Inhaltsverzeichnis:
Seite
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition
2.1. Medien
2.2. Sozialisation
2.3. Jugendphase
3. Mediensozialisation in der Jugendphase
3.1. Bedeutung der Medien in der Jugendphase am Beispiel
der JI-MStudie 2010
3.2. Das Internet
3.3. Funktion und Wirkung von Medien: Gefahren und Chancen
4. Medienerziehung und Medienkompetenz
4.1. Medienkunde
4.2. Mediennutzung
4.3. Mediengestaltung
4.4. Medienkritik
5. Jugendmedienschutz
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die neuen Medien haben sich nicht nur die letzten Jahrzehnte enorm ausgedehnt, sondern sind inzwischen zu einem wichtigen Bestandteil unseres Lebens geworden und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Jugendliche wachsen in der heutigen Zeit in einer medienprägten Umwelt auf, mit der sie sich auseinandersetzen und die komplexen Anforderungen bewältigen müssen. Daher kann man nicht nur von einer Wissens- und Mediengesellschaft, sondern auch von einer Medien-Jugend sprechen. Die meisten Jugendlichen besitzen heute zahlreiche und vielfältige Medien, „mit denen sie flexibel, virtuos und souverän umzugehen verstehen“ 1 und die selbstverständlich zu ihrem Lebensalltag gehören. Dabei nutzen sie die Medien zu Freizeit- und Bildungszwecken. Nicht nur dadurch, dass die Medien allgegenwärtig sind, sondern auch durch die stetige Weiterentwicklung der Kommunikations- und Informationstechnologien, kommt den Medien in unserem Alltag eine wachsende Bedeutung zu. Folglich haben sie einen gravierenden Einfluss auf unsere Meinungen, Verhaltensweisen und unseren Alltag, gerade von Kindern und Jugendlichen. Es steht fest, dass Jugendliche nicht nur sehr neugierig, sondern auch sehr experimentierfreudig sind und daher schon früh Erfahrungen mit Medien sammeln. Medien wie das Internet üben eine große Faszination auf Jugendliche aus. 2 Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Jugendliche Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss zu haben. Je einfacher ein Computer mit Internet für Jugendliche zugänglich ist, desto eher gewöhnen sie sich die daran, dass die Inhalte jederzeit verfügbar sind. Hierzu zählen auch Inhalte, die nicht für ihr Alter geeignet sind. In der Medienforschung wird das Thema Mediensozialisation kritisch diskutiert, gerade inwieweit Medieninhalte die Betrachter (ihre Verhaltensweisen und ihr Denken) beeinflussen. In meiner studienabschließenden Hausarbeit lege ich den Schwerpunkt auf die Jugendphase und die neuen Medien vor allem das Internet. Da es sich um ein sehr umfangreiches Thema handelt, richte ich mein Augenmerk auf folgende Fragestellungen:
- Was genau ist unter dem Begriff Mediensozialisation zu verstehen? Welche Relevanz hat diese - insbesondere des Internets - in der Jugendphase?
- Welche Bedeutung hat die Medienkompetenz und -erziehung in der heutigen Mediengesellschaft für Jugendliche? Welche Rolle und Aufgabe hat der Jugendmedienschutz?
Nun möchte ich noch kurz meine Gliederung und mein Vorgehen erläutern:
1 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2007; S. 141.
2 Vgl.: Meister, Dorothee M.; 2008; S. 209.
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Zunächst definiere ich die Begriffe „Neue Medien“, Sozialisation und Jugendphase, um Missverständnissen vorzubeugen und weil sie zu einem besseren Verständnis dieser Hausarbeit beitragen. Da Jugendliche immer mehr Zeit mit den Medien verbringen, stellt sich die Frage, inwieweit Medien die Persönlichkeitsbildung und den Sozialisationsprozess beeinflussen und ob sie dadurch inzwischen nicht zu einer Sozialisationsinstanz geworden sind. Im dritten Kapitel befasse ich mich daher mit der Mediensozialisation in der Jugendphase. Zudem zeige ich anhand einer Studie auf, welchen hohen Stellenwert die Medien für Jugendliche haben. Dabei konzentriere ich mich auf das Internet. Im nächsten Abschnitt erläutere ich die Ressourcen und Gefahren, die die Medien mit sich bringen. Daher setze ich mich in dem folgenden Kapitel mit der Medienerziehung und Medienkompetenz auseinander und schildere, welche tragende Bedeutung diese in der heutigen Mediengesellschaft haben. In diesem Zusammenhang definiere ich auch die Begriffe Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung und Medienkritik. Anschließend zeige ich im fünften Kapitel die Rolle und Aufgabe des Jugendmedienschutzes auf. Hier befasse ich mich mit dem Jugendschutzgesetz, dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag und gehe auf verschiedene Organisationen ein, die nicht nur zahlreiche Informationen zu diesem Thema bieten, sondern auch eine erste Anlaufstelle bei Fragen und Problemen sind. In einem Fazit folgen eine kurze Zusammenfassung und die Darstellung der wichtigsten Ergebnisse.
2. Begriffsdefinition
2.1. Medien
Der Begriff „Medien“ ist die Pluralform des lateinischen Wortes ,,Medium“. Übersetzt bedeutet es: Mitte, Zentrum, Publikum, Mittelpunkt, tägliches Leben, Öffentlichkeit, menschliche Gesellschaft. 3 Medien dienen der Informationsweitergabe, übertragen u.a. Nachrichten und vermitteln Informationen in die Gesellschaft und Öffentlichkeit. Nicht nur das Handy, Fernsehen und Internet gehören zu den bekannten Medien, sondern auch das Radio, Zeitungen, Bücher, Hörspiele und ähnliche Formate. Medien funktionieren als Mittler, Instanzen und Bindeglieder zwischen einem Empfänger und Sender. Sie ermöglichen einen direkten Austausch zum Kommunizieren. Zusätzlich transportieren, veröffentlichen und speichern sie Nachrichten und Informationen über unterschiedliche Kanäle. Die Medien werden in elektronische, audiovisuelle und Druckmedien gegliedert. Medien, die über Schallwellen und Bilder übertragen werden (z.B. Telefon, Radio und Fernsehen, sowie Tonträger wie CDs und Kasset-
3 Vgl.:Pertsch, Erich; Lange-Kowal, Ernst Erwin; 1999; S. 244.
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ten und Bildträger wie DVDs und Videokassetten), gehören zu den audiovisuellen Medien. Zu den Druckmedien zählen Medien, die als Träger für das gedruckte Wort oder Bild gebraucht werden (z.B. Bücher, Zeitungen). Zu den elektronischen Medien gehören diejenigen Medien, die nicht nur auf schnellem Wege viele Menschen erreichen, sondern auch auf elektronischem Wege Informationen erstellen, übertragen und empfangen können. An dieser Stelle kann das Internet genannt werden, welches u.a. die Möglichkeit bietet, E-Mails zu verschicken und Foren oder Chats zu nutzen. Neue Medien werden als „Sammelbegriff für computergestützte Kommunikationsmittel und digitale elektronische Medien (z.B. digitales Fernsehen, CD, CD-ROM, DVD), interaktive und multimediale Kommunikationsformen (z.B. Pay-TV, Video-on-Demand, Videokonferenz), das Internet und darüber zu nutzende Dienste (z.B. Informationsabfragen, Downloads, E-Mail, Chats, Onlineshopping, Datenbankdienste) sowie Mobilfunkanwendungen (z.B. SMS, WAP) und durch die UMTS-Technik ermöglichte Kommunikationsformen (z.B. MMS, Bildtelefonie)“ 4 verstanden. Zudem sind sie „selbst aktiver Informationsträger (Medium ist selbst Agent), können mit anderen Agenten interagieren (Interaktivität), sind multimedial, sind orts- und zeitlos und daher vernetzt.“ 5
2.2. Sozialisation
Zum Sozialisationsbegriff gibt es inzwischen zahlreiche Theorien. Klaus Hurrelmann definiert Sozialisation als den „Prozess der Entwicklung der Persönlichkeit in produktiver Aus-einandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen (der »inneren Realität«) und mit der sozialen und physikalischen Umwelt (der »äußeren Realität«). Die Definition geht von der Annahme aus, dass der Mensch durch seine Umwelt stark beeinflusst wird, sie aber zugleich durch seine eigenen Aktivitäten auch mit gestaltet.“ 6 Das bedeutet, dass Sozialisation ein lebenslanger Prozess ist, bei dem sich die Persönlichkeit „in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt“ 7 entwickelt. Dabei agiert der Sozialisand als aktiver Gestalter seiner Umwelt. Er setzt sich in jedem Lebensabschnitt aktiv und produktiv mit der sozialen und materiellen Umwelt und sich selbst auseinander. Sozialisationsprozesse implizieren sämtliche Erziehungs- und Lernprozesse, um schließlich verantwortungsbewusst, sozial handlungs- und gesellschaftsfähig durch die Verinnerlichung von gesellschaftlichen Werten, Normen und
4 Vgl.: http://www.brockhausen-web.de/wissenswertes/glossar.html - download am 16.03.2011 um 11.03 Uhr.
5 Vgl.: http://www.business-model-innovation.com/definitionen/neuemedien.html - download am 16.03.2011 um
15.18 Uhr.
6 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2006; S. 7.
7 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2006; S. 15.
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Verhaltensweisen zu werden, um verschiedene Rollen in der Gesellschaft zu übernehmen. Die zentrale Grundlage bildet dabei die kommunikative Kompetenz. 8
2.3. Jugendphase
Die Jugendphase ist in der heutigen Zeit mit der Bewältigung von vielfältigen Entwicklungsaufgaben zu einer wichtigen, eigenständigen Lebensphase (im Durchschnitt von 15 Lebensjahren) geworden, in der „erhebliche Veränderungen der körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Entwicklung bewältigt werden“ 9 müssen. Zu den Entwicklungsaufgaben gehören: Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, Entwicklung des inneren Bildes von der Geschlechtszugehörigkeit, Entwicklung selbständiger Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes, Entwicklung eines Werte- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewusstseins. 10 Jugendliche müssen sich mit ihrer Persönlichkeit zu einem handlungsfähigen, autonomen Individuum entwickeln, ihre Identität finden und mit ihren Werten und Normen in die Gesellschaft integrieren. Dabei erfolgt die Phase der produktiven Auseinandersetzung mit der inneren und äußeren Realität meist in besonders turbulenter Form. Diese Phase ist durch eine schrittweise Distanzierung vom Elternhaus und der Zunahme zu Gleichaltrigenkontakten, die einen wichtigen Stellenwert einnehmen, gekennzeichnet. Jugendliche legen großen Wert darauf, in eine Gruppe integriert zu sein, als auch Anerkennung und Akzeptanz (bspw. durch den Besitz von Statusgütern) zu bekommen. Daneben ist folgendes jugendliches Verhalten für diese Lebensphase typisch: Such- und Tastphase, das Ausprobieren von Grenzen und Neuem, Protesthaltung einnehmen. Gerade in der Jugendphase kann durch die vielfältigen Anforderungen und Entwicklungsaufgaben psychischer Stress entstehen, weil nicht alle Jugendlichen die nötige soziale Kompetenz und Bewältigungsstrategie haben, um diese Anforderungen zu bewältigen. 11 „Hierdurch entsteht eine eigenartige Mischung aus Selbständigkeit und Abhängigkeit, aus Selbst- und Fremdbestimmung […]. Vor allem im Freizeit- und Konsumbereich, bei der Nutzung von Medien […] ist der Spielraum Jugendlicher für selbstbestimmte Verhaltensweisen heute relativ groß.“ 12
8 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2006; S. 11ff.
9 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2007; S. 7.
10 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2007; S. 27f.
11 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2007; S. 30f.
12 Vgl.: Hurrelmann, Klaus; 2007; S. 8.
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3. Mediensozialisation in der Jugendphase
Die Thematik, ob die Medien sozialisierende Einflüsse ausüben, ist so alt wie die Medien selbst. Der Begriff Mediensozialisation bezeichnet das Leben und Auswachsen in verschiedenen Medienwelten. „Darin einbezogen sind Prozesse der Medienrezeption, die Aneignung von Medien im lebensweltlichen Kontext, der Gebrauch von Medien als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel sowie die Verständigung über solche Themen und Inhalte, die in der jeweiligen Kultur primär über Medien vermittelt sind.“ 13 Unter Mediensozialisation werden also aktiv handelnde Menschen verstanden, die „sich im symbolischen Feld der Medien selbst sozialisieren.“ 14 In den letzten Jahrzehnten wurden die medialen, vermittelten Inhalte (Fernseher, Radio, Internet etc.) und auch die Medien selbst für spezifische Sozialisationswirkungen - gerade bei Gewaltdarstellungen und Werbung - verantwortlich gemacht. Wenn man das Sozialisationsverständnis von Hurrelmann als bedeutsam erachtet, dass Sozialisation verstanden werden sollte als jener „Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt“ 15 , dann wird schnell sichtbar, dass unter dem Begriff Mediensozialisation ein sehr komplexer und vielseitiger Prozess verstanden werden muss. Daher wird zwischen medienzentrierter und rezipientenzentrierter Perspektive unterschieden. Die medienzentrierte Sichtweise geht der Frage nach: Was machen die Medien mit den Menschen? Im Gegensatz dazu beschäftigt sich die rezipientenzentrierte Sichtweise mit der Frage: Was machen die Menschen mit den Medien? So gibt es verschiedene Ansätze und Thesen, die sich mit der Mediensozialisation, unter der besonderen Beachtung des Verhältnisses zwischen Individuum und Medien, auseinandersetzen:
- Medien wirken auf Menschen ein: Dieser Ansatz geht von der Annahme aus, dass Medien je nach Inhalt, Gestaltung und Struktur einen Einfluss und ein besonderes Wirkpotential ausüben. Themen in diesem Zusammenhang sind Gewalt und Werbung, das Fernsehen, Internet und Computerspiele. Hier fällt auf, dass die Medienwirkung vor allem unter einer sehr negativen Perspektive betrachtet wird. 16
- Menschen sind medienkompetent und selektieren das Medienangebot: Dieser Ansatz stellt den Menschen nicht als ein Opfer der Medien dar, sondern sieht ihn als einen aktiven
13 Vgl.: http://www.tu-dresden.de/erzwiae/mp/medpaed/wortspiel_texte/mediensozialisation.html - download am
18.03.2011 um 20.57 Uhr.
14 Vgl.: Fritz, Karsten; Sting, Stephan; Vollbrecht, Ralf; 2003; S. 8.
15 Vgl.: Sander, Uwe; von Gross, Friederike; 2008; S. 87.
16 Vgl.: Sander, Uwe; von Gross, Friederike; 2008; S. 88.
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Arbeit zitieren:
Katharina Hilberg, 2011, Aufwachsen in der Mediengesellschaft für Jugendliche: Medien als Sozialisationsinstanzen, München, GRIN Verlag GmbH
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