-I-
Inhaltsverzeichnis
Seite
Inhaltsverzeichnis................................................................................................... I
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis. IV
1. Einleitung 1
2. Theoretische Grundlagen 3
2.1 Begriffsbestimmung Handicap 3
2.2 Die Behinderung - Definition, Ursachen, Arten, Folgen. 3
2.2.1 Definition 4
2.2.2 Ursachen. 4
2.2.3 Arten. 5
2.2.4 Die Auswirkungen einer Behinderung auf den Menschen 9
2.3 Behinderte in unserer Gesellschaft - ein geschichtlicher Rückblick 10
2.4 Die Relevanz der Arbeit für die Persönlichkeit des Menschen. 14
2.5 Gesetzliche Grundlagen 15
2.5.1 SGB IX - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen 16
2.5.2 SGB XII - Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. 17
2.6 Die Landesbeauftragten der beruflichen Integration für Menschen
mit Behinderungen 18
2.6.1 Integrationsprojekte. 19
2.6.2 Integrationsamt. 20
2.6.3 Integrationsfachdienst 21
2.6.4 Die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) 22
3. Das Stadtportrait der Landeshauptstadt Schwerin 23
3.1 Allgemeine Daten. 23
3.2 Hilfeleistungen für Menschen mit Behinderungen am Beispiel der
Landeshauptstadt Schwerin. 25
3.2.1 Die „Dreescher Werkstätten gemeinnützige GmbH“ 25
3.2.2 Integrationsfirma „ZaGaPu gemeinnützige GmbH“ 28
4. Die „Anker Sozialarbeit gemeinnützige GmbH“ 29
4.1 Leitbild 29
-II-
4.2 Struktur und Organigramm 30
4.3 Das Angebot zur beruflichen Integration und Rehabilitation 31
4.3.1 Arbeit. 31
4.3.2 Berufliche Reha. 32
4.3.3 Tagesstrukturierung. 33
5. Das Projekt „ZentrumArbeit“ der ANKER Sozialarbeit gGmbH in
Kooperation mit dem Baltic College Schwerin 34
5.1 Methoden 34
5.1.1 Zusammenfassung der Interviews. 35
5.1.1.1 Gruppe 1: Befragung der Klienten. 35
5.1.1.2 Gruppe 2: Befragung der Unternehmen. 37
5.1.1.3 Gruppe 3: Befragung der Hotels 38
5.2 Interpretation 40
5.3 Handlungsbedarf 43
6. Fazit. 46
Anhangsverzeichnis VII
Anhang VIII
Literaturverzeichnis. XIX
Internetverzeichnis. XX
Gespr ächspartnerverzeichnis XXIII
-III- Abkürzungsverzeichnis
Anker Anker Sozialarbeit gGmbH Schwerin BC Schwerin Baltic College Schwerin BeRePK Berufliche Rehabilitation psychisch Kranker bspw. beispielsweise BSHG Bundessozialhilfegesetzbuch BuGa’09 Bundesgartenschau im Jahr 2009 d.h. das heißt e.V. eigener Verein ggf. gegebenenfalls GG Grundgesetz gGmbH gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung Gruppe 1 Studenten/innen des HTM’09 - Klientenbefragung Gruppe 2 Studenten/innen des HTM’09 - Hotelbefragungen Gruppe 3 Studenten/innen des HTM’09 - Unternehmenbefragungen HTM’09 Hotel- und Tourismusmanagement Jahrgang 2009 HWK Handwerkskammer IFD Integrationsfachdienst IHK Industrie- und Handelskammer NDR Norddeutscher Rundfunk NSDAP Nationalsozialistische Arbeiterpartei o. J. ohne Jahr o. V. ohne Verfasser ProDG Pro Deutschsprachige Gemeinschaft, Partei Belgien Reha Rehabilitation SGB Sozialgesetzbuch SchwbhG Schwerbehindertengesetz SVZ Schweriner Volkszeitung u. und u.w. und weitere u.v.m. und viele mehr WfbM Werkstätte für behinderte Menschen z.B. zum Beispiel
-IV-
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Logo der ANKER Sozialarbeit gGmbH
Abbildung 2: Interesse der Unternehmen
Abbildung 3: Interesse der Hotels.
Abbildung 4: Interesse der Befragten insgesamt
-1- 1.Einleitung
„Menschen mit Handicaps sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Es gilt nicht nur architektonische Barrieren niederzureißen, sondern auch menschliche, das heißt: Ängste, Vorurteile, Unsicherheit, Isolation.“
Angelika Gramkow, Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Schwerin
Die Entwicklung der Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen hat sich in den letzten Jahrhunderten zunehmend positiv entwickelt. Nicht zuletzt erkennbar durch den Aufbau vielfältiger und nationaler sowie internationaler Integrationsprojekte und Hilfsprogrammen. Dessen ungeachtet haben die behinderten Menschen bis heute Schwierigkeiten in die Gesellschaft integriert zu werden. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2003 fühlen sich lediglich sechs Prozent der 7,1 Millionen behinderten Menschen in Deutschland in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gleichberechtigt behandelt. Dabei führt eine Vielzahl der Betroffenen die als ungerecht empfundenen Lebensverhältnisse nicht vorrangig auf ihre Behinderung zurück. Vielmehr die gängigen Vorurteile und Ängste der nichtbehinderten Menschen und die daraus resultierenden unzureichenden Chancen, vor allem auf dem ersten Arbeitsmarkt, spielen eine bedeutende Rolle. Körperlich und geistig Behinderte sowie seelisch erkrankte Menschen sind in den meisten Fällen auf die verschiedenen Hilfeleistungen von Familienmitgliedern, Ärzten, Pflegepersonal oder Sozialarbeitern angewiesen. Dennoch sind sie Menschen mit Gefühlen, Persönlichkeiten, Talenten und Fähigkeiten und dürfen nicht aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden.
Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf die beruflichen Möglichkeiten für Menschen mit Handicaps am Beispiel der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin. Dieser Untersuchung wird mittels Befragungen seelisch Erkrankter, Unternehmens- und Hotelsvertreter/Innen sowie Expertengesprächen nachgegangen. Um einen Einstieg in die Thematik zu finden, werden in Kapitel zwei die theoretischen Grundlagen, wie die Begriffsbestimmung des Wortes Handicap und die Definition, Ursachen, Arten und Folgen einer Behinderung erläutert. Die Relevanz der Arbeit für die Persönlichkeit des Menschen und ein geschichtlicher Rückblick der Behinderung in der Gesellschaft werden geschil- dert.
-2-Der gesetzliche Rahmen wird dargelegt, um ein Grundverständnis für die derzei-tige Situation der behinderten Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zu erzeugen. Zudem erfolgt ab dem 3. Kapitel eine Übertragung des theoretischen Wissens in die Praxis erfolgt. Die Landeshauptstadt Schwerin wird vorgestellt. Neben allgemeinen Daten werden Hilfeleistungen für Menschen mit Behinderun-gen aufgezeigt. Beispielhaft wird in Kapitel fünf das Projekt „Zentrum Arbeit“ der ANKER Sozialarbeit gemeinnützige GmbH Schwerin vorgestellt. Die im Zuge des Projektes geführten Interviews werden analysiert und die Ergebnisse an-schließend interpretiert. Ein vielseitiger Handlungsbedarf wird aufgezeigt, wobei bereits einige Implementierungshinweise für die Umsetzung in die Praxis gegeben werden. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Thematik in Kapitel sechs.
-3- 2.Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmung Handicap
Um die Thematik dieser Thesis erfassen zu können, werden fortfolgend theoretische Grundlagen wiedergegeben.
Der im Zuge der Amerikanisierung in die deutsche Sprache übernommene Begriff Handicap (engl.) deutet generell auf einen Nachteil und/ oder eine Beeinträchtigung hin. Die gängigste Form ist der Hinweis auf eine körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigung des Menschen. Verwendung findet das Wort Handicap in der heutigen Gesellschaft immer häufiger, da in den letzten Jahrhunderten, irrtümlich, oftmals auf Grund von inkorrekten Aussagen und Annahmen der nichtbehinderten Menschen, das Wort Behinderung einen negativ behafteten Charakter erhalten hat.
2.2 Die Behinderung - Definition, Ursachen, Arten, Folgen
In diesem Absatz wird in Anlehnung an die wissenschaftlichen Quellen der deutschsprachige Begriff Behinderung verwendet. Wiedergegeben werden in diesem Zusammenhang signifikante Erläuterungen des Begriffes Behinderung mit den Schwerpunkten: Definition, Ursachen, Arten und Folgen der Behinderung. Der Begriff wird weltweit auf sehr unterschiedliche Weise definiert. Nachfolgend wird ausschließlich die in der deutschen Gesetzgebung gefestigte Begriffserläute- rung betrachtet, um den Rahmen dieser Arbeit einzuhalten.
-4- 2.2.1Definition
Gemäß SGB IX Kapitel 1 §2 sind „[…] Menschen […] behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von einer Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist. […]“
Gemessen wird eine Behinderung anhand des Grades der Beeinträchtigung (GdB). Ein Mensch gilt als schwerbehindert, wenn ein Grad der Behinderung in Höhe von mindestens 50 Prozent vorliegt. Gleichgestellt werden sollen den Schwerbehinderten die Menschen, bei denen ein Grad der Beeinträchtigung von unter 50, aber über 30 Prozentsätzen vorliegt, „[…] wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz […] nicht erlangen oder nicht behalten können […].“ 1 Gemessen wird der GdB durch das Versorgungsamt, dem Rentenbescheid oder einer Gerichts- oder Verwaltungsentscheidung. Die Bevollmächtigten haben sich dabei an „Versorgungsmedizinische Grundsätze“ zu halten. 2
2.2.2 Ursachen
Eine Behinderung kann durch verschiedene Ursachen entstehen: durch eine bereits vorhandene und somit angeborene Schädigung des Betroffenen, z.B. Mongolismus oder durch Drogenkonsum während der Schwangerschaft, durch eine schwere Beeinträchtigung während der Geburt des Betroffenen, z.B. Gehirnschädigungen durch Sauerstoffmangel oder durch eine erhebliche körperliche oder geistige Schädigung im Laufe des Lebens. Beispielsweise erleiden Menschen, die einen schweren Verkehrsunfall erleben mussten, an einer zurückbleibenden Behinderung (Bsp. Gliedmaßenverlust oder auch Sprachverlust bedingt durch ein Trauma). Zudem kann eine psychisch belastende Lebensphase oder Situation den Menschen seelisch beeinträchtigen. Erwerbstätige, die auf der Arbeit gemobbt 3 werden, überarbeitet oder überfordert sind können bspw. an einem Burn- Out-Syndrom oder auch an Depressionen erkranken.
1 Quelle: SGB IX §2 Abs.3.
2 Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2008).
3 Mobbing (engl.) bedrängen, angreifen
-5- 2.2.3Arten
Um die Bedürfnisse eines behinderten Menschen in Bezug auf die berufliche Tätigkeit nachvollziehen zu können, ist es bedeutend die verschiedenen Krankheitsbilder darzustellen.
Bedingt durch eine oder mehrere Ursachen können körperliche, geistige oder auch seelische Beeinträchtigungen entstehen. Körperbehinderungen sind das gängigste Bild, welches die Mehrzahl der Bevölkerung bei dem Begriff Behinderung vor dem geistigen Auge hat. Grund dafür ist, dass diese Art der Behinderung sichtbar ist. Körperliche Behinderungen sind Behinderungen, die durch Schäden am Stütz-und Bewegungsapparat, an Skelett, Muskeln, Sehnen, Bänder oder auch an den Organen bedingt sind. 4 Beispiele für eine körperliche Behinderung sind: spastische Lähmungen auf Grund von Störungen des Nervensystems, allgemeine motorische Einschränkungen durch Fehlbildungen der Wirbelsäule oder auch Schäden der Nerven des Rückenmarks, Kleinwüchsigkeit, Fehlbildungen und Fehlstellungen der Gelenke auf Grund von Schädigungen am Skelett oder auch Gliedmaßenverluste (Fehlen von Armen und Beinen).
Eine geistige Behinderung hingegen bezieht sich, gemäß des Bundessozialhilfegesetzes, auf die Menschen, „[…] deren messbare Intelligenz unterhalb eines bestimmten Grenzwertes liegt und die in ihren Fähigkeiten, Anforderungen des täglichen Lebens zu bewältigen, deutlich eingeschränkt sind. 5 Geistige Behinderungen werden bestimmt von kognitiv- intellektuellen Entwicklungsstörungen, dazu gehören bspw. Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten oder auch ein schwaches Abstraktionsvermögen bei dem Betroffenen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die intellektuellen Fähigkeiten bei den Betroffenen, im Vergleich zu einem gleichaltrigen nichtbehinderten Menschen, deutlich unterdurchschnittlich sind. Ursache dafür sind in den meisten Fällen bereits angeborene Erkrankungen (durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft oder auch Erbkrankheit) oder Störungen, die während der Geburt auftreten, wie z.B. Gehirnschädigungen durch einen Sauerstoffmangel.
4 Quelle: Fuchs (2010).
5 Quelle: Kommunalverband Sachsen (2010).
-6-Gegenüber den bereits erläuterten Symptomen einer körperlichen und geistigen Behinderung, ist das Krankheitsbild einer seelischen (psychischen) Erkrankung weitaus umfangreicher.
Seelische Störungen, die eine Behinderung zur Folge haben können, sind körperlich nicht begründbare Psychosen, seelische Störungen als Folge von Krankheiten oder Verletzungen des Gehirns, von Anfallsleiden oder von anderen Krankheiten oder körperlichen Beeinträchtigungen, Suchtkrankheiten, Neurosen und Persönlichkeitsstörungen. 6 Folgende psychische Erkrankungen sind bei den Betroffenen einer psychischen Störung nachweisbar: Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie, Essstörungen, Burn - Out (z.Dt. „ausgebrannt sein“) oder auch das Borderline- Syndrom (Persönlichkeitsstörung). Depressionen machen den Hauptteil der sogenannten affektiven Störungen, d.h. Störungen des Gemützustandes, aus. Depressionen gehören zu den am häufigsten verzeichneten psychischen Krankheiten, welche trotz des medizinischen Fortschrittes im Bereich der psychischen Erkrankungen, nur etwa zur Hälfte der Fälle diagnostiziert wird. 7
Die folgenden ausgewählten Symptome sind charakteristisch für eine Depression: allgemein reduzierendes Lebensgefühl (Vitalstörung); hartnäckige, oft grundlose, durch äußere Faktoren kaum beeinflussbare depressive Verstimmtheit aller Schweregrade mit Reduktion oder Verlust der affektiven Schwingungsfähigkeit; tiefe Trauer; Hemmung allen seelischen Geschehens oder unproduktive Betriebsamkeit; Interesselosigkeit und Freudlosigkeit (Anhedonie); Antriebsstörung; rasche Ermüdbarkeit; Konzentrationsstörung; Schlafstörungen; Wut;
Zukunftsängste; Verlust des sexuellen Verlangens (Libido-Verlust); Appetitlosigkeit; körperliche Symptome wie Schwitzen, Kopfschmerzen, Schwindel. 8 Diese Symptome können in ihrem Schweregrad erheblich variieren. In besonders schweren Fällen findet sich ein psychotisches, wahnhaftes (synthymes) Erleben. Verschuldungswahn, Verarmungswahn oder auch der Hypochondrische Wahn (die Überzeugung unheilbar krank zu sein) sind dabei mögliche Beobachtungen depressiv Erkrankter.
6 Quelle: Hahn, Dr.med. (2004).
7 Quelle: ANKER Sozialarbeit gemeinnützige GmbH (2010), S.2.
8 Quelle: ANKER Sozialarbeit gemeinnützige GmbH (2010). S.2.
-7-Die sogenannte „akute Krise“ und „Suizidalität“ gehören ebenfalls zu den schwerwiegenden depressiven Erkrankungen. Unter einer „akuten Krise“ versteht man den depressiven Zusammenbruch. Der Begriff Suizidalität steht für den Sui-zidversuch. In diesen Lebenskrisen ist es von besonderer Relevanz den Betroffe-nen zu begleiten, zu führen und zu schützen. Eine weitere psychische Erkrankung ist die Angststörung. Ängste gehören als Teil der menschlichen Gefühle zum Le-ben und treten in den unterschiedlichsten Zusammenhängen und Situationen auf. Ängste weisen generell auf eine drohende Gefahr hin und besitzen somit eine wichtige Schutzfunktion. Als extreme Art der Angst und somit Teil einer psychi-schen Behinderung ist die Phobie. Es existiert eine Unzahl an Phobien. 9
Zu den Beispielen einer Phobie gehört die Angst vor Krankheiten, die Flugangst, die Höhenangst, die Spinnenangst, die Platzangst, die Angst vor dem Sprechen oder auch die soziale Phobie. Die soziale Phobie ist eine Angststörung, die sich durch das Auftreten starker Ängste bis hin zur Panik in sozialen Situationen äußert (z.B. Aufhalten inmitten großer Menschenmengen, Einkaufen in großen Kaufhäusern, das Autofahren oder auch das Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel. Je nach Art der Phobie können verschiedene Symptome auftreten. 10 Zu diesen gehören ängstlich- angespannte Zustände, andauernde Besorgnisse alltäglichen Situationen gegenüber, Schreckhaftigkeit, Übelkeit, Schwitzen, trockener Mund, Tinnitus oder auch Schlafstörungen. Typische Symptome eines gesteigerten Angstzustandes, einer so genannten Panikattacke, sind: wiederholte Panikattacken mit einer Dauer von bis zu 30 Minuten (in regelmäßigen Abständen auftretend), starke Beklemmungsgefühle oder auch intensive vegetative Begleitreaktionen, wie Herzrasen, Atemnot bis hin zu Ohnmachtsgefühlen. 11
Eine weitere psychische Erkrankung ist die Schizophrenie. Bei dieser seelischen Beeinträchtigung handelt es sich laut Herrn Dr. med. Stefan Hoppe vom Deutschen Mediziner Netz um eine schwere psychische Störung, „ […] bei der es zu charakteristischen Störungen im Bereich des Denkens und der Sprache, der Affektivität und der Selbst- und Fremdwahrnehmung kommt. Die Wahrnehmung der eigenen Person, der Umwelt und anderer Menschen kann völlig unrealistisch verändert, verzerrt, “verrückt” erscheinen.“
9 Quelle: ANKER Sozialarbeit gemeinnützige GmbH (2010). S.2.
10 Vgl. ANKER Sozialarbeit gemeinnützige GmbH (2010), S.3.
11 Quelle: ANKER Sozialarbeit gemeinnützige GmbH (2010), S.3.
-8-Vorherrschende Symptome dieser seelischen Erkrankung sind optische und olfak-torische 12 Halluzinationen und Wahnvorstellungen (imperative Stimmen, dialogi-sierende Stimmen, Gedankenlautwerden), Störungen des Denkens (Zerfahrenheit, Vorbeireden, Schizophasie u. w.) und der Affektivität (Ambivalenz), Störungen des Antriebes (Abulie) und der Psychomotorik, lang anhaltende Depressionen, Ich- Störungen (in Form von Autismus, Depersonilation, Gedankeneingebung etc.) sowie weitere persönlichkeitsstörende Erscheinungen (innerlich als auch äu-ßerlich). 13 Eine weitere, weltweit häufig auftretende, psychische Störung ist die sogenannte Essstörung. Im Wesentlichen verteilen sich die Essstörungen auf die Krankheitsbilder Magersucht (Anorexia Nervosa) und Bulimie (Bulimia Nervo-sa), die Brechsucht. Hilde Bruch (1973) beschrieb die Störung des eigenen Kör-perbildes, die Wahrnehmungsstörungen nach innen und außen sowie im Gefühlsbereich und das tiefe Gefühl eigener Unzulänglichkeit als vorherrschende Symptome dieser seelischen Erkrankungen. Das Burn- Out- Syndrom (engl.: ”to burn out”: ausbrennen) wird ebenfalls zu den Erscheinungen einer psychischen Störung gezählt, obwohl es bis dato keine anerkannte psychische Erkrankung ist. Unter dem Burn- Out- Syndrom versteht man, einen schleichenden Prozess schwerwiegender und anhaltender psycho-physischer Erschöpfung, begleitet von einer Vielzahl vegetativer und psychosomatischer Beschwerden. 14 Dieses Er-schöpfungs- Syndrom ist bislang wissenschaftlich nur unzureichend untersucht, sodass die Betroffenen und behandelnden Ärzte keine medizinischen oder empi-risch gesicherten, vorweisbaren Fakten erbringen können. Bislang anerkannte Symptome sind emotionale (Hang zur Intoleranz, Ungeduld, Reizbarkeit, Frustra-tion, Gefühl der inneren Leere etc.), soziale (Vermeiden sozialer Kontakte, Ehe-und Familienprobleme, Fehlzeiten am Arbeitsplatz etc.), intellektuelle (Konzent-rationsschwächen, Unproduktivität, Tagträume etc.) sowie körperliche (Müdig-keit, Erschöpfung, Magen- Darm- Beschwerden, Verspannungen etc.) Beeinträchtigungen. 15
Durch die Erläuterungen der Krankheitsbilder verschiedener Behinderungsarten wird deutlich, dass eine Vielzahl an Erkrankungen existiert, die den Menschen körperlich, geistig oder seelisch beeinträchtigen.
12 Olfaktorisch (lat. olfacere): riechen.
13 Vgl. ANKER Sozialarbeit Gemeinnützige GmbH (2010), S.3.
14 Quelle: ANKER Sozialarbeit Gemeinnützige GmbH (2010), S.3.
15 Quelle: Berndt (o.J.)
-9-In einigen Fällen treten Mehrfachbehinderungen bei dem Betroffenen auf. In die-sem Fall wird diese Person durch zwei Behinderungsarten beeinträchtigt (z.B. eine geistige Schädigung ruft körperliche Beeinträchtigungen hervor).
2.2.4 Die Auswirkungen einer Behinderung auf den Menschen
Eine Behinderung jeglicher Art und Ursache wirkt sich für die beeinträchtigten Menschen in vielerlei Hinsicht aus. In der Regel sind Verrichtungen des alltäglichen Lebens, wie die Kommunikation, die Nahrungsaufnahme, die körperliche Reinigung oder auch die Fortbewegung gar nicht oder nur stark eingeschränkt möglich. Körperliche, geistige und seelische Beeinträchtigungen haben insbesondere negative Auswirkungen auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. So sind die Möglichkeiten in ihren privaten sowie beruflichen Leben beschränkt.
Die Arbeitsaufnahme- und Verrichtung sowie Aktivitäten der Freizeit sind nur bedingt wahrnehmbar. Aufgrund ihrer Disparität, d.h. ihrer Andersartigkeit, erleben behinderte Menschen häufig Diskriminierung und Unterdrückung, was zur Folge hat, dass ihre soziale Integration weiterhin erheblich negativ beeinflusst. Despektierliche, d.h. respektlose, beleidigende, Reaktionen der Umwelt führen bei den Behinderten zu Disharmonie, Aggressionen und einem verminderten Selbstwertgefühl gegenüber den Nichtbehinderten. In vielen Fällen hat dies eine soziale Isolation als Folge. Aus diesem Grund sind Menschen mit Behinderungen häufig ihr Leben lang auf die Unterstützung anderer Menschen angewiesen, was sie in ihrer Unabhängigkeit und in ihrem Selbstwertgefühl absichtslos einschränkt. Ihre Andersartigkeit und die Erkenntnis darüber, alltägliche Verrichtungen nicht in gleichem Maße wie nichtbehinderte Menschen ausführen zu können, entfachen bei den Betroffenen oft schwere Depressionen. Das Akzeptieren der eigenen Behinderung ist ein schwerfälliger und fortwährender Prozess. 16
16 Quelle: Mönch-Kalina (2007).
Arbeit zitieren:
Lisa Warsow, 2007, Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Handicaps am Beispiel der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns Schwerin, München, GRIN Verlag GmbH
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