Inhaltsverzeichnis
1. Das Kurzzeitgedächtnis 1
1.1 Das Modal Model 2
1.2 Kapazität 3
1.3 Kodierung 5
1.3.1 Akustischer Code 5
1.3.2 Visueller Code 6
1.3.3 Semantischer Code 6
2. Das Arbeitsgedächtnis 7
3. Das Langzeitgedächtnis 9
3.1 Arten des Langzeitgedächtnis 10
3.2 Speicherung im LZG 11
3.3 Biochemische Reaktionen 13
3.4 Informationsbeschaffung 14
4. Praxisbezug im Bereich des Innovationsmanagments. 14
Literaturverzeichnis 17
1. Das Kurzzeitgedächtnis
Anzusiedeln ist das Kurzzeitgedächtnis ( oder das „unmittelbare“ Gedächtnis) zwischen den Rezeptoren, welche eine enorme Anzahl von Reizen aus der Umwelt aufnehmen, und dem Langzeitgedächtnis (LZG). Im Vergleich zu anderen Gedächtniszentren ist das Kurzzeitgedächtnis (KZG) klein im Hinblick auf seine Aufnahmekapazität, jedoch riesig in seiner Bedeutung. Die heutige Wissenschaft ist sich größtenteils einig, dass die Reize der Umwelt primär im KZG verarbeitet werden. Ein im Jahre 1959 von Loyd Peterson und Margaret Intons-Peterson durchgeführtes Experiment brachte bahnbrechende Ergebnisse zu Tage: Zuvor ausgesuchte Versuchspersonen sollten eine Gruppe von drei Buchstaben lesen und wurden nach unterschiedlichen Zeitspannen darum gebeten, diese aus ihrem Gedächtnis abzurufen. Um zu verhindern, dass die Probanden die Buchstabenfolgen wiederholen konnten, zählten sie in Dreierschritten von einer dreistelligen Zahl ausgehend rückwärts, welche ihnen nach der Gruppe von drei Buchstaben beispielsweise folgendermaßen präsentiert wurden: Versuchsleiter sagt: FRG/476 Versuchsperson antwortet: 476, 473, 470 usw.
Ergebnis dieses Experiments war, dass die Abrufmenge erheblich schwindet, wenn den Probanden keine Möglichkeit zur Wiederholung gegeben wird. Dieser Sachverhalt ließ darauf schließen, dass es dem Menschen möglich ist, Informationen in einem Gedächtnissystem abzuspeichern, diese jedoch ohne Wiederholung aus dem Gedächtnis verschwinden. Somit erhielte man erste Ansatzpunkte, dass ein vorübergehendes Gedächtnis (KZG) existieren muss, welches sich in seinem Charakter erheblich von einem permanenten Aufbewahrungsort für Informationen (LZG) abhebt 1 . Bevor dieses Experiment durchgeführt wurde, war die Mehrheit der Wissenschaftler der Ansicht, dass der Unterschied zwischen KZG und LZG nur in psychologischen Begrifflichkeiten und neurologischer Strukturen läge.
Aktuellere neurophysiologische Befunde deuten daraufhin, dass sich innerhalb des menschlichen Gehirns ein getrennter Gedächtnisspeicher befindet. 2 Zu diesem Schluss kam unter anderem Brenda Milner, welche klinische Patienten mit körperli-
1 Gage,N. L., Berliner, C. D. (1996). S. 283
2 Solso, R. L. (2005). S.181
1
chen Traumas oder auch Hirnverletzungen untersuchte. Der bekannteste Fall ist der von H.M., welcher unter einer schweren Epilepsie litt. Nach einer gründlichen medizinischen Untersuchung wurde eine bilaterale chirurgische Exzision der medialen Temporalregion durchgeführt. Mit Hilfe dieses Verfahrens wurde dem Patienten also Teile des Temporallappens sowie des Hippocampus entfernt. Nach diesem Eingriff verbesserte sich zwar die Epilepsie, jedoch konnte er anscheinend keine neuen In-formationen im LZG mehr abspeichern, während sein KZG jedoch nicht beeinträchtigt war. So konnte er sich an Zahlenreihen erinnern, welche ihm für einen kurzen Augenblick präsentiert wurden, an Namen und Gesichter, die er regelmäßig sah jedoch nicht. Aus diesen klinischen Untersuchungen lässt sich der Schluss ziehen, dass die Hirnregion des Hippocampus einen temporären Aufbewahrungsort für das LZG darstellt. Wie diese Informationen jedoch gespeichert und verarbeitet werden ist immer noch weitgehend ungelöst. 3
1.1 Das Modal Model
Konzipiert wurde dieses Modell von Richard Atkinson und Richard Shiffrin welches versucht, die grundlegenden Prinzipien des Gedächtnisses zu erläutern. Darüber hinaus gelang es den Forschern eine Erklärung darüber zu geben, warum wir uns z.B. eine Telefonnummer lange genug merken können um einen Anruf zu tätigen, sie anschließend jedoch nicht mehr gespeichert ist.
3 Hartje, W., Poeck, K. (2006). S.256
2
Aufgeteilt ist dieses Modell in drei Hauptteile:
Sensorisches Gedächtnis: Speichert jegliche eintreffende Information der Umwelt für Sekunden bzw. Bruchteilen von Sekunden
KZG: Speichert ca. sieben Objekte für einen Zeitraum von 15-30 Sekunden
LZG: Speichert eine große Datenmenge für einen langen Zeitraum Atkinson und Shiffrin beschreiben das Gedächtnissystem als eine Art von Kontrollprozess, indem wir versuchen, Strategien zu entwickeln, um uns eine Telefonnummer für einen kurzen Zeitraum merken zu können. Die häufigste auftretende Strategie ist es, sich die Nummer durch Wiederholungen einzuprägen. Desweiteren ist es möglich mit Hilfe des Kontrollprozesses, die Telefonnummer in Beziehung mit dem Datum eines historischen Ereignisses zu setzen. Im Detail bedeutet dies: Ließt man die Telefonnummer im Telefonbuch, so landet diese Information im sensorischen Gedächtnis. Mit Hilfe des Kontrollprozesses, lässt sich die Information im KZG abspeichern. Nachdem der Anruf erfolgreich getätigt wurde, vergessen wir die zuvor gelernte Telefonnummer jedoch wieder, da die Information nicht ins LZG transferiert wurde. Wie dies funktionieren kann wird später im Abschnitt des Langzeitgedächtnisses dargestellt. Um jedoch Informationen des LZG abrufen zu können, spricht man von einer Bereitstellung (retrieval), da sie vom LZG bereitgestellt werden müssen, damit die Information wieder ins KZG transportiert werden kann.
1.2 Kapazität
Wie bereits zuvor geschildert, ist die Informationsmenge welche abgespeichert werden kann im KZG sehr klein im Gegensatz zum LZG. Basierend auf folgendem Zitat des Philosophen Sir William Hamilton:“Wenn man eine Hand voll Murmeln auf den Boden wirft, wird man es als schwierig empfinden, mehr als sechs oder höchstens sieben auf einmal zu betrachten, ohne sie durcheinander zu bringen“, wurden weite- reExperimente entwickelt. So laß Jacob im Jahre 1887 eine Reihe von Zahlen laut, ohne eine festgelegte Reihenfolge, vor und bat seine Probanden so viele Zahlen aufzuschreiben, an die sie sich erinnern. Das Ergebnis war verblüffend: Die maximale Anzahl an die sich die Versuchspersonen erinnern konnten betrug etwa sieben. Weitere Experimente aus dem 20. Jahrhundert untermauerten dieses Ergebnis und es lässt sich festhalten, dass das unmittelbare Gedächtnis auf ca. sieben Einheiten begrenzt ist. Unter der Betrachtungsweise, dass eine Reihe von Buchstaben weniger
3
inhaltliche Informationen als eine Kette von Wörtern, z.B. Auto, Kleid, Computer,
usw. enthalten, klingt die Kapazität unseres Gehirns paradox. Ausweg aus dieser
Misere bot George Miller, welcher ein Modell postulierte, indem einzelne Buchstaben
jeweils einzelne Informationsteile repräsentieren und auf diese Weise jeder einzelne
Buchstabe einen der sieben freien Plätze ausfüllt. 4 Solche Buchstaben, welche zu-
sammen ein Wort ergaben, wurden in eine Worteinheit „gechunkt“, welche einen frei-
en Platz im KZG besetzte. Durch diese Kodierung der Buchstabenfolgen in Wortein-
heiten wurde also die höhere Kapazität des KZG erreicht. Somit lässt sich festhalten,
dass obwohl unsere unmittelbare Gedächtniskapazität auf sieben Items begrenzt zu
sein scheint, erweitert das Chunking (oder die Kodierung einzelner Einheiten in grö-
ßere Einheiten) diese enorm. Chunking liefert also eine Erklärung, wie eine große
Menge von Informationen im KZG verarbeitet werden kann. Ohne diese Kodierung
w ürde es sonst zu einem Engpass innerhalb der Sequenz der Informationsverarbei-
tung kommen. Zum chunken kann es jedoch nur kommen, wenn bestimmte Informa-
tionen im LZG aktiviert sind. Passen die neuen Informationen der Umwelt zu ihrer
Repr äsentation im LZG, lässt sich scheinbar mit dem menschlichen Wissen zusam-
menhangloses Material strukturieren. 5 So demonstrierten Bower und Springston im
Jahre 1970 die Verbindung zwischen Chunking und dem LZG, indem Probanden ei-
ne Buchstabenfolge lesen mussten um diese dann aus dem Gedächtnis abzurufen.
Unter der Bedingung (A) wurden Buchstaben gelesen, welche keine wohl bekannte
Gruppe bildeten (und somit nicht im LZG vorhanden waren) Unter einer Bedingung
(B) wurden bekannte Gruppen vorgelesen:
Bedingung (A): DTW. M. AIB. FB. IPH
Bedingung (B): TWA. IBM. FBI. PHD
Bedingung (B) wurde also nach dem Prinzip der Abkürzungen gruppiert, welche den
amerikanischen Studenten wohl bekannt sind. Dies gestattet den Versuchspersonen,
in ihrem mentalen Lexikon „nachzusehen“ und dadurch die Buchstaben in einem
Chunk zu enkodieren. Aus diesem Experiment ließ sich zudem schließen, dass die
Kapazit ät des KZG zwar auf sieben Einheiten begrenzt zu sein scheint, die Dichte
der Information jedoch in einer Einheit sehr große Variationen aufweisen kann. 6 Ab-
4 Solso, R. L. (2005) S.185
5 Goller, H. (2009) 107
6 Bower, G. H. (1987) S.29
4
Arbeit zitieren:
Andreas Patana, 2010, Der Informationsweg vom Kurzeitgedächtnis zum Langzeitgedächtnis, München, GRIN Verlag GmbH
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