1. Einleitung 3
„Why not the best“? Die These von Buchanan et al. 4 2.
3. Kritik an der These von Buchanan et al. 6
a. Was ist das “Beste”? 8
b. „Recht” des Kindes auf eine offene Zukunft? 11
4. Was schulden Eltern den zukunftigen Generationen? 12
5. Schlusswort 16
6. Literaturverzeichnis 17
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Einleitung
Im Jahr 2002 entschied ein homosexuelles Paar in den USA, dass es ein taubes Kind haben wolle. Sharon Duchesneau und Candy McCullough sind von Geburt an beide taub. Sie betrachten Taubheit als kulturelle Identität und nicht als Behinderung oder Einschränkung aktiver Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, die repariert werden muss. „It would be nice 1 to have a deaf child who is the same as us“ erklärte Duchesneau vor ihrer Schwangerschaft ;
“Wir fühlen uns als taube Menschen vollständig und wollen die wunderbaren Seiten unserer 2 . Um erfolgreich ein taubes Kind zu zeugen, tauben Gemeinschaft mit Kindern teilen”
wählten sie einen Samenspender aus ihrer freundlichen Umgebung, in dessen Familie seit fünf Generationen Taubheit auftritt. Ihr Wünsch wurde erfüllt - ihr Sohn Gavin wurde taub geboren. „Wenn das Baby hören könnte“, hatte Candy noch vor der Geburt einer Reporterin 3 . der „Washington Post“ erklärt, „dann wäre ich schockiert“
Die Entwicklung der Technologie wird den Eltern bald die Chance geben, Merkmale ihrer Kinder - wie u.a. I.Q, Gedächtnis und Körpergröße - genetisch zu bestimmen. In dem Bestreben, die „beste“ Zukunft für ihre Kinder vorzubereiten, könnten die Eltern eventuell die Mittel der Gentechnologie verwenden. Absichtlich ein taubes Kind mit Hilfe der Reproduktionstechnologie zu schaffen, oder allgemein gesagt, die Charakteristika eines Kindes schon vor seiner Geburt zu wählen, erhebt ethische Fragen über das Recht des Kindes auf eine offene Zukunft. Was heißt allerdings das „beste“ und wer sagt, was das ist (Eltern, Gesellschaft, Markt)? „A hearing baby would be a blessing, a deaf baby would be a special 4 erklärte das Paar voll überzeugt. Für andere Eltern wäre dagegen ein großes blessing“
Hörvermögen ihres Kindes lieber erwünscht. Das „Beste“ für manche Eltern könnte das „Schlimmste“ für andere sein. Die Pflicht der Eltern, laut der Utilitaristen, ein krankes Kind zu heilen, impliziert die Pflicht, die Aussichten eines gesunden auf das „beste“ Leben zu optimieren. Viele Bioethiker und Philosophen vertreten die These, dass es prinzipiell keinen Unterschied macht, ob man Kinder durch Erziehung oder durch genetische Technologie verbessert: Genetische Technologie dürfe nicht nur für die Heilung, sondern auch für das Optimieren moralisch zulässig sein. Dieser Ansicht sind auch die Autoren Allen Buchanan, 1 ihres Dan Brock, Norman Daniels und Daniel Wikler in dem Kapitel „Why not the best?“ Buches „From Chance to Choice: Genetics and Justice“. Ihr Hauptargument basiert auf die so genannten „general-purpose means“ (Allzweckmittel), Fähigkeiten des Kindes, die dienlich
1 „Why not the Best?” in: Allen Buchanan et al., From Chance to Choice: Genetics and Justice, Cambridge 2006
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sind, um nahezu jeglichen Lebensplan auszuführen. Die Optimierung von Fähigkeiten ist, laut der Autoren, moralisch nicht erlaubt, wenn sie das Kind auf einen bestimmten Plan ausrichtet und somit seine Autonomie oder sein „Recht auf offene Zukunft“ verletzt. Ich werde untersuchen, ob es „Allzweckmittel“ gibt und wie stark das Argument der Authoren für ein Recht auf eine offene Zukunft eigentlich ist. Auch schlage ich zum Schluss meine Vorstellung über das „Beste“ vor. Die zentrale Frage meiner Hausarbeit lautet: „Was schulden wir zukunftigen Generationen?“, in Bezug auf den Text von Buchanan et al. „Why not the Best?“. Der entscheidende Punkt, der uns alle angeht, besteht in der Frage, ob und was genau wir unseren Kindern bzw. zukunftigen Generationen schulden. Was wäre das „Beste“ für sie? Schulden wir ihnen das Recht auf eine offene Zukunft oder etwas Anderes?
„Why not the best“? Die These von Buchanan et al.
Buchanan et al. sind der Meinung, dass die genetische Technologie zur Verfügung stehen 2 . Manche Eltern fördern solle, damit die Eltern die „besten“ Nachwuchs produzieren können das „Beste“ für ihr Kind, indem sie es zu teurem Musikunterricht oder zu anspruchsvollen Sportsvereinen anmelden. Sie möchten, dass ihr Kind ein sehr guter Sportler bzw. Musiker wird. Für wieder andere ist eine gesunde und optimale Ernährung von großer Bedeutung. Manche Kinder werden gemäß eines bestimmten Lebensplanes erzogen, die eine Religion oder Weltanschauung als das „Beste“ vorschlägt. Wir gehen davon aus, dass die Eltern doch unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, was das „Beste“ für ein Kind sein kann. Die Authoren stellen nun die Fragen: Was ist das „Beste“ und wie kann es gefördert werden? Wenn ein Kind geimpft wird, löst der Impfstoff eine Immunreaktion aus, die sich dauerhaft auf die Fähigkeit des Immunsystems als Reaktion auf bestimmte Bakterien oder Viren wirkt. Obwohl eine solche Intervention dauernhafte Folgen für das Immunsystem hat und eine Art von Modifizierung ist, scheint sie für viele Menschen nicht problematisch. Sie glauben, dass nur genetische Eingriffe in die Keimbahn (Genotyp) das Individuum als solche grundlegend verändern können. Die Anwendung genetischer Interventionen ändert das Individuum in einer fundamentalen Art und Weise, während die natürlichen (Hochdruck-) Methoden der Kindererziehung das schon vorhandene „Beste“ des Kindes herauszuholen versuchen. Diese Überlegung finden Buchanan et al. jedoch problematisch. Sie sind der Meinung, dass sowohl
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genetische, als auch natürliche Interventionen grundlegende Auswirkungen auf die Gestaltung des Phänotyps des Individuums haben können: Wie ein Kind spricht, liest, agiert oder sogar aussieht (Phänotyp), hängt zum großen Teil davon ab, wie oft es früher trainierte, wie es sich normalerweise ernährt hat oder in welche Schule es gegangen ist. Diese natürliche Art und Weise beeinflusst wesentlich die Entwicklung des Körpers und Geistes des Kindes mit dauernhaften Konsequenzen.
Natürliche, als auch genetische Mittel können den Phänotyp eines Kindes entscheidend bestimmen. Einwände werden allerdings hauptsächlich einseitig gegen die Zulässigkeit der genetischen Interventionen erhoben. Buchanan et al. betonen ebenfalls, dass der Versuch, die „besten“ Kinder zu erzeugen, auf das „Beste“ des Kindes und nicht der Eltern oder der Gesellschaft abzielt. Beispielsweise in „Brave New World“ (1932) von Aldous Huxley werden Kinder genetisch mit wesentlich begrenzten Kapazitäten und Fähigkeiten erzeugt, um in bestimmten untergeordneten Rollen für das gut Funktionieren der Gesellschaft beizutragen. Das „Beste“ für das Kind zu fördern, heißt laut der Autoren zum einen, den Charakter des Kindes mit „critical capacities“ auszurüsten, zum anderen sein Recht auf eine offene Zukunft nicht zu verletzen: „if the process of changing and shaping a child leaves the child´s critical capacities substantially intact, or better yet helps to develop and improve them, then there is a good deal to be said […] that the changes, by genetic means or otherwise, should be ones that 5 . Buchanan et al. betrachten das […] having been for his or her own good or benefit”
Sehvermögen eines Kindes zum Beispiel als „natural primary good […] useful or valuable in 6 . Die Eltern schaden ihrem Kind, wenn sie verantwortlich carrying out nearly any plan of life“
für den Verlust von “natural primary goods“ (nach Buchanan:„general purpose means-Allzweckmittel“) ihrer Kinder sind. „Allzweckmittel“ unterscheiden sich jedoch von den „specific abilities or capacities“ einer Person: Der Besitz der ersten kommt unbestreitbar dem Kind, unabhängig von seinem Lebensplan, zugute. Wert und Wichtigkeit der zweiten hängen jedoch von den individuellen Plänen einer Person ab. Nehmen wir ein Beispiel an: Wenn man in England studieren möchte, ist die Beherrschung der englischen Sprache vonnöten. Für jemand anderen, der nur für wenige Tage nach England verreisen möchte, hat die Beherrschung der englischen Sprache wesentlich weniger Bedeutung. Die Wichtigkeit, Englisch sprechen zu können, hängt nun von den individuellen Plänen der Person ab und somit stellt sie sich nicht als „general-purpose mean“ dar. In diesem Sinne betrachten Buchanan et al. die genetische Optimierung (nicht heilungsorientiert) des Gedächtnisses als „general-purpose benefit improving people´s
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Arbeit zitieren:
Grigorios Athanasiadis, 2009, Was schulden wir zukünftigen Generationen?, München, GRIN Verlag GmbH
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