Inhaltsverzeichnis
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2.1. Bernfelds neue Pädagogik 3
2.2. Umsetzung Bernfelds Pädagogik am praktischen Beispiel des
Kinderheim Baumgartens 7
2.3. Scheitern des Projekts 11
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Einleitung
1. Einleitung
Diese Hausarbeit wird sich mit Bernfelds Projekt, dem Kinderheim Baumgarten, beschäftigen, anhand dessen Bernfelds pädagogisches Konzept genauer erläutert und kritisch reflektiert werden soll.
Siegfried Bernfeld war ein Reformpädagoge und Psychoanalytiker des zwanzigsten Jahrhunderts, der sich insbesondere mit der Jugendforschung auseinandersetzte. Mit Ende des ersten Weltkrieges und der zunehmenden Verwahrlosung jüdischer Waisenkinder, beschäftigte er sich intensiv mit der jüdischen Jugend in Österreich und versuchte dieser mit seiner neuen Pädagogik einen besseren Start in das Leben zu erlauben.
Diese neue Pädagogik, die von einer antiautoritären Erziehung geprägt ist, werde ich im ersten Teil der Hausarbeit dem Leser näher bringen. Desweiteren wird Bernfelds Pädagogik, eine „sozialistisch-demokratische Pädagogik“, 1 und seine Erfolge mit dieser anhand von praktischen Beispielen des Kinderheim Baumgartens erklärt. Zum Schluss dieses Abschnittes wird auf die Gründe des Scheiterns des Projekts des Kinderheims eingegangen. Dieser Teil der Hausarbeit wird sich fast ausschließlich auf Bernfelds eigenen Bericht über das Kinderheim Baumgarten beziehen, da dies die einzige Quelle ist, die sich dazu finden lässt.
Im anschließenden Teil meiner Hausarbeit werde ich mit Hilfe Verena Wolfrums Schrift „Anspruch und Wirklichkeit im Werk von Sigfried Bernfeld anhand von ausgewählten Schriften aus den Jahren 1912 - 1933“ das Projekt Kinderheim Baumgarten sowie die von Bernfeld angewandte Pädagogik kritisch beleuchten, wobei die Tatsache, dass die Kinder des Kinderheims, sowie Bernfeld selber, jüdischer Herkunft waren, außen vor gelassen wird, da dieser Aspekt seiner damaligen Arbeit aufgrund geschichtlicher Ereignisse heutzutage zwar erheblich an Relevanz verloren hat, Bernfeld jedoch die „Judenfrage als exemplarisch für die allgemein menschliche Problematik der Machtausübung
1 Tenorth: „Klassiker der Pädagogik“, Band 2, S. 170
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Einleitung
von Menschen über Menschen“ 2 sehe. Daher wird sich diese Hausarbeit ausschließlich mit der Wirkung Bernfelds neuer Pädagogik auseinandersetzen.
Im letzten und damit Schlussteil der Hausarbeit wird eine persönliche Bewertung zu den, in den vorherigen Teilen der Hausarbeit eingeholten Ergebnissen, abgegeben werden, um diese Hausarbeit abzuschließen
2 Verena Wolfrum, S. 102
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Bernfelds Erziehung und das Kinderheim Baumgarten
2. Bernfelds Erziehung und das Kinderheim Baumgarten
2.1. Bernfelds neue Pädagogik
Das Kinderheim Baumgarten wurde 1919 von Bernfeld in der Nähe von Wien gegründet, um der, vor allem nach dem ersten Weltkrieg, steigenden Zahl von (hauptsächlich jüdischen) Waisenkindern entgegenzuwirken, für die er eine „Organisation der Kriegswaisenpflege“ 3 forderte. Zwar waren Waisenhäuser vorhanden, doch war es Bernfelds Idee, eine Schulsiedlung, eine Schulgemeinde, zu errichten, für tausende von Kindern im Alter von drei bis siebzehn Jahren.
Die alte Pädagogik, wie sie in Bernfelds Schriften genannt wird, die in den Waisenhäusern und in der Gesellschaft zu Beginn bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts sehr verbreitet war, wurde von ihm aufs Äußerste kritisiert. Seine neue Pädagogik, die stark von den Ideen und Grundsätzen bekannter Reformpädagogen, wie Maria Montessori, Berthold Otto und Gustav Wynekens, beeinflusst wurde und auf den „Grundlagen der Freudschen Psychologie [gründe, ohne die] keine neue Erziehung möglich“ 4 sei, baut auf dem Konzept der antiautoritären Erziehung auf. Bernfeld war der Meinung, dass Kinder und Jugendliche weniger durch Mahnen, Bestrafen, Anschreien und Schläge zu erziehen seien, jedoch zum einen durch das durch die Erwachsenen vorgelebte Verhalten, zum anderen durch viel Liebe und Geduld. Desweiteren war Bernfeld der Ansicht, dass Kinder und Jugendliche, vor allem aus dem Proletariat stammend, vor Zwangsarbeit geschützt werden müssten, da dies zu Zeiten, als seine Schriften „Kinderheim Baumgarten - Bericht über einen ernsthaften Versuch mit neuer Erziehung“ sowie „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“ entstanden, Gang und Gebe war. Daher war es Bernfelds Ziel, Kinder und Jugendliche unter achtzehn Jahren in seinem Heim aufzunehmen, um ihnen dort die Möglichkeit auf Bildung und Ausbildung zu geben, damit diese nicht „mit zwölf, mit vierzehn Jahren der Straße, der Fabrik, der
3 Bernfeld: „Kinderheim Baumgarten“, S. 9
4 Bernfeld: „Kinderheim Baumgarten“, S. 73
3
Bernfelds Erziehung und das Kinderheim Baumgarten
Zwangsarbeit ausgeliefert“ 5 , sondern zu „Bauern, Handwerker, Arbeiter und Kaufleute, [...] Lehrer, Forscher, Künstler, Ärzte und Techniker“ 6 ausgebildet werden. Schließlich bedeutet neue Erziehung bei Bernfeld die Reduzierung der „ich-verliebten Überschätzung seiner eigenen Kindheit“ 7 .
Über den Erzieher, der Bernfelds neue Pädagogik anwendet, sagte er im Vergleich zu dem Erzieher der alten Pädagogik: „Er ‚tut‘ überhaupt viel weniger, viel später, viel unauffälliger als der andere“. 8 Und weiter: „So ist es des neuen Erziehers Tun viel mehr ein Nichttun, viel mehr Beobachten, Zusehen, Leben, als ein stetes Mahnen, Strafen, Lehren, Fordern, Verbieten, Anfeuern und Belohnen.“ 9 Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt Bernfelds Pädagogik war die Kameradschaftlichkeit der Lehrer, der Erwachsenen gegenüber den Kindern, welche dieser mit Vertrauen entgegenkamen, wodurch ein Gemeinschaftssinn entstehen könne, der vielen der im Kinderheim Baumgarten lebenden Kinder vorher fremd war. Bernfeld machte jedoch auch deutlich, dass Kameradschaftlichkeit nicht heiße, „sich auf das Niveau der Kinder [zu] begeben, denn in diesem Falle wird der Erwachsene läppisch; und heißt nicht, den Kindern gefallen zu wollen, denn in diesem Falle wird er heuchlerisch und richtungslos. Sondern der Lehrer muss durchaus bleiben, was er ist; er muss nur so sein, dass ihn einige Kinder lieben können.“ 10 „Sichere Ruhe, wissende Geduld sind die Grundlagen der Kameradschaftlichkeit“ 11 .
Desweiteren war es Bernfeld wichtig, dass ein gewisser Grad an Ehrlichkeit unter den Kindern sowie zwischen Kindern und Lehrern bzw. Erwachsenen herrsche und die Kinder den Erwachsenen gegenüber gleichberechtigt waren, indem er ihnen ein Mitbestimmungsrecht einräumte und ihnen in einem bestimmten Grad die Verantwortung für eigene Entscheidungen sowie Verpflichtungen überließ, um die Kinder und Jugendlichen zur Selbstständigkeit zu erziehen.
5 Bernfeld: „Sisyphos“, S. 125
6 Bernfeld: „Kinderheim Baumgarten“, S. 12
7 Verena Wolfrum, S. 104
8 Bernfeld: „Kinderheim Baumgarten“, S. 33
9 Bernfeld: „Kinderheim Baumgarten“, S. 34
10 Bernfeld: „Kinderheim Baumgarten“, S. 40
11 Bernfeld: „Kinderheim Baumgarten“, S. 41
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Arbeit zitieren:
Sabine Wübben, 2009, Das Kinderheim Baumgarten, München, GRIN Verlag GmbH
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