Inhalt
1. Einleitung 1
2. Orientierung in Online-Nachrichtenmagazinen 2
2.1. Layout und Übersicht 2
2.2. Linkgestaltung und Selektion 8
3. Schluss 12
II
1. Einleitung
Die Zeitung ist ein Jahrhunderte altes Informationsmedium. Dabei hat sie bis zur heutigen Zeit eine mehr oder minder starke Entwicklung genossen. Hauptsächlich Form und Inhalt der Zeitung waren von dieser Entwicklung betroffen, denn zwei Klagen über die Zeitung sind so alt wie das Medium selbst: Die Klage über die Zeitungssprache und die Klage über die mangelnde Übersichtlichkeit und Ordnung. 1 Die Pressesprache wurde dahingehend kritisiert, dass sie zu unverständlich sei und dass sie zu viele Fremdwörter enthalte. Die Gestaltung für das selektive Lesen war das Argument für die Kritik an der Zeitungsform. Mittlerweile sind Zeitungen multimediale Informationsangebote aus Text, Bild und Grafik, die für eine selektive Lektüre konzipiert sind. 2 Aus diesem Grund steht ein gutes Textdesign neben anderen Kriterien auch im Zentrum der Zeitungsproduktion. Textdesign beschreibt die Strategie für eine ganzheitliche Gestaltungslehre der Zeitung. Textdesign verbindet Form und Inhalt und schließt die Lücke zwischen Layout und Text bzw. Seitengestaltung und Beitragsgestaltung.
Mit der Einführung des Internets wurden und werden zunehmend auch sog. elektronische Zeitungen zur Verfügung gestellt. Das Prinzip der Zeitung als selektive Lektüre trifft auch auf ihre elektronischen Pendants zu. Besondere Aufmerksamkeit bezüglich der Berücksichtigung von Selektivität in der Gestaltung ist gerade bei elektronischen Zeitungen notwendig, da sie durch eine Hypertext-Struktur gekennzeichnet sind. Diese Struktur, im Gegensatz zur linearen Struktur der herkömmlichen Zeitung oder des Buches, erlaubt dem Leser seine eigene Textkonstruktion. Der Hypertext ist ein Netz multimedialer Informationseinheiten aus Text, Bild, Grafik, Ton und Film. Das sind die Knoten des Netzes. Die Verbindungen zwischen diesen Knoten werden über sog. Links hergestellt, die ganz unterschiedlich gestaltet sein können. 3 Aufgrund dieser vielfältigen Verknüpfungen kann sich der Leser seine Lektüre individuell zusammenstellen. Deshalb verlangt die Hypertext-Struktur ein hohes Maß an Ordnung und Übersicht, um dem Leser die Auswahl von und die Suche nach bestimmten Artikeln zu erleichtern und ihm seine Leseposition zu verdeutlichen. Denn bei der hohen Anzahl von Verknüpfungen kann der Leser leicht seine Orientierung verlieren.
1 Blum, Joachim; Bucher, Hans-Jürgen: Die Zeitung. Ein Multimedium. Textdesign - ein Gestaltungskonzept für Text, Bild und Grafik. Konstanz: UVK-Medien, 1998. S. 12.
2 Blum, Joachim; Bucher, Hans-Jürgen: Die Zeitung. Ein Multimedium. Textdesign - ein Gestaltungskonzept für Text, Bild und Grafik. Konstanz: UVK-Medien, 1998. S. 83.
3 Blum, Joachim; Bucher, Hans-Jürgen: Die Zeitung. Ein Multimedium. Textdesign - ein Gestaltungskonzept für Text, Bild und Grafik. Konstanz: UVK-Medien, 1998. S. 85.
1
Die folgende Analyse untersucht und vergleicht exemplarisch zwei elektronische Nachrichtenmagazine hinsichtlich ihres Textdesigns. Am Beispiel der Online-Ausgaben des Spiegels und des Focus sollen Vor- und Nachteile in bezug auf die Gestaltung und die damit verbundene Rezeptionsfähigkeit dargestellt werden. Dabei werden sowohl
wahrnehmungspsychologische als auch textlinguistische Aspekte die Basis für die Analyse bilden.
2. Orientierung in Online-Nachrichtenmagazinen
2.1. Layout und Übersicht
Online-Zeitungen sind im wesentlichen durch die Merkmale Dreidimensionalität und Raumbegrenzung charakterisiert. 4 Mit Dreidimensionalität ist die Hypertextstruktur gemeint, denn die Informationen werden nicht fortlaufend, also linear präsentiert, sondern es werden verschiedene Informationseinheiten gebildet, die elektronisch miteinander verknüpft sind. Die Online-Zeitung bietet ein Netz aus verschiedenen Texten, Bildern und Grafiken. Die Verbindung zwischen diesen Informationseinheiten Können ganz unterschiedlich gestaltet sein, z. B. als markierte Textstellen, als Buttons und Icons, als Stichwörter, als Überschriften oder als Adressen für weitere Webseiten. Die so angelegte Struktur bietet und forciert eine selektive Lektüre, d. h. die Leser nehmen nicht alle Stimuli vollständig auf, sondern sie rezipieren aus verschieden Reizen auswählend. Eine zentrale Konsequenz der Hypertextualität sind deshalb der Selektionszwang und der Selektionsdruck 5 , denn der Rezipient ist der permanenten Entscheidung unterworfen, welchem Informationsangebot er sich zuwenden soll bzw. welche Verbindung ( Link ) er weiterverfolgen soll. Zusätzlich bietet der Bildschirm lediglich einen räumlich sehr begrenzten Ausschnitt der Gesamtmenge an Informationen, für die sich der Leser entscheiden kann. Um so gewichtiger ist deshalb die Strukturierung hinsichtlich Einteilung und Aufbau der einzelnen Informationseinheiten. Relevant für die Orientierung des Lesers sind Anzahl und Anordnung der Links, deren Zugang für den Rezipienten zunächst über dessen sensorische Wahrnehmung
4 Blum, Joachim; Bucher, Hans-Jürgen: Die Zeitung. Ein Multimedium. Textdesign - ein Gestaltungskonzept für Text, Bild und Grafik. Konstanz: UVK-Medien, 1998. S. 85.
5 Wirth, Werner: Selektion im Internet. Empirische Analysen zu einem Schlüsselkonzept. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1999. S. 48.
2
Arbeit zitieren:
Mag. Medienwissenschaft Holger Koch, 2003, Orientierung im Internet - eine Funktionsanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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