Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Christian Gotthilf Salzmann - Sein Leben und Wirken bis zum 1. Mai 1781. 2
2.1 Die Kinderstube 2
2.2 Die Schulzeit 5
2.3 Das Theologiestudium. 9
2.4 Die Rückkehr nach Erfurt. 11
2.6 Salzmann wieder in Erfurt 16
2.6.1 Die Situation Erfurts 1772 17
2.6.2 Salzmann der Prediger, Theologe und Seelsorger der Andreasgemeinde. 18
2.6.3 Salzmann der Pädagoge 20
2.6.4 Salzmann der Vater 24
2.6.5 Salzmann der Wissenschaftler. 25
2.6.6 Salzmann und die Kritiker. 27
2.6.7 Salzmann - Abschied von Erfurt. 28
3 Salzmann und der Philanthropismus 29
4 Zusammenfassung 34
5 Literaturverzeichnis 37
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1 Einleitung
Diese Hausarbeit im Rahmen des Forschungspraktikums wird sich mit der Person Christi‐ an Gotthilf Salzmanns beschäftigen. Insbesondere soll dabei die Zeit vor 1781 betrachtet werden, in der Salzmann vorwiegend in Erfurt tätig war. Nach seiner Kindheit in Sömmer‐ da, kam die Familie Salzmann 1759 nach Erfurt. Ihr Sohn Christian Gotthilf verließ Erfurt, um in Jena Theologie zu studieren und noch einmal für vier Jahre, in denen er eine Anstel‐ lung in Rohrborn, einem kleinen Dorf bei Erfurt hatte. Danach lebte und wirkte er neun Jahre in Erfurt. Einige Biographen sparen diese Zeit in Salzmanns Leben bewusst aus, in Ermangelung an Quellen. Somit gibt es auch keine komplette Biographie Salzmanns. Ich werde versuchen, ein möglichst vollständiges Bild von Salzmann darzustellen, indem ich die Fragmente unterschiedlicher Autoren nutze. Die Ausarbeitungen von Richard Bosse sind dabei am Umfangreichsten. Er war Ende des 19. Jahrhunderts Schulleiter in Schnepfenthal.
Mein Interesse am Thema „Christian Gotthilf Salzmann“ ist auf meine ehrenamtliche Tä‐ tigkeit in der evangelischen St. Andreasgemeinde in Erfurt, zurückzuführen. In dieser Ge‐ meinde legte Salzmann den Grundstein für seine spätere pädagogische Arbeit. Ein gesondertes Kapitel wird dem Philanthropismus gewidmet werden. Diese Strömung der Aufklärung begünstigte und unterstützte Salzmann in seinen Überlegungen zur Erzie‐ hung und ließ ihn zu dem großen Erzieher werden, als den man ihn heute bezeichnen kann.
2 Christian Gotthilf Salzmann - Sein Leben und Wirken bis zum 1. Mai 1781 2.1 Die Kinderstube
Am 1. Juni 1744 wurden dem Diakon Johann Christian Salzmann und seiner Frau Rahel Sybille Margarethe ihr erstes Kind geboren. Am nächsten Tag taufte man ihren Sohn auf den Namen Christian Gotthilf. Den Namen „Gotthilf“ gab ihm der Vater, als er nach der
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Geburt als ersten Wunsch an das bedrohte Leben des Kindes „Gott hilf!“ ausrief (vgl. Bos‐ se 1884). Den ersten Vornamen erhielt er nach dem Vater, der ebenfalls Christian hieß. Salzmanns Vater entstammte vermutlich einer Bauernfamilie aus Schwerstedt bei Strauß‐ furt. Salzmann schrieb in seiner Autobiographie, die er mit 67 Jahren verfasste: „Vom Hö‐ rensagen weiss ich, dass mein Grossvater seine Abstammung von Strassburg hergeleitet habe. Von dorther soll ein Salzmann als Mönch kurz vor der Reformation in ein thüringi‐ sches Kloster gegangen sein, dasselbe zur Zeit der Reformation wieder verlassen, sich verheiratet haben und der Stammvater meiner Familie väterlicherseits geworden sein.“ (Bosse, 1884, S. 37‐38). Ob dieser Salzmann tatsächlich sein Vorfahre war, ist nicht bewie‐ sen. Es gab zu dieser Zeit viele Personen mit dem Namen „Salzmann“ in Straßburg. Christian Gotthilfs Großmutter war es zu verdanken, dass ihr Sohn Theologie studieren konnte. Sie arbeitete sehr hart, legte extra ein Feld an, wo sie Gemüse erntete, welches sie verkaufte, um das Studium finanzieren zu können (vgl. Bosse 1884). Salzmann schrieb später über seinen Vater: „Da aber der Prediger des Ortes an ihm viel Fähigkeiten be‐ merkte, so gab er ihm selbst Unterricht im Latein und bat meinen Grossvater, dass er ihn studieren lassen möchte. Dieser lehnte ab, weil er zu arm sei… Nun, sagte meine Gross‐ mutter, so will ich das Geld dazu aufbringen. Sie pachtete darauf ein Stück Land… und ward durch den daraus jährlich gelöseten Gewinn wirklich in den Stand gesetzt, ihren Sohn erst die Schule zu Nordhausen, dann zu Langensalz und endlich die Universität Wit‐ tenberg besuchen zu lassen“ (Bosse, 1884, S. 38).
Christian Gotthilfs Mutter entstammte der Apothekerfamilie Braun aus Sömmerda. Salzmann wurde in der Diakonatswohnung der Bonifaciusgemeinde zu Sömmerda gebo‐ ren. Drei Jahre später zog die Familie in die Pfarrwohnung neben der Kirche, da der Vater Pfarrer der Gemeinde geworden war. Der Familie wurden später vier weitere Söhne ge‐ boren (vgl. Bosse 1884).
Christian Gotthilf wird als ein schwächlicher zarter Knabe beschrieben, der oft kränklich war (vgl. Ackermann 1897). Er besaß schulterlanges blondes Haar, welches sich leicht kräuselte. Die Mutter kämmte es ihm jeden Morgen sorgfältig und schaute ihm stolz nach, wenn er später das Haus verließ, um zur Schule zu gehen (vgl. Bosse 1884).
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Es gab einige Verwandte, die frühzeitig Einfluss auf Salzmanns Bildung nahmen. Die Großmutter lebte bei Salzmanns im Haus und wurde hier gepflegt. Salzmann schreibt in seiner Autobiographie: „Diese gute Alte war so entkräftet, dass sie fast den ganzen Tag am Spinnrocken saß und gern sah, wenn ich ihr allerlei kleine Dienste leistete. Dies that ich immer mit Vergnügen, und sie nannte mich deswegen ihren lieben Gotthilf und er‐ zählte mit Märchen, denen ich begierig zuhörte“ (Bosse, 1884, S. 38). Die Großmutter weckte in Salzmann die Phantasie und es ist vermutlich ihr zu verdanken, dass er sich auch später gern eigene Geschichten ausdachte, die er mit großer Phantasie ausschmückte.
Der Onkel, Apotheker Braun, selbst kinderlos nahm sich gern Christian Gotthilfs an (vgl. Bosse 1884).
Den größten Einfluss hatten verständlicherweise seine Eltern. Die Mutter war eine gebil‐ dete Frau, die sich besonders in der Geschichte auskannte. Sie brachte ihm früh das Lesen bei. Bereits mit fünf Jahren konnte er fließend lesen. Sie gab ihm das „Nürnberger Abc‐ Buch“ und ließ ihn daraus Verse lernen, die bestimmte Sittenregeln enthielten. Hatte er gegen eine Regel verstoßen, musste er sie aufsagen (vgl. Bosse 1884). „Diese Verse lernte ich sehr begierig und noch jetzt … macht mir die Erinnerung an dieselben Vergnügen.“ (Bosse, 1884, S. 39). Kurze Zeit später unterrichtete ihn sein Vater in lateinischer Sprache. Salzmann berichtete über diesen Unterricht: „Erst benannte er die sichtbaren Gegenstän‐ de, die in der Nähe waren lateinisch; dann schritt er zu den Deklinationen und von diesen zu den Konjugationen…ich muss ihm nachrühmen, dass er mir alles so angenehm zu ma‐ chen wusste, dass ich das Latein mit ebendem Vergnügen und der Leichtigkeit lernte, wie die Verschen aus dem Nürnberger Abc‐Buche“ (Bosse, 1884, S. 39). Die Mutter nahm an diesem Unterricht regen Anteil und ermunterte ihren Sohn immer wieder aufs Neue. „Denn sie saß immer dabei, wenn ich meine Lektion hersagte. Wann ich dies nun recht fertig konnte, so lächelte sie mir Beifall zu, auf den ich einen so großen Wert setzte, dass ich alle Kräfte anspannte ihn zu verdienen“ (Bosse, 1884, S. 39). Der Vater wirkte auf seinen Sohn vor allem während der gemeinsamen Spaziergänge ein. Hier erzählte er ihm seine Lebensgeschichte und machte ihn auf die Spuren Gottes in der
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Natur aufmerksam und sprach oft von der göttlichen Vorsehung, derer er sich ganz sicher war und die auch seine Theologie prägte. Der Vater war ein streng orthodox gläubiger Mann. Er ermahnte den jungen Salzmann stets auf den Wegen Gottes zu gehen. Dazu müsse er sein Vertrauen in Gott setzen und stets mit ihm durch das Gebet in Verbindung bleiben. Diese tiefe Frömmigkeit des Vaters beeindruckte den Jungen stark und veranker‐ te sich auch bei Christian Gotthilf, sodass er sein ganzes Leben davon zehren konnte. Er schrieb später: „Da nun bei diesem Unterricht nichts von Gottes Zorn und Ungnade, ewi‐ ger Verdammnis und blutiger Versöhnung vorkam, so hörte ich ihn gerne, er machte tie‐ fen Eindruck auf mich. Ich bekam eine herzliche Liebe zu dem liebevollen himmlischen Vater, und in mein Herz wurde das Samenkorn zu einem Vertrauen auf ihn gelegt, das mit dem Fortgange der Jahre sich entwickelte, emporwuchs und nun zu einem herrlichen Baume geworden ist, in dessen Schatten ich in meinem Alter Ruhe und an dessen Früch‐ ten ich mich erquicke und stärke…“ (Bosse, 1884, S. 40). In diesen Sätzen beschreibt Salzmann sehr metaphorisch, wie sein Glauben gewachsen ist. Den Grundstein legte sein Vater mit seiner unbeschreiblichen Gottesliebe und großem Gottvertrauen. Dieses Got‐ tesbild ist durchweg positiv. Ob dies bewusst oder unbewusst geschah, lässt sich nicht nachvollziehen.
Mit dem Beginn der Schule, sollte Christian Gotthilf ein anderes Gottesbild kennenlernen. 2.2 Die Schulzeit
Mit sechs Jahren wurde Salzmann in die Schule in Sömmerda eingeschult. Aus dieser Zeit waren ihm zwei Lehrkräfte im Gedächtnis geblieben. Rektor Dehn und Kantor Reinhard. Rektor Dehn unterrichtete Latein. Salzmann lobte ihn, aufgrund seiner guten Kenntnisse, wirft ihm aber auch Parteilichkeit vor. Sofern es Probleme in der Schule gab und der Vater beim Rektor vorsprechen musste, ließ dieser seinen Ärger dann an Salzmann aus (vgl. Bosse 1884). Kantor Reinhard hingegen erteilte Religionsunterricht und Lesen. Salzmann reflektierte über ihn: „…der Kantor Reinhard, ein alter Mann, der nicht studiert hatte… Er wusste aber seine Schüler so sanft und lieblich zu behandeln, dass ich mit ganzer Seele an ihm hing und alles tat, was ich ihm an den Augen absehen konnte. Überhaupt war er der
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einzige Schullehrer, zu dem ich eine herzliche Liebe empfand“ (Seidelmann, 1994, S. 316). Gelegentlich musste der Kantor ebenfalls Latein unterrichten. Da er diese Sprache nicht beherrschte, diktierte er den Kindern etwas auf Deutsch und sie mussten es ins Lateini‐ sche übersetzen. Salzmann korrigierte die Arbeiten seiner Mitschüler im Auftrag Rein‐ hards (vgl. Bosse 1884).
Neben dem schulischen Religionsunterricht besuchte Salzmann kirchlichen Religionsun‐ terricht bei Predigern in Sömmerda (vgl. Lachmann 2005).
Seine schulischen Aktivitäten zeichneten sich durch „Sittsamkeit, Fleiß und schnelle Fort‐ schritte aus“ (Bosse, 1884, S. 41). Er war jedoch ein schwächlicher Junge, der seinen Klas‐ senkameraden körperlich unterlegen war. Aus diesem Grund wurde er manchmal ge‐ neckt. Er ließ sich dadurch vom Spielen in den Pausen nicht abhalten. Er versuchte sich im Schnitzen und Angeln, ebenso wie seine Kameraden. Beim Ballfangen erlangte er große Geschicklichkeit. Auch Schlittenfahren und Ballschlagen konnte er sehr gut. Einmal ver‐ suchte Christian Gotthilf in der Unstrut heimlich schwimmen zu lernen und wäre dabei fast ertrunken. Deshalb führte er später in Schnepfenthal Schwimmunterricht ein. Ein weiteres Problem stellte für Salzmann Eis dar. Sein Vater hatte ihm verboten darauf zu gehen. Noch als Erwachsener wagte er sich nur in Begleitung einer anderen Person auf Eis, so eindrücklich war das Verbot des Vaters gewesen (vgl. Bosse 1884). Wie bereits erwähnt, hatte der junge Salzmann durch die Erzählungen seines Vaters einen liebenden und gütigen Gott kennengelernt. Deshalb fiel es ihm sehr schwer während sei‐ ner Schulzeit einen Zugang zum praktizierten Religionsunterricht zu erlangen. In diesem Religionsunterricht wurde die Schuld und Sünde der Menschheit in den Vordergrund ge‐ stellt und mit der Bestrafung Gottes gedroht. Die Praxis des Religionsunterrichtes bestand darin, dass die Kinder Bibelverse, Lieder und den kleinen Katechismus auswendig lernen mussten. Salzmann vermisste in dieser Art Unterricht die Liebe Gottes, von der er schon so viel gehört hatte. Trotz dieser Ernüchterung im Religionsunterricht blieb sein großes Gottvertrauen bestehen.
Dieses Gottvertrauen wurde durch die regelmäßige Lektüre der Bibel immer wieder un‐ termauert. Der Vater verlangte, dass Salzmann einmal im Jahr das Alte Testament und
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zweimal das Neue Testament zu lesen hätte. Dafür wurden die langen Winterabende ge‐ nutzt. Die Mutter machte Handarbeiten und der Vater half ihr dabei (vgl. Ackermann 1897). Somit lernte Salzmann die Heilige Schrift immer besser kennen, was ihm für seinen weiteren Lebensweg nützlich werden sollte.
Durch Salzmanns Begabung im schulischen Bereich wurde er 1756 auf eine höhere Schule geschickt. Vermutlich hegten die Eltern hier schon die Absicht, ihren Sohn auf eine höhere Laufbahn vorzubereiten (vgl. Seidelmann 1994). Das Lyzeum befand sich in Langensalza und wurde bereits von seinem Vater besucht. Es war ein sechsklassiges Gymnasium, wel‐ ches sich in dem ehemaligen Augustiner‐Eremiten Kloster auf dem Schulberg befand (vgl. Bosse 1884). Salzmann war bei Konrektor Lindner untergebracht. Diesen beschreibt er als „…tüchtigen Philologen, Freund Ernestis und liebenswürdigen Schulmann, voll Gottver‐ trauen, Milde und heiterer Seelenruhe“ (Bosse, 1884, S. 41). Es war gut für Salzmann, in die Obhut eines so gütigen Mannes zu kommen. Er war gerade 12 Jahre alt und noch nie lang von zu Hause fort gewesen. Er wohnte in Lindners Haus, aß mit der Familie und wur‐ de von ihm unterrichtet. Diese Art der Unterbringung war für diese Zeit durchaus üblich. Salzmann sagte später über Lindner: „Kurz er ist der Mann, dem ich meine Bildung vor‐ züglich zu verdanken habe“ (Bosse, 1884, S. 41).
Die Mitschüler, die vorwiegend älter als Salzmann waren, neckten ihn oft. Diese Necke‐ reien bezogen sich unter anderem auf sein Interesse an Friedrich dem Großen, welches die Mitschüler nicht teilten (vgl. Ackermann 1897). Während der Schulzeit am Lyzeum herrschte der 7‐jährige Krieg im Deutschen Reich. Die Schüler interessierten sich sehr für die Schlachten und dieses Interesse führte soweit, dass gelegentlich die Schlachten nach‐ gestellt wurden. Großen Eindruck auf Salzmann machte das Lager des Prinzen Soubise, welches 1757 in der Nähe von Langensalze aufgestellt wurde. Hier sammelte Salzmann unmittelbar militärische Eindrücke (vgl. Bosse 1884).
Mit seinem Zimmerkameraden Ausfeld schloss Salzmann hingegen eine innige Freund‐ schaft. Er war wenig älter als Salzmann und ähnlich in seiner Gesinnung. Diese Freund‐ schaft bestand bis zum Tod Ausfelds und darüber hinaus zwischen den Familien Salzmann und Ausfeld (vgl. Bosse 1884). Eine Tochter Salzmanns heiratete später einen Sohn Aus‐ felds.
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Arbeit zitieren:
Anette Müller, 2010, Christian Gotthilf Salzmann - Sein Leben und Wirken bis zum Weggang aus Erfurt im Mai 1781, München, GRIN Verlag GmbH
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