Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Hintergründe 2
2.1 Statistische Daten 2
2.2 Auslösende Motive 3
2.2.1 Soziales Umfeld 3
2.2.2 Psychische Hintergründe 4
3. Die Tatplanung 5
3.1 Leaking 6
4. Einfluss der Medien 8
5. Ansätze zur Prävention 10
6. Fazit 11
Literaturverzeichnis 13
1.Einführung
Amok war ursprünglich ein malaiisches Wort für Wut, Zorn oder Raserei und wurde erstmals im 16. Jahrhundert in Berichten über sogenannte Amoucos verwendet. Dies waren Menschen, die plötzlich, in einer Art Rausch, jeden töteten, dem sie begegneten. Erst im 19. Jahrhundert begannen Mediziner und Psychiater sich für Amok zu interessieren. 1 Die Todesstrafe wurde abgeschafft und durch Unterbringung der Amokläufer in psychiatrischen Anstalten ersetzt. Um das Phänomen des Amoklaufs genauer zu beleuchten, sollten folgende Definitionskriterien herangezogen werden:
1. Der Versuch, mehrere Menschen zu töten:
Damit wird deutlich, dass eine Gewalttat, die unter dem Begriff des Amoks begangen wird, fordert, dass die Opfer mehr als „nur“ verletzt werden. Darüber hinaus muss es sich um mehr als ein Opfer handeln. 2. Tatvollzug zumindest teilweise in öffentlichen Räumen: Als öffentlicher Ort ist in letzter Zeit vermehrt die Schule zu verstehen (siehe Winnenden, Blacksburg oder Erfurt). Desweiteren gehört zu diesem Kriterium, dass der Täter seine Opfer teilweise zufällig auswählt und sie ihm auch durchaus unbekannt sein können.
3. Die Tatausführung innerhalb eines Tatereignisses: Dieses Kriterium soll den Amoklauf von z.B. Serientaten oder Massenmorden abgrenzen. Die Forderung impliziert, dass die Täter während der Tat keine emotionale Abkühlungsperiode erleben. 4. Der Einsatz von tödlichen Waffen:
Mit dem Ziel möglichst viele Menschen zu töten, werden in der jüngeren Vergangenheit meist Schusswaffen benutzt, welche es ermöglichen den Plan in kurzer Zeit durchzuführen. 5. Die Anwesenheit des Täters:
Dieses Kriterium grenzt den Amoklauf von einem Terroranschlag ab, da die Tötung von dessen Händen durchgeführt wird.
1 Gugle, G. (2010). S.650
1
In der Literatur werden drei verschiedene Formen des Amoks unterschieden. Der klassische Amoklauf beinhaltet das für Außenstehende wahllose, ohne erkennbaren Grund töten von Personen durch einen zumeist erwachsenen Täter an einem öffentlichen Ort. Die Durchführung eines Amoklaufs durch einen Jugendlichen an einem besonderen öffentlichen Ort, z.B. der Schule ist als School Shooting bekannt. Als letzte Form des Amoks beinhaltet die workplace violence schwere Gewalt am Arbeitsplatz. Bei diesen geplanten Taten wurden zumindest einige Opfer im Vorfeld ausgesucht.
Da in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Amokläufe in Schulen begangen wurden, sollte an dieser Stelle auf das School Shooting genauer eingegangen werden. Dabei „handelt es sich um zielgerichtete, bewaffnete Angriffe mit Tötungsabsicht auf Lehrer oder Mitschüler, bei denen entgegen des etwas irreführenden Begriff nicht nur Schusswaffen zum Einsatz kommen können, sondern z.B. auch Klingenwaffen, stumpfe Gegenstände oder Bomben“ 2 . Die Besonderheit der School Shootings ist die Tatsache, dass sie häufig von langer Hand geplant und vorbereitet sind. Dieser Sachverhalt impliziert zudem, dass auch die Opferwahl nur zum Teil zufällig getroffen wird. 3 Warum gerade die Schule als Tatort gewählt wird liegt wohl daran, dass die Täter ihre Gewalttat meist in solchen Umfeldern begehen, in denen sie nicht die ersehnte Beachtung erhalten haben. 4
2. Hintergründe
2.1 Statistische Daten
Grundlage dieser Daten ist die Studie von Adler aus dem Jahr 2000. Er untersuchte im Zeitraum zwischen 1.1.1980 und 30.8.1989 die in der öffentlichen Berichterstattung in Zeitungen mit dem Titel ‚Amok’ versehen wurden. In 196 von 234 Fällen treffen die Amoklauf Kriterien auf die so betitelten Taten zu.
Die 196 Taten wurden zu 95% (187) von männlichen und zu 5% (9) von weiblichen Tätern begangen. Dieser deutliche Unterschied kann nicht durch ein demographisches Ungleichgewicht von Männern und Frauen erklärt werden, da die Verteilung in etwa ausgeglichen ist.
2 Bondü, R., Meixner,S., Bull, H. D., Robertz, F. J. & Scheithauer, H. (2008).
3 Gugle, G. (2010). S.650
4 Belwe, A.(2009). S.39
2
Auch Adler kann diesen Unterschied nicht erklären, er verweist lediglich auf „die bei Tötungsdelikten von Frauen allgemein hohen Anteile an Kindstötungen mit und ohne suizidalem Hintergrund“, die nicht in den Bereich Amok fallen und somit nicht in dieser Statistik auftauchten. Ansonsten werden die minderen Anteile an weiblichen Tätern von Adler „als geringere geschlechtsspezifische Aggressivität“ 5 interpretiert. Eine andere Erklärung basiert auf den Geschlechtsstereotypien, also z.B. in der Verletzung der Männlichkeit oder deren Ehre.
Ein umgedrehtes Bild ergibt sich jedoch bei der Betrachtung der Opfer, wonach der Anteil an Frauen deutlich überwiegt.
98 Amokläufer wiesen verhaltensorientierte Auffälligkeiten, wie z.B. Aggressivität, sexuelle Abstinenz und Kontaktscheue auf. Bei den meisten Amokläufen hat Adler „Indizien für schwerwiegende psychische Störungen der Täter aus dem gesamten Bereich psychischer Erkrankungen“ 6 festgestellt. Diese Erkrankungen seien im Vergleich zur Normalbevölkerung weit überrepräsentiert. Adler bildet drei Gruppen von Amokläufern: Schizophrene, depressive und persönlichkeitsgestörte Täter, wobei letztere „die spektakulärsten und opferreichsten Amokläufe verüben.“ 7
2.2 Auslösende Motive
2.2.1 Soziales Umfeld
Versucht man das Phänomen Amok aus kultureller Sicht zu beschreiben stößt man schnell an Grenzen, da die Amoktaten weltweit recht gleichförmig auftreten. Aus diesem Grund konzentriert sich die Forschung der jüngeren Vergangenheit verstärkt auf individuelle Merkmale des Täters, sowie auf dessen näheres soziales Umfeld. Es hat sich herausgestellt, dass ungünstige gesellschaftliche wie auch familiäre Hintergründe Amoktaten kaum verursachen, diese jedoch im Zusammenspiel mit anderen individuellen Risikofaktoren begünstigen können. Aus diesem Sachverhalt wird deutlich, dass es für solche Taten mehrere, aufeinander aufbauende Risikofaktoren benötigt.
Bei genauer Analyse der in der Vergangenheit verübten Amokläufe stellt man fest, dass die Taten überwiegend in entlegenen, ländlichen Gebieten begangen wurden. Dieser Sachverhalt wird mit einem starken Konformitätsdruck versucht zu erklären, da sich in Gemeinden jeder kennt und z.B. Mobbing schwerwiegender erlebt wird.
5 Adler, L.(2000). S.95
6 Adler, L.(2000). S.101
7 Adler, L.(2002). S.145
3
Arbeit zitieren:
Andreas Patana, 2010, Das Phänomen Amok - Motive und Hintergründe, München, GRIN Verlag GmbH
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