Inhaltsverzeichnis
II
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Zielsetzung 2
1.3. Vorgehensweise 2
2. Hauptteil 5
2.1. Darstellung wichtiger Faktoren zur Analyse der Situation 5
2.1.1. Schulabschl usse 5
2.1.2. Demografische Trends - Der Blick in die Zukunft 7
2.1.3. Ausbildungsreife 8
2.1.4. Berufsreife 10
2.1.5. Humankapital 11
2.1.6. Humankapitalinvestition 11
2.1.7. Personalbedarf und Selektion 13
2.1.8. Reputationseffekte 14
2.2. Betrachtung des regionalen Bewerbermarktes und der Unternehmen 15
2.2.1. Klassifizierung der Ausbildungsbetriebe 15
2.2.2. Regionales Ausbildungsangebot und Rekrutierungskan ale 16
2.2.3. Demografische Aspekte 18
2.2.4. Qualitative und quantitative Zufriedenheit 18
2.2.5. Nichtantritt von Ausbildungspl atzen 21
2.2.6. Weiterbesch aftigungsperspektiven 22
2.2.7. Ausbildung als Rekrutierungsinstrument 22
3. Schlussteil 23
3.1. Schlussfolgerungen zur zuk unftigen Bewerbersituation 23
3.2. Handlungsm oglichkeiten der Unternehmen 24
3.3. Zusammenfassung und Ausblick 27
A. Anhang 28
Literatur 34
Stichwortverzeichnis 37
Tabellenverzeichnis
III
Tabellenverzeichnis
1. Makrogeografische Verteilung als Tabelle 5
2. Absolventen der allgemeinbildenden Schulen 1999 und 2008 7
3. Klassifizierung der Ausbildungsbetriebe 16
Abbildungsverzeichnis
1. Makrogeografische Verteilung als Karte 4
2. Demografische Entwicklung der Schulabsolventen 8
3. Ausbildende Betriebe im
Uberblick 15
4. Ausbildungsangebot der Unternehmen im Marktsegment 17
5. Rekrutierungskan ale der Unternehmen im Marktsegment 18
6. Schulabg anger im Kreis D uren und Nachbarkreisen von 2010-2020 19
7. Qualitative und quantitative Zufriedenheit mit den Bewerbungen 20
8. Schulabschl usse der Auszubildenden 2007 - 2010 21
9. Weiterbesch aftigungsperspektiven nach der Ausbildung 23
10. Schulabschl usse von Auszubildenden (kaufm annisch) 29
11. Schulabschl usse von Auszubildenden (gewerblich) 30
1. Einleitung 1
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
In Zeiten von Wettbewerbs- und Innovationsdruck, sowie der Flexibilisierung an allen im Unternehmenskontext relevanten M¨ arkten, m¨ ussen Unternehmen auch am Arbeitsmarkt Strategien entwickeln, um ihren aktuellen und zuk¨ unftigen Personalbedarf bzw. Fachkr¨ aftebedarf zu decken. Der propagierte Fachkr¨ aftemangel ist im Rahmen von verk¨ urzten Produktlebenszyklen, demografischer Entwicklungen, Qualifikationsengp¨ assen und regionaler Standortfaktoren zu sehen. Es gilt, f¨ ur den Staat und Unternehmen gleichermaßen, die L¨ ucke zwischen Fachkr¨ aften einerseits und ausbildungsf¨ ahigen Menschen andererseits zu schließen. Dabei sind Qualifizierungsoffensiven im allgemein- und fachbildenden Bereich an den Schulen und anderen staatlichen Bildungseinrichtungen ebenso wichtig, wie Berufsausbildung und berufliche Fortbildung in den ¨ offentlichen und privatwirtschaftlichen Unternehmen. Die divergenten Ziele der Berufsausbildung in den Dimensionen gesellschaftlich-staatliche Motivation und der betriebswirtschaftlichen Sicht stellen Berthel/Becker ¨ ubersichtlich dar.
Der Ausgleich der Divergenz erfolgt in Deutschland ¨ uber das duale Ausbildungssystem 1 . Eine optimale Verzahnung von wirkungsvollen Maßnahmen betreffen im deut-
schen Ausbildungssystem also immer den Staat und die Unternehmen gleichermaßen. Das Ausbildungssystem ist deshalb dual, weil es zwei zentralen Lernorte gibt: Die Berufskollegs mit dem theoretischen und allgemeinbildenden Teil und der Betrieb f¨ ur die praktischen Elemente. 2 Weitere Aspekte sind die Dualit¨ at der Ausbildungsregelung und der Ordnungskompetenzen. 3 Daher sollten sich die Unternehmen und die
Berufskollegs eng abstimmen. Die Staaten, in denen es eine duale Berufsausbildung gibt, k¨ onnen den Jugendlichen mehr M¨ oglichkeiten f¨ ur einen qualifizierten Berufseinstieg bieten als andere Staaten. 4 Die Verzahnung als Optimum ist nicht nur durch
die bew¨ ahrte duale Berufsausbildung zu belegen, sondern auch dadurch, dass duale Studieng¨ ange, also Ausbildung plus Studium, immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hier erfolgen oft sogar tripartische Kooperationen von Betrieben, Berufskollegs und Einrichtungen des terti¨ aren Bildungssystems. Sowohl die duale Studienm¨ oglichkeiten, als auch die klassische Berufseinstiegsqualifizierung ¨ uber das in Deutschland bew¨ ahr-
te duale Ausbildungssystem, stellen wichtige Faktoren zur Fachkr¨ aftegewinnung der Unternehmen dar.
Vermehrt wird den Schulabg¨ angern mangelnde Ausbildungsreife unterstellt, sodass Ausbildungsstellen nicht ad¨ aquat besetzt werden k¨ onnen. Unternehmensverb¨ ande beklagen, man k¨ onne erst durch gezielte F¨ orderung von Schulabg¨ angern deren Potentia-
2
le nutzen. Die Gewerkschaften dissentieren dazu regelm¨ aßig. In diesem Kontext gibt es jedoch durchaus kritische Stimmen, deren Argumente in die Gesamtbetrachtung einfließen sollten.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Unternehmen durch die Berufsausbildung oder duale Studienm¨ oglichkeiten in das Humankapital investieren, um Fachkr¨ afte auszubilden und zu entwickeln. Dabei wollen Sie auf eine Basis aufbauen, die der Staat durch die Bildungsinfrastruktur der allgemeinbildenden Schulen gelegt hat. Durch die Erweiterung der schulischen Basisqualifikation um berufsspezifische Kenntnisse soll der aktuelle und zuk¨ unftige Fachkr¨ aftebedarf in Deutschland gesichert werden.
Diese Investitionen rentieren sich f¨ ur die ausbildenden Unternehmen in ¨ okonomischer
Hinsicht aber nur, wenn sie es schaffen den ausgebildeten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Besch¨ aftigungsperspektiven zu erm¨ oglichen. Die zuk¨ unftigen Fachkr¨ afte m¨ ussen ad¨ aquat eingesetzt und beruflich weiter entwickelt werden, um so eine Ab-wanderung in andere Unternehmen zu verhindern.
1.2. Zielsetzung
Es k¨ onnen aus dieser Problemstellung einige Fragestellungen abgeleitet werden. Dabei sind verschiedene Perspektiven denkbar. Diese Arbeit besch¨ aftigt sich mit der Perspektive des Bewerbermarktes. Die sich daraus ergebenden Fragen lauten:
1. Sind die qualitative Eignung und die quantitative Anzahl der Bewerber tats¨ achlich so schlecht wie oft dargestellt und subjektiv eingesch¨ atzt?
2. Wie ist die Weiterbesch¨ aftigungssituation?
3. Betreiben die Unternehmen gezielt eine bedarfsorientierte Berufsausbildung und nutzen sie diese als Rekrutierungsinstrument f¨ ur Fachkr¨ afte?
1.3. Vorgehensweise
Um die aufgeworfenen Fragen zu beantworten, empfiehlt sich als Grundlage eine Auswertung von Publikationen aus der Berufsbildungsforschung und eine Analyse von Unternehmensdaten. Die Daten f¨ ur den gesamten deutschen Bewerbermarkt zu erheben erscheint dabei nicht sinnvoll, da eine solide Datenbasis auf vielen Determinanten beruht, welche regional unterschiedlich sein k¨ onnen und die im Rahmen dieser Arbeit nicht in G¨ anze erfasst werden k¨ onnen. Um gleichartige Einflussfaktoren zu erhalten empfiehlt es sich, eine Segmentierung des Ausbildungsmarktes vorzunehmen. Dabei kann auf Methoden des Marketings zur¨ uckgegriffen werden. Unter Marktsegmentie-
1. Einleitung 3
rung versteht man ” die Aufteilung eines Gesamtmarktes in bez¨ uglich ihrer Marktreaktion intern homogene und untereinander heterogene Untergruppen (Marktsegmente)“ 5 . Die Segmentierungskriterien m¨ ussen dabei bestimmte Eigenschaften erf¨ ullen, um die klare Abgrenzbarkeit vom Gesamtmarkt zu gew¨ ahrleisten 6 . Wichtig im Kon-
text einer Ausbildungsmarktbetrachtung ist die Mobilit¨ at der Adressatengruppe. Diese ist in der Regel bei jungen Menschen regional ausgepr¨ agt 7 . Vielfach wohnen die
jungen Menschen noch im elterlichen Haushalt und absolvieren ihre Berufsausbildung in ihrer Heimatregion. Die Bereitschaft, f¨ ur die Ausbildung umzuziehen oder sehr lange Wegstrecken in Kauf zu nehmen steigt mit einer h¨ oheren Wertigkeit des Schulabschlusses und mit besseren Noten in den Hauptf¨ achern Deutsch und Mathematik. Alter, Geschlecht und Herkunft spielen ebenfalls eine Rolle 8 . Eine sinnvol-
le Segmentierung kann schlussfolgernd anhand makrogeografischer Merkmale vorgenommen werden. Ein weiterer Vorteil der makrogeografischen Segmentierung ist die einfache und preisg¨ unstige Datenbeschaffung f¨ ur eine empirische Analyse 9 .
Es wurde mittels Online-Fragebogen eine Befragung ¨ uber die Kontakte des Bun-desverbands f¨ ur Wirtschaftsf¨ orderung und Außenwirtschaft (BWA) 10 realisiert. Als
Ansprechpartner diente dabei die regionale Vertretung des BWA in Form des Internationalen Wirtschaftsclub Aachen-D¨ uren. In diesem Netzwerk sind rund 300 regional verwurzelte Unternehmen pr¨ asent. Des Weiteren wurden pers¨ onliche Netzwerke des Autors und anderer Personalverantwortlicher im Rahmen einer Direktansprache von regionalen Unternehmen genutzt. Adressaten der Befragung waren die verantwortlichen Ausbilder 11 oder Personalreferenten oder -leiter der Unternehmen. Das Ziel der
Befragung war die Ermittlung von Rohdaten ¨ uber
11 i.S.d zust¨ andigen Stelle gem¨ aß §71 BBiG (Berufsbildungsgesetz)
4
Durch den regionalen Bezug des Unternehmensnetzwerkes im Bereich Aachen und D¨ uren wurde gleichzeitig die makrogeografische Segmentierung vorgenommen. Im Fragebogen wurde die Postleitzahl abgefragt, die um Postfach- bzw. Großkundenpostleitzahlen 12 bereinigt wurde. Antworten kamen aus den in Abbildung 1 hervorgehobenen Postleitzahlengebieten. In Tabelle 1 ist ein ¨ Uberblick ¨ uber die makrogeografische
Verteilung der antwortenden Unternehmen im Klartext ersichtlich.
Abbildung 1: Makrogeografische Verteilung als Karte; Quelle: Eigene Erhebung
Von den rund 300 angeschriebenen Unternehmen in der Region haben 47 den Fragebogen vollst¨ andig ausgef¨ ullt. Diese Stichprobe hat, angesichts der Grundgesamtheit von 3.192 ausbildenden Unternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen 13 , keinen repr¨ asentativen Charakter. Die Stichprobe weist aber die notwendigen Eigenschaften auf 14 , um zur Beantwortung der im Kontext der Zielsetzung
aufgeworfenen Fragestellungen herangezogen werden zu k¨ onnen.
12 Zuordnung der Postfach- bzw. Großkundenpostleitzahl zur n¨ achsth¨ oheren realen Postleitzahl
13 IHK Aachen (2010), Jahresbericht 2009, S. 69.
14 vgl. dazu Abschnitt 2.2.1
2. Hauptteil 5
2. Hauptteil
2.1. Darstellung wichtiger Faktoren zur Analyse der Situation
Um zu verstehen, welche Determinanten einen Einfluss auf die in der Zielsetzung auf-geworfenen Fragen haben, werden in diesem Abschnitt zentrale Punkte aus Studien, Literatur und empirischen Untersuchungen aufbereitet. Mit Hilfe der entstehenden Theoriebausteine l¨ asst sich im weiteren Verlauf der Arbeit die konkrete Situation im regionalen Bewerbermarkt analysieren.
2.1.1. Schulabschl¨ usse
Die Jugendlichen, die eine Berufsausbildung im dualen System anstreben, m¨ ussen zun¨ achst die erste Schwelle, also den ¨ Ubergang von der allgemeinbildenden Schule in eine betriebliche Ausbildung meistern. Dies ist mit zunehmenden Schwierigkeiten verbunden. So sind viele Jugendlichen zun¨ achst in ein- oder mehrj¨ ahrigen Warteschleifen, bevor sie eine Ausbildungsstelle finden. Einige von ihnen durchlau-
6
fen dabei mehrere Qualifikationsmaßnahmen 15 , um einen leichteren Zugang zum be-
trieblichen Ausbildungsplatzangebot zu haben. Dies ist auf mehrere Einflussgr¨ oßen zur¨ uckzuf¨ uhren. Zum einen auf den regionalen Ausbildungsmarkt, und die bereits in Abschnitt 1.2 thematisierten Mobilit¨ atsaspekte der Ausbildungsplatzsuchenden. Zum anderen wird oft die Eignung von Schulabg¨ angern f¨ ur die Ausbildung bem¨ angelt. Die Ausbildungsplatzsuchenden, die in Qualifikationsmaßnahmen aufgenommen werden, verf¨ ugen ¨ uber einen vergleichsweise niedrigen oder keinen Abschluss. Bei Betrachtung der formalen Qualifikation f¨ allt auf, dass die Wertigkeit der Abschl¨ usse von Ausbildungsplatzsuchenden im Zeitverlauf ein h¨ oheres Maß angenommen hat. W¨ ahrend in Deutschland 1970 rund 79% der eingestellten Bewerber einen Hauptschulabschluss erreicht haben, haben 2005 nur noch 38% der Vergleichsgruppe in Westdeutschland einen Hauptschulabschluss 16 . Ein weiteres Indiz ist die Anzahl der Studienberechtig-
ten. 1970 hatten ca. 1% der Sch¨ uler eine Studienberechtigung, 2005 waren es rund 19% der Sch¨ uler 17 . Zahlen aus anderen Quellen best¨ atigen dies teilweise, andere stehen den
Angaben von Hammel jedoch entgegen. Die Anzahl der Jugendlichen, die w¨ ahrend der Vollzeitschulpflicht keinen Hauptschulabschluss erreichen, wird stetig kleiner. Die Kultusministerkonferenz stellte f¨ ur den Zeitraum von 1999 bis 2008 einen 22,5 prozentigen R¨ uckgang der Jugendlichen ohne Abschluss fest. Im selben Zeitraum stiegen die Zahlen von Absolventen mit Fachhochschulreife um 52,7% und Absolventen mit Hochschulreife um 18%. 18 Die Daten der Betrachtung der Kultusministerkonfe-
renz f¨ ur 1999 und 2008 mit den zugeh¨ origen Ver¨ anderungswerten (Δ-Werte) sind in Tabelle 2 aufgef¨ uhrt. Die zuerst aufgef¨ uhrten Daten von Hammel sind damit grunds¨ atzlich nachvollziehbar. Die studienberechtigten Absolventen 19 in 2008 haben
mit rund 30,4% sogar ein deutlich h¨ oheres Maß angenommen als 2005. Es muss jedoch festgestellt werden, dass die diesbez¨ uglichen Daten von Hammel (rund 19%; angegebene Quelle: BiBB) und die Daten der Kultusministerkonferenz (rund 25,3%; angegebene Quelle: Eigenanalyse) deutlich auseinanderfallen. Dies kann an unterschiedlichen Analysemethoden oder grunds¨ atzlich anderen Erhebungsverfahren liegen. Bei Ver¨ offentlichungen dieser Art sind also neben den reinen Zahlen immer die Kontextinformationen zu beachten. Ein weiteres Stichwort, das in diesem Zusammenhang oft f¨ allt, ist die Ausbildungsreife. Es wird vielfach in den Medien so dargestellt, als h¨ atten die Jugendlichen starke Defizite und w¨ aren nicht f¨ ahig, eine Ausbildung aufzunehmen. Aufgrund der aufgef¨ uhrten Validit¨ atsproblematik bei verschiedenen Statistiken und Erhebungsverfahren ist eine allgemeine Irritation in Bezug auf die Definition des Themas Ausbildungsreife verst¨ andlich. Im Abschnitt 2.1.3 wird diese Problematik aufgegriffen.
15 vgl. Bellmann/Hartung (2010), S. 160.
16 vgl. Hammel (2009), S. 7.
17 vgl. a. a. O.
18 vgl. Kultusministerkonferenz (2009), Dokumentation Nr. 188 , S. 15.
19 betrachtet werden Fachhochschulreife und Hochschulreife
Arbeit zitieren:
Ulrich Ivens, 2011, Berufliche Ausbildung als Rekrutierungsinstrument, München, GRIN Verlag GmbH
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