Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Theoretische Grundlagen 2
2.1 Endogenistische Entwicklungstheorie 2
2.2 Exogenistische Entwicklungstheorie 4
3. Praktische Anwendung 6
4. Fazit 10
Literaturverzeichnis 12
1. Einführung
Es stellt sich die Frage, wodurch die im Laufe der Entwicklung eintretenden intraindividuellen Veränderungen zustande kommen, also die Erklärung von Entwicklungsprozessen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Entwicklung beim Menschen von einer Vielzahl wechselseitig abhängiger Bedingungen beeinflusst wird und dies in unterschiedlicher Art und Weise, je nach dem betrachteten Verhaltensmerkmal, der daraufhin untersuchten Population und dem ins Auge gefasste Entwicklungsabschnitt. Die Anlage-Umwelt Frage ist in unserer Zeit deswegen so enorm wichtig, da die jeweiligen Lebensgratifikationen in unserer Gesellschaft von individuellen Fähigkeiten, Leistungen und Eigenschaften abhängen. Somit sollte es möglich sein, mithilfe sozialpolitischer und pädagogischen Maßnahmen Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu mindern. Diese Gerechtigkeit unter den Menschen kann nicht nur durch Erziehung hergestellt werden. Angenommen man könnte beobachten, dass die Erfolgschancen in unserer Gesellschaft (Einkommen, Prestige, Beruf) nur genetisch bedingt seien, dann wäre die Schaffung einer distributiven Gerechtigkeit durch Entkoppelung von Einkommen und Beruf denkbar. 1 Der Begriff ‚Anlage‘ ist als genetische Determinante zu verstehen, also auf Basis von Genen. Sie sind jedem Individuum gegeben und nicht veränderbar, können sich jedoch über die Generationen hinweg durch Mutation oder Selektion verändern. Genau genommen ist das Ererbte nur im genetischen Code (Genom) sichtbar. Der Genotyp, welcher seine konkrete Erscheinungsform erst in Interaktion mit der spezifischen Umwelt annimmt, wird erst im Phänotyp sichtbar. 2
Eine andere Sichtweise, die sich mit den Einflüssen auf die menschliche Entwicklung beschäftigte, war der Behaviorismus (Verhaltenspsychologie). Im Mittelpunkt der Forschung stehen direkt beobachtbare Ereignisse - Reize (Stimuli) und Reaktionen. Ausgangspunkt des amerikanischen Behaviorismus waren die Arbeiten des Psychologen John Watson (1878-1958). Inspiriert wurde er durch die Forschung von Ivan Pavlow, der beobachtet hatte, dass bei Hunden der Speichelfluss in Gang kam, noch bevor sie etwas zu fressen erhielten, nämlich schon beim Anblick ihres Trainers, der sie normalerweise fütterte. 3 Pavlows Schlussfolgerung war, dass die Tiere gelernt haben mussten, den neutralen Stimulus (den Trainer) in Verbindung zu bringen mit einem natürlichen Stimulus (dem Futter), der Auslöser einer
1 Flammer (2003) S.24
2 Flammer (2003) S.25
3 Berk (2005) S.22
1
reflexartigen Reaktion war, dem Speichelfluss. Daraus entstand die klassische Konditionierung, indem er den Klang einer Glocke mit Futter verknüpfte. Watson war nach einigen Experimenten ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass die Umwelt den dominanten Einfluss auf die Entwicklung ausübt. 4
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Endogenistische Entwicklungstheorie
Die Endogenistische Entwicklungstheorie ist als eine Art ’Entfaltungsprozess’ auf der Basis der Reifung zu verstehen, der aus dem Inneren des Organismus gesteuert ist. Reifung bringt also nicht quasi von selbst Verhaltensmerkmale hervor, sondern bedeutet allein eine höhere Bereitschaft, durch Erfahrung und Übung zu lernen. 5 Der Ausdruck endogenistisch ist eine wertende Kennzeichnung von Theorien, die die endogene Steuerung überbetonen. 6 Diese extreme Sichtweise wird jedoch heutzutage von niemandem konsequent vertreten, wie es einst Platon tat. Man kann jedoch Formulierungen lesen, die solche Vorstellungen suggerieren, z.B.: „Entwicklung ist der Prozess, durch den der Genotyp zum Phänotyp wird.“ 7 In der heutigen Zeit wird eher eine solche Formulierung zum tragen kommen: „Entwicklung ist jener Prozess, durch den Lebensbedingungen in Individuen und Gesellschaften mit bestimmten Voraussetzungen 8
Gestalt annehmen.“
Die endogenistische Entwicklungsauffassung herrschte im Wesentlichen von der Antike bis ins 19.Jahrhundert. Wichtige Vertreter waren Aristoteles, Comenius aber auch Rousseau. 9 Die meisten Endogenisten waren nicht davon überzeugt, dass ausschließlich interne oder organismische Faktoren wichtig wären, sondern dass diese die Hauptlinie der Entwicklung bestimmen.
Die endogenistischen Menschbilder sind individualistische. Das Hauptaugenmerk liegt im individuellen Organismus, in den individuellen Gen-Anlagen. Diese Konzeption, die der wesentlichen sozialen Bezogenheit (auch der individuellen Entwicklung) nicht gerecht wird und teilweise sogar blind macht für kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge der menschlichen Entwicklung. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch nicht möglich, den genetischen Einfluss auf Persönlichkeitseigenschaften durch direkte Einflussschätzung zu
4 Berk (2005) S.23
5 Trautner (1995) S.75
6 Flammer (2003) S.37
7 Scarr & Kidd (1983) S.346 8 Flammer (2003) S.25
9 Flammer (2003) S.37
2
bestimmen. Möglich ist es jedoch, den relativen Einfluss von Genom und Umwelt auf bestimmte Persönlichkeitseigenschaften durch indirekte Einflussschätzung zu bewerten. 10 Die zu analysierende Lebensspanne schließt typischerweise die Erwachsenenentwicklung und die Alternsprozesse nicht ein. Dies stellt eine Einschränkung dar, da wichtige Veränderungen und Chancen im individuellen und gesellschaftlichen Erwachsenenleben übersehen werden. Es wird eine Entwicklungsrichtung durch die Vorstellung einer ’reifen’ Persönlichkeit bestimmt, welche differenziert und integriert funktioniert und erlebt. Mit der Formulierung einer bestimmten Richtung auf eine ’reife’ Persönlichkeit hin und der analysierten Lebensspanne ist Abbau oder Rückentwicklung nicht vorgesehen, allenfalls ein Entwicklungs-’Unfall’.
Nach diesen Auffassungen sind die Entwicklungsmotoren und Richtungsgeber im Organismus angelegt, in Form von Antrieben (Triebe und Interessen), die allenfalls durch Umweltreize aktualisiert werden.
Die Möglichkeit durch gezielte externe Beeinflussung ist gering. Basis jeder Entwicklungsbeeinflussung muss eine reifemäßige Bereitschaft sein. Somit sind auch den Wirkungsaussichten der Erziehung Schranken erteilt. So bleibt den Erziehern die Aufgabe der Stützung, der Ermunterung, des ’inhaltlichen’ Angebots, aber auch der Lenkung, Selektion und Zuweisung. In diesem Zusammenhang sollte vermieden werden, ein Kind entwicklungsmäßig zu überfordern. Solch eine Entwicklungsauffassung ist u.a. dann bedenklich, wenn sie als Alibi für Unverantwortlichkeit verwendet wird. 11 Andererseits braucht ein Mensch auch gewisse Herausforderungen. Viele Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass bei einer großen Zahl von Kindern das vorhandene Potential aus Mangel an Umweltanregungen nicht ausgeschöpft wird. Dies gilt vorwiegend für Kinder, die in Anstalten groß werden oder aus soziokulturellen benachteiligten Bevölkerungsschichten stammen. 12
Abschließend muss man sich bei der Vererbbarkeit von Verhaltensanteilen und zu Reifungsprozessen über zweierlei im Klaren sein: Zum einen können allgemeine genetische Faktoren nur allgemeingültige Entwicklungstendenzen erklären. Eine große Rolle spielen die sehr komplizierten Vererbungsgesetze (Art der korrespondierenden Gene der Eltern), so dass das Auftreten von Merkmalen lediglich auf irgendwelche erblichen Unbekannten zurückgeführt werden kann. Zum anderen bringt Reifung keine Verhaltensmerkmale von
10 Asendorpf (1996) S.248
11 Flammer (2003) S.46/47
12 Schenk-Danzinger (1973) S.21
3
Arbeit zitieren:
Andreas Patana, 2008, Einflussmöglichkeiten der Arbeit auf die Persönlichkeitsentwicklung aus endogenistischer und exogenistischer Entwicklungsperspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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