Dadurch wird Ideologie auch heute noch als ein weltfremdes Denken, welches keinen Wahrheitswert besitzt, verstanden.
Hinter Utopie und Ideologie stehen unterschiedliche Ideen bzw. Vorstellungen. Der Unterschied soll anhand eines Beispiels deutlich werden.
Menschen, welche innerhalb ihrer Religion hohe, ideale Ziele verfolgen, hängen einer Utopie nach. Dient die Religion jedoch nur noch der Vertröstung auf das Jenseits, um die Nöte und Laster des Diesseits ertragen zu können, wird die Realität verschleiert; man spricht von Ideologie.
Ein weiteres Beispiel, welches in Anlehnung an Schillers Odé an die Freude wie folgt aussieht: Alle Menschen werden Brüder vs. Alle Menschen sind Brüder
Das erstere meint eine Utopie, das andere eine Ideologie, denn wir wissen, dass der Satz nicht der Wahrheit entspricht.
Neben der Utopie, wie Francis Bacon sie in Nova Atlantis beschreibt oder der ideale Staat aus Morus‘ Utopia, stehen auch andere, sogenannte schwarze Utopien (Distopien). Während die ersteren ausschließlich eine mit positiven Attributen ausgeschmückte Gesellschaft zeichnen, zeigen schwarze Utopien die Schattenseiten von Technik, Macht und Fortschritt. Sie zeigen uns, wohin es unsere Gesellschaft führen kann, wenn man die negativen Aspekte außer Acht lässt.
Vertreter schwarzer Utopien sind z.B. Bradburys Fahrenheit 415, Huxleys Schöne neue Welt und Orwells 1984.
Außerdem kann man die sogenannten märchenhaften Utopien von den ersteren abgrenzen. Dazu zählt zum Beispiel das Schlaraffenland der Gebrüder Grimm, welches eine „ideale“ Gesellschaft mit Stilmitteln des Volksmärchens präsentiert.
Es fand ein Umbruch im klassischen Griechenland statt. Rivalitäten, Tyrannei, Oligarchie und die Schriften von Homer wurden von den Sophisten „abgelöst“, welche in Athen wirkten und ihre Lehren, anders als Sokrates, gegen Bezahlung preisgaben.
Sie stellten die alte Ordnung mit rhetorisch geschmückten Reden in Frage. Dadurch brachten die Sophisten die übrige hellenische Bevölkerung in Verunsicherung. Sie stellten den Mensch in den Mittelpunkt und nicht länger die Götter. Gorgias von Leontinoi, welcher postulierte „es gibt keine Wahrheit“ zeigt, in welcher Form Sophisten die „alte Ordnung“ in Frage stellten. Gorgias Thesen sagen also zum einen, nichts würde existieren, zum anderen würde etwas existieren, so wäre dies für uns nicht erkennbar und selbst wenn wir es erkennen könnten, so sei es uns doch nicht zugänglich.
Alte Gewissheiten enden in der Zeit des Umbruches und es stellt sich auch die Frage, wie man in Athen leben soll. Utopische Vorstellungen entspringen also aus einer Kritik heraus, welche den momentanen Zustand der Gesellschaft trifft.
Sokrates, Platon und auch Aristoteles stehen den Sophisten gegenüber. Sie glauben nicht die Wahrheit zu kennen und weise zu sein, sondern suchen, ihrer Berufung entsprechend, nach Wahrheit und Weisheit.
Vor allem Sokrates (ca. 470 bis 399 v. Chr.) 3 stieß mit seiner „Hebammenkunst“ gegen die Sophisten auf, in dem er sie durch Fragenstellen überführte. Die Lehren Sokrates‘ sind uns jedoch nur durch Niederschriften einiger seiner Schüler bekannt, allen voran Platon selbst. So bleibt bis heute fragwürdig, welche Inhalte wirklich von Sokrates selber stammen und inwieweit Platon seine eigenen Ideen in Sokrates‘ Lehre eingebunden hat. Es wird vermutet, dass die Platonischen Frühdialoge dem historischen Sokrates am nächsten kommen 4 .
Hügli & Lübcke. Philosophielexikon. 1997. S. 582 Hügli & Lübcke. Philosophielexikon. 1997. S. 495
Arbeit zitieren:
Mendina Morgenthal, 2010, Utopie und Ideologie - Eine Einführung, München, GRIN Verlag GmbH
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