Institut für Soziologie RWTH Aachen
Hausarbeit:
Käufliche Kultur - Das Einkaufszentrum als neues
kultursoziologisches Orientierungsmuster
Einführung in die Kultursoziologie
1
INHALT:
1. Einleitung 4
2. Die Innenstadt
2.1 Öffentlichkeit und Innenstadt 4
2.2 Innenstadt als Einkaufserlebnisbereich 6
2.3 Warenhäuser und Schaufenster
2.3.1 Das Warenhaus und die „neue Freiheit“ des Kunden 9
2.3.2 Schaufenster und die Inszenierung der Warenwelt 10
3. Subzentrenbildung
3.1 Shopping-Malls 11
3.2 Urbanisierung
3.2.1 Künstliche Welten und pseudo-öffentlicher Raum 13
3.2.2 Die Angst vor dem Fremden 14
4. Innenstadt vs. Subzentrum
4.1 Die Inszenierung der Innenstadt 15
4.2 Die Krise der Innenstädte 16
4.3 Kann die Innenstadt im Konkurrenzkampf mit peripheren
Einkaufszentren bestehen? 18
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5. Ökonomie und Kultur
5.1 Die Kultur beim Einkauf - oder: Einkaufen mit Kultur? Beispiel Frankfurt am Main: Das Museum für moderne Kunst 19
5.2 Die Ökonomie der Symbole
5.2.1 Aneignung von Kultureinrichtungen durch Unternehmen als Prestigeförderung 21
5.2.2 Vermischung von Arbeitsplatz mit Freizeit und Öffentlichkeit 22 6. Fazit 24
Literatur 25
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1. Einleitung
Die Ökonomie greift mehr und mehr in das öffentliche Leben ein. Der Mensch wird inzwischen vor allem in seiner Rolle als Konsument betrachtet und dementsprechend behandelt. Wie wirkt sich das auf die Öffentlichkeit in deutschen Städten aus? Dieser Frage wird hier auf mehreren Ebenen nachgegangen. Zuerst werde ich den Begriff >Öffentlichkeit< definieren, und anschließend die Bedeutung des Konsums, der Ökonomie in deutschen Innenstädten und Subzentren erläutern. Die Frage, inwieweit öffentliches Leben in künstlichen Welten existieren kann, ist die Wurzel meiner Hausarbeit und zieht sich somit wie ein Leitfaden durch fast alle Kapitel.
Um die Untersuchung einzuleiten, muss zunächst der Begriff „Öffentlichkeit“ und das öffentliche Leben definiert werden. Öffentliches Leben spielt sich dort ab, wo jeder Bürger sich frei bewegen kann, wo er leben kann und niemand ausgeschlossen ist. Unserem alltäglichen Wortgebrauch nach stellt Öffentlichkeit einen Gegensatz zum Privaten und Intimen dar. Man kann sich zwar vor der Öffentlichkeit verstecken, hält man sich aber dort auf, wo sie statt findet, ist man ihr ausgeliefert. Niemand kann sich verstecken, jeder kann jeden beobachten und kann sehen, was der andere tut. >Öffentlich< kommt von >offen<, Öffentlichkeit soll gleichermaßen offen sein für alle. Sie ist für jeden frei zugänglich und zeigt sich jedem gleich. Öffentlichkeit bezieht sich auf Menschen, sie besteht aus Interaktion und Erfahrungsaustausch (vgl. Reisch 1988: 27), man ist in der Öffentlichkeit nie allein. Die Stadt ist wohl das Zentrum der Öffentlichkeit. Hier wohnen Menschen jeden Alters, Geschlechts und sozialer Herkunft. Verschiedene soziale Gruppen treffen sich nur in der Öffentlichkeit, in der Stadt z.B. beim Erledigen von Besorgungen, beim Flanieren oder bei anderen Aktivitäten. Sie treffen sich nicht unbedingt absichtlich und sie haben dadurch nicht
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zwingend Kontakt zueinander, aber sie wissen von ihrer gegenseitigen Existenz und erleben sich. „,Stadt‘ soll sein, was sich erleben läßt. Denn wo ,verkauft‘ werden soll, muß ,Erleben‘ mitgeliefert werden. Als urbane Gegenwelt zur Enge und Routine des Alltagslebens gesetzt, an dem angeblich jeder teilhaben kann, wenn er nur die richtigen Angebote wahrnimmt und auch die Konfrontation mit Ungewohntem nicht scheut“ (Durth 1977: 84). In diesem Zitat klingt an, was in dieser Hausarbeit noch näher besprochen werden soll: Idealerweise soll in der Stadt das ursprüngliche Ziel des Einkaufens - zumindest im Bewusstsein der Käufer - zurückgesetzt werden hinter das „Erleben“. Und zwar soll jeder daran teilhaben können, unter zwei Bedingungen:
Erstens muss er die „richtigen“ Angebote - welche auch immer das sein mögen - wahrnehmen und zweitens darf er Ungewohntes nicht scheuen.
Öffentliches Leben ist durchmischt, bunt und dadurch spannend. Sein Platz ist dort, wo sich jeder aufhalten darf und sich aufhalten will. Dieses Zentrum der Kultur ist in Deutschland größtenteils noch das Zentrum der Stadt, die Innenstadt. Hier, wo alle möglichen Geschäfte, öffentlichen Einrichtungen, Cafés und Restaurants auf engem Raum zusammengeballt sind, finden sich natürlicherweise auch alle Bürger wieder (vgl. Durth 1977: 36 f). Dass das ausgerechnet in der Innenstadt der Fall ist, resultiert noch aus der europäischen Kultur des Mittelalters und seinem Zunftwesen, in dem die drei >Säulen der Macht<, nämlich Religion, Wirtschaft und Politik demonstrativ ihre Einrichtungen in die Mitte der Stadt setzten: die Kirche, den Markt und das Rathaus. Sie bildeten eine Einheit, um die sich alles andere formierte. Im Kern der Stadt siedelten sich alle möglichen Handwerksbetriebe an, wodurch jeder für Besorgungen jeglicher Art in die Innenstadt gehen musste. So kam es, dass sich dort das öffentliche Leben abspielte.
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2.2 Innenstadt als Einkaufserlebnisbereich
Die städtebaulichen Rudimente der Vergangenheit haben sich in den deutschen Großstädten bis heute gehalten. 1 Dadurch spielt sich ein großer Teil des öffentlichen Lebens immer noch in der Innenstadt ab. Unterschiedlichste Geschäfte sorgen für unterschiedlichste Käuferschichten, die sich dennoch in derselben Umgebung treffen. Allerdings begegnen sie sich beim Vorhaben des Einkaufens und erfüllen somit nur eine ihrer jeweils unterschiedlichen sozialen Rollen: entweder die des Käufers oder die des Verkäufers (vgl. Durth 1977: 37). Schon durch die Ausblendung des Privaten und Intimen 2 und durch diese Beschränkung auf die Rolle des Käufers oder Verkäufers besteht die Öffentlichkeit in der Innenstadt nur aus einem Teil des Lebens ihrer Elemente. „Konsequent werden die in der Öffentlichkeit des Marktes beobachteten Formen stilisierten und segmentierten Rollenverhaltens als verallgemeinerbares Muster städtischer Verhaltensweisen beschrieben“ (Durth 1977: 37). Aber trotzdem geht man nicht nur in die Stadt, um ein zu kaufen, sondern um zu (er-)leben. Um zu begreifen, inwiefern dieses Erleben verwirklicht werden kann, ist ein kleiner Umweg über Gerhard Schulzes Erlebnisbegriff von Nöten:
„Der kleinste gemeinsame Nenner von Lebensauffassungen in unserer Gesellschaft ist die Gestaltungsidee eines schönen, interessanten, subjektiv als lohnend empfundenen Lebens“ (Schulze 1992: 37). Schulze macht hierbei den Unterschied von innenorientiertem und außenorientiertem Handeln klar:
1 Größere deutsche Städte sind ja bereits im Mittelalter entstanden und haben ihre historischen Bauwerke, vor allem die Kirchen, natürlich beibehalten. Dadurch, dass in diesen Städten zwischen Rathaus und Kirche meistens ein größerer Platz frei ist, wird dieser auch heute noch für Märkte genutzt.
2 Siehe Kapitel 2.1.
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Arbeit zitieren:
Paula Hesse, 2003, Käufliche Kultur. Das Einkaufzentrum als neues kultursoziologisches Orientierungsmuster, München, GRIN Verlag GmbH
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