Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Religionsbegriff 3
2.1 funktionale Betrachtung 4
2.2 substantielle Betrachtung 6
3. Das Phänomen Säkularisierung. 7
3.1 Dimensionen von Säkularisierung 9
3.2 Kritik an der Säkularisierungsthese 10
4. Rational-Choice-Ansatz 11
5. Die Bedeutung der Religion in der Postmoderne 13
6. Fazit 16
7. Literaturangaben 17
2
1. Einleitung
Die Frage danach, was Religion in einer postmodernen Gesellschaft bedeutet, ist wahrlich keine leicht zu beantwortende, so beschäftigt sich auch die Soziologie damit, was dieser Begriff eigentlich meint. Emile Durkheim gilt als ein Gründervater der funktionalen Bestimmung von Religion, Thomas Luckmann hingegen beschreibt die Religion als Teilsystem des Gesamtsystems Gesellschaft, andere Theoretiker sprechen von einer Illusion der Religion, von einer säkularisierten Welt, in der wir leben. So verschieden die Betrachtungsweisen und Definitionsansätze der Wissenschaftler sind, so unterschiedlich können auch die Meinungen über das Verhältnis von Religion und postmoderner Gesellschaft sein: Einige Theoretiker behaupten, wir leben in einer nahezu religionslosen Welt, einer Welt ohne Konfessionen, andere wiederum behaupten, die Formen religiösen Daseins sind lediglich einem Wandel unterlegen, werden zunehmend privatisiert und individualisiert ausgelebt.
Definitionsversuche zum Begriff „Religion“ gibt es viele, im Folgenden sollen funktionaltheoretische und strukturtheoretische Ansätze einer Begriffsdefinition vorgestellt werden, um sich dem Begriff anzunähern. Daran anschließend möchte ich mich dem Phänomen der Säkularisierung und dem Rational-Choice-Ansatz widmen. Später werde ich schließlich versuchen, die Frage zu beantworten, ob wir es in unserer postmodernen Gesellschaft nun mit einer religionslosen, säkularen Welt zu tun haben bzw. in welcher Art und Weise uns die Religion heutzutage begegnet.
2. Der Religionsbegriff
Zwar können viele Religionen bereits auf eine lange Tradition zurückblicken, so beispielsweise das Christentum, dessen Entstehung auf das erste Jahrhundert datiert ist 1 . Dennoch zeigen begriffsgeschichtliche Studien, „daß von ´Religion` im Sinne einer spezifischen Kategorie der Wirklichkeitsauffassung erst seit dem 18. Jahrhundert die Rede ist“ (Kaufmann 2000, S.85). Besonders Philosophen der Aufklärung griffen den Gedanken auf, dass der Mensch von Natur aus Religion innehat, „gemessen daran aber ist er gegenüber jeder geschichtlichen Religion oder Konfession frei“ (ebd., S.86). Auch unsere heutige Auffassung von Religion ist „aufklärerischer Herkunft“, argumentiert der renommierte Soziologe Franz-Xaver Kaufmann.
1 Mehr zu diesem Thema: http://www.vierzehnheiligen.de/de/geschichte/geschichte_christentum.php, Zugriff
am 19.07.2010 um 11:14Uhr.
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Zwar gab es in der Vergangenheit eine Fülle an Versuchen, die Bedeutung des Terminus Religion zu klären, trotzdem gibt es bisher keine klare Definition des Religionsbegriffs. Nicht zuletzt der Pluralismus und die Vielfältigkeit der Religion führten dazu, dass „kein einzelnes Kriterium auf alle Phänomene zutrifft, die gemeinhin als „Religion“ bezeichnet werden. Derartigen Definitionsversuchen über die Benennung eines einzigen bestimmenden Merkmals oder einer Merkmalskombination wird in der Regel vorgehalten, dass sie entweder zu eng oder zu weit gefasst bzw. kulturell voreingenommen seien“ (Mastiaux 2008, S.18). Ulrich Oevermann entwickelte ein Strukturmodell, welches drei Struktureigenschaften herausstellt, die phasenweise aufeinander folgen: Er nennt hier erstens das Bewährungsproblem, welches aufgrund des Bewusstseins der Endlichkeit des Lebens eine nicht abstellbare Bewährungsdynamik freisetzt, weiter führt er den Bewährungsmythos an, welcher „eine notwendige Hoffnung auf die Bewährtheit verbürgt“ (Franzmann 2006, S.53). Drittens schließlich nennt er hier „die Evidenz des Mythos aufgrund einer vergemeinschafteten Praxis“ (ebd, S.53). Oevermann macht deutlich, dass die Struktur von Religion als universell gilt, ihr Inhalt jedoch je nach Gestalt und Herkunft der Bewährungsmythen historisch variabel betrachtet werden muss, demnach „kulturspezifisch“ ist (vgl. ebd., S.53).
Oevermanns Strukturmodell verdeutlicht noch einmal mehr, dass es einen allumfassenden Religionsbegriff nicht geben kann und lediglich Merkmale herausgestellt werden können, die Religion charakterisieren. Ein solch allgemeiner Religionsbegriff müsste „nicht nur auf institutionalisierte Religionen zutreffen, sondern auch andere gemeinhin als religiös erachtete Phänomene umfassen“ (ebd., S.18). Ein allumfassender Religionsbegriff müsste so beispielsweise auch für Formen des Aberglaubens, des New Age, der Volksfrömmigkeit zutreffen (vgl. ebd., S.18). Da es kaum möglich ist, eine derart umfassende Definition von Religion herauszustellen, ohne den Begriff zu allgemein - und damit nicht mehr nur spezifisch auf religiöse Phänomene zutreffend - zu fassen, sollen im Folgenden zwei Typisierungen bearbeitet werden, welche die Bedeutung und das Wesen der Religion von unterschiedlichen Perspektiven aus erklären.
2.1 funktionale Betrachtung
„Funktionale Definitionen […] sehen Religionen vor allem durch die Leistungen bestimmt, welche sie für die Gesellschaft oder für die Individuen erfüllen“ (Mastiaux 2008. S.20). Funktionale Betrachtungen von Religionen können einerseits aus psychologischer Sicht, andererseits soziologisch orientiert, betrachtet werden. Psychologische Betrachtungsweise
4
meint hier beispielsweise die Betonung der affektiven Funktion von Religion - „also die Bewältigung außergewöhnlicher emotionaler Zustände […] Wenn als ihr Wesen vor allem ihre Legitimationsfunktion - also die Begründung von Herrschaftsstrukturen - herausgestellt wird, handelt es sich dagegen um eine soziologisch orientierte funktionale Definition von Religion“ (Mastiaux 2008, S.20).
Emile Durkheim war es, der sich zu Lebzeiten mit dem Wesen des Totemismus- der primitivsten Religion, wie er sagt- befasste. Durkheim legte mit seinem 1912 in Frankreich erschienenen Werk „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ einen Grundstein für eine funktionale Betrachtungsweise von Religion. In diesem Werk analysierte er anhand des Totemismus in Australien und Nordamerika die Funktionsweise von Religion. Den Totemismus sieht Durkheim als Basis einer jeden Religion, alle Religionen entwickelten sich aus dieser primitiven Glaubensform (vgl. Durkheim 1984, S.128). Seinem Religionsbegriff legte er die folgende Definition zugrunde: „Eine Religion ist ein solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken, die sich auf heilige, d.h. abgesonderte und verbotene Dinge, Überzeugungen und Praktiken beziehen, die in einer und derselben moralischen Gemeinschaft, die man Kirche nennt, alle vereinen, die ihr angehören“ (Durkheim 1984, S.75). Schon diese Definition deutet an, dass Durkheim Religion als ein Kollektivgut ansieht, Glaube kann nur gemeinsam gelebt werden: „Man kann ihn zwar einige Zeit durch ganz persönliche Anstrengung aufrechterhalten; aber so entsteht er nicht und so wird er nicht erworben. Es ist sogar zweifelhaft, ob er unter diesen Umständen überhaupt erhalten werden kann. In der Tat hat der Mensch, der wirklich glaubt, ein unwiderstehliches Bedürfnis, ihn zu verbreiten. Dazu tritt er aus seiner Isolierung heraus“ (ebd., S.587). Er stellt somit heraus, dass der Glaube als fundamentale Bedingung religiösen Lebens nur aktiv ist, wenn er geteilt wird, es braucht also eine Gemeinschaft, um Religion am Leben zu halten (vgl. ebd., S.569f). Durkheim sah „als wesentliches Element der Religion die gesellschaftlichen Integration, welche von ihr ausgehe“ (Mastiaux 2008, S. 20). Die Religion entspringt demnach aus der Gesellschaft, gleichzeitig schafft die Religion eine Gemeinschaft und sichert das Fortbestehen der Gesellschaft. Durkheim kommt zu dem Schluss, dass die wahre Funktion der Religion darin besteht, „uns zum Handeln zu bringen und uns zu helfen zu leben“ (Durkheim 1984, S.558). Weiter sagt er, dass die Hauptaufgabe der Religion ist, „auf das moralische Leben einzuwirken“ (ebd., S.562). Durkheim beschreibt die Religion als „eine Realität“, „ein Mittel […] um die Menschen zum Leben zu bringen“ (ebd., S.575), die auch nicht durch Wissenschaft ersetzt werden kann.
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Arbeit zitieren:
Hanna Ruehle, 2010, Die Bedeutung von Religion in der postmodernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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