem Individuum, soweit es in den Zusammenhang dieses Marktes verflochten ist, die Normen seines wirtschaftlichen Handelns aufzeigt, definiert also das besondere am okzidentalen Kapitalismus. Dabei ist jedoch zwischen dem modernen Kapitalismus als fertigem System, welches die Bedingungen seiner Bestandserhaltung selbst herzustellen vermag, und dessen historischer Entstehung, welche von Bedingungen auch außerhalb der Ökonomie abhängig war, zu unterscheiden (Guttandin 1998: 19). Weber fragt also nach der historischen Entstehung des okzidentalen Kapitalismus, dem nun im Folgenden nachgegangen wird. Die Entstehung des okzidentalen Kapitalismus
Damit sich ein System wie das des Kapitalismus etablieren kann, muss es zunächst ein anderes System verdrängen. Dies funktioniert nach Weber logischerweise zunächst durch die Entstehung eines Systems, dessen Eigenarten nicht von isolierten Individuen, sondern von der Gesellschaft internalisiert werden müssen. Diese Anschauungsweisen müssen also von Menschengruppen, von einem Kollektiv innerhalb eines Systems getragen werden, um sich entfalten zu können. Folglich ist die Entstehung jener Anschauungsweisen innerhalb von Menschengruppen das eigentlich zu Erklärende (Weber 1920: 37). Auf den Okzident angewandt ist das System, welches durch den Kapitalismus verdrängt wurde, das des Traditionalismus. Nach Weber will der Mensch darin nicht mehr Geld verdienen, als zum gewohnten Leben notwendig ist, und nur so viel erwerben, wie zu diesem
Arbeit zitieren:
Rajko Dikmann, 2007, Zur Enstehung des Kapitalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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