Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. „Nachhaltigkeit“ - ein Begriff „macht Karriere“ 3
3. Das Drei-Säulen-Modell. 5
4. Die Ausgangslage - oder wieso Nachhaltigkeit? 6
4.1. Der Klimawandel. 6
4.2. Fossile Energieträger sind endlich. 7
4.3. Die Biodiversität 8
5. Eine Welt mit Nachholbedarf. 9
5.1. Aufstieg und Abstieg zugleich - neue Verbraucher und mehr Armut. 10
5.2. Sicherheit und Frieden - Nachhaltigkeit als Friedenspolitik. 10
6. Ein Ende des Wachstums. 10
6.1. Reduktion und Rebound. 12
6.2. Eine Zukunft ohne Wachstum? 12
7. Fazit. 13
Literaturverzeichnis. 14
2
1. Einleitung
Diese Arbeit geht der Frage nach, was unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist. Von einer Klärung des Begriffes ausgehend wird das so genannte Drei-Säulen-Modell beschrieben, im Anschluss daran wird die Frage gestellt, wieso Nachhaltigkeit nötig ist. Dabei wird die ökologische und ökonomische Ausgangslage, in der sich die Welt im Moment befindet, dargelegt. Besonders Augenmerk liegt auf dem Klimawandel, den fossilen Energieträgern und der Biodiversitätskrise. Das nächste Kapitel befasst sich mit neuen Verbrauchern und der Friedensperspektive von Nachhaltigkeit. Abschließend wird die Wachstumsideologie der modernen Wirtschaftswissenschaften in Frage gestellt. Nachhaltigkeit wird hier abschließend nicht mehr als Frage des eigenen Gustos und Modebegriff verstanden, sondern als grundlegendes Zukunftskonzept, welches alternativlos ist.
2. „Nachhaltigkeit“ - ein Begriff „macht Karriere“
Der Begriff Nachhaltigkeit ist mittlerweile zu einem Modebegriff geworden. Alois Glück, ein CSU-Politiker, kritisiert diese Verwendung: „Durch die Verwendung des Begriffs Nachhaltigkeit auch in der Politik besteht mittlerweile die Gefahr, dass es sich hierbei um einen Modebegriff handelt, den man gebraucht, ohne sich immer über jede damit verbundene Konsequenz im Klaren zu sein.“ 1 Tatsächlich finden wir Begriff wie „nachhaltige Unternehmenskommunikation“, „nachhaltige Landwirtschaft“ oder „nachhaltige regionale Entwicklung“.
Der Ursprung des Begriffs „Nachhaltigkeit“ ist in der Forstwirtschaft zu finden. Hans Carl von Carlowitz hat als erster das Prinzip der Nachhaltigkeit formuliert. 2 Er war Oberberghauptmann am kursächischen Hof in Freiberg. Seine Sorge bestand darin, dauerhaft über ausreichende Holzmengen für den Bau von Silberminen zu verfügen. 1713 veröffentlichte er in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica“ das Prinzip nachhaltiger Forstwirtschaft: Es sollten nicht mehr Bäume geschlagen werden als auch nachwachsen können. 3 Das Grundprinzip seines Werks war folglich von den Zinsen zu leben und nicht vom Kapital. Außerhalb der Forstwirtschaft geriet das Prinzip lange in Vergessenheit.
1 Glück, 2001, S. 8.
2 Lexikon der Nachhaltigkeit (online): „Geschichte“, 2010.
3 Lexikon der Nachhaltigkeit (online): „Hans Carl von Carlowitz, 1713“, 2010.
3
Erst der Bericht des „Club of Romes“ 1972 griff die Idee wieder auf. Dabei war der Glaube daran noch vorhanden, dass wir die Umweltprobleme noch in den Griff zu bekommen könnten: „Noch hat die Menschheit die Chance, durch ein auf Zukunft bezogenes gemeinsames Handeln aller die Lebensqualität zu erhalten und eine Gesellschaft im weltweiten Gleichgewicht zu schaffen, die Bestand für Generationen hat.“ 4 Der Brundtland-Report der Vereinten Nationen ist das nächste wichtige Dokument, in dem der Begriff Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt. Ein ganzes Kapitel ist „sustainable development“ gewidmet. Dort wird auf das politische, ökonomische, soziale, technologische, administrative und internationale System eingegangen, welches für nachhaltige Entwicklung notwendig ist. „In its broadest sense, the strategy for sustainable development aims to promote harmony among human beings and between humanity and nature.“ 5 Der Begriff Nachhaltigkeit hat spätestens mit dem so genannten Brundtland-Report international „Karriere gemacht“.
Ein Meilenstein in der Umweltpolitik war die Umweltkonferenz von Rio de Janeiro von 1992. In einem der Abschlussdokumente, bestehend aus 27 Artikeln, wird 13 Mal der Begriff „nachhaltig“ verwendet. In Grundsatz 4 heißt es beispielsweise: „Damit eine nachhaltige Entwicklung zustande kommt, muss der Umweltschutz Bestandteil des Entwicklungsprozesses sein und darf nicht von diesem getrennt betrachtet werden.“ 6 Deutlich sind in diesem Dokument Ziele des Umweltschutzes mit ökonomischen und sozialen Zielen verknüpft. 7
In Deutschland hat die Bundesregierung unter Gerhard Schröder 2001 den „Rat für Nachhaltige Entwicklung eingesetzt, der eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Bundesregierung erarbeiten und Handlungsempfehlungen aussprechen soll. Die Definition des Rates von Nachhaltigkeit lautet: „Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben." 8 Diese Definition enthält bereits die Idee des Drei-Säulen-Modells, auf das im folgenden eingegangen wird.
4 Meadows, Dennis et al., 1972, S.188.
5 United Nations, 1987.
6 United Nations, 1992, S. 1,
7 United Nations, 1992.
8 Rat für nachhaltige Entwicklung (online): Was ist Nachhaltigkeit?
4
3. Das Drei-Säulen-Modell
Das Drei-Säulen-Modell stellt ökologische und soziale Verträglichkeit sowie Wirtschaftskraft nebeneinander. Alle drei Aspekte sind dabei gleichwertig. Dieses Modell wird stark kritisiert, da es erlaubt, im Namen umfassender Nachhaltigkeit ökologische Erfordernisse zu relativieren und wenn nötig dem Wachstumsimperativ unterzuordnen. Es verkennt die Absolutheit ökologischer Grenzen. Auf der anderen Seite hat es Nachhaltigkeit und damit Ökologie in einer nie dagewesenen Art zu einer zentralen Säule erklärt. In einer grundlegenden Studie definieren der BUND, der evangelische Entwicklungsdienst und Brot für die Welt die Nachhaltigkeit folgendermaßen: „Die Wirtschaftsdynamik innerhalb von ökologischen und menschenrechtlichen Leitplanken zu halten ist als das Kernprogramm der Nachhaltigkeit zu begreifen.“ 9 Die Autoren betonen weiter, dass die Ideologie des Neoliberalismus, die den Markt vor die Politik setzt, hierbei nicht funktionieren kann. Der Markt ist blind für Ökologie und Gerechtigkeit, daher ist ein Primat der Politik notwendig, dies erfordert ein grundsätzliches Umdenken. Es muss der Grundsatz gelten: Gemeinwohl vor Markt. Darin sehen die Autoren auch eine Chance für die Wirtschaft: „Neue Spielregeln treiben Innovationen in eine neue Richtung, erschließen neue Bereiche des Wettbewerbs, ja können der Wirtschaft eine neue Glaubwürdigkeit verschaffen.“ 10 Franz Josef Rademacher, ein Mitglied des Club of Rome, betont, dass es Alternativen zum Neoliberalismus gibt, er sieht sie im europäischen Marktmodell, im Rheinischen Kapitalismus, in einer ökosozialen Marktwirtschaft, einem ausbalancierten Markt. 11
Das Drei-Säulen-Modell gilt als das übereinstimmende Analysekonzept der Nachhaltigkeitsforschung, es ist auch Grundlage für Handlungsempfehlungen in nationalen und internationalen Gremien. 12 Daneben gibt es noch das Pentagramm der Nachhaltigkeit oder auch Fünf-Säulen-Modell der Universität Osnabrück, welches der Nachhaltigkeit neben sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Säulen noch kulturelle und politischinstitutionelle Säulen hinzufügt. 13
9 BUND et al., 2008, S. 26.
10 BUND et al., 2008, S. 27.
11 Vgl. Rademacher, 2003, S. 91.
12 Massarrat, 2006, S. 143
13 Massarrat, 2006, S. 147f.
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Arbeit zitieren:
M. A. Silke Herzer, 2011, "Nachhaltigkeit" - Die Menschheitsaufgabe für dieses Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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