Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Bildungsungleichheiten in der Bundesrepublik Deutschland 2
3. Chancengleichheit in Schweden 8
4. Deutschlands Zukunft 15
I. Quellenverzeichnis I
1. Einleitung
Diese Hausarbeit behandelt das Thema „Bildungsungleichheiten in Deutschland - Ein Ländervergleich“. Sie befasst sich mit dem deutschen und dem schwedischen Bildungssystem und behandelt die Tatsache, dass Deutschland in der PISA-Studie 2006 in Bezug auf die Bildungsgleichheit bzw. Bildungschancen auf einem der letzten Plätze landete, wohingegen Schweden Platz 4 belegte.
Um dieser Tatsache auf den Grund zu gehen, werde ich im ersten Teil meiner Hausarbeit auf das deutsche Bildungssystem, - die Geschichte sowie die heutige Situation in Deutschland - das durch ein 3-gliedriges Schulsystem gekennzeichnet ist, eingehen. Ich werde die heutige Problematik des deutschen Bildungssystems näher beleuchten und mich hierbei auf die PISA-Studien von 2000 bis 2006 berufen.
Im zweiten Teil setzt sich meine Hausarbeit mit dem schwedischen Schulsystem auseinander, das von einer Einheitsschule gekennzeichnet ist. Anhand des schwedischen Schulwesens möchte ich zeigen, wie durch ein entsprechendes Schulsystem, Probleme, wie sie im deutschen Bildungswesen auftauchen, vermieden oder gemindert werden können.
In einem abschließenden Teil möchte ich auf alternative Schulformenim Speziellen die Waldorfschule - in Deutschland eingehen, die zum Teil sehr viel bessere Lern- und Leistungserfolge erzielen und Ähnlichkeiten zu dem schwedischen Schulsystem aufweisen.
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2. Bildungsungleichheiten in der Bundesrepublik Deutschland Geschichte und Gegenwart
Bildung in Deutschland war lange Zeit ein Privileg, das nur einem Teil der Bevölkerung zustand. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Volksschulen und höhere Schulen. Es bestand jedoch keine staatlich geregelte Schulpflicht und kein einheitliches Schulsystem. In der Weimarer Verfassung von 1919 wurde das Bildungssystem unter staatliche Aufsicht gestellt, öffentliche Schulen eingerichtet und die allgemeine Schulpflicht verabschiedet. 1920 wurde durch das Reichsgrundschulgesetz die 4-jährige Grundschule in Deutschland eingeführt. Diese Zeit wird mit dem Begriff „Reformpädagogik“ verbunden, da zum einen Schulreformen zu einer Veränderung im Schulsystem führten, zum anderen sind damals erste Konzepte und Ideen der Einheitsschule sowie die ersten Alternativschulen entstanden. 1938 wurde während der NS-Zeit das Reichsschulpflichtgesetz verabschiedet, welches eine 8-jährige Schulpflicht für alle Kinder deutscher Staatsangehörigkeit vorsah.
Zu Beginn der Bundesrepublik Deutschland wurde das Schulsystem stark von den Alliierten geleitet und beeinflusst, um sicherzustellen, dass das Bildungssystem auf einer demokratischen Basis staatfindet. Diese sahen ein Schulwesen in Form einer Einheitsschule vor. Mit dem 1957 in Kraft getretenen Düsseldorfer Abkommen, das eine einheitliche Regelung des Schulwesens aller Länder darstellt, einigte man sich darauf, das 3-gliedrige Schulsystem fortzuführen und alle höheren Schulen als Gymnasien zusammenzufassen. Die Volksschulen bestanden nach wie vor sowie die Mittelschulen.
Mit dem Hamburger Abkommen von 1964, das das Düsseldorfer Abkommen ablöste, wurden die Volksschulen durch Hauptschulen, sowie die Mittelschulen durch die Realschulen abgelöst. Desweiteren
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wurden der jährliche Schulbeginn sowie das Mindestalter bzw. das maximale Alter - je nach Bundesland zwischen dem Ende des 5. bis zum Ende des 7. Lebensjahres - für den Schuleintritt und die Pflichtschuljahre festgelegt, die 9 Schuljahre betragen. Ein weiteres Ziel des Hamburger Abkommen war es, die Bildungsungleichheiten zu verringern. Die Situation in Deutschland sah damals folgendermaßen aus:
In den 1950ern und 1960ern besuchte der Großteil der Bevölkerung die Volksschule bzw. Hauptschule. 1965 besuchten beispielsweise rund 70% der 13-jährigen diese. Nur 14% besuchten die Mittelschule, 16% das Gymnasium. Die meisten Gymnasiasten in den jungen Jahren der Bundesrepublik Deutschland gehörten höheren Klassen an. Damals waren die Ungleichheiten in Form von Klassenunterschieden in der Bildung deutlich zu sehen: Beamtenkinder hatten 18- bis 19-mal bessere Chancen auf das Gymnasium zu kommen als Arbeiterkinder. Auch die Zahl der Studenten hat sich ab den 60ern mit dem Anstieg der Abiturienten vergrößert.
An den Zahlen aus den 1980ern wird deutlich, dass die Ziele der in den 60ern vorgenommenen Reformen in der Bundesrepublik Deutschland erreicht wurden. Damals besuchten bereits 30% der 13-jährigen das Gymnasium. 2004 waren es im Durschnitt sogar 33% - d.h. jede/r dritte 13-jährige Schüler/in in Deutschland. Die ehemalige Volksschule verbuchte ein Minus von fast 60% innerhalb von rund 50 Jahren -1952 besuchten 79,3% der 13-jährigen die Volksschule, 2004 waren lediglich 22% an Hauptschulen. Die Zahl der Realschule stieg von 1965 bis 2004 von 14% auf 26%.
Die Bildungsungleichheiten haben sich in dieser Zeit statistisch gesehen verringert: Im Jahre 2000 hatten Beamtenkinder nur noch eine 7-mal höhere Chance auf ein Gymnasium zu kommen als ein Arbeiterkind bzw. das Arbeiterkind hatte 4-mal höhere Chancen ein Gymnasium zu besuchen als noch in den 60ern.
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Becker und Lauterbach beschreiben diese Entwicklung folgendermaßen:
„Mit dem Ausbau des Schul- und Hochschulwesens und den institutionellen Reformen seit den 1960er Jahren ist das Ziel auch größtenteils erreicht worden, dass neben institutionellen Barrieren auch ökonomische und geografische Barrieren beim
Bildungszugang weitgehend an Bedeutung verloren haben. Bildungsdisparitäten nach sozialstrukturellen Merkmalen haben sich ebenfalls abgeschwächt. Insbesondere konnten Mädchen ihre Bildungsdefizite gegenüber den Jungen mehr als ausgleichen, dass nunmehr von einer Bildungsungleichheit zu Ungunsten von Jungen auszugehen ist." (Becker & Lauterbach, S. 161)
Hier stellt sich nun die Frage, warum, trotz der erfolgreichen Bildungsreformen im deutschen Bildungswesen, die Bundesrepublik bei den PISA-Studien lediglich einen der hinteren Plätze bei der Thematik der Chancen- und Bildungsgleichheit belegt.
Becker und Lauterbach kommen zur Erkenntnis, dass es zwar zu einem „Zuwachs an Bildungschancen für alle Sozialgruppen“, wobei es nicht zu einem „umfassenden Abbau der sozialen Ungleichheit von
Bildungschancen“ kam. Dies erklären sie durch eine „sozial gewachsene Distanz zwischen den höheren und niedrigeren Bildungsschichten nach dem Übergang in die Sekundarstufe“. (Becker & Lauterbach, S. 12)
Genauer erklären sie, dass „die Bildungsexpansion zu mehr Bildungschancen und, beim Zugang zur Realschule, zum Abbau von Chancengleichheit nach sozialer Herkunft geführt [hat]. Dagegen hängen die Chancen für den Übergang auf das Gymnasium wie die daraus resultierenden Lebenschancen immer noch von der sozialen Herkunftvon der Schichtzugehörigkeit und der sozialen Position des Elternhauses - ab“. (Becker & Lauterbach, S. 164)
Die zwei nachfolgenden Grafiken beruhen auf den PISA-Studien 2000 und 2006:
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Arbeit zitieren:
Sabine Wübben, 2009, Bildungsungleichheiten in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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