Kurzfassung
„Bankenkrise! Wen trifft es als Nächstes?“
So oder so ähnlich lauteten die Schlagzeilen nach den erheblichen Schwierigkeiten der IKB-Bank und der Sachsen LB. Durch Investitionen in US-Immobilienkredite mit schlechten Bonitäten war ihre Existenz ernsthaft gefährdet. Auf Basis der Erkenntnisse früherer Bankenkrisen wurden bereits erste aufsichtsrechtliche Vorschriften zur Risikotragfähigkeit formuliert. Zur Gewährleistung der Risikotragfähigkeit müssen die gesamten Risiken einer Bank, die größtenteils aus den Adressausfallrisiken und den Marktpreisrisiken bestehen, durch das vorhandene Risikodeckungspotenzial ausreichend abgedeckt sein. Während die Ermittlung des Risikodeckungspotenzials methodisch sich als relativ unkompliziert gestaltet, erweist sich die Bestimmung des Gesamtbankrisikos auf Grund der schwer zu definierenden Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Risikoarten wesentlich aufwändiger. Damit die Risiken stets unter Rendite-Risiko-Aspekten und unter Ausnutzung von Diversifikationseffekten eingegangen werden, ist ein Allokationsprozess, der breit in verschiedenen Asset Klassen anlegt, notwendig. Limitsysteme sorgen dafür, dass Risiken adäquat limitiert und nicht in unendlichem Maße eingegangen werden können.
I
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung. I
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis III
Symbolverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis. VI
1 Hinführung 1
2 Risikotragfähigkeitskonzeption 3
2.1 Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen. 3
2.2 Betriebswirtschaftliche Notwendigkeit und begriffliche Einordnung 5
2.3 Risikotragfähigkeitskonzept des DSGV 10
3 Ökonomischer Risikokapitalbedarf 13
3.1 Messgrößen für Risiken. 13
3.2 Komponenten des Risikokapitalbedarfes. 14
3.3 Ermittlung des Gesamtbankrisikos 16
3.3.1 Einfache Modelle 16
3.3.2 Copula-Funktionen zur Ermittlung des Gesamtbankrisikos 17
4 Operationalisierung in der Gesamtbanksteuerung 23
4.1 Asset Allocation 23
4.1.1 Allokationsprozess. 24
4.1.2 RORAC als Steuerungsgröße der Asset Allocation. 27
4.1.3 Beispiel für Asset Allocation 29
4.2 Gestaltung des Limitsystems. 31
5 Fazit und Ausblick 34
Anhang 37
Literaturverzeichnis. 39
II
Abkürzungsverzeichnis
ABS Asset Backed Securities AT Allgemeiner Teil BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BTR Besondere Teile Risikosteuerungs- und Controllingprozesse DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband EVA Economic Added Value GroMiKV Groß- und Millionenkreditverordnung GbVaR Gesamtbank-Value-at-Risk GuV Gewinn und Verlust ICAAP Internal Capital Adequecy Assessment Process KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KWG Kreditwesengesetz MaH Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften MaK Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanagement o.J. ohne Jahresangabe o.V. ohne Verfasser RAPM Risk Adjusted Performance Measurement RORAC Return on Risk adjusted Capital SolvV Solvabilitätsverordnung SRP Supervisory Review Process VaR Value at Risk
III
Symbolverzeichnis
Beta
§ Paragraph Summe Mu Sigma m Freiheitsgrad unendlich Wurzel aus
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die Idee der Risikotragfähigkeit
Abbildung 2: Ökonomisches Risikodeckungspotenzial.
Abbildung 3: Verlustverteilungen der wesentlichen Risiken
Abbildung 4: Aggregationsansatz für das Gesamtbankrisiko.
Abbildung 5: Unabhängige und korrelierte Zufallszahlen mittels der Normal-Copula
Abbildung 6: Normal-(oben) versus t-Copula(unten)
Abbildung 7: Limitverteilung auf Gesamtbankebene
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Rendite-Risiko-Profil eines Portfolios mit zwei Asset Klassen 30
Tabelle 2: Rendite-Risiko-Profil eines Portfolios mit fünf Asset Klassen 30
Tabelle 3: Vergleich von Limitkonzepten 33
VI
1 Hinführung
Kreditinstitute hatten in den letzten Jahren vielschichtige Probleme zu lösen. Getragen von einem konjunkturellen Aufschwung und dem Expansionsdrang der New Economy erlebten die Börsen Ende der 90er Jahre weltweit einen bis dahin nie gekannten Boom. Unmittelbarer Profiteur waren die Kreditinstitute, die ihre Kreditvolumina steigern konnten und mit ihren Eigengeschäften an den Börsen große Gewinne einfahren konnten. Das Platzen der Börsenblase und das zahlreiche Scheitern von vielen ambitionierten Buisnessplänen, sorgten bei den Banken in den Jahren 2001 -2003 für nicht unerhebliche Ausfälle im Kreditbereich und für immense Abschreibungen bei den eigenen Aktienbeständen. In den folgenden Jahren hatten sie sich mit den strukturellen Veränderungen am Geldmarkt auseinander zu setzen. Das Absinken der Zinsniveaus in Verbindung mit der Verringerung der Creditspreads und das Abflachen der Zinsstruktur verminderte die Möglichkeit ausreichende Fristentrans-formationsergebnisse zu generieren. 1 Das niedrige Zinsniveau und steigende Immobilienpreise in den Jahren 2003 - 2005 sorgte in den USA für eine erhebliche Ausweitung des Kreditvolumens. Die Kreditnehmer in den USA setzen dabei traditionell auf variable Zinsvereinbarungen. Mit dem steigenden Zinsniveau in den Jahren 2006 und 2007 gerieten viele US-Verbraucher mit einer schlechten Bonität auf Grund der gestiegenen Zinsbelastung immer mehr in Zahlungsschwierigkeiten und konnten ihre Kredite nicht mehr ordnungsgemäß bedienen. In der Folge mussten immer mehr Eigenheime zwangsversteigert werden, wodurch die Immobilienpreise fielen. Dazu muss gesagt werden, dass speziell US-Banken selbst schon auf Grund von gestiegenen Häuserpreisen bereit waren neue Kredite an die Kreditnehmer zu Konsumzwecken auszureichen. Im Endeffekt bescherte dies den USA eine Immobilienkrise sowie ernsthafte Konjunkturängste, da vorerst der kreditfinanzierte Binnenkonsum gestoppt wurde. Wie konnte jedoch eine Immobilienkrise, die lokal nur die USA betraf, die Weltbörsen ins Wanken zu bringen und neben US-Immobilienfinanzierer wie Countrywide Financial auch deutsche Banken wie die IKB-Bank oder die Sachsen LB an der Rande der Zahlungsunfähigkeit bringen? Ursache waren verbriefte Forderungen, sogenannte Asset Backed Securities (ABS), die es ermöglichen Immobilienkredite in Form von Wertpapieren an den Börsen handelbar zu machen. Diese ABS werden von Banken, Hedgefonds und andere Investoren im Rahmen ihrer Asset Allocation gehalten. Ausgelöst durch die Probleme in den USA erlitten die Inhaber auf Grund der mangelnden Werthaltigkeit ihrer gehaltenen ABS, erhebliche
1 Vgl. Münstermann; Balke (2007), S. 3.
1
Verluste. Dies traf vor allem auf ABS, die Immobilienkredite schlechter Bonitäten (Subprime Mortgage) beinhalteten, zu. 2 Nur durch eine Aktion der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Zusammenarbeit mit dem von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geführtem Bankenkonsortium konnte die sichere Insolvenz der IKB verhindert werden. 3 Nach Aussagen von BaFin-Chef Jochen Sanio sei Deutschland nur knapp einer größeren Bankenkrise entkommen. 4 Diese und andere Schieflagen weltweit waren die Ursache für einen Vertrauensverlust am Interbankenmarkt, wodurch es in der Folge zu erheblichen Liquiditätsengpässen kam. Mitte August 2007 pumpten deshalb die Europäische Zentralbank, Japans Zentralbank und die Federal Reserve Bank insgesamt knapp 180 Mrd. Euro 5 kurzfristig in die jeweiligen Geldmärkte, um eine ausreichende Liquidität sicherzustellen. Wie kann nun die Insolvenz von Kreditinstituten verhindert werden?
Zentraler Ansatzpunkt ist die im Rahmen der Risikotragfähigkeitsrechnung vorzunehmende korrekte Darstellung des ökonomischen Risikokapitalbedarfs als Summe aller im Institut vorhandenen Risiken, sowie deren Steuerung auf Gesamtbankebene. In dieser Arbeit werden zu Beginn die aufsichtsrechtlichen Grundlagen des Risikomanagements betrachtet und eine Einordnung der relevanten Begriffe zur Risikotragfähigkeit sowie eine ausführliche Betrachtung des Risikodeckungspotenzials vorgenommen. Zum Abschluss dieses Kapitels erfolgt eine Darstellung des vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) für die Sparkassen entwickelten Risikotragfähigkeitskonzeptes. Anschließend werden die zwei im Rahmen des Risikotragfähigkeitskonzeptes wichtigsten Prozessschritte ausführlich behandelt. Im dritten Kapitel werden dazu die Risiken in einem Kreditinstitut betrachtet und verschiedene Modelle zur Ermittlung des Gesamtbankrisikos als Summe der Einzelrisiken diskutiert. Die Anlage des Vermögens unter Rendite-/Risiko-Aspekten und die Strukturierung des Limitsystems zur Begrenzung der Risiken im operativen Geschäft wird im vierten Kapital eingehend vorgestellt. Eine Zusammenfassung sowie ein Ausblick zu den Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Umgang von Risiken runden die Arbeit ab.
2 Vgl. o.V. (2007a), S. 985.
3 Vgl. o.V. (2007b), S. 1004.
4 Vgl. o.V. (2007a), S. 985.
5 Vgl. o.V. (2007a), S. 986.
2
2 Risikotragfähigkeitskonzeption
Der folgende Abschnitt gibt im ersten Teil einen grundlegenden aufsichtsrechtlichen Überblick über das Risikomanagement in Kreditinstituten. Im zweiten Teil erfolgt eine Einordung der notwendigen betriebswirtschaftlichen Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit der Risikotragfähigkeit von Kreditinstituten. Im letzten Abschnitt wird beispielhaft das Risikotragfähigkeitskonzept des DSGV vorgestellt.
2.1 Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen
Die gesetzliche Grundlage im Umgang mit Risiken wurde schon im Jahr 1998 durch die Neufassung des § 25a KWG geschaffen. Diese verpflichtet alle Institute ein angemessenes Risikomanagement einzurichten. Hierunter fallen alle Prozesse zur Identifizierung, Beurteilung, Steuerung sowie Überwachung und Kommunikation der Risiken. Durch diese Neufassung wurden die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) als Richtlinie sowie die Solvabilitätsverordnung (SolvV) und die Groß- und Millionenkreditverordnung (GroMiKV) als Verordnungen gesetzlich verankert. Ganzheitlich gesehen bilden die MaRisk die Grundlage des „Supervisory Review Process (SRP)“ der Säule II von Basel II im Rahmen der qualitativen Aufsicht. Dieser ist wesentlicher Bestandteil bei der Ausgestaltung des „Prinzips der doppelten Proportionalität“. Das Prinzip sieht zum einen im Rahmen des SRP einen aufsichtsrechtlichen Überprüfungsprozess sowie eine frühzeitig Intervention durch die Aufsicht vor. Der Umfang des Überprüfungsprozesses verhält sich dabei proportional zu den Risiken des Instituts. Zum anderen zielt es auf den Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP) ab. Grundsatz beim ICAAP ist der bankinterne Einschätzungsprozess in Form einer umfassenden Risikotragfähigkeitsanalyse und die flexible Kapitalanforderung, die beide ebenfalls proportional zur Größe, zur Komplexität und zum Risikogehalt der Geschäfte des Instituts sein sollen. 6 Zentraler Anknüpfungspunkt für die allgemeinen Anforderungen der MaRisk an die Risikosteuerung und das Risikocontrolling ist die Textziffer 743 der Baseler Rahmenvereinbarung. Danach müssen alle wesentlichen Risiken und die dazugehörige Aufbau- und Ablauforganisation des Institutes angemessen identifiziert, beurteilt, gesteuert sowie überwacht und kommuniziert werden. Der Umfang dieser Maßnahmen entspricht der methodischen und technischen Kapazität sowie der Risiko- bzw. Geschäftsstruktur des Instituts. Zusätzlich werden spezielle Anforderungen an Adressausfall-, Marktpreis-, Liquiditäts- und operationelle Risiken, die als wesentliche Risi-
6 Vgl.Lammers; Tiebing (o.Jg.), S. 1.
3
Arbeit zitieren:
Christian Schmidt, 2008, Ökonomischer Risikokapitalbedarf als Basis für Risikotragfähigkeitsrechnung und Gesamtbanksteuerung, München, GRIN Verlag GmbH
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