Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Biografie 2
1.1 Kindheit und Jugend im Dritten Reich (1921-1941) 2
1.2 Kriegszeit (1941-1945) 3
1.3 Studium und Aufbruch (1945-1960) 3
1.4 Hochschule und Öffentlichkeit (1960-1975) 5
1.5 Internationale Präsenz und Preise (1975-1986) 7
2. Kunst und Intervention 9
2.1 Erweiterter Kunstbegriff 9
2.2 Bedeutung und Hintergrund der Sozialen Plastik 10
3. Schlussbetrachtung des Nutzens des Werks von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit 14
Quellenverzeichnis 16
Einleitung
Joseph Beuys war ein deutscher Zeichner, Aktions- und Objektkünstler. Zu seinen Bemühungen zählten die Einigung von Natur und Geist in der Kunst, sowie sein politisches Engagement. Grundlage war seine Vorstellung, die Kreativität auf alle Bereiche des Lebens anzuwenden. 2 Sein Werk umfasst damit im Wesentlichen vier Bereiche: Aktionen, plastische Werke (Zeichnungen und Objekte), Kunsttheorie und politische Aktivitäten. Er gilt bis heute weltweit als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. 3
Eingangs habe ich seine oft diskutierte und häufig falsch interpretierte Aussage „Jeder Mensch ist ein Künstler“ dargestellt. Joseph Beuys erklärte selbst in einem Gespräch mit Louwrin Wijers: „Das heißt, an den Arbeitsplätzen, im Krankenhaus, in der Industrie, bei der Eisenbahn, auf der Universität, das müßte sozusagen ein neuer Kreativitätsbegriff da sein, der aber die Konsequenz hat, daß man dieses System versteht. Das ist der Anthropologische Kunstbegriff, der einen auch berechtigt zu sagen: Jeder Mensch ist ein Künstler. Denn ich sage doch nicht: Jeder Mensch kann ein Rembrandt sein.“ Er meinte damit also nicht, dass jeder Mensch ein Maler oder Bildhauer sein könnte, sondern, dass jeder Mensch kreative Fähigkeiten besitzt und diese sollten erkannt und ausgebildet werden. 4 Joseph Beuys bezog sich damit auf den Begriff der Lebenskunst, wie auch im folgenden Zitat deutlich wird: „Sie sollten erst einmal darüber nachdenken, wie sie sich als Mensch überhaupt selber empfinden...“ 5
In dieser Arbeit werde ich mich genauer mit Kunst und Intervention im Bereich der Sozialen Arbeit befassen. Dies geschieht beispielhaft am Künstler Joseph Beuys und seiner Sozialen Plastik. Meine Forschungsfrage lautet: Welchen Nutzen hat das Werk von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit?
Meine Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut. Zunächst werde ich im ersten Teil der Arbeit kurz die Biografie von Joseph Beuys darstellen, um ihn und seine Kunst besser verstehen zu können. Der zweite Teil bezieht sich auf Kunst und Intervention und damit verbunden auf den Erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys, der zur Sozialen Plastik führte. Im letzten Teil werde ich eine Antwort auf die Frage geben, welchen Nutzen das Werk von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit hat.
2 vgl. Who´s who 2010, Internetquelle
3 vgl. Bocola 1997, S. 503
4 vgl. Stachelhaus 1993, S. 78
5 vgl. Beuys-Organisation 2010, Internetquelle
1
1. Biografie
1.1 Kindheit und Jugend im Dritten Reich (1921-1941)
Joseph Beuys wurde am 12. Mai 1921 in Krefeld als Sohn der Johanna Maria Margarete Beuys geb. Hülsermann und des Kaufmanns Joseph Jakob Beuys geboren. Die Familie wohnte in Kleve, da der Vater dort arbeitete. Die Mutter war Hausfrau. Joseph Beuys hatte keine Geschwister. 6 1930 zog die Familie nach Rindern, wo der Vater nun arbeitete. Joseph Beuys hatte keine enge Beziehung zu seinen Eltern. Niemand in seiner Familie hatte künstlerische Begabungen. Der Vater war streng und korrekt und die Mutter eher zurückhaltend und hielt sich in der Familie im Hintergrund auf. 7 Die Familienverhältnisse lassen sich als bescheiden und bürgerlich beschreiben. Die Eltern waren streng katholisch. Somit wurde Joseph Beuys durch religiöse Symbole, Rituale und moralische Werthaltungen geprägt.
Joseph Beuys besuchte von 1927 bis 1932 die katholische Volksschule. Anschließend besuchte er bis 1941 das „Staatliche Gymnasium Kleve“, welches er mit dem Abitur verließ. 8 Während seiner Schulzeit blieb er einmal sitzen und folgte einmal einem Wanderzirkus, woraufhin er anschließend ein Jahr zurückgestuft wurde. 9 Joseph Beuys hat während seiner Schulzeit viele naturwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche und künstlerische Impulse bekommen. Er hat viel gelesen, geforscht, musiziert und gezeichnet. Ebenso zeigte er ein Interesse für nordische Geschichte und Mythologie. 10 Gelesen hat er vor allem Werke von Johann Wolfgang von Goethe, Schiller, die romantische Literatur, Hölderlin, Novalis und die skandinavischen Dichter, vor allem Hamsun. Edvard Munch interessierte ihn als Maler besonders. Erik Satie und Richard Strauss schätze er als Komponisten. Philosophisch interessierte er sich für Sören Kierkegaard. 11 Er nahm Cello- und Klavierunterricht und wurde zudem stark von der niederrheinischen Landschaft geprägt. 12
Joseph Beuys wollte zunächst Kinderarzt werden. 13 Drei Jahre vor seinem Abitur lernte er den in Kleve ansässigen Bildhauer Achilles Moortgat kennen, den er häufiger in seinem Atelier besuchte. Bedeutend für Joseph Beuys war vor allem die erste Begegnung mit dem Werk des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck, durch einen Katalog über Reproduktionen von Skulpturen Lehmbrucks. 14 Durch nationalsozialistische Propaganda für die Luftwaffe, entwi-
6 vgl.Beuys-Organisation 2010, Internetquelle
7 vgl. Stachelhaus 1993, S. 9
8 vgl. Gieseke/Markert 1996, S. 13-14
9 vgl. Stachelhaus 1993, S. 12
10 vgl. Gieseke/Markert 1996, S. 29
11 vgl. Stachelhaus 1993, S. 19
12 vgl. Stachelhaus 1993, S. 14-15
13 vgl. Kunstmarkt 2010, Internetquelle
14 vgl. Stachelhaus 1993, S. 15
2
ckelte Joseph Beuys ein Interesse für diese. 1940 entschied er sich schließlich zur Berufslaufbahn in der Luftwaffe. 15
1.2 Kriegszeit (1941-1945)
Von 1941 bis 1945 leistete Joseph Beuys Kriegsdienst. Er war Bordfunker und Sturzkampfflieger. 16 Sein Ausbilder, Heinz Sielmann, wurde später ein populärer Tierfilmer. Er war sehr wichtig für Joseph Beuys. Er profitierte von seinem naturwissenschaftlichen Wissen. Sie unternahmen zudem Wanderungen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab. 17 Während der Kriegszeit erlitt Joseph Beuys schwere Verwundungen, u. a. durch einen Flugzeugabsturz mit anschließender Gefangenschaft. Die Eindrücke einer fremden Landschaft wirkten nachhaltig auf ihn ein. 18 Er schuf regelrecht einen Mythos um seinen Absturz. Seine Legende besagte, dass er bewusstlos von Tartaren mit Filz und Fett eingewickelt und so geheilt wurde, was die spätere Wahl und Bedeutung seiner wichtigsten Kunstmaterialien begründen kann. 19 Der Absturz fand im nördlichen Teil der Krim statt. Joseph Beuys erlitt u. a. eine Gehirnerschütterung. Der Pilot starb. Joseph Beuys wurde im mobilen Feldlazarett gepflegt. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für seinen Mythos, wie durch seine Gehirnerschütterung verursachte Phantasie oder (un)bewusste Verarbeitung der Kriegserlebnisse. 20
1945 kehrte Joseph Beuys aus dem Krieg zurück nach Kleve. Er wohnte zunächst bei seinen Eltern. Bereits während des Krieges hatte er an die „Preußische Akademie der Künste“ in Berlin geschrieben. Auch seinen Eltern hatte er mitgeteilt, dass er Bildhauer werden wolle. Der Wandlungsprozess vom Berufssoldaten zur Kunst hatte somit schon während des Krieges stattgefunden. 21
1.3 Studium und Aufbruch (1945-1960)
Seit 1945 beschäftigte sich Joseph Beuys u. a. mit dem Werk von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Er war insbesondere von dessen naturwissenschaftlichen Kenntnissen beeindruckt. Rudolf Steiner war bedeutend für seine spätere Idee der Sozialen Plastik, worauf ich noch näher eingehen werde. 22
15 vgl. Gieseke/Markert 1996, S. 41-42,
16 vgl. Beuys-Organisation 2010, Internetquelle
17 vgl. Stachelhaus 1993, S. 21
18 vgl. Beuys-Organisation 2010, Internetquelle
19 vgl. Kunstmarkt 2010, Internetquelle
20 vgl. Gieseke/Markert 1996, S. 76
21 vgl. Gieseke/Markert 1996, S. 121
22 vgl. Beuys-Organisation 2010, Internetquelle
3
Arbeit zitieren:
Ivonne Schachtschneider, 2011, Kunst und Intervention im Bereich der Sozialen Arbeit am Beispiel von Joseph Beuys und der Sozialen Plastik, München, GRIN Verlag GmbH
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