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1. Einleitung
In dieser Arbeit befasse ich mich mit der italienischen Jugendsprache und werde diese näher erläutern. Zunächst einmal werde die Entwicklung der jugendspezifischen Sprache aufzeigen und den Begriff an sich erklären. Anschließend werde ich auf besondere Ausdrücke des Sprachgebrauchs der Jugendlichen eingehen. Dabei werde ich unter anderem Jugendsprache auf die Motivation als auch auf die Funktion der Sprecher der Jugendsprache untersuchen. Daran werde ich dann bestimmte Eigenschaften der Jugendlichen aufzeigen, welches unter Berücksichtigung verschiedener Kommunikationsbedinungen geschieht. Des Weiteren werde ich die wichtigsten Bestandteile aus anderen Varietäten des Italienischen darstellen, sodass nachvollzogen werden kann, wie sich die Jugendsprache zusammensetzt. Auch die verschiedenen Ebenen der italienischen Sprache finden sich in meiner Arbeit wieder. Im zweiten Teil der Arbeit befasse ich mich mit dem Wortschatz der Jugendsprache sowie mit der Bildung dieser durch das „Handwerkzeug“ der Sprache wie z.B. Prä- und Suffigierung und Ähnliches. Zum Schluss der Arbeit folgen ein paar Beispiele aus der Semantik, um dortige Besonderheiten des Jugendsprachwortschatzes zu zeigen.
2. Hauptteil
2.1. Jugendsprache - Eine Varietät
2.1.1. Entstehung der Jugendsprache
Erst seit geraumer Zeit wird der Jugend in Italien eine eigene Sprache zugesprochen. Seit den 70er Jahren gibt es zwar Wortschatzsammlungen, die der Jugendsprache zugeordnet wurden, jedoch fanden diese in fachlichen Kreisen wenig bis keine Beachtung. Eine jugendspezifische Varietät der italienischen Sprache wird den Jugendlichen erst in den 80er Jahren anerkannt. Auch mit dem Fortschritt der Zeit ist das Sprachverhalten der Jugendlichen noch nicht vollständig dargestellt und findet seinen Hauptträger in den Massenmedien (Radtke 1993, 128-131).
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2.1.2. Italienische Jugendsprache - Wortklärung
Es stellt sich die Frage, inwiefern die Sprache der Jugendlichen in Italien eingeordnet werden kann. Die Form als eine überregionale Umgangssprache in Anlehnung an das italiano parlato erscheint hierbei am sinnigsten. Charakteristisch hierfür ist das leichte Verständnis der Sprache und sich von bestehenden Normen abwendet sowie Formen bildet, die auch im italiano comune zu finden sein könnten. Parallel dazu existieren Gemeinsamkeiten zum italiano popolare, der niederen Volkssprache in Italien.
Es gibt jedoch auch einen politischen Ansatz als Erklärung für die Entwicklung der italienischen Jugendsprache. Demnach entstand bei den politischen Bewegungen, der Jugendrevolte in Bologna 1977 und der contestazione 1986, das sogenannte Protestvokabular und trug maßgeblich zur Entwicklung der jugendspezifischen Sprache bei (Radkte 1993, 158-159).
2.1.3. Warum gibt es eine Jugendsprache?
Jugendliche wollen sich abgrenzen und greifen daher auf ihren eigenen Sprachgebrauch zurück. Sie können nicht als „enità omogenea“ betrachtet werden, sondern hier ist und muss die Rede von „‘segmenti di giovanile‘“ 1 sein (Banfi 1994, 152). Das bedeutet, dass die Untergruppen der Jugendlichen sich an verschiedene Muster halten. Das kann zum Beispiel die Musik oder die Kleidung sein, die die Sprache nachhaltig beeinflussen (Banfi 1994, 154). Das eine Gruppe von Jugendlichen nun eine eigene Sprache verwendet, hat drei Ursachen: zum einen will man sich bewusst von der Außenwelt abgrenzen und zum anderen ist es ein klares Zeichen des inneren Zusammenhalts. Des Weiteren behauptet sich der Einzelne innerhalb der Gruppe und erfüllt seine Rolle in dieser durch die Sprache (Sobrero 1992, 47).
2.1.4. Besonderheiten
Wie wohl in jeder Sprachenvarietät sind die Sprecher der Jugendsprache keine homogene Einheit und kann so mit dem Begriff „Heterogenität“ beschrieben werden. Die Heterogenität bezieht sich ins Besondere auf die „compresenza di elementi di provenienza diversa“ (Còveri 1988b, 233). Die Wörter werden nicht nur
1 Als wichtigste Unterscheidungskriterien nennt E. Banfi Alter, städtischesoder ländliches Umfeld, soziales Umfeld, Bildungsgrad, Zugang zu Kulturgütern und ideologische Orientierung der Jugendlichen (Banfi 1994, S.152).
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aus den Elementen der anderen Varietäten übernommen, sondern es handelt sich hierbei auch um Wortbildungsverfahren. Diese Wortbildungen werden auch in den Sprachgebrauch der Jugendlichen übertragen (Còveri 1988b, 233). Einer der größten Unterschiede der Jugendsprache im Vergleich mit der Sprache der Erwachsenen ist „una forte accelerazione dellla dinamica linguistica“ sowie die daraus folgende „labilità di molte forme“. Genauso wie Modeerscheinungen 2 kommen und gehen, entstehen und verschwinden auch Teile der Jugendsprache (Banfi 1994, 155).
Dass Sprache auch spielerisch verändert werden kann, zeigt die „deformazione giacosa“ oder aber auch „la violazione ironica di certe attese conversazionali o di formule stereotipe“ (Cortelazzo 1994, 295).
Andere natürliche Faktoren wie Nähe, Vertrautheit und Privatsphäre oder auch Spontanität zeigen auf, dass die Jugendsprache dem Konzept des Nähesprechens folgt und der Nähediskurstradition entspricht (Radtke 1993b, 209). 3 Die Häufigkeit der vorher genannten Merkmale ist das wohl größte Unterscheidungskriterium zur Umgangssprache (Cortelazzo 1994, 317).
2.1.5. Aus welchen Teilen setzt sich die Jugensprache zusammen?
Die Heterogenität besagt, dass Ebenen von verschiedenen Varietäten und Varianten des Italienischen nebeneinander einhergehen. Laut Sobrero gibt es in den Varietäten der Jugendsprache fünf Komponenten. Dazu zählen das italiano colloquiale informale als Basis, die dialektale Ebene der gerghi ‚tradizionali‘, die Ebene der gerghi ‚innovanti‘ und eine Ebene der Sprache der Werbung sowie der Medien (Sobrero 1993, 99). Cortelazzo hat dies noch um eine Ebene erweitert, nämlich um die Ebene der Elemente aus den Fremdsprachen (Cortelazzo, 1994, 293).
Die Basis für die Jugendsprache ist das italiano colloquiale, was sich dadurch ergibt, dass „le interazioni linguistiche tra giovani (…) per lo più a livello di parlato informale“ erfolgen und schlussfolglich nicht auf dem italiano standard basieren.
2 Beispiel hierfür ist das sogenannte paninarese (Banfi 1994, 155), die Sprache einer Gruppe von Jugendlichen in Mailand in den achtziger Jahren, benannt nach ihrem Treffpunkt, einer Bar namens „Panino“. Überregionale Verwendung haben gewisse Ausdrücke dank einem starkenMedieninteresse gefunden (Cortelazzo 1994, 310).
3 Zu den Kommunikationsbedingungen der Nähediskurstradition siehe Koch/Oesterreicher 1990, S. 8-12.
Arbeit zitieren:
Franka Röder, 2011, Italienische Jugendsprache - Ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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