- 2 -
Einleitung 3
1 Kurzbiografie Paul Geheeb 4
2 Das Pädagogische Konzept der „alten“ Odenwaldschule 5
2.1 Koedukation 5
2.2 Das „Familiensystem“ 6
2.3 Die „Schulgemeinde“ 7
2.4 Das „offene Kurssystem“ und die Unterrichtsorganisation 7
3 Die Odenwaldschule im Nationalsozialismus 8
3.1 Die Odenwaldschule im Übergang 1933/34 8
3.1.1 Aufhebung der Koedukation und Erneuerung des
Lehrerkollegiums 9
3.1.2 Abschaffung des „Wartesystems“ und Verbot der
Schulschlie ßung 9
3.1.3 Veränderungen im Unterrichtsablauf ab Herbst 1933 10
3.1.4 Die Gleichschaltung der Vereinigung der deutschen
Landerziehungsheime. 11
3.2 Die „Gemeinschaft der Odenwaldschule“ 12
3.3 Die Jahre 1945/1946 13
4 Fazit 14
Literaturverzeichnis 16
Internetquellen 16
- 3 - Einleitung
Die 1910 gegründete Odenwaldschule zählte bereits 1920 zu den international bekanntesten reformpädagogischen Schulen Deutschlands. Der Begriff der Reformpädagogik konstituierte sich zu Beginn des 20. Jahr-hunderts und wird als eine Sammelbewegung zur Änderung von Erziehungsansätzen in Schule und Unterricht beschrieben. Eine starke Beeinflussung gab es mit anderen Bewegungen wie der Jugendbewegung, der Arbeiter- und Frauenbewegung und dem „Wandervogel“. Als wichtigste Zweige der Reformpädagogik etablierten sich in Deutschland die Arbeitsschule, die Einheitsschule und die Landerziehungsheime. Auf letztere möchte ich im Rahmen dieser Hausarbeit eingehen. Die Odenwaldschule zählte neben den „Lietz-Schulen“ und der „Freien Schulgemeinde Wi-ckersdorf“ zu der Landerziehungsheimbewegung. Diese Schule versuchte sich, wie auch andere reformpädagogische Schulen, vom Staat zu lösen, um allen sozialen Schichten eine freie und humanistische Bildung zu ermöglichen. Daher musste sie zur Zeit des Nationalsozialismus in Konflikt mit dem Regime geraten. In meiner Hausarbeit werde ich diesen Konflikt näher erläutern und die in der Schule vorgenommenen Veränderungen während dieser Zeit aufzeigen. Dabei ist es wichtig auf den Gründer dieser Schule, ohne diesen es die Schule nicht gegeben hätte, näher einzugehen. Das Pädagogische Konzept unter der Schulleitung Geheebs wird im zweiten Kapitel behandelt. Dies ist notwendig, um die Anpassungen an das NS-Regime einschätzen zu können. Der Nationalsozialismus hatte auch auf Erziehung und Bildung einen verheerenden Einfluss. Das dritte Kapitel versucht die Veränderungen, denen sowohl Schüler und Lehrer unterworfen waren, darzulegen. Mit einem Fazit soll die Arbeit abschließen.
Aus Platzgründen wird in der Arbeit nicht auf die auf die Zeit der Reformpädagogik, die Pädagogik im Nationalsozialismus im Allgemeinen und den Aufbau der Odenwaldschule eingegangen.
- 4 - 1Kurzbiografie Paul Geheeb
Paul Albert Geheeb, der heute zu den bekanntesten deutschen Reformpädagogen des 20. Jahrhunderts zählt, wurde am 10. Oktober 1870 im thüringischen Geisa als Sohn des bekannten Moosforschers Adelbert Geheeb geboren (vgl. Näf 2006, S. 17). Schon früh lernten er und seine 9 Geschwister die zahlreiche Tier- und Pflanzenvielfalt durch die naturbegeisterten Eltern kennen. Mit 14 Jahren musste Paul Geheeb ein schweres Leid ertragen: den Tod seiner Mutter, die wie er selbst sagt „eine Persönlichkeit von ungewöhnlicher Geistes- und Herzensbildung war“ (Geheeb/Schäfer 1970, S. 33).
Nachdem er 1889 zunächst das Gymnasium in Eisenach abschloss, studierte er 20 Semester lang abwechselnd in Jena und Berlin Theologie, Philosophie, orientalische Sprachen, Naturwissenschaften sowie Psycho-und Neuropathologie. 1893 erhielt Geheeb sein Staatsexamen in Theologie. Anfang der 1890er Jahre lernte er Hermann Lietz kennen, welcher ebenso an der Philosophie Fichtes interessiert war. Gemeinsam, von jener Philosophie inspiriert, entwickelten sie Ideen, welche sie später in den gegründeten Landerziehungsheimen verwirklichen wollten (vgl. Geheeb/Schäfer 1970, S. 33-34).
In den Jahren zwischen 1893-1899 folgten immer wieder verschiedene praktische Tätigkeiten wie beispielsweise die Tätigkeit in den Kinderhorten verschiedener Berliner Arbeiterviertel (vgl. Priebe 2004, S.8). 1902 folgte er den Drängen seines Freundes Lietz, in dessen gegründeten Landerziehungsheim in Haubinda, mitzuarbeiten. Schließlich übernahm Geheeb 1904 die Leitung von diesem Landerziehungsheim (vgl. Geheeb/Schäfer 1970, S. 34).
Nach der Trennung von Lietz 1906, eröffnete Geheeb zusammen mit Gustav Wyneken, welcher ebenfalls ein Mitarbeiter des Landerziehungsheims in Haubinda war, am 1. September die „Freie Schulgemeinde Wickers-dorf“. Dort versuchte er erstmals seine Vorstellung von Koedukation zu verwirklichen (ebenda, S. 34). Doch schon 2,5 Jahre später hatten sich er
- 5 -und sein Mitdirekter Wyneken zerstritten und Geheeb zog sich aus der gemeinsamen Gründung zurück (vgl. Näf 2006, S. 61). 1909 heiratete er schließlich seine zweite Ehefrau Edith Cassirer, die ein-zige Tochter des Berliner Industriellen Max Cassirer. Am 17. April 1910 eröffnete er schließlich zusammen mit seiner Frau die Odenwaldschule in Ober-Hambach an der Bergstraße. Die Finanzierung der Schule wurde von Max Cassirer gewährleistet (ebenda, S. 63-66). Die Leitung der Schu-le hatte Geheeb bis zur seiner Emigration in die Schweiz im Jahre 1934 inne. Gemeinsam mit seiner Frau Edith, einigen Mitarbeitern und ca. 25 Schülern gründet er dort seine „Schule der Menschheit“ - die Ecole d´Humanité. Sitz der Schule ist nach dreimaligem Umzug 1946 Gol-dern/Schweiz. Mit 82 Jahren steht Paul Geheeb auf der Anwärterliste für den Friedensnobelpreis und erhält 1960 seine Ehrenpromotion an der U-niversität Tübingen. Am 1.05.1961 stirbt der Reformpädagoge in Goldern in der Schweiz (vgl. Priebe 2004, S. 8).
2 Das Pädagogische Konzept der „alten“ Odenwaldschule
Die pädagogischen Vorstellungen des Gründers der Odenwaldschule vor der Machtergreifung der Nazis im Jahre 1933 werden schließlich im folgenden Kapitel näher erläutert.
2.1 Koedukation
Während Hermann Lietz in seinen ersten Landerziehungsheimen nur Jungen aufnahm, war es für Geheeb selbstverständlich Jungen und Mädchen zusammen zu erziehen. Zu Zeiten Geheebs stand man dieser Erziehungs-form noch ablehnend gegenüber.
Für Geheeb gab es jedoch klare Motive, um die Erziehungsform zu rechtfertigen. So war für ihn die Koedukation etwas Natürliches und Notwendiges in Hinblick auf die Herausbildung einer individuellen Persönlichkeit und der Entfaltung einer „gesunden“ Beziehung zum anderen Geschlecht. Auch der Unterricht erhielt eine enorme Bereicherung durch die Koeduka-
Arbeit zitieren:
Rebecca Foth, 2009, Reformpädagogik im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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