Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.3
1.1 Erste Eindrücke und Fragen S.3
1.2 Wirkungsgeschichte S.4
1.3 Abgrenzung der Perikope S.5
1.4 Analyse des Textinhalts S.6
2. Strukturanalyse
2.1 Textlinguistische Fragestellung S.9
2.2 Formkritik S.10
3. Analyse
3.1 Traditionsgeschichte S.13
3.2 Sozialgeschichte S.14
4. Wirkungsabsicht
4.1 Kompositionskritik S.16
4.2 Redaktionskritik S.18
5. Fazit
5.1 Ergebnisse der Textanalyse S.19
5.2 Erweiterung des Textverständnisses S.21
5.3 Ausblick S.22
6. Literaturverzeichnis S.24
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Text: Der lebendige Gott und die toten Götzen
6 So spricht der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR Zebaoth: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott. 7 Und wer ist mir gleich? Er rufe und verkünde es und tue es mir dar! Wer hat vorzeiten kundgetan das Künftige? Sie sollen uns verkündigen, was kommen wird! 8 Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht! Habe ich's dich nicht schon lange hören lassen und es dir verkündigt? Ihr seid doch meine Zeugen! Ist auch ein Gott außer mir? Es ist kein Fels, ich weiß ja keinen.
9 Die Götzenmacher sind alle nichtig; woran ihr Herz hängt, das ist nichts nütze. Und ihre Zeugen sehen nichts, merken auch nichts, damit sie zuschanden werden. 10 Wer sind sie, die einen Gott machen und einen Götzen gießen, der nichts nütze ist? 11 Siehe, alle ihre Genossen werden zuschanden; die Meister sind auch nur Menschen. Wenn sie auch alle zusammentreten, sollen sie dennoch erschrecken und zuschanden werden. 12 Der Schmied macht ein Messer in der Glut und formt es mit Hammerschlägen. Er arbeitet daran mit der ganzen Kraft seines Arms; dabei wird er hungrig, so dass er nicht mehr kann, und trinkt auch kein Wasser, so dass er matt wird. 13 Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem Hause soll es thronen. 14 Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt, und der Regen ließ sie wachsen. 15 Das gibt den Leuten Brennholz; davon nimmt er und wärmt sich; auch zündet er es an und bäckt Brot; aber daraus macht er auch einen Gott und betet´s an; er macht einen Götzen daraus und kniet davor nieder. 16 Die eine Hälfte verbrennt er im Feuer, auf ihr brät er Fleisch und ißt den Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer. 17 Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet, und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott!
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18 Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet, dass ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nichts merken können. 19 Er kommt nicht zur Einsicht; keine Vernunft und kein Verstand ist da, dass er dächte: Ich habe die eine Hälfte mit Feuer verbrannt und hab auf den Kohlen Brot gebacken und Fleisch gebraten und gegessen, und sollte die andere Hälfte zum Götzen machen und sollte knien vor einem Klotz? 20 Wer Asche hütet, den hat sein Herz getäuscht und betört, so dass er sein Leben nicht erretten und nicht zu sich sagen wird: Ist das nicht Trug, woran meine Rechte sich hält? 1
1. Einleitung
Im Folgenden werden wir eine historisch-kritische Analyse der Bibelstelle Jes 44, 6-20 "Der lebendige Gott und die toten Götzen" durchführen. Wir werden uns mit der literarischen Gestaltung des Textes und seinen theologischen Aussagen, auch in Hinsicht auf zu findende Parallelstellen und den Gesamtkontext befassen und auseinander setzen. Wir hoffen, dass wir unsere ersten Eindrücke und Fragen zu dem Text stark vertiefen können und sich einige neue Einsichten darbieten. Des Weiteren hoffen wir, dass sich viele unserer Fragen klären.
1.1 Erste Eindrücke und Fragen
Als wir den Text zunächst lasen, habe wir daran gedacht, dass aufgezeigt werden soll, dass Jahwe der alleinige Gott ist. „Der Herr, Israels König, sein Erlöser, der Herr der Heere“ macht eine persönliche Ansage. Diese Ansage wirkt in Vers 6-8 zwar bestimmend, aber für uns nicht erzürnt. Jahwe erklärt: „Ich bin der Erste, ich bin der Letzte, außer mir gibt es keinen Gott." Dies ist eine Aufzahlung seiner Titel, die wahrscheinlich seinen hohen Rang unterstreichen soll und somit die Hauptthese des Textes wieder gibt. Jahwe ist der alleinige Gott.
1 Die Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft, 1996, Stuttgart.
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Im darauf folgenden Textabschnitt, von Vers 9-20 treten die Bilder der heidnischen Götzen in den Vordergrund. Diese werde auf satirische Weise vorgeführt, wie zum Beispiel in Vers 15: "Das gibt den Leuten Brennholz, davon nimmt er und wärmt sich; auch zündet er es an und backt Brot; aber daraus macht er auch einen Gott und betet´s an; er macht einen Götzen daraus und kniet vor ihm nieder." Hier scheint Jahwe erzürnt über die Torheit der Menschen zu sein, die sich Götterbilder formen und diese zu etwas Besonderem machen. So wird das Beispiel des Baumes in Vers 14 aufgeführt: "Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt, und der Regen ließ sie wachsen." Durch den Regen Gottes konnte also erst der Baum wachsen, den der Mensch in Form von einem Götzen anbetet. Diese Torheit verdeutlicht er mit mehreren Beispielen: „Unwissend sind sie und ohne Verstand“ oder „Sie überlegen nichts, sie haben keine Erkenntnis und Einsicht“. Er versucht den Trug der Menschen zu verdeutlichen, die an Götzen festhalten und diese ehren.
Im Folgenden werde ich mit Hilfe von Parallelstellen versuchen zu erfahren, ob diese Erzählung noch eine andere Bedeutung und mehrere Auslegungen hat.
1.2 Wirkungsgeschichte
Die ursprünglich beabsichtigte Aussage oder auch Wirkung des Jesajatextes Kapitel 44, Vers 6-20 war wahrscheinlich nicht dieselbe, wie sie in der heutigen Zeit ist. Es haben sich sowohl die Lebensbedingungen, als auch der Glaube weiter entwickelt. Dies hat natürlich eine Änderung des Interpretationsansatzes mit sich geführt. So lässt sich feststellen, dass in der Entstehungszeit, während der babylonische Glauben über den Jahweglauben überlegen war, da es zum Protest gegen die Zerstörung des Tempels und Jerusalems, und auch zum Verlust der Eigenständigkeit Judas kam, das heute als erste monotheistische Aussage gedeutete Thema, damals nur als Aufruf gegen den babylonischen Glauben galt. Es
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ging nicht hauptsächlich um die Hervorhebung Jahwes als alleinigen Gott, sondern vielmehr um den Erhalt der Kultur und der Zusammengehörigkeit 2 . Man wollte also die Exilierten davon überzeugen, dass alle anderen Götter nur Götzen waren. Damit konnte bewirkt werden, dass diese weiterhin an ihrem Glauben festhielten. Es sollte also viel mehr gegen das Götzentum, als für Gott, sprechen. Die Grundaussage ist zwar die Selbe geblieben, aber die interpreterischen Schwerpunkte haben sich geändert. Für das heutige Christen- und Judentum steht die Aussage, dass Jahwe der alleinige Gott ist viel mehr im Vordergrund als damals. Christen leben nach dem monotheistischen Christentum. Heute ist es fast ganz ausgeschlossen, dass man mehrere Götter anbetet. Dies gilt zumindest für die europäische Welt. Es wäre jedoch eine ganz neue Auslegung, wenn man den Text auf das Konvertieren zu anderen Glaubensrichtungen interpretiert. In diesem Fall wäre die heutige Wirkung noch näher an der damaligen.
1.3 Abgrenzung der Perikope
Die Erzählung „der lebendige Gott und die toten Götzen“ lässt teilweise eindeutig, teilweise nur schwer von seinen Nachbartexten abgrenzen, da auch die eindeutige Zuordnung zu einem zusammen gehörigen Text schwer fällt. Der Text gehört der Gattung der Gerichtsrede und nicht der des Mahnwortes, wie in Jes 21 f. an 3 . Es beginnt mit der Rede des Klägers, eingeleitet durch eine prophetische Botenspruchformel. Die Form der Gerichtsrede wird jedoch nicht bis zum Schluss durchgehalten. So findet sich in Vers 6a eine einleitende Botenspruchformel 4 , auf die in Vers 6b der Anspruch des Klägers durch eine Feststellungsprüfung bestätigt werden soll und zwar, dass der Kläger allein Gott ist. In Vers 7a wird gefordert, dass Gegenansprüche vorgebracht werden. Das Volk soll hier ermuntert werden aus der Tatsache die praktische Folgerung zu ziehen und zwar, dass sich das Volk nicht fürchten muss.
2 Jüngling, Jesaja, Seite 447.
3 Elliger, Dt. Jes., Seite 398.
4 E.b.d., Seite 399.
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Hier wird besonders deutlich, dass der Autor über die Freiheit der Stilarten verfügt 5 . Es soll außerdem als Rechtsverhandlung zwischen Jahwe, dem Gott Israels und den Götzen (beziehungsweise deren Völkern) darstellen.
Die Verse 9 bis 20 gehören thematisch zusammen, wobei 6 bis 8 inhaltlich nur sehr locker mit dem darauf folgenden Textteil in Zusammenhang gebracht werden kann 6 . Vers 6-8 befasst sich mit dem Thema, dass Jahwe der alleinige Gott ist. Wobei hingegen Vers 9-20 die Thematik der Bilder der heidnischen Götter und deren Entstehung in den Vordergrund stellen. Im darauf folgenden Textabschnitt folgt das sogenannte Kyroswort. Dies wird auch hier deutlich: "Nach einer feierlichen Einleitung, in der sich Gott selbst als Schöpfer und Herrn der Geschichte darstellt (Vers 44, 24-27), er geht das Wort an den Perserkönig..." 7 Es folgt also nach einer kurzen Überleitung eine andere Thematik. Diese thematische Änderung wird schon in Quelle a deutlich gemacht. Quelle a ist der ursprüngliche Jesajatext, ohne später beigefügte Nachträge. Insgesamt lässt sich also festhalten, dass der Text sich von seinen Nachbartexten teils leicht, teils schwer abgrenzen lässt. Es wir von einer Gerichtsrede im vorangehenden Text durch eine Botenspruchformel zu dem hier behandelten Text übergeleitet. Hier wird eine Gerichtsverhandlung zwischen Jahwe und den Götzen dargestellt. Dies bildet einen Zusammenhang zu dem vorhergegangenen. Der nachfolgende Text geht jedoch nach einer kurzen Überleitung zu einer anderen Thematik über. Dies macht die Einfügung in den gesamten Kontext deutlich. Es findet also nach Jesaja 44, 6-20 ein Themenwechsel statt.
1.4 Analyse des Textinhalts
Zunächst beginnt die Textstelle mit einer Einleitung durch die prophetische Botenspruchformel, in der zwei traditionelle Titel Jahwes ("der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR Zebaoth") mit dem Titel
5 Elliger, Dt. Jes., Seite 400.
6 E.b.d., Seite 414.
7 Westemann, Bibelkunde, Seite 84.
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Arbeit zitieren:
Magali Nolden, 2007, Historisch-kritische Analyse von Jesaja 44,6-20, München, GRIN Verlag GmbH
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