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Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Phänomen der Zuschauer: Geschichte 2
3. Motive der Zuschauer 3
4. Auswirkung der Zuschauer auf sportliche Leistungen 6
4.1 Einfluss passiver und koagierender Zuschauer auf sportliche Leistungen 7
4.2 Einfluss aktiver Zuschauer auf sportliche Leistungen 11
4.2.1 Öffentliche Erwartungen der Zuschauer 13
4.2.1.1 Die Bedeutung der Erwartungen hinsichtlich der Aufgabenart 13
4.2.1.2 Auswirkungen positiver bzw.
negativer öffentlicher Erwartungen 14
4.2.2. Direkte Einflussnahme der Zuschauer 17
4.2.2.1 Unterstützendes Verhalten vs. Abweisendes Verhalten 18
4.2.2.2 Aggressives Verhalten von Zuschauern 19
4.2.2.3 Lärm und visuelle Merkmale 20
4.2.3. Zuschauerzahl 22
5. Fazit 23
Abbildungsverzeichnis 25
Literaturverzeichnis 26
1
1 Einleitung
Sportliche Veranstaltungen sind schon zumindest seit den Olympischen Spielen der Antike zu einem Schauspiel mit großen Zuschauermassen geworden. Im klassischen Theater ist der ganze Inhalt schon vor Beginn des Spektakels bekannt und wenn doch nicht, so kann es in dem Programmheft nachgelesen werden. Von Auftritt zu Auftritt sterben Romeo und Julia, Faust sucht nach dem Sinn des Lebens, Dostojevskis Raskolnikow aus „Schuld und Sühne“ leidet unter Schuldgefühlen bzw. Gewissenbissen und Anna Karenina wirft sich unter die Räder des Zuges. Im experimentellen „Theater des Sportes“ ist der Ausgang bis zum Ende ungewiss, wobei durch gewisse Richtlinien und Regeln Grenzen gewiesen werden. Die Spannung ist hinsichtlich des Ausgangs hoch und die Emotionen kochen sowohl im sportlichen Geschehen als auch auf den Zuschauerplätzen. Sport gebärt Helden und tragische Figuren, Dramas und spannende Vorwürfe. Der Sport zwingt den Zuschauer sich zu freuen und zu ärgern, zu leiden und zu genießen. Er lässt keinen auf den Rängen Sitzenden gleichgültig und unbeteiligt. Demgemäß feuern die Zuschauer ihre Helden an, oder versuchen den Gegner zu demütigen und glauben, somit an dem Geschehen einen bedeutenden Anteil zu haben.
Im Rahmen dieser Arbeit beschäftigen wir uns daher mit der Frage, ob und wie Zuschauer sportliche Leistungen durch ihr Verhalten beeinflussen können. Zunächst wird das Phänomen des Zuschauens unter einem geschichtlichen Blickwinkel betrachtet und Motive zum Zuschauen im Sport bestimmt. Darauf aufbauend setzen wir uns im zentralen Teil der Arbeit mit der Wirkung der Zuschauer auf sportlerische Leistungen auseinander. Zunächst wird geklärt, ob passive sowie koagierende Zuschauer einen Einfluss haben. Im Weiteren werden auch die Merkmale einer aktiven Zuschauerschaft und die Effekte ihrer Wirkung betrachtet: positive bzw. negative öffentliche Erwartungen; verschiedene Verhaltensweisen wie Unterstützung, Abweisung oder Aggression; letztendlich die Zuschauerzahl. Der Schluss der Arbeit stellt eine kleine Zusammenfassung sowie eine Fazit der Auseinandersetzung mit dem Thema dar.
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2 Phänomen der Zuschauer: Geschichte
Sportliche Veranstaltungen und Sport werden seit Beginn ihrer Existenz ständig von Zuschauern begleitet. Schon bei den Naturvölkern spielte das Zuschauen bei Sportveranstaltungen eine wichtige Rolle und ist mit Fruchtbarkeit oder Vertreibung böser Geister im Sinne des religiösen Glaubens in Beziehung gesetzt worden. 1 Das Verhalten der Zuschauer bzw. ein Teil ihrer Handlungen sind für uns heute nur schwer nachvollziehbar und erscheinen uns grausam. Beispielsweise wird bei den Ballspielen der Maya das Herz des Kapitäns der unterliegenden Mannschaft den Göttern geopfert, was ihm bei lebendigem Leibe aus der Brust genommen worden ist. 2 In der griechischen und römischen Antike gewinnt der Sport zunehmend an Bedeutung, was an den großen Zuschauermassen bei Sportveranstaltungen zu erkennen ist. Bei den Griechen stellen die Olympischen Spiele eines der größten Sportereignisse dar, was bei den Römern mit den Gladiatorenkämpfen gleichgesetzt werden kann. 3 Das Zuschauerdasein damals ist jedoch mit den heutigen Bedingungen nicht zu vergleichen, denn es ist nicht immer einfach sowie angenehm gewesen, die Sportveranstaltung zu überstehen. Trotz großer Hitze dürfen die Zuschauer nämlich keine Kopfbedeckung tragen und müssen den Gestank verfaulter Tieropfer ertragen. 4 Diese Situation verbessert sich mit der Zeit und es entstehen riesige Stadien mit Steinsitzen für die Zuschauer. Hierzu zählt beispielsweise das Kolosseum in Rom (80 n. Chr.). 5 Im Mittelalter spielen vor allem die Ritterspiele als Sportveranstaltung eine wichtige Rolle. Diese werden jedoch nicht von allen Bürgern gleichermaßen besucht. Man nimmt an, dass im früheren Mittelalter die Menschen aus den niedrigen sozialen Schichten von den Ritterspielen ganz ausgeschlossen worden sind oder zumindest in getrennten Bereichen, abseits von den Adligen, ihre Plätze gehabt haben. Erwähnenswert ist auch, dass die Vorstellungen hinsichtlich der Aufgaben und Verhaltensweisen von Zuschauern und Sportlern nicht immer mit den heutigen übereinstimmen. Früher hatten Zuschauer und Sportler (Akteure) zwar klar definierte
1 vgl. Strauss, B.: Fußballstadion, 2006, o. A.
2 vgl. Schlicht, W.; Strauss B.: Psychologie des Sports, 2003, S. 136
3 vgl. Strauss B.: Zuschauer, 1998, S. 116
4 vgl. Strauss, B.: Fußballstadion, 2006, o. A.
5 vgl. Schlicht, W.; Strauss B.: Psychologie des Sports, 2003, S. 137
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Rollen, die jedoch auch darin bestehen konnten, dass Zuschauer gleichzeitig die Akteure darstellten. 6
Im 19. Jahrhundert findet eine erste Professionalisierung des Sportes statt. Es werden erste Clubs und Vereine gegründet, was zu einem zunehmenden Interesse an dem Sport seitens der Zuschauer führt. 7 Heutzutage ist der Zuschauer beim Sport nicht wegzudenken, was eine zunehmende und verstärkte Kommerzialisierung und Professionalisierung des modernen Leistungs- und Spitzensports, in welcher Form wir ihn heute kennen, zur Folge hatte. 8
3 Motive der Zuschauer
Die geschichtliche Betrachtung hinsichtlich der Rolle und des Verhaltens von Zuschauern zeigt, dass von den Anfängen an Zuschauer ein hohes Interesse daran hatten, an Sportveranstaltungen teil zunehmen. Dies wirft die Frage auf, was Menschen, ob früher oder heute, dazu bewegt, ein Stadion aufzusuchen und sich beispielsweise ein Fußballspiel an zusehen. Warum sind manche so begeistert von den Spielen ihrer Mannschaft und nehmen es dafür sogar in Kauf, in andere Städte und Länder zu reisen, nur um ihre Mannschaft zu sehen? Warum investieren Menschen so viel Zeit und Geld für das Zuschauen? Im Weiteren werden wir diese Fragen nachgehen, indem wir auf die diversen Motive der Zuschauer eingehen, die sie zum Besuch einer Sportveranstaltung bewegen.
Diese Frage ist im Rahmen zahlreicher Erhebungen untersucht worden, die zu unterschiedlichen Ergebnissen und Motiven gelangen. Im Rahmen der Arbeit beziehen wir uns auf die Untersuchung von Wann, der mittels eines aus 23 Fragen bestehenden Fragebogens die Motivation der Zuschauer erhoben hat. In seinen Ergebnissen stellt er fest, dass es unterschiedliche Dimensionen gibt, die die Motivation der Zuschauer, ein Stadion auf zusuchen, beschreiben. 9 Das Motiv der einen Gruppe beschreibt Wann mit dem Begriff der Gruppenanbindung. Dies meint den Wunsch der Menschen, mit
6 vgl. Strauss B.: Zuschauer, 1998, S. 116f.
7 vgl. Opfer M.: Geschichte, 2002, o. A.
8 vgl. Schlicht, W.; Strauss B.: Psychologie des Sports, 2003, S. 138
9 vgl. ebd. S.138
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anderen die Zeit im Stadion zu vertreiben. Andere wollen, so Wann, durch das Zuschauen bei einer Sportveranstaltung mit der Familie ihre Freizeit verbringen. Es gibt auch Zuschauer, die das Stadion mit der Motivation, die Schönheit der sportlichen Bewegungen betrachten zu wollen, aufsuchen. Diese interessieren sich für die Ästhetik der Sportveranstaltungen. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen weiterhin, dass eine Gruppe von Zuschauern mit dem Besuch der Veranstaltungen ihr Selbstwertgefühl steigern will. Ein weiterer Grund für den Gang ins Stadion, der aus der Erhebung hervorgeht, besteht in dem Wunsch, beispielsweise durch Wettspiele, einen ökonomischen Gewinn zu erzielen. Doch die meisten, so Wann, verfolgen beim Besuch einer Sportveranstaltung das Ziel, Spannung, Unterhaltung und Aufregung zu erleben. Dabei ist vor allem die schöne und freudige Freizeitgestaltung primär. Andere wiederum möchten sich durch den Besuch eines Spiels von den Alltagsproblemen ablenken, so Wann 10 .
Betrachtet man die vielfältigen Motivationen der Zuschauer beim Aufsuchen eines Stadions, so können diese zu drei Gruppen zusammengefasst werden, was Wann auch tut. Die Motivation bezieht sich zum einen auf das Sporttreiben selbst, d.h. die Menschen gehen ins Stadion, um die Sportveranstaltung zu sehen. Zum anderen wird der Ausgang der Veranstaltung als Motivation für den Besuch des Stadions betrachtet. Das Miterleben eines Sieges bzw. einer Niederlage stellt somit den Hauptgrund für den Besuch dar. Bei der letzten der drei Gruppen spielen die sportexternen Zwecke im Sinne der Motivation eine wichtige Rolle.
Neben der Einteilung in drei Gruppen gliedert Wann die Motivation der Zuschauer in einer weitere Kategorie auf. Er unterscheidet zwischen der Bezogenheit auf die eigene Person („ichbezogen“) und dem Einbeziehen anderer Personen („im sozialen Kontext“). Die folgende Abbildung zeigt nun die Zusammenstellung aller Gruppen mit den unterschiedlichen Kategorien 11 .
10 vgl. Schlicht, W.; Strauss B.: Psychologie des Sports, 2003, S. 138
11 vgl. Strauss B.: Zuschauer, 1998, S. 121
Opaschowski (1987) beschreibt in seinen Untersuchungsergebnissen insgesamt vier Motive bzw. Bedürfnisse für das Zuschauen. Darunter fallen: Spaß haben, Spannung erleben, geselliges Beisammensein und durch das Spiel/ Zuschauer begeistert werden. 12 Es wird auch angenommen, dass alle vier Motive für einen Zuschauer eine Rolle spielen können oder auch nur ein Teil dieser. 13
12 vgl. Gabler, H.: Motive, 2002, S. 216
13 vgl. Schlicht, W.; Strauss B.: Psychologie des Sports, 2003, S. 140
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4. Auswirkung der Zuschauer auf sportliche Leistungen
Neben den Motiven werden auch verschiedene Formen des Zuschauerverhaltens unterschieden, die in der Abbildung dargestellt werden.
Im Rahmen der Arbeit wird auf freiwillige Zuschauer näher eingegangen, die in passiv und aktiv untereilt werden. 14 Bei einer aktiven Teilnahme an Sportereignissen spricht man von aktiven Zuschauern. „Im Allgemeinen liegt eine direkte Einflussnahme von Zuschauern vor, wenn deren spezifisches Verhalten zu einer in näherer Zukunft stattfindenden Veränderungen des Verhaltens der Akteure führt.“ 15 Das aktive Verhalten unterteilt sich weiterhin in unparteiisches und parteiisches Verhalten. Unter dem unparteiischen Verhalten versteht man ein aktives und unauffälliges Engagement der Zuschauer (z. B. Ola-Welle, rhythmische Klatschen), was in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Parteiisches Zuschauerverhalten richtet sich auf die Unterstützung des sympathisierenden Sportlers bzw. der Mannschaft. Dieses kann auch Extremformen umfassen, die bei Auseinandersetzungen während der Fußballspiele zu beobachten sind 16 . Durch die bloße Anwesenheit passiver Zuschauer verändert sich das Verhalten der Akteure, obwohl diese selbst keinen aktiven Einfluss ausüben und nur zuschauen (keine Aktivität). Die passiven Zuschauer unterteilt man weiterhin in koagierende und nicht koagierende Zuschauer. Koagierende Zuschauer tun das Gleiche
14 vgl. Strauss, B.: Zuschauer, 1998, S. 128
15 Alfermann, D.; Stoll, O.: 12 Lektionen, 2007, S. 244
16 vgl. Strauss, B.: Zuschauer, 1998, S. 129
Arbeit zitieren:
Lev Esipovich, 2008, Der Einfluss der Zuschauer auf sportliche Leistungen, München, GRIN Verlag GmbH
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