Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Verlagsgründung 1945 3
3. Etablierung des Verlages 5
3.1 Stellung zur SMAD 5
3.2 Materielle Bedingungen 6
4. Verlagsprogramm 6
4.1 Verlagsprogramm unter Wiegler/Wilhelm 1945 - 1947 7
4.2 Verlagsprogramm unter Wendt/Schroeder ab 1947 9
5. Ausblick 12
6. Zusammenfassung 12
7. Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen übersichtlichen Einblick in die frühen Jahre des Aufbau-Verlags 1945 - 1949 zu geben. Ein Verlag, der wie kein anderer einem steten Wandel unterlag und trotz unterschiedlicher Staatsformen nicht nur bis heute existiert, sondern auch sein angestrebtes Programm erhalten und ausbauen konnte. Hieraus leitet sich folgende These ab, die in der Hausarbeit beantworten werden soll: Ohne die Unterstützung der SMAD 1 wären Gründung, Etablierung und Erfolg des Aufbau-Verlags als größter belletristischer Verlag der Nachkriegszeit so nicht möglich gewesen. Das erste Kapitel behandelt folglich die Umstände der Verlagsgründung im Jahre 1945. Anschließend wird an Hand der Stellung zur SMAD und den materiellen Bedingungen auf die Etablierung des Verlages eingegangen. Das dritte Kapitel zeigt den Erfolg durch Darstellung der zwei Phasen des Verlagsprogramms der Zeit 1945 -1949. Die Hausarbeit endet mit einem Ausblick auf das Programm ab 1949 und einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse.
2. Verlagsgründung 1945
Unmittelbar nach Kriegsende wird unter dem Namen Aufbau-Verlag GmbH, Berlin einer der größten belletristischen Verlage Deutschlands gegründet - mit einem enormen Produktionsumfang: Jeden Tag ein Buch 2 . Die Arbeit von Aufbau wurzelt auf sehr schlechten Startbedingungen, es fehlt an allem, Bücher scheinen nur von geringer Bedeutung. Dies zeigt Heinz Willmanns Zitat im Mai 1947 über die Verlagsgründung: „Sie dürfen doch nicht vergessen, daß das alles in Berlin 1945 geschah, in einer Stadt, in der die letzten Schüsse noch kaum verhallt waren, in der die wichtigsten Existenzgrundlagen für die Bevölkerung erst wieder hergestellt werden mußten.“ (Wurm 1995: 7). Der Journalist erklärt am 16. August 1945 zusammen mit Volkswirt Klaus Gysi, Verlagsbuchhändler Kurt Wilhelm und Verlagskaufmann Otto Schiele vor einem Berliner Notar, dass er „zum ‚Betrieb eines Buch- und Zeitschriftenverlages’ eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firmenbezeichnung Aufbau-Verlag GmbH“ gründen will (Wurm 1997: 137). Initiator Johannes R. Becher, seit August 1945 Leiter des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands 3 , ist bei den zuständigen sowjetischen Besatzungsoffizieren Bürge für die politische Richtung des Unternehmens (vgl. Wurm 1997: 137). Der Aufbau-Verlag ist folglich unmittelbar nach seiner Ent-
1 SowjetischeMilitäradministration in Deutschland.
2 Vgl. Wurm 1995: Klappentext.
3 Ebd., S. 119.
3
stehung eng mit dem Kulturbund sowie der russischen Besatzungsmacht verbunden - dies zeigt auch Paragraph 4 des Gesellschaftsvertrages, der die Wahrung der Belange des Kultur-bundes durch Veröffentlichung seiner Zeitschriften sowie der von ihm geförderten Buchproduktionen vorsieht (vgl. Wurm 1997: 137). Ein weiteres Beispiel sind die Verlagsziele: Das „alte nationale Erbe“ sowie die Literatur anderer Völker, vor allem der Sowjetunion, soll als Fundament für folgende junge Autoren bewahrt und die junge Generation gefördert werden (vgl. Wendt 1955: 13). Am Vorbild Russlands wird somit die nationale Einheit der deutschen Literatur angestrebt. Erste Geschäftsführer werden Kurt Wilhelm als Verlagsleiter und Otto Schiele als kaufmännisch-technischer Leiter 4 , die bereits seit Anfang August an der Herstellung der ersten Titel arbeiten (vgl. Wurm 1997: 137). Am 18. August 1945 erhält der Aufbau-Verlag die sowjetische Lizenz zur Buchproduktion. Bereits einige Tage zuvor erteilt der russische Zensor Hauptmann J. Filippow die „Druckgenehmigung für Theodor Pliviers Roman Stalingrad sowie […] für die Broschüre Manifest und Ansprachen […] des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ (Wurm 1997: 137). Diese Werke besitzen bereits durch ihre Titel einen unmittelbaren Bezug zu Russland bzw. zum russlandkonformen Kul-turbund und legen die politische Linie des Verlages öffentlich fest. Die Bedeutung von Aufbau zeigt sich bereits am 19. September 1945: Eine Annonce fordert in mehreren Berliner Zeitungen die Zeitschriftenhändler zur Abholung der ersten Publikationen des Verlages auf, vermutlich der ersten deutschen Nachkriegswerke überhaupt (vgl. Wurm 1997: 137f). Sowohl das Manifest des Kulturbundes (70.000 Ex.) als auch Ausgabe 1 der kulturpolitischen Zeitung Aufbau (45.000 Ex.) besitzen enorme Startauflagen, die an Hand des Papiermangels nach dem Krieg Fragen zu den Produktionsbedingungen aufwerfen (vgl. Wurm 1997: 138). Denn trotz der schlechten Bedingungen 5 folgen bis Jahresende „zwei weitere Nummern der Zeitschrift und 11 Bücher mit einer Gesamtauflage von 264.000 Exemplaren“ 6 von Autoren wie George Lukács, Johann Wolfgang Goethe und Heinrich Heine (vgl. Aufbau-Verlag). Ende 1946 liegen weitere „62 Erstauflagen und 45 Nachauflagen in rund 1,5 Mill. Exemplaren vor.“ (Wurm 1997: 138). Bereits die Gründungsjahre des Aufbau-Verlags sind somit sehr erfolgreich und begründen dessen späteren Erfolg. Auch die Beziehung mit dem Kulturbund ist intensiviert, am 30. März 1946 übernimmt der nun als eingetragener Verein voll gesellschaftsfähige Kulturbund e. V. die Gesellschaftsanteile an der Aufbau-Verlag GmbH (vgl. Wurm 1995: 119). Doch wie kann sich der Verlag trotz der fatalen Situa-
4 Vgl.Wurm 1995: 119.
5 Vgl. 3. Etablierung des Verlages.
6 Vgl. Wurm 1997: 138.
4
tion in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) unmittelbar nach Kriegsende so schnell etablieren?
3. Etablierung des Verlages
Die Probleme des Buchmarktes in der SBZ sind zahlreich und sollen hier nur kurz aufgeführt werden 7 : (1) Rohstoffknappheit, vor allem bezüglich Papier und Karton für Einbände. (2) Bürokratischer Weg der Lizenzierung. Es wird eine Lizenz für den Verlag an sich, also quasi ein „Existenzrecht“, benötigt sowie eine Druckgenehmigung für jedes einzelne Werk. (3) Weiterhin schränkt die kommunistische Ideologie die Lizenzvergabe von Verlagen, Neugründungen sowie die Veröffentlichung bestimmter Werke ein. Dies bedeutet, dass nur parteitreue Verlage auf Dauer bestehen können und gefördert werden. Dem Aufbau-Verlag gelingt dies durch seine Stellung zur SMAD sowie den hervorragenden Beziehungen zu Lieferanten und Fabrikanten, die dieses Kapitel näher erläutern soll.
3.1 Stellung zur SMAD
Die Protektion durch die SMAD bedeutet eine enorme Unterstützung von russischer Seite für den frisch gegründeten Verlag: (1) Der Sowjetische Chefdiplomat Wladimir S. Semjonow erkundigt sich beim Generalsekretär des Kulturbundes und Gründungsgesellschafter Heinz Willmann nach den Plänen des Verlages und seinen leitenden Mitarbeitern und sagt anschließend Unterstützung zu 8 . (2) Major Tscheglow besorgt Verlag und Kulturbund „unter Ausschaltung des Alliierten Kontrollrates einen günstigen Kredit.“ (Wurm 1997: 138). (3) Die Zuweisung der Gewerberäume im ehemaligen Bankhaus Delbrück, Schickler & Co. wäre ohne russischen Einfluss nicht so schnell möglich gewesen 9 . (4) Die anfangs strenge Zensur durch Hauptmann Filippow wird vom Chef der Kulturadministration Alexander Dymschitz abgemildert: „Eigenhändig machte er dessen umfangreiche Streichungen in den Reden der Gründungskundgebung des Kulturbundes […] wieder rückgängig.“ (Wurm 1997: 138). Das Ziel des SMAD ist jedoch mit Hilfe des Kulturbundes eine Hausmacht im SBZ-Buchmarkt zu etablieren - der Verlag erhält hierfür finanzielle Unterstützung und ausreichende Druckpapiermengen, die nach dem Krieg schwer zu beschaffen sind (vgl. Wikimedia). Günther Wei-senborns Berliner Requiem ist das einzig nachweisbare Buchverbot 1945/46, das selbst Bechers Einspruch bei der Besatzungsmacht nicht verhindern kann (vgl. Wurm 1997: 138f). Die
7 Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. Börsenblatt 1946/8, S. 66f. Frankfurter Ausgabe.
8 Vgl. Wurm 1997: 138.
9 Ebd., S. 138.
5
Arbeit zitieren:
Christine Gabriele Behm, 2009, Jeden Tag ein Buch: Der frühe Aufbau-Verlag , München, GRIN Verlag GmbH
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