Inhalt
Vorwort 4
1 Einleitung 5
2 Die Entwicklungsgeschichte des Voodoo in Haiti 6
2.1 Zwischen den Kontinenten 6
2.1.1 Der europäische Sklavenhandel 6
2.1.2 Unterdrückung im amerikanischen Exil 7
2.1.3 Katholizismus - Maske des Voodoo? 9
2.2 Revolte der Sklaven auf Haiti 11
2.2.1 Verlauf der Revolte in Haiti 11
2.2.2 Auswirkungen der Freiheitskämpfe für die gläubigen Sklaven 13
Die Loas - Vertreter des „Guten Gottes“
3 15
3.1 Die Loas 15
3.2 Die Rada- und Petro-Geister 17
4 Die Beziehung zwischen Mensch und Geistern 19
4.1 Die religiöse Gemeinde 19
4.1.1 Die Priester - Elterliche Figuren in der Religionsgemeinschaft 19
4.1.2 Die Mitglieder der Voodoo - Société 20
4.1.3 Der Tempel als religiöses Zentrum der Gläubigen 21
4.2 Religiöse Rituale 22
4.2.1 Die Trance als Akt der Besessenheit 22
4.2.2 Die Prozedur der Initiation 24
2
4.2.3 Opferzeremonien - Blut als heiliger Stoff 25
5 Schaden und Nutzen durch Magie 28 5.1 Die Magie 28
5.2 Die Schwarze Magie 28
5.3 Die Weiße Magie 31
6 Schlussteil 33
Anhang 34 Anlagen 35
Interview mit Wolfgang Loh 42
Sachregister 46
Literaturverzeichnis 49
Quellenverzeichnis 50
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Vorwort
Besonderer Dank geht an unsere Außenbetreuerin Frau Doktor Astrid Reuter, die uns bei unserer Erarbeitung vielfältige Hinweise und Ratschläge gegeben hat. Zusätzlich danken wir Herrn Wolfgang Loh, der zwei Jahre in Brasilien lebte und selbst an einer Voodoozeremonie teilnahm. Daraus ergab sich für uns die Möglichkeit unser Wissen durch ein Interview mit einem Experten zu erweitern. Weiterer Dank gilt unserer Seminarfachlehrerin Frau Hornung, die uns mit Rat und Tat, hinsichtlich der Theorie des wissenschaftlichen Arbeitens, zur Seite stand.
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1 Einleitung
Am Anfang unserer Arbeiten zur Seminarfacharbeit hatten wir zahlreiche Ideen für Themen. Nach mehrfachen Überlegungen und Anraten unseres Seminarfachlehrers wollten wir ein Thema wählen, dass sich dem Rationalen entzieht. Deshalb änderten wir unser ursprüngliches Thema und wählten „Voodoo - Schwarze Magie oder Hokuspokus?“.
Voodoo ist eine polytheistische Religion, die heute größtenteils in Haiti praktiziert und vom Staat auch anerkannt wird. Sie dient dem praktischen Gebrauch der Menschen und befasst sich hauptsächlich mit den Belangen der Erde und weniger mit denen des Himmels. Die Voodooreligion besitzt keine festgelegten Schriften, diese Tatsache begründet sich durch den Analphabetismus der verschifften Sklaven, die die Religion nach Haiti brachten. Entgegen zahlreicher Meinungen, dass Voodoo ein schädigender Kult sei, ist es unser Anliegen den Voodoo authentisch zu beschreiben, so dass sich die Leser ein objektives Bild über die Religion machen können.
Der Rahmen unserer Arbeit begrenzt sich, mit Ausnahme unseres Interviews mit Wolfgang Loh, auf den Voodoo in Haiti. Wir beschränken uns in unseren Ausführungen auf Haiti, weil dorthin der Voodoo primär exiliert wurde und zur Blüte gelangte.
Aufgrund unseres Wissens, dass die Voodooisten auch katholische Elemente mit ihrer Religion vereinen, stellte sich uns die Frage, ob der Katholizismus zur Tarnung der Voodooreligion dient. Von ebenso großer Bedeutung erschien uns die Klärung der hauptsächlich verehrten Götter und praktizierten Rituale.
Wir hoffen, dass wir mit unserem Anliegen das erwünschte Ziel erreichen und die Leser aufklären.
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2 Die Entwicklungsgeschichte des Voodoo in Haiti
2.1 Zwischen den Kontinenten
2.1.1 Der europäische Sklavenhandel
Im Jahre 1492 eroberte Christoph Kolumbus die zweitgrößte Insel der Antillen und gab ihr den Namen Hispaniola, das sich aus isla española („Spanische Insel“) zusammensetzt. Das westliche Gebiet Hispaniolas - das heutige Haiti - wurde 1697 von den Franzosen annektiert und neu auf den Namen Saint-Domingue getauft. Der Ostteil (heute Dominikanische Republik) blieb unter spanischer Herrschaft. Die französischen Besatzer verfolgten den Ausbau von Zuckerrohrplantagen, dieses Ziel erreichten sie auch schnell und somit wurde Saint-Domingue zum weltweit größten Zuckerrohrproduzenten. Mit dem Bedarf an Zuckerrohr stieg gleichzeitig auch der nach Arbeitskräften. Somit verschifften die Franzosen massenhaft afrikanische Sklaven und mit dem Anbeginn deren neuer Leben begann auch die Geschichte des Voodoo in Haiti in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die ersten Sklavenschiffe in Saint-Domingue einliefen. Die meisten dieser Menschentransporte stammten überwiegend aus der Gegend der Bucht um Benin. Dieser Streifen der westafrikanischen Küste wurde bis in die jüngste Zeit als „Sklavenküste“ bezeichnet. Die französischen Sklavenhändler aus Saint-Domingue holten zwar auch Sklaven aus dem Kongo oder aus Angola, sowie aus den Niederlassungen in Senegal und Guinea, aber der größte Teil der jährlichen Sklaventransporte kam aus der bevölkerungsdichten Küste von Dahome und Nigeria. Die gesamte Bucht um Benin bot den Händlern einige Vorteile, die ihnen auch durchaus bekannt waren. Diese Gegend war wie bereits erwähnt sehr dicht besiedelt, was dazu führte, dass die Händler es bei ihren Geschäften um die Sklaven nur mit kleinen Potentaten (regierende Fürsten) zu tun hatten. Jene betrieben schon über einen längeren Zeitraum regen Handel mit den Weißen und sehnten sich nach europäischen Waren, wie zum Beispiel Waffen, Perlen, Stoffe, Metallgeräte und Schnaps. (vgl. Alfred Métraux: Voodoo in Haiti) Der Sklavenhandel wurde somit für die dahomeische Regierung zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine. Diese zog einen großen Nutzen aus den regelmäßigen Raubzügen gegen benachbarte Volksstämme, bei denen Tausende zu Gefangenen gemacht wurden, welche der König dann profitabel an die Weißen verkaufte. Es gab einige Ausnahmen für die, die als Opfer für den Ahnenkult gebraucht wurden oder als Feldsklaven arbeiten mussten. Hinzu kam, dass die enormen Verluste, die durch die Raubzüge in der dahomeischen Bevölkerung entstanden, wieder auszugleichen waren. Im Jahre 1727 zerschmetterte der König von Dahome das kleine König-
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reich Ouidah (das Juda der alten Reiseberichte) und schaffte ein großes Sklavenlager, das bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert von den Sklavenhändlern häufig besucht wurde. Von diesen erkauften Sklaven, die die zwei bis drei Monate auf dem Schiff während der Überfahrt überlebten, gingen etwas mehr als vierzig Prozent in die Karibik (Haiti, Kuba und Jamaika), etwa die gleiche Anzahl wurde nach Brasilien gebracht, ungefähr fünf Prozent nach Amerika und die restlichen in das unter spanischer, französischer und niederländischer Herrschaft stehende Südamerika (siehe S.35 Anlage1)
2.1.2 Unterdrückung im amerikanischen Exil
Nach dem Verkauf der Sklaven auf den westafrikanischen Märkten lag vor den versklavten Frauen und Männern eine monatelange, anstrengende und qualvolle Überfahrt nach Amerika. Viele der Transportierten überlebten diese Torturen nicht.
In den Küstenstädten der amerikanischen Kolonien eingetroffen, wurden sie zum wiederholten Male auf Sklavenmärkten zu preisgünstigen Konditionen wie leblose Ware verkauft. Die Besitzer von Zuckerrohr-, Tabak-, Kaffee- und Baumwollplantagen weiter landeinwärts, die Betreiber der Gold-, Silber-, Kupfer- und Diamantenminen und auch die Gewerbetreibenden der Städte schauten sich unter den neu angekommenen Afrikanern und Afrikanerinnen nach geeigneten Arbeitskräften um. Durch die verschiedenen Arbeitsorte und -bereiche wurden die sozialen und kulturellen Verbindungen zwischen den Versklavten unterbrochen bzw. zerstört und dies hatte erhebliche Folgen für den Prozess der Überlieferung der Kultur und Religion. Denn zumeist sprachen die Sklaven, die gemeinsam auf einer Plantage, in Minen oder in der Stadt als Handwerk- oder Haushaltssklaven arbeiteten, nicht einmal dieselbe Sprache. Sie alle kamen aus unterschiedlichen Strukturen und kulturellen Kreisen, ebenso differenzierten sie sich voneinander in der Herkunft aus ungleichen sozialen Schichten, pflegten unterschiedliche Bräuche und beteten verschiedene Götter und Geister an. So entwickelte sich eine „multikulturelle Schar entwurzelter Menschen, die vielfach nicht mehr als ihre Leidensgeschichte teilten“ 1 , so beschreibt Doktor Astrid Reuter in ihrem Buch „Voodoo und andere afroamerikanische Religionen“ dieses Aufei-nanderprallen der vielen Kulturen unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen auf den Plantagen. Es erwies sich als sehr schwierig Gemeinsamkeiten zu finden oder aus den vielen Aspekten der Religionen und Kulturen neue herzustellen. Der Großteil der versklavten Afrikaner musste auf den Plantagen der Kolonialherren arbeiten. Nur ein kleiner Teil verrichtete seinen Dienst in
1 Dr. Reuter, Astrid: Voodoo und andere afroamerikanische Religionen. München 2003, S. 19
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den Bergwerken und eine geringe Minderheit blieb als Haus- oder Haushaltssklaven in den Städten. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Stadt- und Landsklaven unterschieden sich enorm. Die Ausgebeuteten auf dem Land beziehungsweise auf den Plantagen leisteten härteste Arbeit unter grausamer Behandlung. Die Arbeitszeit zog sich von Sonnenaufgang bis spät in die Nach-stunden hin. Bei nicht ordnungsgemäßer Leistung oder gar Arbeitsverweigerung folgten sofort harte physische Strafen. Wenn sich allerdings der Sklave dem Herrn ohne Widerwillen unterwarf, bestand die Möglichkeit zur Beförderung zum Aufseher und damit einhergehend bessere Kleidung und Nahrung. Weniger leistungsbereite Arbeiter mussten die anstrengendsten Arbeiten verrichten. Die Sklaven besaßen für den Plantagenbesitzer keinerlei Bedeutung. Ihrem Leben in den kleinen Sklavenhütten, ihren Gesellschafts-, Religions- und Kulturvorstellungen wurde kaum Beachtung geschenkt.
Doktor Astrid Reuter geht dennoch davon aus, dass „sich unter den Menschen verschiedener sozialer Herkunft, Sprache, Kultur und Religion, die in den Sklavenbehausungen auf engem Raum zusammenwohnten, durchaus ein dynamisches kulturelles Leben entfaltete“ 2 . Daraus lässt sich schließen, dass auch unter den Afrikanern eine Form von gesellschaftlichen Leben ablief. Es wurde gestritten, es herrschten verschiedene Interessen vor, differente Meinungen wurden geäußert und Vereinbarungen getroffen. Für religiöse Aktivitäten ließ der streng geregelte Arbeitsalltag jedoch kaum Zeit. In einigen Orten trafen sich die Sklaven heimlich nachts. Es wurde getanzt und gesungen, um den Verbindungsabbruch zu den Göttern und Geistern zu verhindern. Dies war allerdings strikt verboten. Im Gegensatz zu dem Leben auf dem Land konnten die Stadtsklaven mehr räumliche Freiheiten genießen.
Da der Handel so florierte, insbesondere in den Küstenregionen, war ein permanentes Interesse an neuen Arbeitskräften vorhanden. Auch viele ländliche Grundbesitzer besaßen noch zusätzlich ein Stadthaus. Diese Haushalte wurden auch von afrikanischen Sklaven unterhalten. Frauen arbeiteten als Ammen, Köchinnen und Wäscherinnen oder liefen Botengänge. Die Männer waren meist Lastenträger, Boostleute oder Handwerker. Einige von diesen Sklaven durften sogar den durch den Verkauf von Blumen, Früchten oder Handwerksprodukten erwirtschafteten Überschuss, nach Abzug der an den Herrn täglich oder wöchentlich zu zahlende festgelegte Summe, behalten. Dadurch schaffte es eine sehr geringe Minderheit dieser „Verdienstsklaven“ sich aus dem Sklaventum freizukaufen. Aber dennoch waren sowohl die städtischen als auch ländlichen Sklaven der ständigen Unterdrückung durch die Kolonialherren ausgeliefert.
2 Dr. Reuter, Astrid: Voodoo und andere afroamerikanische Religionen. München 2003, S. 20
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Denn durch die Sklaverei wurden die Afrikaner ausgebeutet, Familien auseinander gerissen und auch getötet. Auf Flucht von den Plantagen stand nämlich die Exekution durch französische Kolonialsoldaten.
2.1.3 Katholizismus - Maske des Voodoo?
Einhergehend mit der Kolonisation Amerikas war die Christianisierung auch ein für die Eroberer erklärtes Ziel und gleichzeitig auch ein Vorwand für die Annexion neuer Kolonien. In den britischen Kolonien Nordamerikas gewann vor allem der protestantische Glaube an Bedeutung, demgegenüber stand der Katholizismus, der in den spanischen, portugiesischen und französischen Kolonien in der Karibik und Südamerikas missioniert wurde. Hingegen den Vorstellungen Roms verbreitete sich jedoch nicht der offizielle katholische Glaube, sondern eher der spanisch-portugiesische Volkskatholizismus. Dieser Glaube ist auf der iberischen Halbinsel tief verwurzelt und sehr populär, in dem sich ein kompliziertes Wallfahrtswesen widerspiegelte. Ein wichtiges Element ist die Verehrung vieler Heiliger und Märtyrer, die als Verbindung zwischen Erde und Himmel beziehungsweise Mensch und Gott wirkten. Ihre Lebensgeschichten beinhalteten meistens zahlreiche Geheimnisse, weshalb sich um sie viele Legenden kreisten. Auf Haiti festigte sich der Katholizismus, der mit dem der römisch-orthodoxen Kirche nicht viel gemein hatte. Zum einen waren die französischen Missionare kaum theologisch ausgebildet, zum anderen endete der Kontakt zwischen Haiti und Rom mit der durch die Revolte erreichten Unabhängigkeitserklärung 1804 für fast sechzig Jahre. Durch die Missionierung der katholischen Kirche ergaben sich unbeabsichtigt von Rom neue Freiräume für die afrikanischen Sklaven. Sie nutzten diese als Vorwand für ihre eigenen religiösen Praktiken. Im Gegensatz zum Protestantismus schuf der iboamerikanische Katholizismus eine große Zahl von Heiligen, er beinhaltete zudem noch Vorstellungen von der „magischen“ Wirksamkeit rituellen Handelns, war geprägt durch Bilder von Engel und Dämonen und Schilderungen der sinnlichen Freuden und Qualen von „Himmel“ und „Hölle“. Ebenso ein wichtiges Element war seine ausgeprägte Liturgie (amtliche oder gewohnheitsrechtliche Form des Gottesdienstes).
Dieser Glaube schuf für die Afrikanerinnen und Afrikaner sehr viele Verbindungspunkte für ihre religiösen Traditionen, ganz im Gegensatz zum strengeren protestantischen Glauben. Die Missionierung fokussierte sich anfänglich nur auf die „indianische“ Urbevölkerung. Die Bekehrung der Sklaven erweckte zunächst kein großes Interesse, zwar erließ der Papst die Instruktionen alle Neuankömmlinge taufen zu lassen, doch nach den zahlreichen Massentaufen verloren sich die missionarischen Ziele wieder im Sand. Dadurch ließen sich die Afrikaner auch kaum in ihrer
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Religion beeinflussen, da die Taufen keinen großen Eindruck bewirkten. Aber der Volkskatholizismus aus Iberien veränderte den Lebens- und Arbeitsrhythmus bei Land- und Stadtsklaven. Am Sonntag, dem Tag des Herrn und an allen katholischen Festtagen wurde die Arbeit eingestellt. Die weißen Familien gingen in den Gottesdienst und die Sklaven durften diesen auf dem Vorplatz der Kirche oder der plantageneigenen Kapelle verfolgen. Durch diese Feiertage erhielten sie - zwar zeitlich begrenzt - Freiräume, wodurch eine Wiederherstellung ihrer religiösen Traditionen und Rituale aktiviert wurde. Zwar beobachtet vom Plantagenbesitzer oder vom katholischen Priester durften sie in ihren Hütten legal tanzen, singen und dazu wild trommeln. Die Weißen erkanten meist nicht den Zweck dieser Tänze, Gebete und Gesänge, nämlich den religiösen Aspekten eine Basis zu geben, um ihren Ritualen nachzugehen, in denen sie Götter, Geister und Ahnen Afrikas anbeteten. Somit hatten die Versklavten eine Nische gefunden in der sie ihren religiösen Verpflichtungen nachkommen konnten. In den Städten boten diese Lücke sogenannte cabildos beziehungsweise cofradias oder irmandades durch die sich die Chance bot sich sozial und religiös zu reorganisieren. Diese ähneln europäischen Zünften oder Gilden. Die cofradias begaben sich unter das Protektorat ihres Heiligen und verehrten ihn angemessen. Sie trafen sich zum gemeinsamen Gebet, baten um Beistand bei alltäglichen Sorgen und um Fürbitte bei Gott. Auch die Sklaven und Sklavinnen mussten diesen „Bruderschaften“ beitreten. Die Ei-nordnung erfolgte unbeliebig in die „schwarzen“ Bruderschaften, denn es wurden ethnischkulturelle Differenzen der Sklaven. Kolonialbeamte, Sklavenbesitzer und Geistliche bemühten sich Afrikaner derselben Herkunftsregion zu vereinen. (vgl. Doktor Astrid Reuter: Voodoo und andere afroamerikanische Religionen)
So entwickelte sich allmählich durch Gemeinsamkeiten, seien sie nun ethnischer, sprachlicher oder kultureller Art, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Bis zu einen gewissen Punkt konnten diese Bruderschaften sogar autonom agieren. Sie wählten einen Vorsteher, der nach außen als Repräsentant dient und innerhalb mit richterlichen, sozialen und priesterlichen Funktionen wirkten. Die Kirche bezweckte einen weiteren Missionierungsweg mit diesen Bruderschaften, die theoretisch der Heiligenverehrung dienen sollten. Diese cofradias beziehungsweise irmandades besaßen wichtige Bedeutung für die religiöse Synkretisierung, also die Verknüpfung religiöser Traditionen afrikanischer Herkunft mit europäischen. Die Verbände wurden der Leitung eines katholischen Priesters unterstellt. Er vollzog die Messe an Sonn- und Feiertagen, gab Katechismusunterricht und betete Rosenkränze. Auch den „schwarzen“ Bruderschaften dienten als Schutzpatronen katholische Heilige oder die Gottesmutter Maria. Dadurch gelangten katholische Liturgieelemente in die religiösen Aktivitäten der Afrikaner. Öfters konnte man auch Parallelen zwischen katholischen Heiligen und Göttern der Sklaven ziehen. Zum Beispiel der heilige
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Arbeit zitieren:
Anna Buhler, Alexandra Bonitz, Karolin Liebig, 2006, Voodoo - Schwarze Magie oder Hokuspokus?, München, GRIN Verlag GmbH
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