1. Zur Biographie von Martin Walser
Martin Walser wurde am 24. März 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren. Er war Soldat der Wehrmacht, d.h. er kämpfte an der Seite der Nationalsozialisten. Er wurde von den Amerikanern zum Kriegsgefangenen genommen. Nach den Unterlagen des Berliner Bundesarchivs wurde Walser am 30. Januar 1944 ein Mitglied der NSDAP. Walser bestreitet jedoch, je einen Aufnahmeantrag ausgefüllt zu haben.
Nach dem Krieg studierte Walser Geschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Regensburg und Tübingen. Im Jahr 1951 promovierte er mit einer Dissertation zu Frank Kafka. Während des Studiums arbeitete er beim Süddeutschen Rundfunk als Reporter, Redakteur und Hörspielregisseur. Zu dieser Zeit schrieb er sein erstes Hörspiel. Martin Walser ist ein deutscher Schriftsteller. Er wurde dadurch bekannt, dass er die Konflikte seiner Antihelden in seinen Romanen und Erzählungen darstellte. Sein erster Roman „Ehen in Philippsburg“ erschien 1957 und war ein großer Erfolg. Von da an lebte Walser als freier Schriftsteller. Einige seiner literarischen Werke sind: Ehen in Philippsburg (1957), Ein fliehendes Pferd (1978), Seelenarbeit(1979), Brandung (1985), Jagd (1988), Ein springender Brunnen (1998), Tod eines Kritikers (2002), Angstblüte (2006). In den sechziger Jahren setzte sich Walser wie viele andere linke Intellektuelle für die Wahl von Willy Brandt zum Bundeskanzler ein. 1964 war er Zuhörer beim Auschwitz-Prozess in Frankfurt. Er engagierte sich gegen den Vietnamkrieg, reiste nach Moskau und galt (auch seinem Verleger Siegfried Unseld) in den sechziger und siebziger Jahren als Sympathisant der DKP, der er aber nie als Mitglied angehörte; er war mit Ernst Bloch, Robert Steigerwald u.a. befreundet. 1988 hielt Walser im Rahmen der Reihe Reden über das eigene Land eine Rede, in der er deutlich machte, dass er die deutsche Teilung als schmerzende Lücke empfand, mit der er sich nicht abfinden könne. Diesen Stoff machte er auch zum Thema seiner Erzählung Dorle und Wolf.
Er gewann verschiedene Preise wie den Hermann-Hesse-Preis (1957), den Georg-Büchner-Preis (1981), das Große Bundesverdienstkreuz (1987), den Alemannischer Literaturpreis (1987). 1998 gewann er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Auch wenn Walser ausdrücklich betont, dass sich seine Haltung über die Zeit nicht verändert hat, sprechen einige Beobachter von einem Sinneswandel des Autors ( vgl. rasscass Medien Content Verlag).
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2. Einleitung
Zunächst muss ich sagen, dass das Thema „Auschwitz-Verbrechen“ oder noch besser ausgedrückt „die Vernichtung der Juden“ während des Zweiten Weltkriegs ein kompliziertes Thema ist. Ein Versuch, in irgendeiner Art auf das Thema einzugehen, tendiert dazu, die Ernsthaftigkeit des Themas zu gefährden oder dessen Bedeutung zu unterschätzen. Ich finde, ein Versuch, einen objektiven Umgang mit dem Thema zu finden, wird wahrscheinlich als etwas Ungerechtes wahrgenommen werden. Könnte ich denn in Wirklichkeit darüber objektiv sprechen, indem ich die unvorstellbar entsetzlichen Verbrechen und die noch entsetzlicheren Prozesse begreiflich machen würde?
Nach Walser existiert Auschwitz in der Tat nur für diejenigen, die es erfahren und schließlich überlebt haben; die Opfer und die Täter, sie betrachten die Ereignisse jedoch aus verschiedenen Perspektiven (vgl. Kovach und Walser 2008: 8-9). Ich könnte sagen, es drohe schon vom Anfang an wegen der hohen Empfindlichkeit des Themas das Versagen solcher Versuche. Es besteht nämlich das Risiko, sich entweder viel zu wenig mit den Opfern oder viel zu viel mit den Tätern zu identifizieren. Sogar eine vermeintliche Spur von Identifikation mit den Tätern würde mit Sicherheit hart verurteilt werden. Auf dieses historische Ereignis kann wahrscheinlich keiner objektiv und gerecht eingehen. Ein solches Verbrechen kann schließlich auf keinen Fall gerechtfertigt werden. Bemerkenswert ist aber, dass je mehr eine Person mit den in Auschwitz zu Schaden gekommenen Menschen Mitleid bekunden würde, desto akzeptabler ihre Perspektive wäre und als desto gerechter eine solche Perspektive betrachtet würde. Es besteht also eine hohe Wahrscheinlichkeit, sich mit denen zu identifizieren, die das Auschwitz-Verbrechen auf jeglicher Art und Weise verurteilen. Dadurch könnte das deutsche Volk eventuell einigermaßen für die Schande und Sünde büßen. Es gibt aber auch diejenigen, die sich zu dem Auschwitz-Verbrechen nicht äußern wollen. Die Schande sei zu groß und unerträglich, so dass es sich am besten darüber nur zu schweigen lohne. Es vergeht dadurch schnellstmöglich die Schande oder die unvergängliche Vergangenheit gerät dabei in Vergessenheit.
Die dritte Gruppe besteht aus denjenigen, die auf das Risiko eingehen, die deutsche Schande und die unvergängliche Vergangenheit anzusprechen. Solche Menschen werden scharf kritisiert. Die deutsche Schande sei schließlich doch unverzeihlich und „objektiv“ betrachtet absolut unmenschlich.
Meines Erachtens gehört Walser dieser letzten Gruppe an. So könnte ich zunächst den antisemitischen Vorwurf Walsers persönlich positionieren. Eine tiefere Untersuchung des
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Vorwurfs muss aber unternommen werden, um wissenschaftliche Belege dafür zu finden, ob die antisemitische Haltung von Walser in der Tat Realität ist. Aufgrund der bereits existierenden Auseinandersetzungen mit dem Thema will ich im Folgenden diesen Vorwurf genauer untersuchen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, auf den vermeintlichen Sinneswandel von Walser (der Autor wird zunehmend konservativer) kritisch einzugehen. Dies lässt sich nicht von dem antisemitischen Vorwurf trennen. Zunächst will ich mich mit dem Begriff des Antisemitismus auseinandersetzen. Im Anschluss daran stelle ich Walser-Bubis-Debatte kurz dar, um Ignatz Bubis‘ Vorwurf der geistigen Brandstiftung gegen Walser zu thematisieren. Ignatz Bubis war der ehemalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dann behandele ich kritisch den vermeintlichen Sinneswandel von Walser. Abschließend will ich versuchen, auf die Frage zu antworten, ob es Grenzen für Künstler im Politischen geben soll oder muss, und zwar in Anspielung auf Platons‘ Befürchtung des verderblichen Einflusses der nachahmenden Kunst, welche die Menschen von der Sehnsucht nach der wahren Schönheit ablenken kann (vgl. Hauskeller 2005: 9-14).
3. Antisemitismus
Eine umfassende Darstellung des Begriffs Antisemitismus scheint es kaum zu geben. Meines Erachtens weist eine Definition in irgendeiner Art Mängel auf. Sie beinhaltet entweder viel mehr oder weniger der angemessenen Begriffserklärungselemente. Ohne viele Schwierigkeiten sind allerdings antisemitische Stränge in einer Äußerung erkennbar. Der Begriff ist so heikel, da jede Äußerung über die Juden auf antisemitische Tendenzen geprüft werden kann. Antisemitismus fungiert also als ein dynamischer Begriff, der wegen dieser Empfindlichkeit kritisch behandelt werden muss. Der Philosoph Eugen Dühring behauptet in seinem im Jahr 1881 publizierten Buch sogar, dass der Antisemitismus ein Fehlbegriff ist, denn die Juden sind ein bestimmter Volkstamm aus der semitischen Rasse und nicht diese ganze Rasse selbst. Daher tut er den Begriff als lächerlich ab. Dass dieser eine irreführende Bezeichnung ist, kann sich aber nicht durchsetzen, weil Einigung darüber besteht, dass mit dem Begriff des Antisemitismus anti-jüdische Äußerungen gemeint sind. Der Begriff hat sich heutzutage also in Bezug darauf etabliert. Er könnte nur irreführend für diejenigen aus dem 18. Jahrhundert gewesen sein, die den Begriff Semit eher als eine Sprachfamilie wahrgenommen hätten.
Die vorhandenen Definitionen von Antisemitismus fallen sehr unterschiedlich aus und es wird immer wieder darüber gestritten, ob bestimmte antijüdische Denkweisen, Äußerungen und Verhaltensformen als Antisemitismus einzuschätzen sind oder nicht. (Waldenegg 2006: 33)
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Arbeit zitieren:
Ibukunolu Ajagunna, 2010, Der Sinneswandel von Martin Walser, München, GRIN Verlag GmbH
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